TEST: Cambridge Audio Edge A - innovativer Stereo-Vollverstärker mit perfekter Verarbeitungsqualität

Der Cambridge Audio Edge A für 5.000 EUR ist ein Hightech-Stereo-Vollverstärker mit 2 x 200 W/4 Ohm, 2 x 100W/8 Ohm, der zum 50-jährigen Firmenjubiläum der britischen Firma auf der High End 2018 präsentiert wurde. 

Der Name "Edge" kommt nicht von ungefähr: Professor Gordon Edge ist einer der Gründer von Cambridge Audio und war der Initiator hinter Innovation und Design des ersten Cambridge Audio-Produktes vor 50 Jahren: Der integrierte Verstärker P40. Daher wurden die neuen Spitzenmodelle nach Herrn Edge benannt, der Cambridge Audio wesentlich prägte. Alle Design-, Forschungs- und Entwicklungsarbeiten wurden am Hauptsitz von Cambridge Audio in London durchgeführt. Nach drei Jahren intensiver Arbeit von einem 9-köpfigen Ingenieursteam wurde die Edge-Baureihe 2018 fertig. Und jetzt befindet sich der Edge A im Testraum, um uns von den zahlreichen Vorzügen auch in der Praxis zu überzeugen.

Sehr hochwertige Verarbeitungsqualität

Kopfhöreranschluss

Ansicht von oben

Logo

Seitliche Kühlrippen

Detail unten

Fernbedienung 

Optisch beeindrucken die sanften Rundungen an den Gehäuseecken, hier kommt kein "Me Too" Produkt daher. Der Edge A verbreitet enorme optische Eigenständigkeit. Dickes Aluminium, wohin das Auge schaut, hochwertig verarbeitete Geräte-Rückseiten mit exakt sitzenden Anschlüssen, große, haptisch erstklassige Lautstärke-Drehregler und ein innerer Aufbau wie aus dem Lehrbuch - hier wird ein Standard geboten, den zahlreiche nochmals teurere Konkurrenten nicht offerieren können. Seitlich stellen die sichtbaren Kühlrippen aus schwarz eloxiertem Aluminium zur Schau, dass der Edge A dazu geschaffen wurde, akustische Hochleistung bei nahezu jedem Pegel zu ermöglichen. Ein weiteres Beispiel für den enormen Aufwand stellt der Lautstärkedrehregler und die zur Lautstärkeregelung verwendeten Komponenten dar. 31 präzisionsgefräste Teile werden in Großbritannien von Hand zusammengesetzt - das Material, aus dem die Bauteile sind, kommt normalerweise in der Luftfahrt zum Einsatz.

Edler Lautstärke-Drehregler

Der Edge A hat eine komplett aufgeräumte Front, der Drehregler ist in zwei funktionale Ebenen gegliedert. Außen stellt man den Pegel ein, der zweite, weiter innen liegende Drehring mit speziell strukturierter Oberfläche ist für die Quellwahl zuständig: Entweder einer der drei analogen Eingänge, Bluetooth oder einer der fünf digitalen Eingänge inklusive USB-B kann so bequem&schnell angewählt werden. Ein Gedicht an Hochwertigkeit ist die im Lieferumfang enthaltene Metall-Fernbedienung. Ein eingravierter Cambridge-Schriftzug befindet sich oben, darunter in kreisrunder Form der größte Teil der Bedienelemente. Die Note im Zentrum des Kreises regelt den Spielbetrieb, wenn wir z.B. über Bluetooth Titel von Spotify zuspielen, dann bricht einmaliges Drücken die Wiedergabe ab, drücken wir erneut, wird die Wiedergabe fortgesetzt. 

Einzelne Bauteile des Lautstärkedrehreglers

Ein Beispiel für den enormen Aufwand stellt der Lautstärkedrehregler und die zur Lautstärkeregelung verwendeten Komponenten dar. 31 präzisionsgefräste Teile werden in Großbritannien von Hand zusammengesetzt - das Material, aus dem die Bauteile sind, kommt normalerweise in der Luftfahrt zum Einsatz.

Innerer Aufbau der Edge A

Platinen-Layout

Detailblick auf den großen Ringkerntransformator

Auch die neue Verstärker-Topologie ist kennzeichnend. Ziel war, die Klangqualität im Stil eines Class A-Verstärkers anbieten zu können, gleichzeitig aber effizienter und demnach mit weniger Verlustwärme zu arbeiten. Dafür wurde ein traditionelles Class AB Layout mit einer Verspannung versehen, um den Crossover-Punkt so zu verlagern, dass eine Verzerrung für das menschliche Gehör nicht mehr wahrnehmbar ist. So hat man enorme Leistung ohne störende Verzerrungen als Ergebnis. 

