TEST: Audioxperts 4TV 2112 – akustischer Glanz aus einer Komponente

Das Produkt

Ständig wachsender Beliebtheit erfreut sich der Markt an Soundbars und auch an sogenannten aktiven TV-Lautsprechersystemen. Letztere Spezies erlebte auf der IFA 2013 ihren großen Durchbruch. Es handelt sich um ein komplettes Lautsprechersystem in einem Gehäuse, ohne zusätzlichen aktiven Subwoofer. Der Flachbildschirm nimmt bei diesem Konstrukt auf dem TV-Lautsprechersystem Platz, was gerade für Rack- und Regal-Liebhaber deutlich praktischer ist als eine klassische Soundbar, die, sehr flach, sich besser für Flatscreens eignet, die an der Wand montiert werden.

Breit und elegant, gepaart mit nobler Materialqualität


IR-Sensor

Meist liegen derartige TV-Lautsprecher in Preisklassen zwischen rund 300 und 600 EUR, die Geräte sind sehr kompakt und technisch zwar clever, aber bilanzierend doch eher einfach gestaltet. Aus der Reihe tanzt Audioxperts mit der „Virtual Surround Sound Console“ 4TV 2112, dem „kleineren“ der beiden TV-Lautsprechersysteme. Wahlweise ist das elegante Device in schwarzer oder weißer Version erhältlich. „Kleiner“ steht übrigens bewusst in Anführungsstrichen, denn mit 102 cm Länge überragt sie die gesamte Konkurrenz. Das tut sie auch mit ihren 25 kg Lebendgewicht – nicht Plastik und günstige Bauteile, sondern Alu, echtes Glas und Premium-Baugruppen reichen sich hier gelungen die Hand.  Üppige 350 Watt Spitzenleistung (200 Watt RMS) beantworten flugs die Frage, ob das Designerstück denn auch genug Muskulatur unterm Maßanzug mitbringt.  Decoder für Dolby Digital und auch DTS sind integriert, was man bei dem Kaufpreis aber auch erwarten darf.

Komplette Rückseite

Sehr gutes Finish, nur die Aluplatte unter dem Gerät könnte an den Kanten sauberer gearbeitet sein

Runde Formen

Die 4TV 2112 läuft in 2.1 Konfiguration auf und kostet 1.499 EUR. Man wird z.B. auch bei Bose genau hinschauen, was Audioxperts treibt, denn deren Soundbar-Stolz namens CineMate 1SR kommt auf den exakt gleichen Preis. Während Bose mit dem Solo TV System für 399 EUR das Bauprinzip der aktiven TV-Lautsprecher verfolgt – Sound aus nur einer Komponente, kein separater Subwoofer -, ist die CineMate 1SR eher die klassische Soundbar mit separatem aktivem Subwoofer. In der Preisklasse der Audioxperts-Lösung tummeln sich ohnehin nicht viele Konkurrenten. Daher ist es umso spannender, nachzuprüfen, ob zum großen Preis auch große Leistung geboten wird.

Die andere Preisklasse, wir haben es bereits erwähnt, wird bereits durch die hochwertige Materialwahl deutlich.  Die schwere Aluplatte unter der Konstruktion versprüht pure Hochwertigkeit. Wermutstropfen lediglich ist die nicht perfekt übersetzte Bedienungsanleitung.  Das System steht wahlweise auf einer im Lieferumfang enthaltenen Drehplatte, so kann die gesamte Konstruktion inklusive darauf stehendem Flachbildschirm entsprechend angewinkelt werden. 80 kg ohne und 57 kg mit Drehfuß sind die maximalen Belastungen, denen die 2112 standhält. So können durchaus auch große Flachbildschirme verwendet werden.

So lang die 2112 auch ist – mit nur 64 mm Höhe, und hier ist der Drehfuß schon eingerechnet, wirkt sie sehr elegant. Natürlich gibt es edle Metallgitter vor den Chassis, die auch sauber eingepasst sind.

