TEST: Amazon Fire TV mit 4k Ultra HD

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2014 brachte Amazon mit dem Amazon Fire TV erstmals eine Streaming-Box für das eigene Video-Angebot auf den Markt. Für Prime-Kunden war die Box zum Einführungspreis von 49 EUR ein Schnäppchen und wochenlang nicht lieferbar. 2015 folgt mit dem „Amazon Fire TV mit 4k Ultra HD“ der Nachfolger, der diesmal ohne Vergünstigungen zum Preis von 99,99 EUR angeboten wird.

Wie der etwas sperrige Name signalisiert, bietet die neue Box vor allem eine Neuerung: Sie kann jetzt auch Ultra HD Video-Streams abspielen und unterstützt den HEVC/H.265-Video-Codec. Diesen will amazon zukünftig auch verstärkt für 1080p Video-Streams einsetzen. Da HEVC nur ungefähr die Hälfte der Bandbreite von H.264 beansprucht, ist mit H.265 auch dort vielfach 1080p-Streaming möglich, wo die Internet-Bandbreite bislang nicht ausreichte.

Die überarbeitete 2015er-Version des Amazon Fire TV ist mit einer MediaTek Quad-Core 2 GHz-CPU sowie 2 GB RAM ausgestattet und soll neben Ultra HD-Streaming auch etwas mehr Leistung für Spiele bieten. Als GPU kommt im neuen Fire TV ein Power VR GX6250-Chip zum Einsatz. Laut amazon soll die schnellere Hardware rund 75 % mehr Leistung bieten und unterstützt jetzt auch 802.11ac-WLAN. Bereits die erste Generation des Fire TV war in der Bedienung so flott, dass man mit dem neuen Modell nur einen leichten Geschwindigkeitssprung wahrnimmt.

UHD-Streaming ist derzeit mit Amazon Video und Netflix mit maximal 30 fps möglich. Zur Wiedergabe in 4k/Ultra HD ist ein Fernseher mit HDCP 2.2-Unterstützung erforderlich.

Amazon setzt für Ultra HD-Streaming eine Bandbreite von mindestens 15 Mbps voraus. Eine Art Offline-Modus, mit dem man bei weniger Bandbreite einen Teil zwischenspeichern kann, gibt es weiterhin nicht.

Amazon bietet eigene Übersichten für mit „UHD“ gekennzeichnete Filme und Serien. Derzeit sind um die zehn Serien aus dem „Prime“-Angebot verfügbar. Ausserdem gibt es noch fünf Kauf-Serien wie „Breaking Bad“ und „The Blacklist“.

Das Spielfilm-Angebot in UHD umfasst derzeit etwas mehr als 50 Filme – überwiegend aus dem Sortiment von Sony zum Leihen und/oder Kaufen. Das Film-Angebot ist sehr unspektakulär. Es handelt sich überwiegend um viele alte Filme aus den letzten 10-30 Jahren mit nur wenigen Highlights oder richtigen Klassikern wie z.B. „Die Brücke am Kwai‘. Darunter sind auch viele mittelmäßige Filme. Das UHD-Film-Angebot umfasst derzeit nur wenige Neuheiten der letzten Jahre wie „Elysium“, „Captain Philips“ oder „American Hustle“.

Die Preise für die UHD-Filme und -Serien liegen deutlich über Blu-ray Disc-Niveau. Für solche überwiegend älteren Filme, an denen man lediglich eine Streaming-Lizenz ohne weiterverkaufbare „Hardcopy“ erwirbt, erscheint dies zu teuer.

Amazon bietet seine Filme und Serien teilweise mit verschiedenen Bildwiederholungsraten an. Leider bietet die Box aber weiterhin keinen Automatik-Modus, der die Bildausgabe entsprechend zwischen 24, 50 und 60 Hz automatisch umschaltet (sofern das TV-Gerät diese Auflösungen unterstützt) weswegen bei abweichender Bildwiederholungsrate teilweise ein je nach TV-Gerät mehr oder weniger starkes Ruckeln beobachtet werden kann. Der Automatik-Modus für die Bildauflösung orientiert sich nur an dem, was das Display maximal unterstützt und bei 1080p kann man zwischen 50 und 60 Hz manuell umschalten. Die Menüs werden durchgängig in 1080p dargestellt. Bei der Wiedergabe von Ultra HD-Streams schaltet die Auflösung auf 3840 x 2160 um, was für kurze Bildaussetzer sorgen kann.

