TEST: Auna Bluetooth-Kopfhörer/Bluetooth-Speaker „Urban Chameleon“ – Talentierter Verwandlungskünstler?

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Es gibt Bluetooth-Lautsprecher wie den sprichwörtlichen „Sand am Meer“, und auch das Sortiment an Bluetooth-Kopfhörern „wächst und gedeiht“. Zeit für ein ungewöhnliches Experiment, findet Auna, Direktvertreiber aus Berlin. Wieso sollte man nicht das ultimativ flexible Tool auf den Markt bringen. Die Idee klingt schon leicht gewagt: Im 54,99 EUR kostenden Auna Urban Chameleon wird ein Bluetooth-Over-Ear-Kopfhörer mit einem Bluetooth-Lautsprecher kombiniert. Wie geht das? Ganz einfach die Plastikabdeckungen der Verpackung von den Außenseiten der beiden Ohrmuscheln entfernen, schon sieht man dort 2 Breitband-Chassis, die für eine entsprechende Beschallung sorgen. Bluetooth 3.0 plus EDR ist ebenso an Bord wie eine Freisprecheinrichtung.

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Mitgelieferte Kabel: 3,5 mm Miniklinke, USB-Kabel zum Aufladen

Der mittels Micro USB-Kabel aufladbare 100 mAh-Lithium-Ionen-Akku liefert satte 25 Betriebsstunden im Kopfhörerbetrieb und ordentliche drei Stunden „Saft“ für den mehr Energie benötigenden Lautsprecher-Modus. 

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Kopfband mit Auna-Schriftzug

Der Kopfhörer weist 32 Ohm Impedanz auf, der maximale Schalldruckpegel beträgt 109 dB bei +/- 3 dB. Die Leistung liegt bei 100 mW, der darstellbare Frequenzbereich liegt laut Herstellerangaben bei 20 Hz bis 20 kHz. Eine Noise Reduction Funktion (kein vollwertiges Noise Cancelling) soll Umgebungslärm reduzieren. Das gelingt sehr gut in der Praxis, man hat im Wesentlichen seine Rune, wenn man auch bei durchaus lebhaften Außengeräuschen mit dem Urban Chameleon Musik hören möchte. 

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Lautsprecher außen an den Ohrmuscheln

Die Lautsprecher außen an den Ohrmuscheln liefern 3 Watt Leistung, die Impedanz beträgt 4 Ohm, der Schalldruckpegel, der maximal möglich ist, beträgt 81 dB (+/- 3 dB). Der darstellbare Frequenzbereich geht von 160 Hz bis 20 kHz. 

Es werden die Bluetooth-Protokolle HSP, HFP, A2DP sowie AVRCP unterstützt. Damit eignet sich der Urban Chameleon für unterschiedliche Bluetooth-Devices wie Tablets, Smartphones oder auch Computer. 

Die Freisprecheinrichtung (Anruf annehmen: Power-Taste kurz drücken, hält man die Taste bei eingehendem Anruf 2 Sekunden gedrückt, wird der Anruf abgelehnt) liefert, zieht man den günstigen Kaufpreis mit ins Kalkül, gute Leistungen ab. Derjenige, der den Urban Chameleon auf dem Kopf hat, versteht den Gesprächspartner sehr gut, nur leicht belegt wirkt die Stimme. Der Gesprächspartner hat ebenfalls keine Schwierigkeiten, den über die Auna-Freisprecheinrichtung Kommunizierenden zu verstehen. Hier also eine prima Performance, die sich vor teureren Kontrahenten nicht verstecken muss. 

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Ohrmuschel mit Bedienelementen

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Kombitaste: Ein-/Ausschalten, Bluetooth-Kooplung, Play/Pause-Betrieb

Man steuert den Auna-Kopfhörer über drei Tasten an der rechten Ohrmuschel. Ein vierter Button kümmert sich ums Umschalten zwischen Speaker- und Kopfhörer-Betrieb. Man kann den Kopfhörer dank des mitgelieferten 3,5 mm Miniklinkenkabels auch ganz normal als kabelgebundenes Headphone verwenden. Somit bietet der Urban Chameleon wirklich ein Höchstmaß an Flexibilität. Die Verarbeitung ist ordentlich, allerdings wirkt die Polsterung des Kopfbandes wenig hochwertig. Doch wir zeigen Verständnis, irgendwie muss sich der günstige Kaufpreis schließlich darstellen lassen. Der Klappmechanismus sorgt dafür, dass man den Urban Chameleon Platz sparend zusammenfalten kann. Dann braucht er wirklich nicht viel Raum. Die Ohrmuscheln sind innen und außen gut verarbeitet, die soliden Metallgitter über den Breitbandchassis gefallen uns gut.

