TEST: „Amazon Fire TV Stick“ – Günstiger Streaming-Stick für Prime Instant Video-Nutzer

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Nach der seit letztem Herbst erhältlichen „Fire TV Box“ bietet amazon mit dem „Fire TV Stick“ jetzt noch eine abgespeckte Version zur Nutzung seines Streaming-Angebots an. Statt 99 zahlt man nur 39 EUR und die ersten Vorbesteller hatten sogar für kurze Zeit die Chance, den Fire TV Stick für 7 bzw. 19 EUR zu erwerben.

Der Fire TV Stick ist eine verkleinerte Version der Fire TV Box mit etwas weniger Leistung und vor allem für die Verwendung des Prime Instant Video-Angebots konzipiert. Die Bildausgabe erfolgt via HDMI in 1080p. Dolby Digital Plus-Ton im 7.1-Format wird auch unterstützt.

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Auch eine Bluetooth-Fernbedienung befindet sich im Lieferumfang, die aber keine Sprachsteuerung wie bei der Fire TV Box bietet. Die Fernbedienung ist etwas kleiner und leichter. Für die Sprachsteuerung kann man die größere Fernbedienung aber zukaufen oder die „Fire TV Remote App“ für iOS & Android nutzen.

Auch die Hardware des „Fire TV Stick“ wurde im Vergleich zur „Box“ abgespeckt. Statt einer Quad Core-CPU gibt es nur eine Dual Core-CPU und intern stehen nur 1 GB RAM statt 2 GB zur Verfügung. Daher ist der Fire TV Stick offiziell auch nur für „Casual Games“ geeeignet, bietet aber zumindest ausreichend Leistung für etwas ältere Action-Spiele. Der als Zubehör erhältliche Game Controller lässt sich auch als Zubehör nutzen. Es stehen wie bei der Box aber nur 8 GB Speicher zur Verfügung, von denen ca. 5.6 GB für Apps genutzt werden können. Mangels USB-Anschluss kann man keinen externen Speicher verwenden.

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Auf einen Netzwerk-Anschluss und den optischen Digitalausgang wurde verzichtet. Der Fire TV Stick verbindet sich ausschließlich via WLAN mit dem Internet. Bei Problemen mit dem WLAN-Empfang sollte man ein HDMI-Verlängerungskabel verwenden, um den Stick an eine Stelle mit besserer Signalstärke zu bringen. WPS wird bei der Erstinstallation nicht unterstützt weswegen der WLAN-Schlüssel mit der Fernbedienung manuell eingegeben werden muss. Dafür wird der Fire TV Stick direkt bei der Auslieferung für das amazon-Konto konfiguriert, über das er bestellt wurde. Er lässt sich aber auch mit einem anderen Konto verknüpfen.

Die abgespeckte Bluetooth-Fernbedienung bietet bis auf die fehlende Sprachsteuerung die gleichen Tasten wie die Fernbedienung der Fire TV Box. Der Gamecontroller wird ebenfalls via Bluetooth gekoppelt. Alternativ lässt sich aber z.B. auch der PS4-Controller via Bluetooth nutzen. Am bequemsten ist die Auswahl der eigenen Filme & Serien aus dem Prime-Angebot, indem man sich über die amazon-Website die Favoriten in eine Watchlist legt, auf die man dann über die eigene Watchlist-Rubrik auf dem Fire TV Stick zugreifen kann.

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Auf dem Fire TV sind der Amazon Video Store, Amazon App Store und Amazon Music vorinstalliert. Über den App Store lassen sich weitere Video-, Musik- & Games-Apps installieren. Darunter sind neben dem Amazon-Konkurrenten Netflix u.a. die Mediatheken von ARD und ZDF sowie Apps für Video-Portale wie YouTube und Vimeo. Das Musik-Angebot besteht u.a. Spotify (inkl. Spotify Connect) und TuneIn Radio.

Die Navigation der Fire OS-Oberfläche stellt vor allem Prime Instant Video und das amazon Instant Video-Shop Angebot für Filme und Serien in den Vordergrund. Dort findet man überwiegend Filme und Serien in deutscher Synchronfassung und inzwischen auf häufiger mit englischem Originalton.

Die Nutzung eigener Video- und Musikdateien über DLNA-Streaming-Server unterstützt amazon nicht aktiv. Mit Hilfe einiger Apps lassen sich zumindest verschiedene Streaming-Funktionen für das lokale Netzwerk nachrüsten. Dazu gehört u.a. Plex welches allerdings einen Plex Media Server voraussetzt, der in der Handhabung etwas komplizierter als ein einfacher DLNA-Server ist. Das Kodi-Mediacenter steht ebenfalls im App Store auf der Amazon-Seite bereit, ist allerdings bislang nicht für den Fire TV Stick freigegeben und kann somit nicht wie andere Apps bequem per einfachem Click installiert werden.

