TEST: Apple AirPods – True Wireless In-Ears in Spitzenqualität?

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Für 180 EUR gibt es Apples AirPods, zwei „True Wireless“-In-Ears, die mit einer Menge Komfortfunktionen dafür sorgen sollen, dass Besitzer von iPhones oder iPods erst gar nicht „fremdgehen“, sondern sich High-Tech-Ohrhörer gleich von Apple mitnehmen. Ist dies ein frommer Wunsch? Klar, die AirPods waren Pioniere ihrer Spezies, und sind schon eine ganze Weile auf dem Markt. Mittlerweile tummeln sich aber nicht nur Unmengen fernöstlicher Billig- und No-Name-Hersteller in diesem Segment, sondern auch „Schwergewichte“, die hoch entwickelte „True Wireless“ In-Ear-Kopfhörer offerieren. Bespiele gefällig? Der B&O Play für 299 EUR, die Jabra Elite 65t für knapp 170 EUR Marktpreis, die Sony WF-1000X für Marktpreise um die 190 EUR, und es gibt Hightech-Exoten wie die Bragi The Dass Pro für satte 349 EUR oder die ERATO Apollo 75 für knapp 280 EUR. Jabra denkt sogar auch an Sportler und bietet die Eklipse Sport True Wireless für um die 250 EUR an. Haben hier die AirPods mit ihrer eleganten Optik und der ausgezeichneten Verarbeitung eine Chance?

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Kompakte Box

Die in einer kleinen, äußerst soliden weißen Hochglanz-Box (die an den Ecken abgerundet ist und so weder die Hosentasche noch die Innentasche des Sakkos zerstören kann) untergebrachten In-Ears werden, wie gewöhnlich bei True Wireless-Ohrhörern, in der Box geladen. Sie sitzen präzise in ihren Halterungen, unten in der Box sind die fürs Aufladen zuständigen Kontakte. Eine grün leuchtende LED signalisiert, dass die AirPods voll geladen sind und dann für 5 Stunden in der Lage sind, Signale wiederzugeben.

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Nach nur 15 Minuten im Case gibt es wieder 3 Stunden Wiedergabe 

Eine Schnellladefunktion  besitzen die AirPods auch, nach 15 Minuten im Case kann man wieder 3 Stunden Musik hören.

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Batteriestand mittels iPhone-Display angezeigt 

Den Batteriestand kann man checken, indem man die AirPods einfach in die nähe des iPhones hält oder Siri fragt, „wie viel Batterie haben die AirPods noch?“ Beides funktioniert tadellos in der Praxis. Im Lade-Case steckt übrigens Energie für mehr als 24 Stunden Wiedergabe, das ist sehr gut. Ein kleines Menü, aufrufbar über die Info-Taste hinter dem Bluetooth-Symbol im entsprechenden Menü von iPhone oder iPad, gibt verschiedene Einstellmöglichkeiten an die Hand.

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Menü

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Rechter AirPod kann programmiert werden

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Linker AirPod kann programmiert werden

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Einstellungen, auf welches Ohr das Mikrofon wirken soll

Die AirPods kann man verschieden programmieren. Zweimaliges Tippen auf den rechten oder den linken AirPod ruft z.B. den Sprachassistenten Siri auf, oder die Wiedergabe pausiert. Nimmt man einen AirPod oder beide aus dem Ohr,  pausiert die Wiedergabe, setzt man sie wieder ins Ohr, geht die Wiedergabe an exakt der gleichen Stelle weiter, das ist sehr praktisch.

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Namensänderung

Man kann den Namen natürlich, typisch Apple, einfach ändern und seine persönlichen AirPods umtaufen. 

Sehr gut arbeiten die AirPods darüber hinaus beim Telefonieren. Wir haben diese Funktion häufig und gern genutzt. Zwei wellenbündelnde Mikrofone filtern effektiv die Hintergrundgeräusche heraus. Man versteht auch in einer belebten Innenstadt den Gesprächspartner gut, und auch der Gesprächspartner klagt nicht. Insgesamt ist die Isolierung externen Geräuschen gegenüber ordentlich, fürs Flugzeug würden wir aber klassische Over-Ears mit aktivem Noise Cancelling klar vorziehen, um die typischen Fluggeräusche effektiv zu filtern. 

Die AirPods verbinden sich mit Apple-Geräten automatisch, was in der Praxis auch reibungslos funktioniert. Man kann sie gleichzeitig mit 2 Apple-Devices verwenden, auch das klappt, wir haben es mit einem iPhone 7 und einem iPhone X probiert. Auch auf dem MacBook oder dem iPad laufen die AirPods sofort. 

Im Inneren der AirPods arbeitet der speziell für diese Anwendung entwickelte Apple W1 Chip. Optische Sensoren und Beschleunigungsmesser arbeiten mit dem Chip zusammen, dadurch werden die zahlreichen Automatik-Funktionen ermöglicht. In unseren umfangreichen praktischen Testreihen haben die AirPods immer perfekt funktioniert und sich keinerlei Ausfälle hinsichtlich der Betriebssicherheit geleistet. 

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Recht bequemer Sitz im Ohr

Wie ist es um die Bequemlichkeit bestellt? Wir waren zunächst skeptisch, denn weiche oder sich dem Ohr anpassende Aufsätze, wie bei anderen In-Ear-Kopfhörern, gibt es, wie üblich bei Apple nicht. Daher kann es durchaus menschliche Ohrformen geben, für die die Air Pads untauglich sind. Entweder sie passen oder sie passen nicht, das ist hier die Maxime. Für unsere Ohren sitzen sie sehr bequem, drücken nicht, aber fallen auch nicht direkt heraus. Auch bei mehrstündigen Bahnfahrten oder nächtlichem Hörbuch-Lauschen wurden die AirPods nie unangenehm. 

