TEST: DVB-T/DVB-T2-Antenne One For All SV 9395

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Das klassische Antennenfernsehen bekommt in Deutschland eine neue Chance: Bereits ab 2016 sollen in vielen Regionen auch mehrere HDTV-Programme nach dem neuen DVB-T2-Standard mit HEVC/H.265-Kompression ausgestrahlt werden. Erste Tests laufen bereits u.a. in Berlin.

Ganz so einfach wie es die Werbebezeichnung „Überallfernsehen“ vermuten lässt, ist bereits der bisherige DVB-T-Empfang allerdings nicht. Während auf dem Lande oft größere Distanzen zu den Senderstandorten vorhanden sind, erschwert in den Ballungsräumen trotz unmittelbarer Sendernähe oft die großstädtische Bebauung und Gebäudekonstruktion den Empfang. Anlass genug, einmal eine klassische Zimmer-Antenne für den DVB-T/DVB-T2-Empfang unter die Lupe zu nehmen.

Die SV 9395 ist das Flagschiff der DVB-T-Antennen von One for All. Sie ist im Handel zu Preisen um die 40 EUR erhältlich und wird mit einem externen Antennenverstärker ausgeliefert. Dieser ist in vier Stufen regelbar und wird von einem kompakten 6V-Netzteil mit Strom versorgt. Eine Stromversorgung über die 5V-Antennenspannung entsprechend ausgestatteter Fernseher ist nicht möglich. Am Verstärker befindet sich eine Standard-Eingangsbuchse und ein Standard-Antennenkabel, so dass der Verstärker auch mit anderen Antennen einsetzbar ist. Am Verstärker gibt es noch einen Ein/Aus-Schalter und die vier Stufen werden über Touchelemente gesteuert. Leider werden die Einstellungen beim Ausschalten des Verstärkers nicht gespeichert sondern auf die niedrigste Stufe zurückgestellt. Ein weiterer Kritikpunkt: Das Anschlusskabel der Antenne ist recht dünn und direkt mit dem Gehäuse verbunden. Eine Koax-Buchse direkt in der Antenne würde es ermöglichen, Koaxialkabel mit massiverem Innenleiter und besserer Schirmung anzuschließen.

Einfache DVB-T-Antennen lassen sich mit recht wenig Aufwand selbst konstruieren. Im Internet findet man dafür zahlreiche Anleitungen. Wenn man sich eine Antenne kauft, sollte diese daher auch einen wirklichen Mehrwert bieten. Daher wurden für den Test zum Vergleich die Empfangsergebnisse mit einer klassischen Bi Quad-Antenne sowie einer Doppel Bi Quad-Antenne mit zwei Doppelelementen herangezogen, die jeweils für den 600 MHz-Bereich optimiert sind. Mit einer simplen Stabantenne war am Empfangsort im Innenraum trotz gerade einmal 6 km Distanz zum nächsten Sender kein stabiler DVB-T-Empfang möglich.

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Die Antennen wurden jeweils auf die bestmögliche Position ausgerichtet und zunächst ohne Verstärker genutzt. Während die Eigenkonstruktionen beim Empfang von ortsnahen 50 und 20 kW-Sendern mit hohen Frequenzen über 700 MHz minimal stärkere Signale als die One for All erreichten, zeigte die SV 9395 ihre Stärken vor allem im Frequenzbereich von 500-700 MHz. Das ist positiv, weil die Antenne damit bereits für den Frequenzbereich optimiert ist, der für DVB-T2 genutzt wird, während das 700 MHz-Band an den Mobilfunk gehen soll. Ein LTE/UMTS-Filter ist in die Antenne bereits eingebaut und trotz eines aktiven Mobilfunksenders in ca. 300 m Entfernung zeigten sich beim TV-Empfang keine Störungen.

