TEST: Arcam Highend-Kette Vorstufe AVR950/Endstufe P49/Universalplayer UDP411

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Wir hatten die Gelegenheit, eine besonders hochwertige Arcam AV-Kette im Heimkino-Einsatz zu testen – da sagte unsere Redaktion natürlich nicht „nein“, sondern sah sich den Universal Disc Player UDP411 für 1599 EUR, die AV-Vorstufe AV950 für 7.199 EUR und gleich 3 x die Stereo-Endstufe P49 – Stückpreis 4.499 EUR – genauer an. Vom „Sehen“ allein bekommt man natürlich noch nicht den richtigen Eindruck, daher folgten aufs optische Kennenlernen umfangreiche Hörtestreihen. Als aktiver Subwoofer kam ein ausgezeichneter Velodyne DD18 für 7.500 EUR/Stück zum Einsatz, die fünf passiven Lautsprecher gehören zu Teufels System 10: 7.999,99 EUR (5.1) kostet dieses Ensemble. Der 4K-Beamer Sony VPL-VW1000 (19.000 EUR) übernahm die Rolle des Bildwiedergabe-Instruments. Da wir in diesem Falle sozusagen „on the go“ getestet haben, bitten wir, die Qualität der Fotos zu entschuldigen. 

AVR950

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AVR950 mit umfangreichem Anschlussangebot

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Typisches Arcam-Design

Beginnen wir, die verwendeten Komponenten zu beschreiben. Im typischen Arcam-Design, zurückhaltend und doch unverkennbar, begrüßte uns der AVR950. Keine Drehreger für Quellwahl und/oder Lautstärke, nur einige wenige Tasten: So kennen wir Arcam.

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Gute Verarbeitung, geringe Spaltmaße

Die Verarbeitung ist gut, die Spaltmaße fallen gering aus. Das Display in Grün löst ordentlich auf. Der AVR950 ist 4K-kompatibel und skaliert eingehende Videosignale auf maximal 4K hoch. Die sieben HDMI-Eingänge und die zwei HDMI-Ausgänge sind jedoch bezüglich der Anzahl nichts Außergewöhnliches. Über zu wenig HDMI-Terminals wird sich aber trotzdem kaum jemand beklagen. Es finden sich des Weiteren unsymmetrische Cinchbuchsen und symmetrische XLR-Anschlüsse. Mit an Bord ist auch ein automatisches Room EQ/Einmesssystem für die angeschlossenen Lautsprecher. Ethernet 232 Buchse, RS232 sowie Infrarot (IR) fehlt ebenfalls nicht bei den vorhandenen Schnittstellen. Ein internes Netzteil für Zubehör der rSerie (6 V Leistungsausgang) ergänzt die Ausstattung. Hier kann man z.B. optional noch einen Bluetooth-Empfänger dazu kaufen. An solchen Details merkt man auch, dass bei kleineren, sehr hochwertigen Herstellern die „Uhren anders ticken“. Kein integriertes WLAN und kein integriertes Bluetooth, das bringt heute jeder 600 EUR AV-Receiver mit. 

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Fernbedienungen von AVR950 und UDP411

Wer die AVR950 AV-Vorstufe nicht mit der gut in der Hand liegenden und übersichtlichen mitgelieferten Fernbedienung handhaben möchte, kann auch auf eine iOS-App zurückgreifen. 

Arcam legt größten Wert darauf, dass die AVR950 nicht nur als Mehrkanal-Vorstufe zu verstehen ist, sondern gerade auch im Stereobetrieb auftrumpfen soll. Arcam spricht daher von einem „audiophilen Produkt“. Bei dem Kaufpreis darf man dies als Kunde aber auch voraussetzen. 

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AVR950 komplett verkabelt

Der interne Tuner bietet eine vollständig integrierte UKW/DAB/DAB+ (falls verfügbar) Radiolösung. Ein weltweiter Zugriff auf Internet-Radiostationen wird durch die Netzwerkverbindung geboten, die auch eine Schnittstelle zu uPnP-Audioservern darstellt. Der USB-Anschluss unterstützt Speichergeräte und digitales Audio von Ihrem iPod®/iPhone®/iPad®. Weitere multimediale Funktionen, wie z.B. der Zugriff auf Spotify Connect, Napster oder Last.fm, fehlen. 

