TEST: beyerdynamic FOX - Edles Streaming-Mikrofon mit Allround-Talent?

Mit dem FOX stellt beyerdynamic ein neues Mikrofon vor, dass mit ausgezeichneten Aufnahmequalitäten und gleichzeitig einem sehr guten Preis-/Leistungsverhältnis überzeugen möchte. Im Fokus stehen hier klar Streaming-Applikationen, wie z.B. Twitch, aber durch seine diversen Einstellmöglichkeiten ist das FOX durchaus auch als kompakte multifunktionale All-in-One-Lösung zu verwenden, die sowohl bei Musik- als auch Sprachaufnahmen wie Podcasts o.Ä. hervorragende Qualität bieten soll. Es handelt sich beim FOX um ein USB-Mikrofon, ein komplexer Aufbau ist also nicht erforderlich. Weiterhin ist über einen Adapter sogar der Anschluss am Handy möglich. Als Großmembranmikrofon mit bis zu 24 Bit bei 96 kHz Sampling Rate bewirbt Beyerdynamic hier allerdings nicht nur komfortable und vielseitige Nutzungsmöglichkeiten, sondern auch Studioqualität bei der Aufnahme. Ob das für 179 EUR UVP erhältliche FOX mit Nierencharakteristik diese Ansprüche erfüllt, lesen Sie hier.

FOX ohne Pop-Schutz

Detailaufnahme

FOX-Mikro oben

Das Mikrofon erweckt schon beim Auspacken einen sehr guten Eindruck, insbesondere was die Materialqualität des Gehäuses betrifft. Dieses ist zu einem großen Teil aus Metall gefertigt, was sich beim Gewicht von 500g klar niederschlägt. Einzig die Bedienelemente und der mitgelieferte Standfuß sind aus Kunststoff, wobei der Standfuß unten ebenfalls gummiert ist und so ein Rutschen verhindert. Insgesamt wirkt das FOX dementsprechend hochwertig verarbeitet und macht bereits vor der eigentlichen Benutzung einen guten Eindruck.

Vorne am Mikrofon befinden sich der Mute-Knopf, mit dem die Signalaufnahme sofort „stumm geschaltet“ werden kann, ein 3,5mm-Klinkenanschluss für Kopfhörer und außerdem zwei Drehregler. Der untere ist für die direkte Regelung der Kopfhörer-Lautstärke, der obere ist der sogenannte Monitormischregler. Dieser dient dazu, die Signale vom Computer (oder vom Smartphone) und von der Aufnahme zu regulieren. Möchte man nur das Signal vom Computer hören, so dreht man den Regler komplett nach links. Ist der Regler ganz rechts, so hört man das momentane Aufnahmesignal, also bspw. sich selbst, wenn man etwas ins Mikrofon hineinspricht. Nach unserer Beurteilung geschieht dies, und das wirkt sich sehr positiv aus, latenzfrei, man hört das Aufnahmesignal also ohne weitere Verzögerung. Mit dem Monitormischregler kann man die beiden Signale mischen, sodass sie für die Aufnahme ausgewogen sind. Anfangs waren die beiden Drehregler etwas schwergängig zu betätigen, nach etwas „Eindrehen“ allerdings sind sie angenehm zu bedienen und laufen rund. Der integrierte Kopfhöreranschluss im Mikrofon ist natürlich ebenfalls praktisch.

Mute-Button, Regler und Kopfhörereingang

An der Rückseite finden wir zum einen den Gain-Schalter, mit dem man die Empfindlichkeit des Mikrofons einstellen kann. Man kann dabei wählen zwischen „High“ und „Low“ Gain, also hoher und niedriger Empfindlichkeit. Beyerdynamic empfiehlt dabei, bei lauten Tonquellen und bei wenig Abstand zum Mikrofon eine niedrige Empfindlichkeit zu verwenden. Sitzen z.B. bei der Podcastaufnahme die Gesprächsteilnehmer etwas weiter weg, empfiehlt sich die hohe Empfindlichkeitseinstellung. Grundsätzlich ist die strikte Unterteilung in High und Low Gain eine sehr simple und einleuchtende Lösung für den Benutzer. Eine stufenlose Regelung per Drehregler bietet dem Anwender natürlich noch mehr Möglichkeiten. Mit zwei festen wählbaren Einstellungen kann ein software-seitiges Nachjustieren am Aufnahme-PC/Notebook notwendig sein.