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Verstellmechanismus

Nicht ganz so hochwertig ist das Gefühl, wenn man mittels des erwähnten Kippschalters zwischen Kopfhörer- und Lautsprecherbetrieb umschaltet. Drückt man die Kombi-Knöpfe für Titelsprung und Lautstärkeregelung kurz, wechselt der Titel (entweder vor oder zurück), bleibt man mit dem Finger auf dem Knopf, hebt oder senkt sich jeweils die Lautstärke. Der dritte Knopf schaltet den Urban Chameleon ein und aus, kümmert sich um das Pairing (Power im ausgeschalteten Zustand ca. 5 Sekunden lang drücken, bis blaue und rote LED blinken) und um Play/Pause-Funktion. Übrigens – der Akkustand des Urban Chameleon wird auf dem Smartphone-Display angezeigt. 

Der Urban Chameleon sitzt sehr bequem auf dem Kopf, die Polsterung der Ohrmuscheln innen ist nur etwas schweißtreibend, aber nicht zu sehr. Der Hörer sitzt nicht zu locker und nicht zu fest – hier wird ein guter Kompromiss geboten. Mit einem vom Hersteller angegebenen Gewicht von 290 Gramm ist der Hörer kein Federgewicht, er ist aber auch nicht unangenehm schwer. 

Pro und Contra:

+ Flexible Einsatzmöglichkeiten: Als Kopfhörer oder Lautsprecher
+ Bequemer Sitz auf dem Kopf des Trägers
+ Effektive Reduzierung von störenden Außengeräuschen
+ Sehr gute Akkulaufzeit
+ Gute Freispecheinrichtung
+ Stabile Bluetooth-Verbindung
+ Fairer Kaufpreis

– Materialqualität der Polsterung des Kopfbandes
– Knopf für das Hin- und Herschalten Kopfhörer und Lautsprecher-Betrieb wenig hochwertig
– Lautsprecher mit wenig Leistung

Klang

Wir starten mit dem Kopfhörerbetrieb.

Hier hören wir die Freischwimmer-Version des Klassikers „California Dreamin“ im Remix von Calvo. Und es gibt gleich Lob: Der Bass ist satt und kraftvoll, und die maximal möglichen Pegel gehen absolut in Ordnung. Die Wiedergabe kleinerer akustischer Details ist ausreichend, hier darf man keine erhöhten Ansprüche an die Performance stellen. Die Grobdynamik ist gut, der Klang insgesamt relativ homogen. Stimmen rücken, gerade wenn es einige parallel stattfindende andere akustische Ereignisse gibt, etwas zu stark in den Hintergrund. Der Rhythmus des bassintensiven Stücks wird tadellos herausgearbeitet. 

„Reality“ im Mix von John Dahlbäck (Lost Frequencies featuring Janieck Devy) erfreut uns ebenfalls mit rundem, standfestem Bass und zügigem Aufbau der elektronischen Effekte. Der Hochtonbereich bietet kein Maximum an Transparenz, dafür aber driftet er auch bei höheren Lautstärken nicht ins Schrille ab, sondern bleibt stets angenehm. Die vom Urban Chameleon offerierte Räumlichkeit gibt keinen Anlass zur Klage, für den günstigen Kaufpreis kann man hier zufrieden sein.

„License To Kill“ von Gladys Knight (007-Titelsong) wird ebenfalls ordentlich dargestellt, allerdings fällt die Trennung zwischen Stimmen und Instrumenten nicht so deutlich aus wie gewünscht. So ist der Klang schon homogen und harmonisch, allerdings leidet unter dem eben Festgestellten die Schärfe der Konturen. Der Bassbereich gefällt auch hier sehr gut, der Bass überzeugt durch Kraft und einen ansprechenden Tiefgang. Bei Sheena Eastons „For Your Eyes Only“ (aus dem gleichnamigen James Bond-Film) blamiert sich der Urban Chameleon ebenfalls nicht. Die Stimme kommt im relativ langsamen, emotionalen Song besser heraus als bei anderen Beispielen, die Trennung zu den Instrumenten ist in Ordnung. Der Hochtonbereich klingt homogen, ist aber leicht belegt. 