Die Steuerung des AV950 kann über Ethernet erfolgen und erlaubt die vollständige Integration mit dem Steuerungssystem für das gesamte Haus. RS232, 12 V Auslöser und eine Standard IR-Fernbedienung sind, wie bereits erwähnt, ebenso enthalten. 

Die AVR950 verfügt im einzelnen über folgende Anschlüsse: 

  • Videoeingänge:  HDMI – x7, Component – x3, Composite – x4
  • Videoausgänge: HDMI – x2 (ARC-kompatibel), Monitor – x1 (Composite)
  • Audioeingänge: HDMI – x7, Koaxial SPDIF – x4, Toslink – x2, RCA inklusive Phono – x6, USB-Eingang, Ethernet Client, Internet Radio, ARC (vom Display)
  • Audioausgänge: 7.1 Vorverstärker-Ausgänge – 8x RCA Phono
    7,1 Vorverstärker-Ausgänge – 8x XLR symmetrisch
    Zone 2 Ausgang – RCA Phono

Insgesamt muss man die AVR950 schlichtweg als Highend AV-Vorstufe betrachten. Mit dem Vorteil eines extrem aufwändigen und hochwertigen Aufbaus, mit dem Nachteil, dass neueste Features derzeit nicht implementiert sind. Heißt: Kein Dolby Atmos, keine Vorbereitung für das nun erst 2016 erscheinende DTS:X und auch kein Auro-3D. Es findet sich kein absolutes  Hightech Einmesssystem – das vorhandene ist zwar im Vergleich zu früheren, in Arcam AVRs verbauten Systemen deutlich besser und misst gerade die Entfernungen der Lautsprecher vom Hörplatz nun exakter, mit Top-Systemen der Großserienhersteller wie Yamahas YPAO oder Pioneers MCACC kann es aber derzeit noch nicht mithalten. Wir konnten keine Informationen darüber finden, ob die HDMI-Schnittstellen 50 sowie 60 Hz unterstützen und ob HDCP 2.2 an Bord ist, spontan tippen wir eher, dass der geneigte Kunde auf diese Features derzeit verzichten muss.

P49

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P49 

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P49 von hinten

Wenden wir uns nun der Arcam P49 Stereoendstufe zu. Mit einem Class G-Verstärker, einer dank großem Ringkerntransformator extrem stabilen Stromversorgung, akustisch gedämpften Chassis, parallelgeschalteten Transistor-Ausgangsstufen und außergewöhnlich niedrigen Werten bei Verzerrung und Rauschen macht der P49 Leistungsverstärker seinen Anspruch deutlich.

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Hochwertige Anschlüsse für Lautsprecherkabel/Bananenstecker bei der P49 Endstufe

Der P49 liefert 200 Watt pro Kanal an 8 Ohm und 400 Watt an 4 Ohm. Für die Liebhaber eines extrem reinen, puren Klangs bietet die Endstufe 50 Watt im reinen Klasse A-Modus – die Class G-Verstärkertechnik ermöglicht somit einen nahezu perfekten Kompromiss aus extremer Kraft, hoher Reinheit und enorm geringen Rausch- und Verzerrungswerten. Optisch fügt sich die P49, die sowohl XLR- als auch Cinch-beschaltet ist, optimal ins Arcam-typische „Familienerscheinungsbild“ ein. Die großen Lautsprecherkabel-Anschlussklemmen nehmen hochwertige Bananenstecker ohne Schwierigkeiten auf. 

Der P49 Leistungsverstärker wurde im Hinblick auf größtmögliche Flexibilität entworfen. Er kann als ein traditioneller Stereo-Leistungsverstärker konfiguriert werden, wobei der überbrückte Modus oder Dual-Mono-Modus das „ultimative“ System eines C49 Stereovorverstärkers mit sechs überbrückten P49 ermöglicht, die können dann im Tri-Amping Betrieb gefahren werden.

