TEST: Amazon Fire TV – Die schnelle Streaming-Box für Video & Gaming

Amazon Fire TV Verpackung

„Amazon Fire TV“ heisst die neue Multimedia-Streaming-Box von amazon, deren erste Charge innerhalb weniger Tage ausverkauft war. Prime-Kunden bekamen die Box für kurze Zeit für 49 EUR. Jetzt kostet die Box offiziell 99 EUR, wird aber voraussichtlich auch erst ab Anfang 2015 wieder lieferbar sein. Für Spiele gibt es noch einen Controller zum Preis von 39,99 EUR als Zubehör.

Vor allem für Nutzer der 49 EUR-Jahres-Flatrate Prime Instant Video und dem Kaufvideo-Angebot ist „Fire TV“ interessant, um Filme und Serien auch auf einem großen Bildschirm betrachten zu können. Vergleiche mit dem Google Chromecast und Apple TV sind etwas unpassend. Während der Chromecast vornehmlich dazu dient, um Videos mit Apps auf einem Smartphone auszuwählen und dann auf einem Fernseher abzuspielen, ist „Fire TV“ eine eigenständige Box mit eigener Fernbedienung für Filme, TV-Serien und Spiele, die weit über die vornehmlichen Video-Funktionen des Apple TV hinausgeht.

Amazon Fire TV Startseite

Die Fire TV-Box mit dem Android-basierten Fire OS-Betriebssystem verfügt über eine schnelle 1,7 GHz Quad Core-CPU mit zusätzlichem Grafikprozessor, 2 GB RAM und 8 GB Flash-Speicher. Die Bildausgabe erfolgt in 720p oder 1080p mit 50 bzw. 60 Hz. Mehrkanalton wird in Dolby Digital Plus via HDMI oder optischem Digitalausgang ausgegeben. Je nach Auswahl gibt der zweite Anschluss den Ton in Stereo aus. Die Internetverbindung wird entweder via 802.11 b/g/n-WLAN oder 10/100 Mbit-LAN hergestellt. Die Box ist in erster Linie für das Streaming konzipiert. Wer ohne schnelle Leitung im deutschen „Neuland“ angesiedelt ist, wird nur wenig vom „Fire TV“ haben.

Eine kompakte Bluetooth-Fernbedienung ist im Lieferumfang. Die Steuerung ist auch optional über Sprachbefehle möglich. Das funktioniert über einen längeren Druck auf die Mikrofontaste der Fernbedienung so gut, dass man einzelne Apps per Sprachsteuerung sogar schneller als mit der Fernbedienung in den teilweise etwas unübersichtlichen Untermenüs findet. Auch der Gamecontroller wird via Bluetooth gekoppelt. Alternativ lassen sich aber auch der PS4-Controller via Bluetooth sowie via USB Xbox-Controller und Tastaturen nutzen.

Amazon Fire TV Zubehoer

Auf dem Fire TV sind der Amazon Video Store und Amazon App Store vorinstalliert. Über den App Store lassen sich weitere Video-, Musik- & Games-Apps installieren. Darunter sind u.a. die Mediatheken von ARD und ZDF sowie Apps für Video-Portale wie YouTube und Vimeo. Das etwas knappere Musik-Angebot besteht u.a. aus Spotify (inkl. Spotify Connect) und TuneIn Radio. Geplant sind auch noch Apps von Konkurrenz-Video-Plattformen wie Netflix und Maxdome. (Eine genaue Liste des deutschen Start-Angebots gibt es hier).

Die Navigation der Fire OS-Oberfläche stellt vor allem Prime Instant Video und das amazon Instant Video-Shop Angebot für Filme und Serien in den Vordergrund. Dort findet man überwiegend Filme und Serien in deutscher Synchronfassung und vereinzelt auch mit englischem Originalton, die man über eine Suche nach „OV“ findet. Die meisten neuen Kauf-Filme gibt es gegen Aufpreis auch in HD. Inzwischen gibt es auch einzelne Neuheiten sogar noch vor der Blu-ray Disc & DVD-Veröffentlichung zu Preisen ab 11,99 EUR für die HD-Version. Filme kann man nicht nur kaufen sondern oft auch ausleihen. In der amazon-Cloud gespeicherte Fotos werden automatisch angezeigt. „Amazon Music“ fehlt hingegen noch.