Klang

Wie ist es um die klanglichen Fähigkeiten bestellt? Bislang haben wir den Eindruck, dass die AirPods einen beachtlichen praktischen Nutzwert aufweisen, doch was bringt das, wenn die Akustik unterdurchschnittlich ist? Wir können n dieser Stelle gleich beruhigen, denn die AirPods wissen auch hinsichtlich des Klangs zu gefallen. Die maximal möglichen Pegel sind gut, wenn auch nicht enorm hoch. Das ist aber in der Praxis kein echter Nachteil, denn man möchte auch nicht durch zu lautes Hören sein Gehör irreparabel schädigen. 

Wir beginnen mit „Enjoy The Silence“ von Ki:Theory und sind direkt ab Beginn sehr angetan. Kraftvoll und homogen breitet sich der Sound aus, und auch wenn man lauter hört, trennen sich die Stimmen noch ausgezeichnet von den Instrumenten. Prima – vor allem, wenn man bedenkt, wie „lau“ die Akustik früher Apple In-Ears war. Probleme mit der Synchronisierung, wie wir es bei anderen True Wireless-In-Ears schon feststellen mussten, gibt es nicht. Das Signal kommt stets zeitgleich bei beiden In-Ears an, Aussetzer bei der Wiedergabe gab es nie. Das ist eine bravouröse Leistung und stellt klar, dass man diese Zuverlässigkeit nicht nur bei vielen Billigprodukten nicht findet: Auch teurere Produkte laufen nicht so zuverlässig wie unsere AirPods. 

Bei „Perfect“ von Ed Sheeran geben sich die AirPods auch keine Blöße. Sie sind weniger für den HiFi-Enthuasisten geeignet als für den Hörer, der problemlose Begleiter für alle Lebenslagen und für jeden Musikstil sucht. Im Hochtonbereich geht bei der Herausarbeitung kleiner Details natürlich noch deutlich mehr, aber solche Feinheiten interessieren viele gar nicht. Mit homogener, angenehmer, gleichzeitig lebendiger Auslegung erfüllen die AirPods die Anforderungen für einen erstklassigen Alltags-Begleiter souverän. Eds Stimme kommt hinsichtlich der Konturen und des Charismas gar nicht schlecht heraus, auch der Rhythmus wird tadellos getroffen.

Beim Klassiker „Bakerman“ von Laid Back treten die AirPods mit einem kräftigen, fundierten Sound auf. Der Bass hat richtig Substanz und gefällt durch ein passendes Timing. Kleinere dynamische Differenzen arbeiten die AirPods gut heraus, insgesamt ist das Klangbild durchaus als vielschichtig zu bezeichnen. Die dichte, aber nicht übertriebene Räumlichkeit überzeugt uns ebenso wie die erneut tadellose Stimmwiedergabe.

Und was ist mit nachdrücklichen House-Beats? „Body“ von Lord Luxury muss hier herhalten. Und das schon bei „Bakerman“ herausgehörte Kraftvolle bei der Basswiedergabe setzt sich hier nahtlos fort. Der Bass ist intensiv, aber trotzdem ist das Hörerlebnis angenehm und nicht zu drückend. Apple hat hier eine akustische Gesamtauslegung gewählt, die vielen potentiellen Käufern „schmecken“ dürfte, von allem etwas, gewürzt mit der richtigen Balance – wir sind überrascht. 

Der satte, druckvolle Bass bei „No Limit“ von G-Eazy ist eigentlich gar nichts für kleine Ohrhörer. Und auch bei den AirPods fehlt es etwas an dieser ungefiltert schiebenden Kraft von Unten. Für ihre Gattung aber erledigen sie ein weiteres Mal einen tadellosen Job. Vor allem kommt auch die Stimme prima heraus, die Räumlichkeit verdient ebenfalls Lob. 

Nun wird es klassisch – kommt hier nun das große Versagen? Wir hören uns die orchestrale Eröffnung von Wolfgang Amadeus Mozarts legendärer Oper „Figaros Hochzeit“ an. Nun, sehr versierte Klassikliebhaber werden schon das ein oder andere bemängeln. Dieses Strahlende, Frische, das Herz öffnende, Mitreißende dieses orchestralen Großereignisses wird zwar schon verdeutlicht, aber hier fehlt es doch etwas an Intensität. Prima ist es auch bei diesem Klangbeispiel um die Harmonie bestellt. Passende Übergänge, eine enorme Homogenität und eine gute Betonung der jeweiligen Instrumente – sogar der Streicher – verdienen Anerkennung. 

Fazit

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Reife Leistung: Die Apple AirPods gefallen mit enormer Betriebssicherheit, innovativen Funktionen mit hohem praktischen Nutzwert, recht langen Betriebszeiten, Schnellladefunktion und mit einem ausgewogenen, lebendigen Klang, der sich durch die homogene Auslegung für praktisch alle Musik-Genres eignet. Für die Leistung ist der auf den ersten Blick recht hoch anmutende Kaufpreis gerechtfertigt. 

Zuverlässig, innovativ, schick und klangstark: Die AirPods überzeugen im Test
ueberragend
In-Ear-Kopfhörer bis 200 EUR
Test 31. Januar 2018

Test und Fotos: Carsten Rampacher
Datum: 31. Januar 2018

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