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Wie bereits auf der Fire TV Box ermöglicht amazon auf dem Fire TV Stick aber auch die Installation von Android-Apps in Form von apk-Dateien und das gibt über einen Umweg die Möglichkeit, das Kodi-Media Center zu installieren. Das Ganze ist allerdings etwas kompliziert, weil man erst einmal Zugriff von außen auf die Box benötigt und auch kein Web-Browser vorinstalliert ist. Je nach Betriebssystem gibt es verschiedene Möglichkeiten zur Installation via Netzwerk, die im offiziellen XBMC-Wiki beschrieben werden. Der einfachste Weg für Windows-Nutzer ist die inoffizielle Amazon Fire TV Utility App, über die man nach Freigabe der Entwickleroptionen direkt die XBMC/Kodi-apk-Datei für ARM-CPUs auf die Fire TV-Box installieren kann. Es empfiehlt sich, direkt einen Datei-Manager wie z.B. den ES File Explorer zu installieren. Mit dem kann man dann via FTP aus dem heimischen Netzwerk neue Anwendungen installieren. Zum einfacheren Aufruf der Apps empfiehlt sich auch der FiredTV Launcher.

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Kodi läuft auf auf dem Fire TV Stick fast ähnlich flott wie auf der Fire TV-Box und bietet eine sehr schnelle Menü-Navigation. Videos aus lokalen DLNA-Netzwerken werden ohne merkliche Verzögerung direkt gestartet. Im Unterschied zum Raspberry Pi funktioniert steht kein De-Interlacing zur Verfügung und Kodi kann auch nicht die Bildwiedergabefrequenz forcieren, die durch die Fire TV Stick-Systemeinstellungen vorgegeben werden.

Während auf der Fire TV Box mit leistungsfähigerer CPU auch einige komplexere Spiele genutzt werden müssen, werden diese für den Fire TV Stick erst gar nicht angezeigt. Ein großer Teil des Spiele-Angebots besteht vor allem aus kleineren „Casual Games“ oder älterern Klassikern wie verschiedene „Sonic“-Games von SEGA. Die laufen selbst auf dem Stick noch recht flott sind aber optisch nicht unbedingt ganz auf der Höhe der Zeit.

Viele Spiele lassen sich sogar mit der Bluetooth-Fernbedienung steuern was trotz des gewöhnungsbedürftigen Gameplays oft erstaunlich gut funktioniert. Für eine genauere Kontrolle empfiehlt sich aber der Einsatz eines echten Game-Controllers. Der als Zubehör erhältliche amazon-Controller wird mit zwei normalen AA-Micro-Batterien oder Akkus betrieben und macht einen robusten Eindruck. Man kann ihn präzise anpacken und auch die Ergonomie der einzelnen Regler ist trotz der etwas kantigen Optik recht gut. Aufgrund der glatten Oberfläche und dem relativ hohen Gewicht muss man angesichts der eingeschränkten Griffigkeit allerdings aufpassen, dass der Controler auch bei hitzigeren Aktionen nicht aus der Hand fliegt.

Amazon Fire TV Apps

Der Unterschied zwischen Dual Core und Quad Core-CPU im Vergleich zur „Fire TV“-Box bemerkt man am nicht ganz so rasanten Handling. Die Menü-Navigation wirkt nicht ganz so geschmeidig. Träge ist auch der Stick aber keineswegs und beim Full HD Video-Decoding ist die Performance auf gleichem Niveau. 

Der Fire TV Stick hat kein integriertes Netzteil und keine HDMI-Buchse. Stattdessen wird der Stick direkt in einen HDMI-Eingang gesteckt. Im Lieferumfang befindet sich noch eine kurze HDMI-Kabelverlängerung, die die Fummelei an den HDMI Buchsen-Terminals des Fernsehers etwas erleichtert.

Die Stromversorgung erfolgt über eine Micro USB-Buchse. Im Lieferumfang ist neben einem USB-Kabel auch ein 1,8A-Netzteil mit USB-Ausgang welches z.B. auch bei den Fire HD-Tablets dabei ist. Die Leistungsaufnahme bei der Video-Wiedergabe bewegt sich zwischen 2 und 3 Watt.

Schliesst man das USB-Kabel direkt an eine USB-Buchse des Fernsehers an, kann es sein, dass ein Hinweis auf eine unzureichende Stromversorgung kommt. Ist die USB-Buchse in der Lage, auch eine USB-Festplatte mit Strom zu versorgen, sollte der Betrieb aber trotzdem möglich sein. Bei der Erstinstallation oder Firmware-Updates sollte man sicherheitshalber doch das Netzteil anschließen, um zu verhindern, dass sich der Stick in Brickware verwandelt.

