TEST: Clint L1 – DAB+/FM-Radio mit Bluetooth im Retro-Design für 119 EUR

Clint L1 Front Seitlich3

Wer ein kompaktes Tischradio im klassischen Format sucht, kann sich für 119 EUR das dänische Clint L1 kaufen. Neben konventionellem FM-Tuner ist auch DAB+ an Bord, wer Musik drahtlos vom Tablet oder Smartphone streamen möchte, kann dies dank der Bluetooth-Funktion tun. Das gut verarbeitete Radio besitzt verschiedene EQ-Felder: Normal, Klassik, Jazz, Pop, Rock, Rede sowie „Mein EQ“: Hier kann man die Lautstärke, die Höhen und die Bässe selber einstellen. Von den vordefinierten Feldern sind Rock und Klassik gut zu gebrauchen, während Jazz und Rede nicht zu empfehlen sind. „Pop“ ist irgendwo in der Mitte, richtig ausgewogen ist das Ergebnis aber nicht. Die Bedienung mittels der insgesamt 10 identisch großen Tasten vorn und den beiden darüber liegenden Drehreglern, beschriftet mit „Volume“ und „Select“, ist beinahe intuitiv. Das Display ist für die Preisklasse prima, die Übersetzung ins Deutsche („Equaliser“, „Hilfseingang…“) ist nicht immer perfekt gelungen. Das Radio verfügt über vergleichsweise beschauliche 7 Watt Ausgangsleistung, aber für Pegel-Orgien ist das L1 auch bestimmt nicht gedacht. 

Clint L1 Bedienelemente Front

10 identische Tasten, darüber zwei Drehregler – leicht verständliches Layout

Clint L1 Display

Display, prima für die Preisklasse

Ausstattung, Materialqualität, Verarbeitung – für 119 EUR kann man dem Clint F1 nichts vorwerfen. Auch Alarmfunktion (2 Wecker getrennt einstellbar) und Sleep-Timer (15/30/45/60/90 Minuten) sind an Bord. Uhrzeit und Datum stellen sich automatisch ein. 

Clint L1 Rueckseite Seitlich2

Rückseite

Clint L1 Bassreflexrohr Anschluesse

3,5 mm Miniklinkeneingang, 12 V-Anschluss fürs externe Netzteil

Das mitgelieferte externe Netzteil ist nicht zu groß und wird hinten in die entsprechende Buchse gesteckt. Ferner findet sich auf der Rückseite, in unmittelbarer Nachbarschaft zur Netzteil-Buchse, ein 3,5 mm Miniklinken-Analogeingang.

Klang

Wir starten mit der Klanggüte im DAB+ Betrieb und hören mit dem „Rock DSP“ Antenne Bayern. Ed Sheerans „Photograph“ und Herbert Grönemeyers Demo“Letzter Tag“ hören sich recht homogen und klar an. Der Klang ist natürlich nicht übermäßig brillant im Hochtonbereich, aber dafür nicht spitz, sondern mit einer angenehmen, leicht zurückhaltenden Gesamtauslegung. Stimmen sind gut verständlich, und mit den maximal erreichbaren Pegeln kann man, zieht man in Betracht, dass es sich um ein Tischradio handelt, zufrieden sein. Aviciis „Hey Brother“ kann ebenfalls durch die recht harmonische Wiedergabe überzeugen. Überschäumende Ausbrüche im Bassbereich sollte man nicht erwarten, aber dafür hat man auch kein Tischradio, sondern eine ausgewachsene Anlage zu Hause stehen. Für die Hintergrundbeschallung, auch im Home Office oder im Gästezimmer, ist das Clint L1 auf jeden Fall sehr gut geeignet. Der DAB+ Empfang ist stabil, keine Artefakte stören, und somit erfüllt das L1 seinen Zweck ohne Fehl und Tadel. Die analoge FM-Anteilung realisiert bei starken Sendern auch einen beinahe rauschfreien Empfang und einen klaren Sound, allerdings ist die Sensitivität des analogen Tuners nur durchschnittlich.  

Nun koppeln wir unser Smartphone per Bluetooth und testen verschiedene Titel, um festzustellen, wie gut bei dieser Übertragungsform die Klangqualität ist. Hier starten wir mit dem Eraszre-Klassiker „Sometimes“ von 1985. Und höre da – das Clint L1 gefällt uns richtig gut. Kräftiger, mit mehr Substanz als bei der DAB+/FM-Radiowiedergabe, zweifelt man bereits, ob es nicht mehr als die versprochenen 7 Watt Maximalleistung sind. Gute Stimm-/Instrumentaltrennung, erstaunlich lebendiger Bass und eine ordentliche Räumlichkeit stehen auf der Haben-Seite. Kann das Clint L1 Radio auch bei „Left On My Own Devices“ von den Pet Shop Boys diesen Standard halten? Wir sind gespannt und starten durch. Klar, lebendig, mit sicherem Gespür für den Beat tritt der dänische Beitrag zum Thema Tischradio an und erfreut durch Basskraft, die man einem solchen Device niemals zugetraut hätte. Noch bessere Zensuren würde es dann später im Endfazit geben, wenn sich das L1 nicht urplötzlich einmal neu gestartet hätte. Wir gehen aber davon aus, dass es ein Einzelfall war und ziehen nicht wirklich viel vom Punktekonto ab. Auch beim Hit der Pet Shop Boys gefallen Räumlichkeit und Stimmwiedergabe, hier lässt das Clint L1 nichts anbrennen. Wechseln wir zum One-Hit-Wonder „Juliet“ von Robin Gibb. Der Anfang klingt richtig gut, der Bass dann minimal hohl, aber das Quellmaterial ist auch nicht eben brillant. Die relativ hohe Stimme des Sängers wird prima wiedergegeben, es zeigt sich, dass das Clint L1 generell mit 80er Jahre Musik ausgezeichnet zurecht kommt und sich in Anbetracht der Preisklasse keine ernste Schwäche erlaubt. 