Gain-Schalter und USB-C Anschluss

Das mitgelieferte Kabel könnte etwas länger ausfallen

Unter dem Empfindlichkeitsregler ist der USB-C-Anschluss des FOX, an den das mitgelieferte USB-C-Kabel angeschlossen wird, um es mit dem PC zu verbinden. Problematisch sein kann hier die Position des Anschlusses, denn das Mikrofon wird typischerweise am mitgelierten Standfuß befestigt und kann dann nach hinten geneigt werden. Das Kabel jedoch verhindert eine sehr weite Neigung, da es sich ebenfalls an der Rückseite befindet und somit mit dem Standfuß kollidiert. Bei der Verwendung am Schreibtisch sollte dies aber keinerlei Probleme bereiten, da eine derartige Neigung nicht praxisgerecht ist. Ebenfalls nicht unbedingt praxisgerecht ist das mitgelieferte Kabel. Dies ist nur einen Meter lang und selbst bei der Nutzung direkt am Computertisch kann dies je nach Setup eng werden. Die Verwendung eines eigenen längeren Kabels ist natürich möglich.

Am Standfuß montiert wird das FOX durch das sich unten befindliche Gewinde. Sehr einfach gestaltet sich dies jedoch nicht, da dafür der sich im Fuß befindliche Adapter geöffnet werden muss und das Mikrofon nicht einfach darauf festgedreht werden kann. Die Mechanik ist außerdem darauf ausgelegt, mit einer Münze oder einem Schlitzschraubenzieher befestigt zu werden. Falls man bei spontanen Aufnahmen keinen zur Hand hat, oder die Schraube (wie anfangs bei uns) sehr fest eingedreht ist, müsste man sich unserer Vorangehensweise behelfen: Wir öffnen den Adapter, an dem das Mikrofon auch geneigt wird, halten die Schraube mit unserem Daumen fest und drehen das FOX darauf ein. Ist es einmal eingedreht, können wir allerdings berichten, dass das Ganze eine sehr stabile Konstruktion ist, bei der das Mikrofon kaum wackelt und fest im Fuß verankert ist. Die Schraube unten am Fuß kann im Übrigen auch aufgedreht werden, wodurch sich das Mikrofon zusammen mit dem Adapter mit einem anderen Stativ verwenden lässt. Eine Verwendung mit Mikrofonspinne ist hingegen aufgrund der Anordnung der Bedienelemente und Regler nicht möglich.

Zu guter Letzt klemmen wir noch den mitgelieferten Popschutz an der Vorderseite an und wir können mit dem Test der Aufnahmequalität fortfahren. Zusammenfassend sei an dieser Stelle allerdings noch einmal erwähnt, dass das FOX sowohl bei der hochwertigen Verarbeitungsqualität als auch bei der mitgelieferten Ausstattung wie Popschutz und Tischstativ überzeugt.

Aufnahmequalität

Zunächst machen wir einen kurzen Musiktest. Wir verfahren hier praxisorientiert im Sinne einer spontanen Aufnahme. Es handelt sich hier nicht um ein Recording in einem Musikstudio unter professionellen Bedingungen, sondern einer kleinen Spieleinlage im Wohnzimmer mit einem Klavierflügel und einer Gitarre. Am besten hat sich hier die Low-Gain-Einstellung möglichst nahe an den Instrumenten gezeigt. Das FOX übersteuert hierbei nicht und fängt die Akustik sehr ordentlich ein. Das Klavier ertönt klar und klingt nicht verzerrt, gleiches gilt für die Gitarre. Natürlich ist nicht mit herausragender Studioqualität zu rechnen, zum einen aufgrund der Raumbedingungen, zum anderen gibt es für den jeweiligen Einsatzzweck spezifische Mikrofone, deren Preise im dreistelligen Bereich noch nicht aufhören. Wie in der Gebrauchsanweisung beschrieben, ist es hier auch nach unserem Eindruck am besten, sich nahe am Instrument aufzuhalten und aufgrund der Lautstärke auf niedrigen Gain zu setzen. Bei der hohen Gain-Einstellung stellen wir teilweise eine starke Übersteuerung fest. Entfernt man sich etwas von der Musikquelle, so ist der hohe Gain zwar besser geeignet, allerdings ist so die Musik auch nicht mehr so klar und detailliert zu hören, außerdem beginnt die Aufnahme, je nach Raumbedingungen, zu hallen.

