TEST: JBL Playlist – aktiver Streaming-Lautsprecher mit Google Chromacast

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Ein wahres akustisches Streaming-Multitalent vom erstklassigen Markenhersteller, mit Google Chromecast, das Ganze für schlappe 179 EUR: Der JBL Playlist ist endlich zum Test eingetroffen und schickt sich an, den Markt für drahtlose Streaming-Lautsprecher gehörig durcheinander zu bringen. Musik-Streaming einfach gemacht: Zum Beispiel von Spotify, Google Play Music oder Podcasts, dank der „Google Home“ App ist man hinsichtlich des Streamings von Inhalten sehr flexibel unterwegs. Immer mehr Online-basierte Music Streaming Services unterstützen Google Chromecast. Als wir nachgeschaut haben, fanden wir z.B. Deezer, 7digital Musik und Juke. Natürlich wird auch Spotify unterstützt, bei „verfügbare Geräte“ wird unser JBL Playlist direkt aufgelistet, ohne Schwierigkeiten findet die Verbindung statt.  „Qualitativ hochwertiger 96 kHz/24-Bit-Sound direkt aus der Cloud“, verspricht JBL. Bevor wir diesen allerdings genießen können, muss der Playlist-Lautsprecher eingerichtet werden. 

Einrichtung

Google Home App 1

Erforderlich: Google Home-App. Gibt es auch im Apple-Store

Google Home App 2

Wichtig: Bei der Installation auf Apple iOS-basierten Devices wie iPhone oder iPad muss auch Bluetooth aktiviert sein

Google Home App 3

Lautsprecher ist verbunden – zunächst mittels Bluetooth

Google Home App 4

Nun erfolgt die Verbindung mit dem WLAN in mehreren Schritten

Google Home App 5

Auswahl der Region/des Landes

Google Home App 6

Nutzungsbedingungen

Google Home App 7

Auswahl des WLAN-Netzwerks

Google Home App 8

Es ist möglich, einen eigenen Namen zu vergeben, was sehr hilfreich in Mehrzonen-Audio-Setups mit mehreren Lautsprechern ist

Google Home App 10

WLAN-Verbindung

Google Home App 11

Herstellen der Verbindung

Google Home App 12

Wer schon ein Google-Konto besitzt, kann sich nun anmelden

Google Home App 13

Praktisch – in Apps, die für Chromecast optimiert wurden, findet sich das „Cast“ Symbol für einfaches Handling

Google Home App 14

Beispiel-Clips von Google Play Music, Tune In, Deezer

Google Home App 15

Geräte verwalten

Google Home App 16

Auswahl

Google Home App 17

Spotify-Wiedergabe

Was kann man zu Google Chromecast sagen? Nachdem wir vor kurzem den Arcam rPlay mit dts Play-Fi getestet haben, sehen wir nun eine zweite, komplett „vorgefertige“ App für Multiroom-Audio. Früher haben praktisch alle Hersteller für ihren Multiroom-Audio-fähigen Gerätepark eine eigene App gemacht, heute sind zwei Bereiche zu differenzieren: Hersteller wie Yamaha (MusicCast), Sonos, Raumfeld, Heos by Denon oder Bose machen noch selbst eine App zur Steuerung der Devices, andere Hersteller greifen auf Plattformen wie eben dts Pay-Fi, Link Play oder Google Chromecast zurück. Wie auch dts Play-Fi ist Chromecast optisch schlicht und verständlich gehalten, keine unnötigen Spielereien lenken vom Wesentlichen ab. 

Allerdings – es gibt derzeit keine Möglichkeit, mittels Chromecast die auf dem jeweiligen Smartphone gespeicherte Musik über den Lautsprecher wiederzugeben, sofern es sich um ein iOS-Gerät handelt. Bei Android sieht es dank Apps wie Google Home oder HiFi Cast anders aus . Möchten wir die Musik vom iPhone über den Playlist-Lautsprecher wiedergeben, müssen wir die Bluetooth-Verbindung wählen, soll dieses Projekt funktionieren. 