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Die neue Fernbedienung mit Sprachsteuerung nutzt WLAN statt Bluetooth. Diese kann teilweise für kurze Unterbrechnung sorgen und erscheint nicht ganz so robust wie klassische Infrarot-Fernbedienungen. Die Fernbedienung der ersten Generation hatte noch eine leicht gummierte Oberfläche mit Plastiktasten während die neue Fernbedienung mit einfachem Plastik und Gummitasten auskommt. Via Bluetooth kann man neben Game-Controllern auch Kopfhörer mit der Box verbinden und Filme und Musik mit Dolby Audio Virtual Surround Sound hören. Die neue Fire TV-Box unterstützt auch die Surround-Wiedergabe mit Dolby Atmos. Bislang sind aber keine Filme oder Serien im Amazon-Angebot mit Dolby Atmos-Tonspur bekannt.

Amazon hat beim neuen Fire TV auch seine ASAP (Advanced Streaming and Prediction)-Technik verbessert und startet dadurch die Wiedergabe vieler Streaming-Videos ohne längeren Buffer-Vorlauf. Leider hat Amazon dies aber nur halbherzig umgesetzt. Denn auch das neue Fire TV ermöglicht keine Festlegung der bevorzugten Sprache. Selbst wenn man das Fire TV in den Systemeinstellungen auf Englisch stellt, starten die Streams zunächst auf Deutsch. Dann muss man wieder umständlich mit mehreren Clicks die Sprache für jede einzelne Wiedergabe umstellen und bis zum Neustart des Streams ein paar Sekunden warten. Selbst bei bereits gestarteten Streams merkt sich die Box nicht die zuvor genutzte Sprache und startet immer wieder mit Deutsch. Leider ist ohnehin das Originalton-Angebot bei amazon weiterhin sehr selektiv. Während die meisten Eigenproduktionen und exklusive Serien-Highlights wie z.B. „Fear of The Walking Dead“ auch eine englische Sprachspur bieten, ist das ansonsten bei den meisten Filmen und Serien immer noch nicht selbstverständlich.

Für das System und Anwendungen stehen auch beim neuen Fire TV weiterhin nur 8 GB interner Speicher zur Verfügung. Dafür gibt es neben dem USB 2.0-Anschluss jetzt auch einen microSD-Karten-Anschluss. Nachdem beim alten Amazon Fire TV bereits per Firmware-Update der USB 2.0-Anschluss als App-Erweiterungs-Speicher freigeschaltet wurde, funktioniert dies beim neuen Fire TV nicht mehr. Apps lassen sich nur auf microSD-Karten ablegen. Einen Mediaplayer für lokale Videodateien gibt es auch weiterhin nicht, so dass ohne Drittanbieter-Apps kein Zugriff auf die lokalen Mediadateien möglich ist.

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Amazon nutzt für das neue Fire TV die Fire OS-Version 5. Diese basiert auf dem Android 5.1 „Lollipop“-Betriebssystem mit einer angepassten Benutzeroberfläche, die vor allem das Amazon Video-Angebot in den Vordergrund stellt. Android-Apps aus dem Amazon App Store können direkt auf der Box installiert werden. Das erfordert aber auch, dass sie von Amazon explizit für die Nutzung auf dem Fire TV freigegeben sind.

Die Installation von nicht im App Store angebotenen Drittanbieter-Apps wie z.B. dem Kodi-Mediacenter ist jetzt etwas einfacher geworden, weil kein umständliches „Sideloading“ per PC mehr erforderlich ist. Da amazon inzwischen den „DS File Explorer“ für das Fire TV freigegeben hat, kann man nach Freigabe in den Sicherheitseinstellungen auch apk-Dateien von USB- oder microSD-Speichern installieren.

