TEST: JBL Soundgear BTA - Wearable Wireless Sound als neue Spezies des Hörens?

JBL Soundgear BTA 3

Nun ist es soweit: JBLs "Soundgear BTA" für "Wearable Wireless Sound" ist nun von uns getestet worden, die Ergebnisse lesen Sie im folgenden Bericht. 

Soundgear BTA wird für 229 EUR angeboten und ist in schwarzer Variante verfügbar. Das JBL-Tool wird einfach um den Hals gelegt, in das Wearable sind entsprechende Lautsprecher-Chassis integriert. 

JBL Soundgear BTA 5

Nach den Anschalten wird die Bluetooth-Taste gedrückt, die Kopplung mit dem Smartphone ist schnell und problemlos 

Wir packen Soundgear aus und legen den Lautsprecher um den Hals. Durch das relativ geringe Gewicht ist es wirklich kaum zu spüren, auch bei längerem Tragen nicht. Die Materialqualität ist gut, wenngleich unserer Meinung nach das Wearable noch etwas weicher und anschmiegsamer unten sein könnte. Unangenehm fällt die gummierte Oberfläche aber nicht auf. 

Den Haupt-Vorzug im ungewöhnlichen Konzept sieht JBL auch darin, dass man, anders als mit Kopfhörer auf dem Kopf, seine Umgebung noch praktisch in vollem Umfang wahrnehmen kann, und das funktioniert, wenn man die Lautstärke nicht zu hoch einstellt, auch ohne Probleme. Man sollte sich aber darüber im Klaren sein, dass Soundgear zwar eine vielleicht als authentischer empfundene Räumlichkeit im Vergleich zum Kopfhörer bieten kann, aber keinen vergleichbaren Bassbereich. Richtig satte, tiefe Bässe kann Soundgear systembedingt nicht präsentieren. 

Der eingebaute Akku hält durchschnittliche sechs Stunden, nach zwei Stunden am Stromnetz ist er wieder aufgeladen. Soundgear nimmt über Bluetooth Verbindung zum Smartphone oder Tablet auf und kann mittels des beiliegenden Bluetooth-Adapters auch in Verbindung mit dem TV verwendet werden.

JBL Soundgear BTA 8

Bluetooth-Adapter

JBL Soundgear BTA 9

Umschalter für den gewählten Anschluss

JBL Soundgear BTA 10

Anschlüsse

So ist eine bequeme BT-Verbindung zum Fernseher realisierbar, sehr praktisch. Voraussetzung ist entweder ein (meist vorhandener) optischer Ausgang beim TV oder ein analoger AUX-Ausgang. Musik und Anrufe können selbstverständlich gesteuert werden, ohne dass es nötig wird, den Soundgear abzunehmen. Zwei Geräte, z.B. Notebook und Smartphone, können parallel mit dem Soundgear gekoppelt sein, das haben wir in der Praxis ausprobiert. 

In Verbindung mit einer VR-Brille, zur akustischen Untermalung von Virtual Reality-Inhalten, kann man Soundgear natürlich auch verwenden. 

Eingebaut ist auch ein Dual-Mikro für Konferenzschaltungen - arbeitsbedingte Telefonate und Telefonkonferenzen lassen sich demnach auch erledigen. Dank einer cleveren Schaltung, die störende Echo-Effekte weitestgehend eliminiert, sind Telefonate in ausgezeichneter Qualität möglich, behauptet JBL.

In der Praxis erweist sich die Freisprecheinrichtung als gut gelungen. Man versteht den Gesprächspartner beim Telefonieren gut und wird auch selber problemlos verstanden. Derjenige, der über Soundgear telefoniert, nimmt die Stimme des anderen sehr räumlich, aber leicht belegt wahr. Zu störendem Rauschen kommt es kaum. 