Insgesamt halten wir Chromecast keinesfalls für so konkkurenzlos gut, wie es Herausgeber Google sieht. Klar, alles geht einfach vonstatten, Chromecast gibt keine Rätsel auf – aber das ist auch bei anderen Apps wie Yamahas MusicCast oder dem direkten Konkurrenz-Produkt Play-Fi von dts der Fall. Chromecast als reines Cloud-Modul halten wir für problematisch, weil der Anwender gern auch die auf dem Tablet oder Smartphone gespeicherte Musik wiedergeben möchte. Klar, der Playlist hat zu diesem Zweck auch Bluetooth, wäre dies aber nicht der Fall, wären die Einsatzmöglichkeiten zu eingeschränkt. Besonderheiten in positiver Sicht suchen wir bei Chromecast jedenfalls vergeblich. Play-Fi von dts gefällt uns aktuell aufgrund der größeren Flexibilität besser. 

Verarbeitung und technische Daten

JBL-Playlist-Rueckseite-Seitlich2

Rückseite

JBL-Playlist-Tieftoener

Basstreiber

JBL-Playlist-Detail-Front

JBL-Logo

JBL-Playlist-Bedienelemente-Oberseite

Bedienelemente, beleuchtet, in Touch-Form

 

Der JBL Playlist ist mit 179 EUR nicht zu teuer kalkuliert. Extreme Noblesse sucht man hinsichtlich der Materialqualität daher vergeblich. Alles ist zwar mit kleinen Spaltmaßen sauber zusammengesteckt, aber das Stoffgitter vorn und der Hartplastik-Rücken wecken keine Begeisterungsstürme. Die Formgebung ist so, dass der Playlist-Lautsprecher nirgendwo optisch stört. Damit er auch gut zum jeweiligen Interieur passt, gibt es ihn nicht nur in schwarzer, sondern auch in blauer und in weißer Version. 

JBL-Playlist-Anschluesse

Anschlüsse

Wie sieht es mit den technischen Daten zum JBL Playlist aus? Für ordentlich Kraft im Bassbereich sollen 2 x 57 mm Tieftöner sorgen, die Nennleistung wird mit 2 x 15 Watt angegeben, das ist absolut ausreichend. Frequenzen (bei +/- 6 dB) zwischen 60 Hz und 20 kHz werden vom Playlist dargestellt. 1.120 Gramm wiegt der aktive Streaming-Lautsprecher, er ist 316 mm breit, 147 mm tief und 131 mm hoch. Als Bluetooth-Version kommt das noch recht aktuelle 4.2 zum Einsatz. Der JBL Playlist unterstützt Dualband-WLAN (2,4 und 5 GHz), als Standards werden IEEE 802.11 b/g/n/ac unterstützt. Hier gibt es nichts zu bemängeln. Im Ruhezustand verbraucht der Playlist 2,0 Watt pro Stunde. Wer noch ganz konventionell einen älteren Musicplayer anschließen möchte, freut sich über den 3,5 mm Klinkenanschluss. 

Klang

Sicher, für knapp 180 EUR kann man keinesfalls akustische Höhenflüge der Sonderklasse erwarten. Aber eine solide Grundversorgung sollte schon offeriert werden. Der Playlist-Lautsprecher schießt im positiven Sinne weit über alle Erwartungen heraus. Schon bei der Präsentation zahlreicher Spotify-Titel beweist er eine überraschend akustische Souveränität, eine ausgezeichnete Pegelfestigkeit und eine enorme Räumlichkeit. 

Wir starten mit „Land Of Confusion“ in der Version von Disturbed. Kraftvoller Bass, weitläufige Gesamtwiedergabe und das gelassene Erreichen enormer Pegel kennzeichnen den Playlist. Er bringt überdies nicht nur Krach zustande, sondern sichert auch allzeit klare Strukturen und eine ordentliche Trennung der Stimme von den Instrumenten. Die E-Gitarre ertönt mit Schwung – die Dynamik ist außerordentlich gut und JBL macht damit den hauseigenen reinen Bluetooth-Lautsprechern wie Flip 4 oder Charge 3 massiv Konkurrenz. Glück nur für die BT-Speaker, dass sie über einen Akku verfügen, der dem Playlist-Lautsprecher fehlt, und überdies wasserfest sind. Man merkt, dass Playlist für die Multiroom Audio-Anwendungen zu Hause gedacht ist und daher andere Schwerpunkte setzt. Da der Lautsprecher aber recht kompakt ist, würde sich eine Variante mit eingebautem Akku ebenfalls anbieten, um den möglichen Einsatzbereich noch zu erweitern. 