Technische Daten in der Übersicht:

  • Dauerausgangsleistung, pro Kanal, 8Ω, beide Kanäle, 8 Ω,20 Hz-20 kHz, 0,2 % THD – 200 W, Single, 4 Ω, bei 1 kHz – 400 W
  • Eingänge: Nominale Empfindlichkeit für 200 W/8 Ω – 1,15 V (RCA), 2,3 V (XLR)
  • Eingangsimpedanz – 10 kΩ
  • Frequenzgang – 20 Hz – 20 kHz ± 0,05 dB
  • Signal-Rausch-Verhältnis (Awtd) 50 W/8 Ω – 110 dB
  • Stromverbrauch (Stand-by) – <0,5 W
  • Abmessungen & Gewicht
    B x T (inkl. Lautsprecher-Terminals) x H (inkl. Füße) 433 x 425 x 171 mm
    Gewicht (netto) – 18,0 kG
UDP411

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 UDP411 mit 4K UpscalingArcam_UDP411_Presse_back

UDP411 – Anschlusssektion

Als Zuspieler dient in unseren Testreihen der Arcam UDP411. Der Player spielt BDs, DVDs, CDs und auch SACDs ab und verfügt über ein recht leises Laufwerk mit befriedigender Schnelligkeit beim Einlesen. Im Testbetrieb erwies sich das Laufwerk als zuverlässig und gab alle eingelegten Blu-rays anstandslos wieder. 

Eine Videosignalverarbeitung mit kürzestmöglichen Signalwegen kennzeichnet den optisch schlicht gestalteten Universal Disc Player. Videoquellen können auf bis zu 4K hochskaliert werden. Die Audio-Leistungsfähigkeit auch bei analoger Audiosignalausgabe liegt Arcam-typisch hoch. TI/Burr-Brown PCM1794 D/A-Wandler sind im Einsatz. Damit setzt Arcam auf ein besonders hochwertiges Bauteil, das für seine Präzision bekannt ist. Ein linearer Bessel Ausgangsfilter ist ebenfalls Bestandteil der Audiosektion. Durch das präzise Re-Clocking-System erreicht der UPD411 Resultate, die man ansonsten nur von exzellenten reinen Audio-CD-Spielern her kennt. 

Folgende Bildsignal- und Audio-Auflösungen unterstützt der UPD411: Über HDMI 720 x 576p, 720(1440) x 576i, 720 x 480p, 720(1440) x 480i, 1280 x 720p, 1920 x 1080i, 1920 x 1080p, 3840 x 2160p Audio to 8-channel/96kHz or 2-channel/192kHz (24-bit).

An weiteren Schnittstellen sind USB 2.0 High Speed (480 Mbit/s) und Ethernet 10 BASE-T / 100 BASE-TX an Bord. Auch über eingebautes WiFi verfügt der UDP411. Der Player wiegt 6,2 kg und ist 433 mm breit, 400 mm tief und 100 mm hoch. 

Bedienung

Während des Betriebs sind uns einige Dinge betreffend Bedienung etc. aufgefallen:

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Das Display des UDP411

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Das Display der AVR950 Vorstufe

  • Das Grün des Displays von Vorstufe AVR950 anders als bei UDP411, auch die Auflösung unterscheidet sich. 
  • Dadurch, dass sich kein großer Lautstärke-Drehregler an der Vorstufe befindet, ist die Lautstärkeregelung direkt am Gerät nicht optimal gelöst. 
  • Ein schlichtes OSD im bekannten Arcam Design ist bei der Vorstufe zu finden. Die OSDs des UPD411 wirken etwas moderner.
  • Einfache Bedienbarkeit der OSDs, aber kein Einrichtungsassistent bei AVR950.
    Es handelt sich bei der AVR950 Vorstufe um ein reines Schrift OSD ohne Grafiken
  • Der Arbeitswinkel der praktisch identischen Remotes für UDP411 und AVR950 ebenso wie Reichweite befriedigend. Der Arbeitswinkel wäre etwas zu optimieren.
  • Recht präzise Lautstärke Regelung über Fernbedienung an der Vorstufe.
  • Das Grün des Displays der Vorstufe wirkt etwas grell, man kann das Display aber abschalten.
  • Im Gegensatz zu vielen günstigeren Konkurrenten hat die Videosektion der AVR950 Vorstufe keine Video EQ Einstellungen. Weder finden sich vorprogrammierte Bildfelder, noch einzelne Regler für individuelle Einstellungen.
Menü-Screenshots AVR950