Wie weiter oben schon erwähnt, ist die parallele Kopplung mit zwei Devices möglich: Man kann unterbrechungsfrei zwischen BT-Devices hin- und herschauten, so kann man, wenn man beim Video anschauen mit Ton auf dem Tablet plötzlich einen Anruf auf dem Smartphone erhält, gleich aufs Smartphone umschalten und über diese Verbindung telefonieren.

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Bedienelemente

JBL Soundgear BTA 4

Im Detail

JBL Soundgear BTA 7

Geladen wird über Micro USB

Verbaut sind 4 x 31 mm Membrane, Frequenzen zwischen 100 Hz und 20 kHz gibt Soundgear wieder. Die Nennleistung gibt JBL mit 2 x 3 Watt an, den maximalen Schalldruckpegel mit 111 dB. Der Lithium-Ionen-Polymer-Akku fasst 800 mAh (3,7V). Soundgear wiegt 350 Gramm und setzt auf die Bluetooth-Version 4.0. In der Verpackung sind neben dem Soundgear enthalten:

JBL Soundgear BTA 11

Diverse Kabel werden mitgeliefert

Der BTA20 Bluetooth-Transmitter, zwei Ladekabel, ein optisches Kabel und ein 3,5 mm Audiokabel (analog). Jetzt werden wir überprüfen, wie sich JBLs Soundgear in der akustischen Testpraxis schlägt. 

Klang

Beim Trailer zu Transformers 5, zugespielt von YouTube, erzielt der Soundgear ein recht klares Klangbild mit guter Auflösung. Stimmen sind tadellos verständlich, natürlich kann man keinen enormen Tiefgang im Bassbereich erwarten. Was positiv auffällt, ist die sehr gute Räumlichkeit, die uns wahrhaftig überrascht hat. Verschiedene Ebenen von Effekten differenziert der Soundgear Nackenlautsprecher prima auseinander. Der Music Score kommt ordentlich heraus, wirkt aber etwas zu sehr im Hintergrund, während Stimmen im Sinne guter Verständlichkeit fokussiert werden. Bei unserem Test-Gerät war, wenn kein Signal anliegt, Grundrauschen hörbar. 

Der Trailer zu Jurassic World 2 - Das Gefallene Königreich zeigt leise wie auch vehemente Sequenzen. Der Dynamikumfang ist für ein so kleines Gerät ordentlich. Die Geräusche der Dinosaurier gibt der Soundgear Lautsprecher überraschend klar wieder. Wer es mit dem Pegel übertreibt, bekommt Verzerrungen im Bassbereich, die für eine Minderung der Klarheit sorgen. Wer mit normalem Pegel hört, kann sich nicht beschweren und erhält sozusagen "Filmspass direkt im Hals". Auffällig ist, wie bequem sich der Soundgear tragen lässt. Man spürt ihn nicht wirklich, vielleicht empfinden das Menschen von eher zarter Statur mit dünnerem Hals aber anders. 

Weiter geht es mit dem Trailer zum neuen Spielberg-Movie "Ready Player One". Hier überzeugt uns der Soundgear wieder mit der sehr guten Verständlichkeit bei der Stimmwiedergabe.Der Music Score kommt gut zur Geltung, auch die Differenzierung zwischen Stimmen, Musik und Effekten gelingt recht überzeugend. Die dichte Räumlichkeit, die gleichzeitig den Hörer nicht überfordert, ist Hauptmerkmal des Soundgear. Der Hochtonbereich, weiterer Vorzug, ist nicht bedeckt, sondern gut duschhörbar, aber gleichzeitig nicht aggressiv. 

Bei Musik-Dateien mit höherem Dynamikumfang muss man etwas mit dem Pegel aufpassen. So bei Diana Kralls "Desperado"-Version in Flac 48 kHz/24-Bit. Zwar kann der volle Umfang über die BT-Verbindung ohnehin nicht übertragen werden, aber bei dieser sehr guten Aufnahme schlägt der Soundgear bei höherer Lautstärke im Bassbereich schon mal durch. Setzt man die Lautstärke etwas herab, punktet JBLs Tool auch hier wieder mit ausgeprägter Räumlichkeit und einer Stimmwiedergabe, die besser als erwartet ist. Das Klavier kommt gut heraus, was die Temperatur betrifft, die Anschlagdynamik der Tasten ist aber praktisch nicht wahrnehmbar.