Für einen Lautsprecher dieser Größe und Preisklasse kaum noch zu verbessern ist der Klang bei „Over The Hills And Far Away“ von Nightwish. Die überragende Dynamik, der insgesamt satte, nachdrückliche Sound und die wirklich ordentliche Auflösung sind dafür verantwortlich, dass man keine Kritikpunkte finden kann. Der Klang ist auch bei deutlich gehobener Lautstärke angenehm, weder zu monoton noch zu schrill. Dass der Bass richtig Punch hat, ist „eine Seite der Medaille“. Auf der anderen Seite ist er aber auch präzise. Der JBL Playlist ist ohne Schwierigkeiten in der Lage, zwei parallel stattfindende Bassereignisse gekonnt auseinander zu differenzieren, was vielen aktiven Streaming-/Bluetooth-Lautsprechern in dieser Geräte-Klasse oftmals schwer fällt. 

Wie hört sich „Dance With Me“ von Felix Jaehn im Remix von Sebastien an? Hier beweist uns der JBL-Speaker, dass er auch bei aktueller Club-Music keine Berührungsängste kennt. Kraftvoll und mit erstaunlich üppiger räumlicher Ausbreitung schafft der kleine Multiroom Audio-Aktivlautsprecher eine so komplette Wiedergabe, dass man nur überrascht sein kann. 

„Connected“ von ATB mit dem Klavier-Klängen zu Beginn präsentiert der Playlist sehr lebendig: Mit sauberer Herausarbeitung der elektronischen Effekte und einem klaren, nie störenden Hochtonbereich schafft er sich viele Freunde. Wechsel innerhalb der dynamischen Strukturen werden impulstreu umgesetzt – ohne Zweifel merkt man, wie viel Erfahrung, auch mit präziser DSP-Anpassung, von JBL in diesem kleinen Streaming-Lautsprecher steckt. Es zeigt sich beim ATB-Track auch, dass die tonale Auslegung so gut getroffen ist, dass es kaum noch besser geht: Angenehm, aber nicht fade, komplett, ja, sogar auf gewisse Weise kultiviert. Auch für JBL-Verhältnisse – und man ist hier einen hohen Standards gewohnt – stellt der Playlist einen Volltreffer dar. 

Völlig problemlos verbindet sich der JBL Playlist mit unserem Apple iPhone 7 Plus über Bluetooth. „I Belong To You“ von Eros Ramazzotti und Anastacia wird kraftvoll und emotional wiedergegeben. Sehr schön kommen die Stimmen heraus, prima wird das Klavier dargestellt. Wir sind ein weiteres Mal sehr angetan, wie erwachsen und vielschichtig der JBL-Speaker aufspielt. Keine Spur von einem ärmlichen, vordergründigen Klang – man ist beinahe geneigt, festzustellen, dass sich der Playlist in kleinen Wohnzimmern als „Hauptbeschallungs-Quelle“ eignet, einen normalen und nicht enorm hohen akustischen Anspruch des Besitzers vorausgesetzt. 

„Don’t Be So Shy“, ein Klassiker der 80er Jahre von Moti Special, legt die zahlreichen Talente des Playlist ebenfalls offen. Klar, dynamisch, mit Nachdruck – da bleibt kaum ein Wunsch unerfüllt. Die tadellose Ausdruckskraft der Stimme fällt ein weiteres Mal auf, der Bass hat Substanz sowie Struktur. Auch als im Einsatz als Bluetooth-Aktivlautsprecher beweist der JBL demnach Klasse und setzt sich akustisch deutlich gegenüber praktisch allen Konkurrenten durch. Er gefällt jugendlichen wie auch gesetzteren Anwendern gleichermaßen, da er aus klanglicher Sicht einfach nichts falsch macht: Kein zu dominanter Bass, gleichzeitig aber ist der tieffrequente Bereich kräftig genug, um auch bei House&Club-Tracks zu punkten, oder bei „West End Girls“ von den Pet Shop Boys. Der Tiefgang ist fürs doch recht kleine Gehäuse richtig gut, und der Spaß beim Hören bleibt bei keinem getesteten Stück aus. 