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Eingangs-Konfiguration

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Netzwerk-Setup

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Zone-Settings

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Klang-Modi. Dolby Pro Logic IIz sowie DTS Neo:X fehlen ebenso wie Dolby Atmos oder Auro-3D 

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Lautsprecher-Pegel

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Entfernung der Lautsprecher vom Hörplatz

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Lautsprecher-Konfiguration

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Einmesssystem

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Videosignal-Ausgabemöglichkeiten

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General Setup

Menü-Screenshots vom UDP411

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Menü „System“

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Menü „Netzwerk“

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Menü „Audio“

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Menü „Display“

Audio & Video-Performance

Starten wir in die Testreihen mit der BD von „Harry Potter und der Halbblutprinz“ in Deutsch, Dolby Digital 5.1, und in Englisch, Dolby True HD 5.1. Schon gleich zu Filmbeginn, in den ersten Sequenzen, kann sich das Arcam-„Team“ beweisen. Wir lernen mehrere Dinge: Zum einen, was Impulstreue bedeutet. Ansatzlos greifen die drei P49 ein, bei großen ebenso wie bei kleineren Effekten. Leistung ist stets im Überfluss vorhanden. Die verschiedenen Effekte sind räumlich ungemein präzise zu orten. Hier können wir als Beispiel die Szene in der Winkelgasse in London anführen. Dass Vorstufe und Endstufen auch Stimmen sehr charismatisch präsentieren, verdeutlicht der Dialog zwischen Harry Potter und der farbigen Bedienung im Café. Hintergrundgeräusche wie z.B. eine Stimme im Radio arbeitet die Arcam Kette fließend und mit akkurater Betonung ein. Generell wird die Bühne des Geschehens sehr weitläufig aufgebaut, hier merkt man ebenso wie bei der überragenden Tiefenstaffelung den Unterschied zwischen Oberklasse-AV-Boliden und einer Luxus-Kombination wie AVR950/3 x P49. Auch die großartige Dynamik (Zug fährt vorbei) selbst bei recht „normalen“ Effekten verdeutlicht die Überlegenheit der Arcam Kette. Als Harry Potter zusammen mit Dumbledore nach Budleigh Babberton appariert, beweist uns die Arcam-Kette ein weiteres Mal, was sie unter Lebendigkeit und Räumlichkeit sowie der Treffsicherheit bei der Einarbeitung von Effekten versteht. 

Harry und Dumbledore betreten wenige Zeit später das Haus von Horace. In dieser Szene wird der die Spannung unterstützende Music Score gekonnt eingebunden. Alles wirkt wie aus einem Guss, der Zuschauer erlebt mehr Dynamik und Vielschichtigkeit als im modernen Kinosaal. Und die Arcam Kette beweist uns: Wenn man eine ganz normale, herkömmliche 5.1 Tonspur, noch nicht einmal in einem hochauflösenden Format (Dolby Digital 5.1 Deutsch) auf herausragendem Equipment wiedergibt, hat man mehr Vergnügen als bei Dolby Atmos auf einem durchschnittlichen AV-Receiver. Sicherlich, ziehen wir zum direkten Vergleich die englische True HD-Tonspur heran, wachsen Dynamik und Detailtreue hörbar an. Aber schon normales DD 5.1 hört sich mit der Arcam-Kombination richtig gut an.

Als sich Dumbledore und Harry durch das Haus von Horace bewegen, ist jeder Schritt präzise zu hören, auch das Knarzen im Gebälk wird plastisch und lebendig wiedergegeben. Der plötzliche Dynamiksprung, als Dumbledore seinen Zauberstab an den Sessel hält, kommt exzellent heraus. Auch nur das Schwingen des Zauberstabes mit den Geräuschen der Luft reicht aus, um die Fähigkeiten der Arcam-Kette zu untermauern. Die nun folgenden Dialoge zwischen Harry, Dumbledore und Horace sind sauber ins tonale Gesamtgeschehen integriert. 