Im Inneren werken vier paarweise untergebrachte, jeweils links und rechts außen platzierte 11 cm Woofer für soliden Bass. Auf der Rückseite der Konsole findet sich für die akustische Justage der Basswiedergabe ein Regler. Zwei Kalottenhochtöner nehmen sich hochfrequenten Aufgaben an, fehle noch die Mitteltöner: Hier vertraut Audioxperts auf High-Aspect-Ratio Transducer, kurz HART – aber herzlich: Denn die diese Chassis sind für lebenige Mitteltonwiedergabe trotz flachem Edel-Gehäuse optimiert.

Leider ist die noble Glas-Oberfläche hochglänzend und wirkt daher magnetisch auf Fingerabdrücke und Staubspuren. Die Oberflächengüte ist aber exzellent. Vorn sind touchbasierte Bedienelemente integriert. Eingangswahl, Wireless- und Bluetooth-Verbindung, EQ, Fernbedienungs-Lernfunktion, Mute, Lautstärketaste sowie EQ-Funktion sind direkt anwählbar. Wir suchten in der Packung nach einer Fernbedienung – leider Fehlanzeige. Gesteuert wird zumindest die Lautstärke des 4TV über die Remote des Flachbildschirms. Hierzu gibt es eine Anleitung, wie man die TV-Fernbedienung für die Justage des Pegels nutzen kann.  Remote Learning und die „+“ Taste zur Lautstärke-Erhöhung werden gedrückt, dazu dann die Lautstärke erhöhen-Taste auf der TV-Fernbedienung.

Keine noch so gute Anleitung kann hingegen ein Display ersetzen – dieses besitzt die 4TV 2112 leider nicht. Hier wäre ein Punktmatrixdisplay, das alle derzeit relevanten  Informationen anzeigt, wünschenswert und zudem schick gewesen.

Anschlüsse: USB, Firmware-Update, optischer Digitaleingang, Anschluss für Apple AirPort Xpress, Cincheingang, Zone-Ausgang


BT-Antenne

Anschlussseitig stutzen wir zunächst: Eine 1.500 EUR-TV-Lautsprecherlösung ohne HDMI? Das ist ganz klar nicht zeitgemäß, und wir richten eine Botschaft an die Adresse von Audioxperts: Bitte schnellstmöglich nachbessern.  Rückseitig findet sich wenigstens ein USB-Terminal. Dass zumindest partiell moderne Zeiten bei Audioxperts angebrochen sind, beweist die Möglichkeit, Musik von Tablet oder Smartphone per Bluetooth (inklusive aptX für Klang in CD-Qualität) zu streamen. Was auch keine Heldentat darstellt: Man braucht noch ein Apple AirPort Xpress-Modul zur WiFi-Fähigkeit, welches hinten an der Konsole seinen Platz finden kann. Ein eingebautes WLAN Modul und DLNA Client wäre hier nebst AirPlay-Kompatibilität ohne Zusatzgeräte der richtige Weg gewesen.

Der Hersteller bezeichnet das Gerät als „Audio Entertainment-Konsole“ – um diesem Anspruch zumindest in Bezug auf Apple iOS Devices auch gerecht zu werden, dient das USB-Terminal auch dazu, iPhones (schon ab 3G) und allen iPads Zugang zu gewähren. Hier würden wir aber das Bluetooth-Streaming klar vorziehen.

Klang

Der EQ beeinflusst den Klang deutlich, denn während der Filmmodus auf Spektakel, Nachdruck ausgelegt ist, wirkt das Musik-DSP kultivierter und sensibler. Film- und Musikbetriebsart wewrden um eine bessere Stimmverständlichkeit mittels des „Verbesserten Dialogmodus“ ergänzt, insgesamt also eine übersichtliche Auswahl. Der verbesserte Dialogmodus wendet sich laut Audioxperts-Website auch an Menschen, die weniger gut hören. Bei Aktivierung dieser Betriebsart ist sichergestellt, dass Dialoge verstanden werden.