Durch das Stapeln der beiden Haupttransformatoren hintereinander wurden überdies magnetische Streufelder drastisch reduziert, störendes Brummen wurde praktisch eliminiert. Somit wächst bei jeder Lautstärke das Auflösungsvermögen.  Die neue Vorverstärker-Platine bringt eine DC-gekoppelte Topologie mit, die Verzerrungen effektiv verringert. Die "Solid State" Lautstärkeregelung ermöglicht eine perfekte Kanal-Balance bei jedem Lautstärke-Pegel. 

Rückseite

Hochwertigkeit dominiert auch auf der Rückseite

Cinch- und XLR-Terminals

Große Schraubanschlüsse fürs Lautsprecherkabel/die Bananenstecker

Weiteres modernes Merkmal: Die zahlreichen digitalen Eingänge. Koaxiale Digitalterminals, USB-Buchse und optische Digitalanschlüsse zählen dazu. Bis zu 32-Bit/384 kHz und bis zu DSD 256 können über USB-B 2.0 wiedergegeben werden. Bluetooth inlusive aptX (bis 48 kHz/24-Bit) gehört auch zum Verbindungs-Sortiment des Edge A. 

Gelungener Auftritt bislang - nun stellt sich die Frage nach der Klanggüte

Insgesamt überzeugt uns der 24,5 kg wiegende Cambridge Audio Edge A durch exzellente Verarbeitungs- und Materialqualität und durch die edle Optik. Das Layout innen passt perfekt zum Eindruck außen, und die moderne sowie exzellent ausgeführte Anschlussbestückung ist ein weiterer Vorzug des Gerätes, das mit vielen exklusiven Cambridge-Technologien ausgestattet ist.  Wer noch mehr erfahren möchte - hier geht es zur Produkt-Seite bei Cambridge Audio

Klang

Wir starten mit zahlreichen Titeln, die wir von Tidal in Tidal-Master-Qualität zuspielen. "Faded von Alan Walker klingt sehr fundiert, mit toller Bühne gleich von Beginn an. Die Stimme kommt exzellent raus, räumlich dicht, mit tollem Feingefühl, und das Basfundament ist schlicht sensationell: In Verbindung mit der Canton Reference 5 K steht hier Kraft in Hülle und Fülle bereit, zudem findet auch eine akkurate Differenzierung im Bassbereich statt. Was die Pegelfestigkeit angeht, so kann man mittels des perfekt zur Hand liegenden Lautstärkedrehregler auch ruhig hohe Lautstärkeregionen aufsuchen, ohne hörbare Verzerrungen macht sich der Edge A mit vorbildlicher Impulstreue ans Wert.

Die Trennung zwischen Stimme und Instrumenten gelingt auch bei hohem Pegel exzellent. Die vokalen Komponenten überzeugen durch filigran gezogene Konturen, während der Bass souverän auftritt und auch im Hörraum über 30 Quadratmeter noch extrem nachdrücklich agiert. Bei "Darkside", ebenfalls vom Album "Different World" zeigt der Edge A erneut seine besondere Stärke: Nämlich einerseits die feine, präzise Herausarbeitung von Details im Hochtonbereich und auf der anderen Seite das Bereitstellen eines fülligen, kräftigen Basses. 

Bei "Time To say Goodbye" von Sarah Brightman und Andrea Bocelli gefällt uns schon das Intro besonders gut. Jedes akustische Element befindet sich an genau der richtigen Position im virtuellen Raum, der mit üppigem, zugleich sauber gestaffelten Volumen auffällt. Der Aufbau des Stückes mit der Stimme von Sarah gelingt herausragend, auch bei diesem Titel hören wir wieder eine sehr dynamische, klare vokale Präsenz heraus. Natürlich sind wir sehr gespannt, ob auch Andreas Stimme dieses Qualitätsniveau besitzt.

Und wir können mitteilen, dass sich der Edge A nicht nur keine Blöße gibt, sondern glänzen kann: Nicht nur, dass die vokalen Elemente überragend ins tonale Gesamtgefüge eingearbeitet werden, auch die Betonung kleiner stimmtypischer Details managt der Cambridge Audio-Vollverstärker in überzeugender Manier. Das solide Bassfundament, stets spür- und hörbar, trifft auf eine sehr runde, feine Wiedergabe der Instrumente, insbesondere der Streicher. Der Edge A schafft viel Atmosphäre, der Zuhörer hat den Eindruck, tief ins akustische Geschehen eintauchen zu können. Bei "Viva Per Lei", gesungen von Andrea Bocelli und Georgia, punktet der britische Klangkünstler mit identischen Talenten: Dieses Maß an Emotionalität, das der Edge A mit einer beeindruckenden Gelassenheit bereitstellt, ist es, was auch akustische Kenner am Vollverstärker lieben werden.