Wir haben uns natürlich auch mit den Upscaling-Fähigkeiten und der 24p Ausgabe von AVR950 und UDP411 beschäftigt. Hier kommen wir zu folgenden Erkenntnissen. Der AVR950 erledigt im Vergleich zu früheren Arcam AVRs das Upscaling deutlich besser. Weniger Scalingrauschen, mehr Bildschärfe und Detailtreue sprechen bei der Upconversion auf 4K für sich. Natürlich, lässt man den Sony VW1000 hochskalieren, ist das Ergebnis nochmals besser. Das Bild ist noch rauschärmer, detailtreuer, schärfer und kontrastreicher. Aber nicht jeder, selbst nicht jeder, der eine solche Arcam Highend Kette nutzt, hat einen Beamer wie diesen herausragenden Sony zur Verfügung. Mit dem Upscaling der AVR950 Vorstufe kann man demnach zufrieden sein, Arcam hat zumindest den Anschluss an die Top-Modelle von D&M, Yamaha, Onkyo und Pioneer gefunden. Der UDP411 hat die BD-Signale nativ ausgegeben, demnach 1080p/24, und überzeugt mit hoher 24p Stabilität ohne störende Mikro-Rucker. Farbtreue, Kontrastumfang und Bildschärfe sind ohne Fehl und Tadel. Die analogen akustischen Qualitäten der Burr Brown D/A-Wandler im UDP411 konnten wir nicht überprüfen, da der Player digital über HDMI mit der AVR950 Vorstufe verbunden war. 

Blu-ray Star Wars Episode 3, Schlacht über Coruscant, DTS-ES Discrete: Schon die Star wars-typische orchestrale Filmmusik zu Beginn, zu der parallel die gelbe Laufschrift mit den aktuellen Ereignissen im Star Wars-Universum eingeblendet wird, zu sehen ist, zeigt auf, welche Fähigkeiten die Arcam-Kette besitzt. Die Musik hat enorme Dynamik, ertönt außergewöhnlich räumlich und überzeugt mit feinen Strukturen. Kurz darauf, als der republikanische Sternzerstörer durchs Bild donnert, packen die drei P49 wieder nachdrücklich zu. Anmerkung am Rande – der Velodyne DD 18 besticht durch ungeheure Wucht und enormen Tiefgang. Die AVR950 steuert den aktiven Subwoofer hoch präzise an. Kurz darauf kommen die Jäger, die auf Sternzerstörer zufliegen, ins Bild. Sie sind sehr exakt zu orten, auch als sie nach unten in die Schlacht abkippen. Alle akustischen Elemente des Gefechtes kommen anschließend tadellos heraus, auch bei hohem Pegel (>80 in der Anzeige) erfolgt noch eine saubere Differenzierung. Alle Effekte haben eine enorme Dynamik, doch nicht nur die „großen Ereignisse“ haben uns überzeugt. So werden die Stimmen von Obi-Wan und Anakin sehr fließend eingearbeitet, und die Geräusche, die von R2D2 kommen, wirken ebenso authentisch wie die Tätigkeit der Bass Droids.Die zahlreichen Lasergeschütze und Raketen feuern/fliegen mit enormem Nachdruck und hoher Präzision – das ist eigentlich das, was man unter dem Begriff „Heimkino“ versteht. Verschiedene parallel stattfindende akustische Ereignisse werden bis in die hintersten Ebenen sauber auseinander differenziert, das zeichnet enorm hochwertige Komponenten aus. Hier finden wir einen signifikanten Unterschied zu günstigeren, für sich im Preisumfeld auch sehr gelungenen Konkurrenz-Produkten. 

Die Video Performance der Vorstufe bei 4K Upscaling unterfüttert beim Star Wars-Film unsere bereits zuvor gemachten Erkenntnisse. Wir fassen zusammen:

  • besserer Bildstand – Bild wirkt solider, ruhiger
  • Bild ist Kino-gerecht bezüglich Helligkeit, Farben, Kontrast
  • Geringes Scaling-Rauschen
  • Gute Einarbeitung von Details

Ab und zu ist leichtes Ruckeln zu sehen, hier mag es den ein oder anderen Top-AV-Receiver der Großserienhersteller geben, der genau diese Ruckler noch weiter minimieren kann. 

