TEST: Archos 5-Zoll-Budget-Smartphone 50 Platinum

Das Produkt

5-Zoll-Display, Quadcore-Prozessor und Dual-SIM-Funktion für UVP 229 Euro? Klingt wie ein schöner Scherz ist aber eine regelrechte Preiskampfansage an das deutsche Smartphone-Parkett!

Preisaggressive TK-Produkte sind wir derzeit eigentlich vor allem aus China gewohnt. Umso überraschender ist daher die Attacke des 1988 gegründeten, französischen Unternehmens Archos auf den Smartphones-Markt, denn so viel Ausstattung gab es definitiv noch nie für einen derart schmalen Euro. ARCHOS hat mit dem Modell 50 Platinum dabei sogar ein Android-Smartphone mit einem noch größeren Display für UVP 279 Euro am Start.

Design & Display

Allerweltsdesign, hier aus seitlicher Perspektive

Kantenverarbeitung. Leichte Rundungen sorgen für angenehmes Handling, recht enge Spaltmaße, aber billiges Hartplastik fürs Gehäuse

Angesichts des beeindruckenden Preis/Ausstattungsverhältnisses darf man sicherlich kein designtechnisches Meisterwerk erwarten. Und tatsächlich ist die geradezu aufdringliche Beliebigkeit das einzige Designmerkmal des Franzosen. Ein vollständig schwarz laminiertes Gehäuse mit leichten Rundungen und keiner physischen Taste auf der Frontseite – das haben nicht nur Smartphone-Kenner bereits X-mal gesehen. Diese bewährte Optik tut sicherlich niemanden weh, hinterlässt aber auch schnell schmierige Fingerspuren auf der Frontseite. Bei der Verarbeitungsqualität reißt das Archos 50 Platinum auch keine Platinen aus den Lötstellen. Der Korpus besteht zu 100% aus Hartplastik und ächzt recht schnell, wenn man es drückt und biegt. Größere Spaltmaße sind allerdings nicht zu erkennen. Der 5-Zoll-Touchscreen reagiert allerdings recht sensibel auf stärkerem Druck in Form von weitflächigen, weißen Verfärbungen.

Display mit 960 x 540 Pixeln Auflösung

Dass der Rotstift zumindest dezent angesetzt wurde, zeigt sich ohnehin beim Display, denn mit einer Auflösung von 960 x 540 Pixeln spielt es angesichts der großen Fläche nicht in der oberstes Liga mit. Dafür ist aber die Farbwiedergabe ansprechend, die Helligkeit gut, die Brillanz insgesamt sehr ansprechend und das IPS-Display bietet obendrauf einen recht großen Betrachtungswinkel – angesichts des Niedrigpreises eine absolut gute Leistung!

Ausstattung

Klares Komfort-Highlight des Franzosen ist das parallele SIM-Karten-Management – und das funktioniert beim Archos 50 Platinum geradezu vorbildlich schnörkellos und simpel! Einfach das Mobiltelefon mit zwei SIM-Karten bestücken, aktiveren und fortan wird dem Nutzer vor jedem Anruf & SIM-Nachricht stets beide Rufnummern angeboten – so soll es sein! Einziger kleiner Haken: Nur eine SIM-Karte kann für den 3G-Betrieb genutzt werden. Die andere Karte verweilt auf dem GSM-Kanal – aber das ist grundsätzlich kein Problem.

Schlichtes, übersichtliches Kameramenu


Kameralinse

Foto


Ein aus dem Originalbild herauskopierter Ausschnitt zeigt deutliche Schwächen

Apropos Datenkanäle: HSDPA (7,2 Mbit/s)/HSUPA (5,76 Mbit/s), DNLA, Bluetooth 3.0 und UPnP sind an Bord. Hinzu kommt eine 8-Megapixel-Kamera mit 720p-Video-Wiedergabe. Die ist einerseits nicht die allerschnellste und weist bei Tageslicht zudem eine ungewohnte Übersteuerung der Farben und Schärfe auf, sodass die Schnappschüsse fast schon so wirken, als wären sie „photoshopped“. Bei widrigen Lichtverhältnissen treten zudem die typischen Handykamera-Schwächen auf: Leichter Blaustich und verwaschene Flächen. Kurzum: Kein Knipser, der in der Mobiltelefon-Historie einen besonderen Platz einnimmt.

Das weitere Komfortprogramm setzt sich zusammen aus einem UKW-Radio (ist immer noch kein Standard), eine nützlichen Taschenlampen-App sowie unspektakuläre Audio/Video-Dienste aus dem Hause Archos.

Das klingt nach einer insgesamt stimmigen Feature-Liste, allerdings mit einem großen Schwachpunkt: Von den internen 4 GB stehen dem Nutzer ab Werk nur ein kümmerliche Gigabyte zur freien Verfügung. Der Kauf einer microSD-Karte (bis zu 64 GB werden verarbeitet) ist somit oberste Pflicht beim Archos 50 Platinum, wenn man nicht allein der Cloud vertraut.