Weiterhin haben wir ein paar Sprechtests durchgeführt, um die allgemeine Lautstärke und Qualität der Aufnahme zu überprüfen. Beim Einsprechen, bspw. eines Textes für ein Video hat sich ebenfalls die Empfehlung von beyerdynamic bewahrheitet. Man sollte sich für die niedrige Gain-Einstellung entscheiden und das Mikrofon zusammen mit Popschutz direkt vor das Gesicht halten und dann den Text einsprechen. In unserem Fall klang eine Empfindlichkeit von 75 (Software) mit Low Gain am besten. Hier war dann die Stimme klar und deutlich hörbar und es kam durch den Windschutz auch nicht zu unangenehmen Störgeräuschen wie Pop-Luftstöße bei Labiallauten. Auch ein Übersteuern kommt dabei nicht zustande. Bei 100 Empfindlichkeit oder dem Wechsel auf High Gain können diese Dinge durchaus entstehen, hierbei muss schlichtweg jeder Nutzer für sich herausfinden, welche Konfiguration für ihn in seiner Umgebung optimal ist.

Besonders hervorheben sollte man hier die Prominenz der Stimme im Vergleich zum Eigenrauschen. Dieses ist nämlich, zumindest bei unseren Einstellungen nur extrem schwach vertreten, auch ohne künstliche Rauschunterdrückung durch ein Audiobearbeitungsprogramm im Nachhinein. An dieser Stelle können wir dem FOX großes Lob aussprechen, welches sich dadurch perfekt für Offtexte bei bspw. Youtube-Videos oder auch die Aufnahme von Podcasts und Twitchstreams anbietet. Falls man es mit der Empfindlichkeit übertreibt, ist natürlich ein Rauschen zu hören, an diesem Punkt klingt aber auch die Aufnahme nicht mehr annehmbar und man sollte lieber an den Empfindlichkeitseinstellungen oder der Entfernung zum Mikrofon etwas verändern.

Geräusche, die hinter dem Mikrofon entstehen, werden durch die Nierencharakteristik effektiv ausgeblendet. Natürlich werden auch dort laute Geräusche nicht gänzlich entfernt, aber gerade bei Low Gain sind Laute, die weiter weg entstehen, kaum bis gar nicht mehr wahrzunehmen.

Apropos Nebengeräusche: Nachdem das FOX auf einem festen Standfuß befestigt ist und über keine flexible Aufhängung verfügt, können bei starkem Wackeln des Tisches geringfügige Gehäusegeräusche hörbar werden. Für gewöhnlich ist dies aber nicht der Fall, da die Konstruktion mit dem mitgelieferten Standfuß sehr stabil ist, außer man stößt wirklich direkt ans Mikrofon. Auch die Drehregler und der Mute-Knopf vorne geben ein leichtes Klicken in der Aufnahme von sich. Dies ist typisch für Mikrofone, bei denen direkt Einstellungen am Gehäuse vorgenommen werden und nicht sehr störend, sollte aber dennoch erwähnt werden.

Auch für die komfortable Kommunikation über VoIP-Programme eignet sich das FOX wunderbar. Man stelle es schlichtweg vor sich auf den Tisch und nehme die High-Gain-Konfiguration und schon ist man in einer tollen Qualität für den Gesprächspartner hörbar. Über die Audioeinstellungen in unserem gewählten Programm (Discord) lassen sich dann auch Nebengeräusche wie Mausklicken und das Tippen auf der Tastatur wunderbar ausblenden.

Fazit

beyerdynamic FOX

Ob eine spontane Musikaufnahme, einen Text einsprechen, einen Livestream mit hoher Sprachqualität starten, oder auch nur zum gelegentlichen Führen einer Konversation bei der Besprechung des nächsten Overwatch-Matches. Das beyerdynamic FOX ist ein wirklich gelungener Allrounder, der vor allem durch seine rauscharme Aufnahmequalität ohne Zweifel zu überzeugen weiß. Gerade für die Videoproduktion mit Offtext oder zum Podcasten und Live-Streaming dürfte das FOX bei den Kunden Zuspruch finden, zumal es eine hohe Sprachqualität bietet, ohne den Anwender in hohe finanzielle Unkosten zu stürzen. Natürlich kann nicht professionelle Studioqualität für z.B. Instrumentalaufnahmen erwartet werden, wie oben bereits erwähnt wurde, ist dort aber auch eine andere Preisklasse gefragt. Das mitgelieferte USB-Kabel könnte zwar etwas länger sein, allerdings ist das Gesamtpaket mit dem enthaltenen Standfuß und Windschutz sowie die edle materielle Verarbeitung eine Empfehlung wert.

beyerdynamic FOX: Edle Verarbeitung, rauscharme Aufnahme und multifunktionaler Einsatzbereich

26.12.2018

 

Test: Michael Kind
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 26.12.2018

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