Der 80er Jahre Hit „Sometimes“ von Erasure wird vom Auna-Headphone relativ schwungvoll präsentiert. Man kann sich hier auch über eine gute vokale Arbeit des Urban Chameleon freuen. Der Rhythmus wird solide übertragen, die Impulstreue ist ordentlich. Man darf verständlicherweise keine „highfidelen“ Ansprüche stellen und vom preiswerten Kopfhörer das Aufbieten einer enormen Klangkultur erwarten. Diese Erwartungen können für weniger als 60 EUR bestimmt nicht erfüllt werden. Wer dies erwartet, muss sich, und das ist absolut in Ordnung, in höheren Preisklassen umtun. Als guter Begleiter für alle Situationen des Alltags eignet sich der Urban Chameleon aber problemlos, das zeigt auch die tadellose Räumlichkeit, die der Kopfhörer entwickelt. „Don’t Be So Shy“ ist der zweite 80er Jahre-Titel, den wir dem Urban Chameleon zuführen. Der Kopfhörer bleibt seinem akustischen Profil auch diesmal treu: Homogen, mit ordentlicher Räumlichkeit, kräftigem Bass und respektabler Grobdynamik.

Nun wenden wir uns dem Lautsprecherbetrieb zu.

„Left To Your Own Devices“ von den Pet Shop Boys macht hier den Anfang.  Und höre da, wir sind erstaunt: Sogar Ansätze im Bassbereich sind vorhanden. Das hätten wir kaum für möglich gehalten. Dadurch, dass es zwei voneinander getrennte Breitband-Lautsprecher-Einheiten sind, nämlich eine an der linken und eine an der rechten Ohrmuschel, stellt sich sogar so etwas wie ein kleiner Stereo-Effekt ein, der im Nahfeld durchaus etwas Ausprägung besitzt und nur dann merklich abnimmt, wenn man sich weiter vom Urban Chameleon entfernt. Tony Careys „Room With A View“ klingt auch besser als erwartet. Klar, die Dynamik ist beschränkt und die Detaillierung nur ausreichend, aber um Unterwegs beim Picknick mit Freunden etwas Musik zu haben, reicht das Gebotene locker aus – und genau dafür ist diese Funktion auch gedacht.

„L’Amours Toujours (2016er Version von Dzeko&Torres im Mix von Tiesto) bereitet dem Urban Chameleon wenig Schwierigkeiten. Wieder fällt auf, dass sich im Bassbereich durchaus etwas regt, und die elektronischen Effekte kommen gut heraus. Der Aufbau des Tracks gestaltet sich nachvollziehbar, und auch die weibliche Gesangsstimme kommt ordentlich heraus. Das Kshmr Remix des Avicii-Hits „For A Better Day“ kann ebenfalls in brauchbarer Qualität angehört werden, wenngleich hier die Gesamt-Charakteristik etwas monoton erscheint. 

Pro & Contra:

+ Ordentliche Leistungen im Kopfhörerbetrieb
+ Überraschend brauchbare Performance im Lautsprecher-Betrieb
+ Gute Pegelfestigkeit in beiden Betriebsarten

– Detaillierung nur ausreichend in beiden Betriebsarten

Fazit

Auna Urban Chameleon 1

Als wir die Produktbeschreibung des Auna Urban Chameleon lasen, waren wir zunächst etwas skeptisch, ob das Projekt für den geringen Preis von knapp 55 EUR erfolgversprechend ist. Doch die Praxis hat uns gezeigt, dass der Urban Chameleon ein pfiffiges Produkt zum kleinen Kaufpreis ist. Flexibel einzusetzen und klanglich recht ausgewogen, kann man fürs investierte Geld kaum mehr erwarten. Dass die Bluetooth-Verbindung sehr stabil und die Freisprecheinrichtung wirklich gut ist, sind weitere Pluspunkte. 

Flexibel einzusetzen, gut klingend und komplett ausgestattet – Aunas „Urban Chameleon“  kann überzeugen
sehrgut
Bluetooth Lautsprecher/Kopfhörer-Kombination
Test 19. April 2016

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 19. April 2016




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