Diese Wiedergabe zieht innerhalb kürzester Zeit auch eher nüchterne Zeitgenossen in ihren Bann. So dicht, umfassend, rund, und doch detailreich: Hier werden Gegensätze auf einem hohen Level miteinander vereint. Das Schlagzeug kommt mit exakter Kontur und einem glaubwürdigen Nachdruck heraus, die gesamte musikalische Kulisse wird weitläufig und zugleich mit einer beachtlichen räumlichen Tiefe präsentiert.

Wir setzen fort mit "Operator" aus Diana Kralls "Wallflower" Album. Mit passender Temperatur und klar nachvollziehbarer Anschlagdynamik startet das Klavier. Da passt es perfekt, dass sich Dianas charakteristische Stimme sauber von den Lautsprechern löst und sich lebendig im Raum verteilt. Der Rhythmus beeindruckt durch die Impulstreue, der Zuhörer bekommt das Gefühl vermittelt, dass Diana, schließt er die Augen, auf einer Bühne direkt im Hörraum auftritt. Insgesamt zeigt der Edge A eine akustisch bei dieser Aufnahme leicht ins Warme tendierende, sehr angenehme, fürs Langzeit-Hören exzellent geeignete Auslegung. Analytische, nüchterne, kühle Klänge sind dem Briten fremd. Die Canton Reference 5 K, die wir verwenden, gibt neutral und natürlich wieder, daher können wir die Charakteristik des Edge A gut nachvollziehen.

Wir hören den Titelsong des gleichnamigen Diana Krall-Albums, "Look Of Love" und fühlen uns gleich zu Beginn an von der Musik gefesselt. Das liegt wieder am überragend dichten räumlichen Gefühl, das den Zuhörer sofort in die Darbietung integriert. Der Klang scheint nicht aus den Boxen zu kommen, sondern sich in Form eines dicht gewobenen Teppichs im Hörraum auszubreiten. Diese Art der Wiedergabe ändert aber nichts daran, dass sich der Edge A auch als präziser Klangaufbereiter versteht: Jedes Element sitzt genau dort, wo es hingehört. Die Trennung der Stimme von den Instrumenten schafft der Vollverstärker auch bei diesem Stück wieder souverän. Der Piano-Part wird mit fein dosierter Anschlagdynamik und akkuraten Konturen präsentiert. 

Nun wird es kräftiger und nachdrücklicher. Bei "It's My Life" von Bon Jovi kann der Edge A aber nicht völlig die nur durchschnittliche Güte des Quellmaterials verleugnen. Der Klang ist gerade bei hoher Lautstärke undifferenziert und in den oberen Mitten zu stark betont. Klar, Kraft und Substanz sind auch hier vorhanden. Für audiophile Gourmets eignet sich die Darbietung aber nicht, was zeigt: Es geht dem Edge A trotz des bereits erwähnten leicht warmen Klangbilds schon darum, genau wiederzugeben, was im Quellmaterial enthalten ist. Und dass die Qualität der Quelle hier nicht begeistert, registriert der Hörer sofort. 

Da wechseln wir lieber zu Lenny Kravitz "it ain't over til it's over", wo der Edge A aufgrund des qualitativ besseren Quellmaterials gleich wieder beweisen möchte, was möglich ist: Kräftige vokale Präsenz, die das volle Spektrum von Lennys Stimme verdeutlicht, eine klare Differenzierung der einzelnen musikalischen Elemente, eine souveräner Sound auch bei stark gehobenem Pegel und eine umfassende Räumlichkeit. Wechsel im Rhythmus kommen sofort heraus, hier erweisen sich die Endstufen des Edge A als sehr reaktionsfreudig.

Wichtig wäre noch, anzumerken, dass sich der Edge A im Betrieb schon deutlich erwärmt, man sollte den edlen britischen Verstärker daher nicht ohne "Luft zum Atmen" in ein Rack "einpferchen". Gerade bei "Fly Away", unserem zweiten Kravitz-Titel, macht es viel Freude, den Vollverstärker "von der Leine zu lassen", denn er schiebt bei hohem Pegel mit Nachdruck an und sorgt für den lebendigen Charme des Titels. Die E-Gitarre stellt der Edge A mit der gebotenen Fetzigkeit heraus, ohne das Maß an Aggressivität zu übertreiben. Daher kann man bei enormem Pegel immer noch hören, ohne dass das Nervenkostüm über Gebühr belastet wird. 