Das direkte Trennen vom Stromnetz im normalen Betrieb schadet dem Fire TV Stick nicht, der ohnehin über einen Ein- und Ausschalter verfügt. Nach ca. 30 Minuten geht der Stick automatisch in den Standby. Das kann man auch durch langen Druck auf die „Home“-Taste beschleunigen, welche den Zugriff auf manuelle Aktivierung des Ruhestands freigibt. Es empfiehlt sich auch, den etwas stromhungrigen Bildschirmschoner zu deaktivieren, der unter „Einstellungen > Töne und Bildschirm > Bildschirmschoner“ zu finden ist.

Amazon Fire TV Filme

amazon bietet Filme und Serien als HD-Streams in mehreren Qualitätsstufen an. Die Anpassung erfolgt dabei dynamisch während der Wiedergabe. Meist dauert es ein paar Sekunden nach dem Start, bis sich die zunächst etwas dürftige SD-Qualität auf die Stufe „HD“ verbessert. Performance-Unterschiede zwischen der Fire TV-Box und dem Stick waren dabei nicht feststellbar. Der HD-Modus bietet schon auf den meisten Bildschirmen eine recht gute Qualität. Farben und Kontrast sind bereits auf Top-Niveau und auch die Schärfe ist bis auf dynamische Szenen, die dann doch teilweise Artefakte zeigen, schon ziemlich gut. Sofern eine richtig schnelle Bandbreite zur Verfügung steht, schaltet das Streaming dann nach einiger Zeit noch einmal eine Stufe höher auf „HD 1080p“. Und in diesem Modus wirkt das Streaming trotz niedrigerer Datenraten schon fast so sauber und detailliert wie das von Blu-ray Discs. Selbst auf dem Projektor muss man schon genau hinsehen, um Unterschiede erkennen zu können.

Leider sind bei Prime Instant Video weiterhin verschiedene Streams für 50 oder 60 Hz optimiert. So sieht man bei 60 Hz-Darstellung häufiger ein Ruckeln bei deutschsprachigen Inhalten während die Originalton-Inhalte vereinzelt bei 50 Hz ruckeln. Das lässt sich bislang im Einzelfall nur händisch in den Systemeinstellungen (Einstellungen > Töne und Bildschirm > Bildschirm > Video-Auflösung) umstellen, denn es gibt keine automatische Umschaltung zur Anpassung der Streams auf optimale 50 oder 60 Hz-Wiedergabe. Wer überwiegend deutschsprachige bzw. synchronisierte Inhalte sieht, dürfte mit der manuellen 50 Hz-Einstellung meist das beste Ergebnis erhalten und O-Ton-Gucker mit 60 Hz besser fahren.

 

Fazit

Die Minimierung der Fire TV-Box auf eine HDMI Stick-Größe ist Amazon gelungen. Das ähnelt dem Google Chromecast HDMI-Stick, der aber auf Apps zur Steuerung angewiesen ist während der Fire TV Stick mit seiner eigenen Fernbedienung genutzt wird. 

Trotz Reduzierung auf das Wesentliche bietet auch der Fire TV Stick ausreichend Leistung. Beim normalen „Instant Video“-Gebrauch ist auch der Stick ausreichend schnell. Das ist ja auch der primäre Zweck und mit seinen kompakten Abmessungen passt der Stick auch ins Reisegepäck, um auch unterwegs zum Einsatz zu kommen. Deswegen gibt es sogar eine Unterstützung für WLANs mit Benutzeranmeldung.

Leider gibt es weiterhin teilweise ruckelnde Bilder bei der Wiedergabe von 50/60 Hz-Material und auch das Installieren von Drittanbieter-Apps gestaltet sich immer noch unnötig kompliziert. Amazons Android App Store braucht sich mittlerweile gegenüber dem Google Play Store nicht mehr zu verstecken. Nur leider fehlt bei vielen Apps wie z.B Kodi, die einwandfrei auf den Fire TV-Geräten laufen, die offizielle Freigabe, die eine direkte Installation über die Fernbedienung ermöglichen würde.

sehrgut
Test: 25. April 2015

+ Kompakter Streaming-Stick mit ausreichender Leistung
+ Sehr gute Bildqualität bei HD-Streaming in 1080p
+ Erweiterbar mit Android-Apps aus dem Amazon Store & Installation von apk-Dateien

– Nur 5.6 GB Speicher für eigene Apps nutzbar
– Teilweise ruckelnde 50/60 Hz-Wiedergabe
– Keine DLNA-Unterstützung ab Werk
– Kein WPS bei der WLAN-Installation

Test: Karsten Serck




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