Konkurrenzvergleich

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  • JBL Flip 4: Für 139 EUR UVP liefert JBL auch beim Flip 4 einen eindrucksvolle Kompetenzbeweis. Kraftvoller Klang, sehr gute Bass-Performance, dynamisch, prima Pegelfestigkeit, zudem wasserfest und robust. Mit dem Flip 4 als täglichen Begleiter macht man nichts falsch. Beim Einsatz zu Hause, wo unser Playlist ja hingehört, hat der Flip 4 keine Chance gegen den mit 179 EUR teureren „Bruder“ – weniger wegen Google Chromecast, als vielmehr wegen dem noch kräftigeren, noch klareren Sound mit feinerer Auflösung. Auch die Pegelfestigkeit ist besser. 

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  • Panasonic SC-ALL6: Schickes Device, das auf der Qualcomm AllPlay-Plattform basiert, deren Zukunft in den Sternen steht. Trotzdem: Für 299 EUR ist der SC-ALL6 ein wohlfeiles Angebot mit einfacher Bedienung und der Möglichkeit, z.B. zwei ALL6 in einem Mehrkanal-Setup als Surrounds einzusetzen. Natürlich kann man mit der immer wieder optimierten Panasonic App die Musik, die auf dem Smartphone oder Tablet vorhanden ist, wiedergeben, auch Bluetooth Re-Streaming ist möglich. Nun aber das große „Aber“: Akustisch zieht der JBL Playlist den SC-ALL6 klar „über den Tisch“. Klarheit, Auflösung, Räumlichkeit – die Dominanz des JBL ist erdrückend. 

Teufel Raumfeld One S Front Seitlich1

  • Teufel Raumfeld One S: Schick und cool kommt der One S daher, kokettiert mit enorm gutem Klang – kein Wunder: Satte 50 Watt Leistung sind eine Ansage. Top-App, zuverlässig und probemlos, nun aber ein Kritikpunkt: Bluetooth gibt es nicht, das ist schade. Klanglich auf Augenhöhe mit dem JBL, teurer, aber etwas wertiger daher kommend. 

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  • Yamaha WX-30: Der problemlose und preisgünstige Yamaha-Speaker ist ein Rundum-Sorglos-Paket ohne Schwächen. Bluetooth ist vorhanden, die Music Cast App-Funktioniert top und bietet alle wichtigen Funktionen. Der WX-30 ist gut verarbeitet und klingt prima – aber der Playlist geht einfach noch besser. Höhere Pegel, mehr Dynamik – am JBL-Ass kommt derzeit aus akustischer Sicht keiner vorbei. 

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  • Da ist noch so ein Klang-Champion: Die Canton Musicbox S ist sehr edel verarbeitet, klingt feinfühlig und gleichzeitig räumlich-nachdrücklich. Es handelt sich um einen reinen Bluetooth-Speaker ohne Streaming-Funktion, der für die enorme Noblesse mit 299 EUR nicht zu teuer geraten ist. Klanglich aber ist der Playlist dem schmucken Hessen auf den Fersen – zum kleinen Preis. 
Fazit
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Klare Sache – mit formidabler Akustik und Mini-Kaufpreis in Anbetracht des Kaufpreises holt sich der JBL-Speaker verdient eine Preisklassen-Referenz. Der Playlist deklassiert die Konkurrenz, zieht souverän an 300 EUR Konkurrenten vorbei – er begeistert Jung und Alt mit seiner kultivierten, kraftvollen Spielweise. Überhaupt nicht an dieser Top-Wertung beteiligt ist Google Chromecast. In der derzeitigen Version nichts Besonderes, nichts extrem Gutes – purer Durchschnitt, zudem kann man keinen Musik-Content vom iPhone oder iPad wiedergeben. 

„Akustischer Hammer“ – der JBL Playlist setzt sich souverän gegen fast doppelt so teure Konkurrenten durch
preisklassenreferenz
Streaming-/Bluetooth-Lautsprecher bis 300 EUR
Test 02. Juni 2017

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 02. Juni 2017 




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