Handhabung

Gutes Handling garantiert?

5-Zöller sind in der Regel ein Grenzfall, nicht nur für kleinere Hände. Beim Archos 50 Platinum kommt es daher nicht selten vor, dass man unwillkürlich das Gerät mit zwei Händen bedient. So tippt man einfach präziser, was in diesem Falle sinnvoll ist, da die Sensorfelder nicht die präzisesten Drücker sind. Grund: Die große Displayfläche teilen sich vergleichsweise wenige Pixel, denn FullHD bietet es beileibe nicht.

Es fällt zudem auf, dass beim Umgang mit dem puristischen Android 4.1.2 (Jelly Bean) nicht alles glatt läuft. So werden bereits gewählte Rufnummern nicht automatisch angeboten (könnte an der Dual-SIM-Funktion liegen) und der Adress-Abgleich via Facebook wird zwar angeboten, funktioniert aber überhaupt nicht. Hier offenbart Archos offensichtlich noch fehlende Erfahrungswerte im Bereich Mobilfunk-Management. Auch die Etablierung eines eigenständigen User Interfaces mit hilfreichen Extras wäre für die Zukunft wünschenswert.

Technik

Ein 5-Zoller braucht logischerweise ein bisschen Dampf unter der Haube, weswegen auch der Quad-Core-Prozessor Qualcomm 8225Q Cortex A5 mit 1.2 GHz und 1 GB RAM verbaut wurde. Der sorgt dafür, dass auch grafisch anspruchsvolle 3D-Games ruckelfrei über die Bühne gehen. Beim Surfen im Internet ist der Fingerspreiz-Zoom zudem flüssig. Nur das kinetische Scrolling ist im Vergleich zu einem iPhone nicht sonderlich geschmeidig.

Es war zudem fast schon zu befürchten: Der Akku ist angesichts der Doppelbelastung aus 5-Zoll-Display und zweifachem SIM-Karten-Betrieb regelrecht überfordert. Selbst wenn man das Archos 50 Platinum nur hin und wieder zum Telefonieren nutzt, erreicht der Franzose in mehreren Testzyklen keine zwei vollen Tage. Sobald der Nutzer anfängt, das Multimedia-Angebot zu nutzen, bleibt das Smartphone sogar noch nicht einmal einen Tag auf Empfang. Mit anderen Worten: Das Archos 50 Platinum und Netzteil sind zwangsweise dicke Freunde.

Beim Kapitel Verständigung gibt es zwei Seiten: Während man selbst eine zumindest durchschnittliche Sprachqualität genießt, beschwert sich der Angerufene nicht selten über starke Nebengeräusche. Solche akustischen Querschläger sollten anno 2013 eigentlich nicht mehr vorkommen. Das gleiche Bild auch beim rückseitigen Freisprecher, denn in Senderichtung erreicht dem Empfänger dann nur noch ein akustisches Kuddelmuddel. Der Sound über den Monolautsprecher ist ebenfalls keine Offenbarung. Das Klangbild ist dicht gedrängt, ohne Bassfundament und tonal grell. Hier wird klar, wo der Hersteller den Rotstift angesetzt hat.

Fazit

Archos gelang der Schritt von Android-basierter Tablets zu Smartphones insgesamt gut. Was hier an Features reingesteckt wurde ist angesichts des geringen UVPs geradezu ein Schlag ins Gesicht der Konkurrenz. Sicherlich, die Optik ist zutiefst austauschbar, die Software arbeitet nicht 100% rund, die Sprachqualität hat klare Defizite und der interne Speicherplatz ist geradezu ein Witz, doch bei 229 Euro kann man diese Schwächen sicherlich verschmerzen. Einzig die geradezu haarsträubende schlechte Akkuleistung ist das Haar in der Suppe, denn die geringe Rufbereitschaft dürfte im Alltag für Probleme sorgen, wenn keine Möglichkeit zum Nachladen besteht. Am besten daher gleich einen Zweitakku und eine microSD-Karte mitbestellen, denn dann stimmt das Preis/Leistungsverhältnis voll und ganz. Angesichts dieses Smartphone-Debüts darf man auf künftige Android-Mobiltelefone der Franzosen äußerst gespannt sein.

Preisgünstiges 5-Zoll-Smartphone mit ordentlichem Leistungs-Paket

Smartphones bis 300 EUR
Test 14. Oktober 2013


+ Gute Ausstattung fürs Geld
+ Dual-SIM
+ Recht flinker Prozessor
+ Ordentliches Display
+ HSPA
+ Günstiger Preis

– Akku hält zu kurz
– Interner Speicher unzureichend
– Sprachqualität verbesserungswürdig

 

 




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