Nun hören wir uns von Paul Kalkbrenner das „Altes Karmuffel“ in DTS HD Master an. Der atmosphärisch dichter Aufbau mit enormer Weitläufigkeit sorgt hier für große Hörfreude. Der Beifall der Zuhörer kommt authentisch heraus, die Front-Surround-Verteilung des Klangs gelingt erstklassig. Alle elektronischen Effekt werden mit fein dosierter, präziser Räumlichkeit erfasst. Der Velodyne DD 18 wird äußerst exakt angesteuert und kann so die optimale Performance liefern: Einen satten, tiefen, trockenen Bass. Auch oberhalb des Bassbereiches notieren wir erneut in allen Disziplinen Spitzen-Werte. Zu loben ist die sehr gute Differenzierung im Hoch- und Mitteltonbereich. Tonal agiert die Arcam-Kette recht neutral, sehr realistisch, und offeriert eine sehr gute Auflösung über den gesamten Frequenzbereich. Alle Komponenten erweisen sich als höchst impulstreu, jeder noch so kleine Effekt oder Bassimpuls wird sofort umgesetzt. Dank 3 x P49 käme die Kette auch mit sehr leistungshungrigen Boxen zurecht, hier geht deutlich mehr als mit den großen Teufel System 10 Satelliten. Auch ein reines Standlautsprecher-Setup, z.B. mit großen Standboxen aus der KEF Reference-Serie oder mit großen Elac 509 Stand-Schallwandlern wäre hier kein Problem. 

Fazit

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Die Arcam-Kette, bestehend aus AVR950, P49 und UDP411, offeriert in den Basisdisziplinen eine herausragende Leistungsfähigkeit. Besonders die P49 Endstufe begeistert mit unglaublicher Dynamik, Pegelfestigkeit und Detailarbeit. Die schlichte Optik ist typisch für Arcam und ist bei allen Komponenten identisch. Die Endstufe kann Filmtonspuren ebenso hervorragend präsentieren wie Musik, immer trumpft sie mit hoher klanglicher Reinheit auf. Die AV-Vorstufe AVR950 bringt zwar verschiedene moderne Features wie Decoder für Dolby Atmos oder HDCP 2.2 Support für die HDMI-Buchsen derzeit nicht mit. Dafür aber sichert sie eine ungemein reine, direkte Signalbearbeitung und aus akustischer Sicht werden bei Impulstreue, Aufbau, Räumlichkeit, Tiefenstaffelung und Weitläufigkeit Ergebnisse erzielt, die auf absolutem Referenzniveau liegen. Arcam mag zwar aus Sicht der Ausstattungsvielfalt kein Optimum bieten, aus klanglicher Sicht jedoch ist man nahe daran. Schon eine normale Dolby Digital 5.1 Tonspur entfaltet so viel Charisma, Nachdruck und Lebendigkeit, dass man sich immer wieder verdutzt die Augen reibt. Die Videosektion der AVR950 Vorstufe präsentiert sich stark verbessert, nun kann man Arcam auch hinsichtlich der Video-Signalverarbeitung Ernst nehmen. Die OSDs sind sehr schlicht und reine Text-OSDs, Grafiken fehlen. Allerdings wird dies Highend-orientierte Klang-Liebhaber auch nicht so sehr stören. Das Einmesssystem ist gut, aber nicht überwältigend. Man sollte hier besser manuell im Sinne bestmöglicher Resultate arbeiten. Einen rundum gelungenen Eindruck hinterlässt auch der Universalplayer UDP411. Optisch gliedert er sich perfekt ein, bis auf das Display, er verfügt über ein relativ leises und zuverlässiges Laufwerk, und überzeugt durch die sehr stabile 1.080p/24 Hz-Signalausgabe. 

Die Arcam Highend-AV-Kette, bestehend aus AVR950, 3 x P49 sowie UDP411, begeistert durch audiovisuelle Top-Performance
referenz
Gesamt-Referenz Luxusklasse
Test 22. Oktober 2015

Bilder und Test: Carsten Rampacher
Datum: 22. Oktober 2015

 

 

 




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