Das Problem, dass es im Bassbereich fehlt, merken wir auch bei "Rise Up" von Yves Larock. Zwar wird der Rhythmus nachvollziehbar dargestellt, aber JBLs Soundgear kann richtig tiefe Frequenzen nicht darstellen. Das unterscheidet ihn klar von einem Kopfhörer, und liegt am ganz anderen konzeptionellen Ansatz begründet. Räumlichkeit und Stimmwiedergabe bieten kaum Ansatz zu ernster Kritik.

Weiter geht es mit "You Owe Me" von den Chainsmokers. Die sehr gute Stimmverständlichkeit ist wieder hervorzuheben. Die gesamte Wiedergabequalität dieses diesmal von Spotify gestreiften Tracks gefällt uns diesmal ausgesprochen gut. Klar, die Schwäche im Bassbereich ist auch hier hörbar, stört aber nicht wirklich. Den speziellen Rhythmus arbeitet Soundgear gefällig heraus, die dynamischen Unterschiede werden recht glaubwürdig dargestellt. 

"Unforgettable" (Alle Farben Remix) von Robin Schulz & Marc Scibilia liegt dem Soundgear ebenfalls. Hier wird der Aufbau des Remixes nachvollziehbar dargeboten, der relaxte Rhythmus wird korrekt erfasst. Kleinere Effekte und die vokalen Elemente werden homogen miteinander verbunden. JBLs Wearable schafft es bei diesem Titel, eine überraschend dichte Gesamtatmosphäre aufzubauen. Das Zusammenspiel aller akustischen Elemente in nahtloser, trotzdem nicht oberflächlicher Form gelingt gut. 

Fazit

JBL Soundgear BTA 1

JBLs Soundgear bietet, ebenso wie der Soundwear Companion von Bose, einen neuen konzeptionellen Ansatz, wie man Musik, Filmton und andere mediale Inhalte  genießen kann. Ob sich dieser Ansatz durchsetzen kann, ist unserer Meinung nach derzeit noch nicht absehbar.

Dass Soundgear aber ein praktisches, insgesamt gut klingendes Tool für den Gadget-Fan ist, möchten wir nicht bestreiten. Der Nackenlautsprecher ist recht leicht und sehr angenehm und komfortabel zu tragen, auch über längere Zeit. Am wohlsten fühlt sich Soundgear bei etwas gemäßigter Lautstärke.

Dann kommt die dichte Räumlichkeit bereits gut heraus, und der Bass wirkt durch die gelungene DSP-Abstimmung recht fundiert. Hier wird in bestimmten Frequenzbereichen durch DSP-Processing Volumen dazu addiert, um den fehlenden Tiefgang in der subjektiven Wahrnehmung etwas zu kompensieren. Bei höherem Pegel gelingt das nicht mehr so überzeugend, und es wird deutlich, dass es an Basswucht "untenherum" fehlt.

JBL sollte sich ferner noch dem zumindest bei unserem Testgerät vorhandenen Grundrauschen annehmen. Die empfehlenswerte Freisprecheinrichtung, die parallele Kopplung von zwei Devices mittels Bluetooth und der praktische Bluetooth-Adapter für die Verwendung des Soundgear zusammen mit dem TV sind weitere Pluspunkte des Soundgear BTA. Der Preis geht für die Performance in Ordnung.

Neuer konzeptioneller Ansatz, ordentliche Qualität: Für Technik-Fans ist JBLs Soundgear eine Überlegung Wert
ausgezeichnet
Test 28. März 2018

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 28. März 2018

 

 

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