Interessant waren die Empfangsleistungen der vom Hersteller für einen Bereich von maximal 25 km Sendedistanz ausgelegten SV 9395 vor allem beim Empfang weiter entfernter Sender. Hier gelang es trotz ungünstiger Tal-Lage, einen 50 kW-Sender aus ca. 80 km Entfernung stabil zu empfangen, der mit den anderen Antennen bislang unentdeckt blieb. Dieser Empfang wurde zunächst ohne aktiven Verstärker realisiert. Oft sind solche Antennenverstärker primär dazu geeignet, den Leitungsverlust über längere Distanzen auszugleichen, bringen aber nicht unbedingt auch bei kurzen Kabelverbindungen etwas. Der One for All-Verstärker produziert hier deutlich bessere Ergebnisse.

Mit angeschlossenem Verstärker stieg die Signalqualität der SV 9395-Antenne immerhin noch einmal um ca. 11 Prozentpunkte. Dabei zeigte sich der beste Empfang auf der zweiten Verstärker-Stufe während die Signalqualität einiger Sender in der höchsten Stufe etwas zurückgeht, worauf bereits in der Bedienungsanleitung hingewiesen wird. Denn selbst der beste Verstärker kann bei schwachem Signal nicht viel mehr als nur Rauschen verstärken.

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Die Multi-Patch-Konstruktion der SV9395 soll einen omnidirektionalen 360°-Empfang ermöglichen. Hat man im Raum eine Stelle mit gutem Empfang gefunden, so zeigen sich in der Tat beim Drehen der Antenne nur leichte Veränderungen und oft ist selbst flach liegend ein sauberer Empfang möglich.

Trotzdem ist eine leichte Richtwirkung vorhanden: Horizontal ausgestrahlte Sender waren in der Standard-Position mit dem Kabel nach oben/unten besser zu empfangen und vertikal ausgestrahlte Sender mit dem Kabel zur Seite. Die entsprechende Ausrichtung der Antenne brachte gerade bei den Sendern in größerer Entfernung Empfangsverbesserungen. Deswegen ist es generell bei DVB-T-Antennen wichtig, zu wissen, ob die Sender ihre Programme horizontal oder vertikal ausstrahlen worüber man z.B. in der Sender-Tabelle auf www.ukwtv.de Informationen findet.

Die flache Konstruktion ermöglicht viele individuelle Aufbaumöglichkeiten und erleichtert den Transport. Auf der Rückseite sind auch Öffnungen für eine Wandmontage vorhanden. Die mitgelieferten Mini-Standfüsse geben der Antenne allerdings nur sehr wenig Halt.

Wer die Richtwirkung in aussichtslosen Situationen verstärken will, sollte prüfen, ob eine etwas größere Metallfläche in ca. 11-13 cm Abstand hinter der Antenne den Empfang verbessert. Dies sorgt dafür, dass ein Teil des Signals zur Antenne reflektiert wird und kann den Empfang noch einmal um ca. 10-20 % verbessern. Zum Ausprobieren reicht bereits ein Backblech aus.

 

Fazit

Die One For All SV 9395 ist für den DVB-T/DVB-T2-Empfang auch unter nicht optimalen Empfangsbedingungen geeignet und lässt sich sehr flexibel ausrichten. Mit kleinen Antennen ist Empfangsoptimierung oft Millimeterarbeit. Aufgrund der großen Antennenfläche ist die One for All SV 9395 meist auf keine perfekte Ausrichtung angewiesen, was bei der Installation an der Wand oder Regalen von Vorteil ist.

Die Empfangsergebnisse gehen deutlich über die vom Hersteller versprochenen Distanzen hinaus. Der Antennenverstärker bietet unter schlechten Empfangsbedinungen noch einmal eine Empfangsverbesserung.

Da der Verstärker nicht ins Gehäuse integriert ist, kann man ihn auch mit anderen Antennen nutzen oder auch bei gutem Empfang auf ihn verzichten. Leider ist keine 5V-Antennenspannungsversorgung möglich und auch die Einstellungen des Verstärkers werden beim Ausschalten nicht gespeichert.


Test: 9. April 2014

+ Sehr gute Empfangseigenschaften inbesondere unterhalb 700 MHz
+ Auch mit ungenauer Ausrichtung guter Empfang, teilweise sogar liegend

– Wackelige Standfußkonstruktion
– Keine optionale 5V-Verstärker-Spannungsversorgung direkt über den Fernseher
– Verstärker merkt sich eingestellte Stufe nicht nach Ausschalten




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