TEST: Archos Diamond Gamma - 5,5" - Einsteiger im Unibody-Gehäuse

Mit dem Diamond Gamma möchte der französische Hersteller Archos ein Premium-Gerät zum Kampfreis anbieten und damit potentielle Käufer ködern. Ein Online-Preis von etwa 200 Euro wird für das zweite Gerät aus der Archos Diamond-Reihe aufgerufen, vereinzelt ist das Gerät sogar noch günstiger zu ergattern. Mit interessanten Features und einem schicken Unibody-Gehäuse lockt das Angebot aus dem Land der aktuellen Fußball-Weltmeister.

Das Unibody-Metallgehäuse macht einen guten Eindruck, allerdings fallen die großen Aussparungen ober- und unterhalb des Displays auf, so dass das Smartphone mit 5,5" Display etwas wuchtig daher kommt. Im Gegensatz dazu gefällt die lediglich 8mm schlanke Bautiefe, die von einer plan abschließenden Kameralinse auf der Rückseite profitiert.

Seitenansicht

Die einzige optische Auffälligkeit des Archos Diamond Gamma sind die dezenten roten Akzente am Gehäuse, was vor allem beim großen Home Button für ein Wiederkennungsmerkmal sorgt. Der ansonsten optisch schlichte Auftritt wird von einer gelungenen Verarbeitungsqualität veredelt.

Das große Display löst leider nur mit 1.280 x 720 Pixeln auf, sodass viele Inhalte nicht in optimaler Qualität dargeboten werden können. Auch ist die generelle Performance des Displays eher durchschnittlich, wenn es um Helligkeit, Farbsättigung und Brillanz geht. Selbstverständlich muss man immer die Preisklasse des Smartphones bedenken, das Gesamtergebnis geht im Hinblick darauf in Ordnung.

Archos Diamond Gamma

Besonders „brisant“ ist es bei einem Billig-Smartphone stets um die Kameraqualität bestellt. Zumindest die Eckdaten lassen nicht unbedingt auf einen niedrigen Preis schließen, denn eine 13 Megapixel Hauptkamera sowie 5 Megapixel bei der Selfiecam sind auch in der Oberklasse keine Seltenheit. Auch bei der Ausstattung präsentiert sich der Franzose durchaus üppig. Unter dem Menüpunkt „Familie“ stehen dem Nutzer Optionen wie Zeitlupe, Panorama oder Profi-Modus zur Verfügung. Beide Kameras unterstützen zudem den Modus „Schönheit“, und da ist der Name Programm: Gesichter werden kräftig abgesoftet – schon leicht übertrieben für unseren Geschmack. Es gibt zudem ein paar besondere Spielereien, wie Clonen, bei der ein Objekt mehrfach eingeblendet werden kann. Bei Tageslicht und ruhigen Motiven bei relativ naher Distanz gelingen solide Aufnahmen. Sobald die Herausforderungen für das Diamond Gamma aber höher werden, wirken Bilder häufig wenig plastisch und nicht so brillant. Besonders ärgerlich: Der Blitz schaltet sich nicht clever dazu, mitunter sogar dann nicht, wenn er aktiviert wird. Immerhin sind die Videos vernünftig und Selfies sehen ansprechend aus.

Aufgenommen mit dem Diamond Gamma

32 GB Kapazität sind in dem Preissegment durchaus luxuriös, zumal auch ein microSD-Kartenslot integriert ist. Allerdings entfällt, bei Nutzung der Speichererweiterung per microSD-Karte die Möglichkeit das Smartphone im Dual SIM-Betrieb zu nutzen. Unspektakulär ist das restliche Ausstattungsprogramm, denn bei den Datenschnittstellen fehlt NFC und die Datenbandbreite ist nicht der neueste Stand der Technik – das wäre in der Preisklasse aber auch ungewöhnlich.

Aktuelle Software gibt es beim Diamond Gamma nicht. Android 7.1.1 Nougat ist aufgespielt und es darf bezweifelt werden, dass es noch ein Update auf 8.0 geben wird. Das hauseigene User Interface nubia 5.0 wurde aber deutlich verbessert, interessante Extras wie Kanten- oder Dreifingergesten, unter anderem zur schnellen Screenshot-Aufnahme, sind an Bord. Durch Wischen an den Kanten lassen sich beispielsweise Apps deaktivieren oder die Helligkeit ändern, was allerdings im Praxistest aber nicht immer reibungslos funktionierte. Dafür ist aber das Splitten des Displays mit zwei parallellaufenden Apps kinderleicht zu handhaben. Das Arbeitstempo ist grundsätzlich flink.

Android 7.1.1

Wischgesten

Eine Besonderheit in dieser Preisklasse ist der zuverlässig funktionierende Fingerprintscanner, der während der Testphase sehr selten schwächelte. Das Beenden des Standby-Modus lässt sich dafür nicht per Gesichts- oder Stimmerkennung aktivieren. Eine Übersicht über alle Apps oder einen Google-Startbildschirm gibt es ebenfalls nicht.

Im Diamond Gamma kommt ein Octa-Core-Prozessor mit 1,4 GHz Takt zum Einsatz, auch 3 GB Arbeitsspeicher sind integriert. Das Smartphone bricht damit zwar keine Geschwindigkeitsrekorde, gängige Alltagsaufgaben hat es aber sehr gut im Griff. Sobald Multitasking-Anforderungen anstehen, kann es aber schon einmal zu längeren Ladezeiten kommen. Der anspruchsvolle 3D-Racer Asphalt 8 läuft ruckelfrei.

Auch der Akkublock leistet keinen 1A-Job, denn in mehreren Testzyklen kam der Franzose nie über drei volle Tage Nonstop-Einsatz – das ist anno 2018 einfach zu wenig, zumal das Smartphone sensibel auf Multimedia-Nutzung reagiert. Da kein USB-C unterstützt wird, sind die Ladezeiten außerdem übermäßig lang.

Rückseite

Wie sieht es bei der akustischen Performance aus? Das Archos Diamond Gamma verfügt zwar über Stereo-Lautsprecher, doch die sind leider beide unterhalb des Displays platziert, sodass der Effekt völlig verpufft. Sobald man beim Zocken das Display quer hält, werden die Speaker nämlich schnell verdeckt. Der Klang ist zudem insgesamt zu leise und wirkt unsauber. Häufig klingt es leicht verzerrt und eng gestaffelt.

Es überrascht daher nicht, dass auch bei Telefonaten keine rechte Freude aufkommt, denn es fehlen eindeutig ein paar Dezibel und mehr Klarheit bei der Stimmübertragung für eine reibungslose Kommunikation. Bei manchen Verbindungen war die Verständigung während der Testphase sogar mangelhaft.

Fazit

Angesichts des günstigen Preises fällt unser Urteil durchaus zufriedenstellend aus. Die Ausstattung ist rund, die Performance gut und die Handhabung kann trotz kleiner Schwächen überzeugen. Bemerkenswert ist der gut funktionierende Fingerprint-Scanner, der im Bereich von 200 Euro keine Selbstverständlichkeit ist. Auch klare Defizite gibt es allerdings: Die Kamera ist schlichtweg nur mäßig, akustisch wird Durchschnitt geboten und auch der Akku könnte etwas mehr Durchhaltevermögen beweisen.

Preisgünstiges Smartphone mit Stärken und Schwächen

18.07.2018

+ Gutes Preis/Ausstattungsverhältnis
+ Guter Fingerprintscanner
+ Bedienungskomfort-Extras

- Geringe Display-Auflösung
- Mäßige Kamera

 

Test: Ulf Schneider
Datum: 18.07.2018

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