Die Menü-Oberfläche des „Fire TV“ ist optisch unverändert – sie stellt weiterhin vor allem die Filme und Serien aus dem Prime-Angebot in den Vordergrund. Es gibt auch keine festen Platzierungen, sondern es werden immer nur die letzten abgerufenen Titel angezeigt. Das macht die Nutzung etwas unübersichtlich. Eine einfache Möglichkeit, bevorzugte Apps auf einer Seite darzustellen, gibt es weiterhin nicht. Dazu kann man aber auf inoffizielle Tools wie „FireStarter“, zurückgreifen, die den Zugriff auf die Apps vereinfachen. Die Version 2.7.2. aus dem Juli ist aber noch nicht für das neue Fire TV angepasst und produziert laufend Fehlermeldungen.

Das von Amazon aus dem App Store entfernte Kodi-Mediacenter erweitert zwar die Fire TV-Box um viele neue Funktionen. Es hat aber weiterhin nicht den gleichen Funktionsumfang wie z.B. beim Raspberry Pi. So ist die Anwendung dem System untergeordnet und kann z.B. keine Video-Auflösungen oder Frequenzen umschalten oder z.B. Dolby Digital oder DTS-Bitstreams abspielen. Kodi spielt auch HEVC/H.265-Videos in Ultra HD-Auflösung ab – mangels Zugriff auf die Systemeinstellungen allerdings nur herunterskaliert mit 1080p-Auflösung.

Auch das neue Amazon Fire TV verfügt über keinen richtigen Ausschalter. Nach ca. 30 Minuten geht die Box automatisch in den Standby. Durch längeren Druck auf die „Home“-Taste erscheint ein Menü, mit dem man den Ruhezustand auch manuell aktivieren kann. Wer die Box komplett vom Netz nehmen will, sollte einen eigenen Steckdosenschalter verwenden. An die meist eng aneinander liegenden Steckdosen in Steckdosenleisten passt das etwas breit dimensionierte externe Steckernetzteil ohnehin nicht immer.

Fazit

Der Markt der Video-Streaming-Boxen verändert sich schnell. 2014 war Amazon mit dem Fire TV der Konkurrenz weit voraus. Apple macht zwar mit dem auf 1080p reduzierten neuen „Apple TV“ videotechnisch keine Konkurrenz. Mit dem nur in den USA erhältlichen Roku 4 und dem NVIDIA Shield sind oberhalb der 100 EUR aber inzwischen schon etwas leistungsfähigere Streaming-Boxen auf dem Markt.

Das neue Amazon Fire TV bietet bis auf die 4k und HEVC/H.265-Unterstützung nur wenig mehr als die inzwischen nicht mehr erhältliche Box der ersten Generation. Da in den meisten Ultra HD-Fernseher ohnehin bereits die Amazon Video-App vorhanden ist, dürfte sich der Kaufanreiz für viele Nutzer in Grenzen halten. Ohnehin ist das derzeit verfügbare Ultra HD-Angebot noch sehr überschaubar.

An den Funktionen hat Amazon nur wenig verändert oder verbessert. Wer die Box primär für Amazon Video-Inhalte nutzt, findet die neuesten Filme und Serien deutlich herausgestellt und auch die Suchfunktion via Sprache funktioniert sehr gut. Das Spiele-Angebot besteht weiterhin in erster Linie aus einfacheren „Casual Games“. Es befinden sich durchaus interessante Spiele darunter, aber nur wenige grafische Highlights.

Trotz neuem Fire OS 5.0-Betriebssystem stören weiterhin bereits vom ersten Fire TV bekannte Einschränkungen. Je nach Bildfrequenz der Inhalte kann es stellenweise Ruckler geben und die Suche nach Originalton-Inhalten ist weiterhin verwirrend. Erweiterungsspeicher ist nur eingeschränkt nutzbar und nicht im Amazon App Store erhältliche Drittanbieter-Apps wie „Kodi“, die das Amazon Fire TV erst universell nutzbar machen, lassen sich nur umständlich starten. Aber immerhin blockiert Amazon sein Fire OS nicht ganz so radikal wie Apple bei iOS und lässt das „Sideloading“ überhaupt zu.

sehrgut
Test: 07. Oktober 2015

+ Ultra HD-Streaming
+ Erweiterbar mit Android-Apps aus dem Amazon Store & Installation von apk-Dateien
+ Gute Sprachsteuerung

– teilweise Bildruckler bei 1080p-Video mit 50 & 60 Hz
– USB & microSD-Speicher nur eingeschränkt nutzbar
– Keine Voreinstellung für Sprachfassungen von Filmen und Serien möglich

Test: Karsten Serck




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