Wie sieht es mit Titelsongs aus 007-Filmen aus? Hier starten wir durch mit Louis Armstrongs „We Have All The Time In The World“, aus dem Film „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“. Das akustische Ergebnis ist auch hier wieder sehr gut – gut oder durchschnittlich als Bewertung würde dem Clint L1 nicht gerecht. Die charakteristische Stimme des legendären Jazztrompeters und Sängers wird erstaunlich glaubwürdig herausgearbeitet, und auch die Instrumentierung stellt das dänische Radio solide dar. Nun folgt „Live And Let Die“ von Paul McCarntey & The Wings. Der Titelsong des Bond-Films „Leben und Sterben lassen“ wirkt sogar in Ansätzen richtig dynamisch und nicht nur oberflächlich und fade. Hier haben die Akustiker bei Clint ganze Arbeit geleistet, im Nahfeld macht das L1 Radio richtig Spaß und schafft überraschend hohe Pegel, ohne sich störende Verzerrungen zu leisten. Letzter 007-Track: Sheena Eastons „For Your Eyes Only“. Das emotional tiefe, vielschichtige Stück ist beileibe nicht das Material, welches für ein eher schlicht konstruiertes Radio wie das Clint L1 ausgelegt ist. Dachten wir – doch das Clint-Device versagt auch hier nicht. Dynamische Differenzen, sind sie nicht zu klein, werden anständig herausgearbeitet, und wieder einmal ist die Stimmwiedergabe ebenso tadellos wie der Bassbereich. 

Eine weitere Möglichkeit, sich zu beweisen, erhält das schmucke Radio im angedeuteten Retro-Design bei aktuellen Trance- und Club-Tracks. Den Anfang macht Ferry Corstens „Anahera“, ein imposanter, instrumentaler Titel mit vielschichtigen Effekten. Und selbst hier kämpft das Clint L1 nicht mit stumpfen Waffen: Lebendig und authentisch kommt der Anfang heraus, erst als sich dann der kräftige Bass darunter mischt, sollte man den Pegel etwas zurückfahren. Aber nur geringfügig. denn das L1 fängt sich schnell wieder und liefert eine souveräne Leistung ab, zieht man in Betracht, dass es sich um ein kleines Tischradio handelt, das gerade einmal 217 mm breit, 137 mm hoch und 130 mm tief ist. Wir lassen nun als zweiten Titel „San Francisco“ von Darius & Finlay and Tom Borijn folgen. Und wieder keine Schlappe, langsam wird es unheimlich. Verbirgt sich im kleinen Gehäuse ein echter „Clubber“? Nun, so weit würden wir nicht gehen, aber erstaunlich ist es schon, wie standhaft der Bass ist, wie gut die elektronischen Effekte im Raum verteilt werden und wie ordentlich die Stimme klingt. Das Topmodelz Remix des Danny Cotrell-Tracks „Be Happy“ beweist uns nun, dass auch schnelle, treibende Rhythmen das Clint L1 nicht aus der Ruhe bringen: Natürlich darf man im Bassbereich keinen optimalen Punch und keinen bestechenden Tiefgang erwarten, aber für ein so kompaktes Device geht es erstaunlich nachdrücklich zur Sache. Räumlichkeit im Nahfeld und Lebendigkeit können auch hier punkten. 

Fazit

Clint L1 Front Seitlich1

Das Clint L1 hat einen kurzen Namen – und sehr kurz ist auch unser Fazit: Fürs investierte Geld bei Bluetooth-Streaming eine Top-Leistung. Kräftig, lebendig, pegelfest, dazu räumlich und klar – reine Bluetooth-Lautsprecher dieser Preisliga leisten oft nicht mehr. Das Clint L1 hat noch einen guten DAB+ Tuner und einen akzeptablen FM-Tuner mit an Bord, sieht gut aus und ist ansprechend verarbeitet. Mehr kann man zu diesem Preis kaum erwarten. 

Erstaunlich klangstarkes, optisch schickes und preiswertes Bluetooth-Radio
ausgezeichnet
Radio mit BT-Funktion bis 200 EUR
Test 28. Oktober 2015

+ Kräftiger, runder Klang
+ Besonders beim Bluetooth-Streaming Pegelfreude und Räumlichkeit überzeugend
+ Gute Verarbeitung
+ Einfaches Handling
+ Fairer Kaufpreis

+ FM-Tuner nur Durchschnitt

 




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