Die 2016 neu gemasterte Version des Phil Collins-Klassikers "I Wish It Would Rain Down" überzeugt bei der Wiedergabe mit enormer Lebendigkeit, einem kräftigen Fundament und einer sehr gut eingebunden Stimme. Die Stimme hat in sich eine große Dynamik, bei sehr hohem Pegel ändert sich die sonst sehr kontrollierte Auslegung etwas, und ein leicht schriller Unterton der in dieser Hinsicht etwas kritischen Aufnahme mischt sich dazu. Hier zeigt sich wieder, dass der Edge A potentielle Schwächen des Quellmaterials durchaus verdeutlicht, und nicht gewillt ist, die Präsentation in irgendeiner Hinsicht zu verfälschen. 

Richtig Gas geben möchten wir natürlich auch noch und hören uns vom Server "Remember Me" von A.I.D.A. (CD-Qualität) einen facettenreichen Trance-Song an. Und hier stellen die Endstufen des Edge A sofort umafangreiche Kraftreserven bereit: Der harte Bass, der aber auch eine recht tief nach unten reichende Komponente beinhaltet, wird akkurat übertragen. Der Aufbau des Tracks gelingt dem Edge A überzeugend, und man sollte schon ziemlich hoch belastbare Lautsprecher verwenden, denn sonst überfordern die angelieferten Mengen an Energie die Schallwandler in kürzester Zeit.

Bei "Push The Limits" von Enigma im ATB Remix zieht der Edge A gleich wieder alle Register seines Könnens. Wir lassen einfach weiter laufen, denn auch als "Party Machine" eignet sich der noble Vollverstärker blendend. Über längere Hörzeiten hält er, ohne auch nur im geringsten "einzuknicken", sein enormes Leistungspotential, man kann durchaus mit 70 bis 80 Prozent der maximal mö

Die räumliche Ausbreitung ist immens, aber gleichzeitig glaubwürdig. Und mit einer Mischung aus Club-House und kubanischer Lebensfreude geht es weiter "Cubano" von Picco schiebt mit einer Macht an, die auf unbedarfte Zeitgenossen schon fast bedrohlich wirken könnte. Massiv, aber präzise, mit einer immer noch vorhandenen Trennung der unterschiedlichen akustischen Ebenen - der Edge A brennt ein Feuerwerk ab, das den Fan aktueller Club-Musik sehr freuen dürfte und lässt es auch nicht an Tiefgang im Frequenzkeller missen. Wir schließen unsere Dance- und Club-orientierte Spotify-Bluetooth-Testsequenz mit "Das Boot 2018" im Mix von DJ Quicksilver, und der schnelle Beat wird impulstreu und mit einer wieder unnachgiebigen Härte im Bassbereich in den Hörraum geschleudert. Anders kann man es kaum ausdrücken, denn der Schub kommt unvermittelt, direkt und heftig. 

Fazit

Passend zum Firmenjubiläum wurde der Edge A Vollverstärker präsentiert, und er setzt tatsächlich einen neuen Meilenstein in der Unternehmenshistorie. Schon optisch beeindruckt uns das luxuriöse Gerät mit höchst akkurat gearbeiteten Aluminium-Profilen mit hoher Wandstärke und einem aus dem Vollen gefrästen zentralen Drehregler, der zwei Aufgaben erfüllt: Lautstärkeregelung sowie Quellwahl. Der imposante Aufbau innen und die massive mitgelieferte Fernbedienung sprechen ebenso für den Edge A. Akustisch liefert der Vollverstärker Bestwerte bei Pegelfestigkeit, Räumlichkeit und Stimmwiedergabe. Er lässt den Zuhörer aber nie im Unklaren darüber, wie es um die Güte des Quellmaterials bestellt ist. Gut, wenn das Ausgangsmaterial zur nur in 320kbit/s vorliegt, aber prinzipiell ordentlich abgemischt ist, klingt der Edge A ebenso grandios wie bei Hi-Res-Material. Aber wenn, ganz gleich, ob Low-Res oder Hi-Res, das schon ältere Quellmaterial einen leicht blechernen Einschlag hat, so hört man diesen auch heraus. Nicht weiter schlimm, befinden wir, nur authentisch und ehrlich - denn Quellen in tadelloser Güte gibt er mit einem herausragenden dynamischen Umfang und erstklassiger Impulstreue wieder. Kurzum: Uns hat der Edge A tief beeindruckt, auch die moderne Anschlussauswahl unter anderem mit Bluetooth und USB-B. 

Edler Stereo-Vollverstärker mit fabelhafter Verarbeitungsqualität und erlesenem Klang

Stereo-Verstärker Luxusklasse
01. März 2019

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Philipp Kind
Datum: 01. März 2019

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