Wenden wir uns gleich den Fähigkeiten bei Filmton zu und starten mit „Stirb Langsam 4.0“ richtig durch. Unser Sony KDL-55W905 liefert die passende visuelle Untermaltung zum hoffentlich lebendigen Feuerwerk, das unsere Hightech-Sound Console abbrennen wird.  Hier entbrennt im 5. Kapitel ein harter Kampf zwischen „lonesome McLane“ und Gabriels Killern um das Leben des Hackers Matthew Farrell. Während McLane ihn braucht, möchten die schießwütigen Schergen ihn mit Salven aus Automatikwaffen unter die Erde bringen. Und es geht ab – aber wie: Kraftvoll, lebendig, räumlich und impulstreu. Die Wiedergabe der Schüsse ist enorm dynamisch und klar. In den Actionsequenzen ist der Music Score sehr gut eingearbeitet. Kleine Effekte wie das Wechseln des Magazins an McLanes Waffe verdeutlicht der 4TV 2112 ausgezeichnet. Nach allen Seiten wegspritzende Trümmerteile scheinen tatsächlich quer durch den Hörraum zu fliegen. Als der Feuerlöscher, von McLane per Schusswaffe zur Bombe umfunktioniert, explodiert, donnert es richtig, als Gabriels Killer aus dem Fenster fliegt. Bedrohliches Ansteigen der Intensität des Soundtracks arbeitet der TV-Lautsprecher sehr gut heraus, und selbst die heftige Explosion, welche die Wohnung des Hackers am Ende der Sequenz beinahe völlig zerstört, kommt gut heraus. Als McLane und Farrell im Auto flüchten, werden das Zuschlagen der Autotür, die Crahs und das Hochdrehen des Motors sehr gut präsentiert: Durchzeichnung und räumliche Wirkung sind für ein solches System hervorragend.  4TV 2112 erreicht spielerisch Pegel, die man eher AV-Receivern zuordnen würde.

Weiter geht es mit „Mission Impossible – The Phantom Protocol“. Hier haben wir uns das fünfte Kapitel angehört, das mit einer gewaltigen Explosion auf dem Kreml-Gelände in Moskau endet. Kleinere Effekte wie das Suchen von Hunt in den Archiven kommt sehr detailreich heraus. Die Räumlichkeit des Movie-DSP-Programms verblüfft uns ebenso wie der saubere Klang mit frei aufspielendem Hochtonbereich. Stimmen gibt 4TV grundsätzlich frisch und natürlich wieder. Der Music Score wird stimmig und homogen eingearbeitet. Man denkt spontan an ein großes, ausladendes Soundsystem, Audioxperts Premium-Produkt schafft fast die perfekte Illusion. Dass sie nicht perfekt ist, liegt nur an der im Vergleich zu physischen Mehrkanalsystemem nicht besonders augeprägten Surroundstruktur. Die große finale Explosion kommt kräftig und mit gutem Tiefgang heraus, wenngleich man hier schon merkt, dass große LS-Systeme mit eingenem pegelstarken Subwoofer noch deutlich mehr stemmen können. Einige Kapitel weiter wird die Operation Server-Raum im Burj Khalifa vorbereitet. Gute Stimmwiedergabe und tadellose Detaillierung stechen auch hier heraus. Als Hunt dann mit seinen Spezialhandschuhen loslegt, von außen zum Server-Raum vorzudringen, sind wir wiederum erfreut von der nachdrücklichen und gleichzeitig präzisen, impulstreuen Wiedergabe. Die Windböen in schwindelerregener Höhe besitzen erstaunliche Weitläufigkeit und atmosphärische Dichte. Wenn Hunt mit den Handschuhen an der Scheibe aufschlägt, kommt dieses Geräusch, ebenso wie das Piepsen, prima heraus.

Film-Spektakel im Wohnzimmer sind also durchaus möglich, kann man aber auch mit erhöhtem Pegel souverän und kultiviert Musik hören? Wir haben „nachgehorcht“, und zwar mit Celine Dions BD „A New Day“. Ihre Adaption von „The Power Of Love“ gefällt unter Verwendung des mehr auf kultivierte Gesamtwiedergabe und Sensibilität getrimmten Musik-DSPs ausgesprochen gut. Celines Stimme hat Ausdruckskraft und der TV-Lautsprecher schafft es auf erstaunliche Art und Weise, vokales Charisma zu verbreiten. Die Instrumente ertönen ebenfalls auf exakte Art und Weise, die Einarbeitung in eine realistisch-räumliche Gesamtkulisse gelingt ausgezeichnet. Jeder Anflug monotoner Schwächlichkeit geht diesem exzellenten Lautsprecher ab. Hier wird Power in Verbindung mit geschliffenem Sound geboten – eine beinahe einzigartige Kombination.

Klassisch kommt gut – oder? Um letzten Endes eine Antwort auf diese saloppe Frage zu bekommen, haben wir Wolfgang Amadeus Mozarts weltberühmte Oper „Figaros Hochzeit“ auf BD eingelegt und den DTS Core-Bitstream der DTS-HD Mehrkanaltonspur angehört. Schon der Beifall des Publikums wirkt realistisch, und als dann das Orchester zu spielen beginnt, sind wir beeindruckt vom Dynamikumfang, den der TV-Lautsprecher aufbieten kann. Leicht zu dröhnen beginnt der 4TV nur dann, wenn man in Pegelregionen vorstößt, die in der Praxis zumindest im Wohnzimmer kaum gehört werden dürften. Man braucht sich aber keinesfalls zu sehr zurück zu halten, sondern kann deutlich über Zimmerlautstärke entspannt dem Orchester lauschen. Instrumentale Soli haben uns ebenso gut gefallen wie die Einsätze des gesamten Orchesters. Lauschen wir nun dem ersten Duett zwischen Figaro und Susanna. Und hier beweist der 4TV Klasse: Tolle Raumwirkung, charismatisch, lebendig, präzise – so eine gute Stimmwiedergabe kennen wir von anderen Produkten der Spezies TV-Lautsprecher nicht. Insgesamt die erste TV-Lautsprecher-Alternative, die sich auch der Klassikliebhaber ins Wohnzimmer stellen kann, ohne sich täglich über den unzureichenden Klang zu ärgern.

Direkte Konkurrenten gibt es keine – daher können wir derzeit keinen ernst zu nehmenden Konkurrenzvergleich anbieten, probieren aber, die CineMate SB1 von Bose zu testen und als anderes Konzept gegenüber zu stellen.

Fazit

Gut gebrüllt, Löwe – vollmundigen Ankündigungen über hervorragende Klangqualität lässt Audioxperts deutliche Taten folgen. 1499 EUR sind zwar eine Menge Geld, aber nicht zu viel für diese akustischen Glanzpunkte, die der aktive TV-Lautsprecher – oder, im Firmen-Jargon, die „Virtual Surround Sound Console“ setzt. Kraftvoll und kultiviert, dynamisch und räumlich kommt 4TV zur Sache und brilliert bei Filmen ebenso wie bei Musik. Pegelfest und mit kräftigem Bass, werden auch Ansprüche bedient, die sonst bei derartigen Produkten eher im Hintergrund stehen. Optik und Materialauswahl sind auch auf Premiumniveau.

Es finden sich aber auch Kritikpunkte. Weniger gut gefällt uns der Verzicht auf HDMI-Terminals. Diese brächten auch den Vorteil des sehr gut funktionierenden ARC mit, der TV-Lautsprecher würde vom Flachbildschirm automatisch als Lautsprechersystem für die Wiedergabe erkannt und man bräuchte das teils nicht perfekt arbeitende Programmiersystem nicht. Wenigstens eine edle Fernbedienung hätte Audioxperts beilegen können.

Insgesamt eine veritable, moderne und elegante Lautsprecherlösung, die sehr gut in unsere Zeit passt. Werden noch HDMI und vielleicht ein Gerätedisplay ergänzt, ist das Produkt auf durchweg exzellentem Niveau.

Hervorragende Akustik trifft auf edle Materialwahl und gediegene Optik
TV-Lautsprecher Luxusklasse
Test 21. Oktober 2013

+ Exzellenter Klang bei Musik und Film
+ Verblüffende Räumlichkeit
+ Kraftvoller Antritt und tadellose Pegelfestigkeit
+ Bluetooth
+ Edle Materialwahl

– Keine HDMI-Beschaltung
– Kein Gerätedisplay

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 21. Oktober 2013




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