Die Nutzung eigener Video- und Musikdateien über USB-Speicher und DLNA-Streaming-Server unterstützt amazon nicht aktiv. USB-Festplatten lassen sich gar nicht nutzen aber mit Hilfe einiger Apps lassen sich zumindest verschiedene Streaming-Funktionen für das lokale Netzwerk nachrüsten. Dazu gehört u.a. Plex welches allerdings einen Plex Media Server voraussetzt, der in der Handhabung etwas komplizierter als ein einfacher DLNA-Server ist.

Amazon Fire TV Anschluesse

Wie bereits auf den Kindle Fire-Tablets ermöglicht amazon auf dem Fire HD aber auch die Installation von Android-Apps in Form von apk-Dateien und das gibt die Möglichkeit, auch das XBMC/Kodi-Media Center zu installieren. Das Ganze ist allerdings nicht ganz so einfach wie beim Kindle Fire HD, weil man erst einmal Zugriff von außen auf die Box benötigt und auch kein Web-Browser vorinstalliert ist. Je nach Betriebssystem gibt es verschiedene Möglichkeiten zur Installation via Netzwerk, die im offiziellen XBMC-Wiki beschrieben werden. Der einfachste Weg für Windows-Nutzer ist die inoffizielle Amazon Fire TV Utility App, über die man nach Freigabe der Entwickleroptionen direkt die XBMC/Kodi-apk-Datei für ARM-CPUs auf die Fire TV-Box installieren kann. Die externen Apps werden nicht direkt in den Hauptmenüs angezeigt. Man muss sie über „Einstellungen > Alle Installieren Apps verwalten“ starten.

Mit XBMC kann man die meisten Video-Formate abspielen und für H.264-Videos wird auch Hardware-Decoding unterstützt. Damit die Bilder nicht ruckeln, sollte man in den Einstellungen zur Hardware-Beschleunigung den „MediaCodec“ deaktivieren. Mit dieser Einstellung konnten wir selbst HDTV-Livestreams von einem Technisat Digit ISIO S-Sat-Receiver über dessen DLNA-Server sauber abspielen. MPEG2-Videos werden nur in Software decodiert. Dafür hat die Box auch noch genügend Leistung. Allerdings gibt es bei MPEG2 kein De-Interlacing und auch keine automatische 16:9-Erkennung.

XBMC ist auch wegen der vielen Addons für Musik und Videos interessant, die sehr simpel und vielseitig gestaltet sind. Trotz vieler Funktionen und Einstellmöglichkeiten beansprucht XBMC auf dem Fire TV nach der Installation mit ungefähr 220 MB noch moderat wenig Speicher.

Amazon Fire TV Controller

Anders sieht es hingegen bei komplexeren Spielen aus. „Asphalt 8“ z.B. ist zwar gerade einmal 30,93 MB groß, lädt aber nach dem ersten Start über 1,2 GB weitere Daten aus dem Netz. Und von den 8 GB installiertem Flash-Speicher sind gerade maximal 5.49 GB für eigene Apps nutzbar. Ein großer Teil des Spiele-Angebots besteht derzeit eher aus kleineren „Casual Games“ , aber wer ein paar größere Spiele installiert, sieht schnell den Platz zuneige gehen.

Grafisch können die Spiele zwar nicht mit PS4 & Xbox One mithalten. Mal von den einfachen Retro-Klassikern abgesehen, die zum Teil auch nur hochskaliert werden, gibt es aber auch durchaus einige optisch recht ansprechende Spiele mit flottem Tempo. Imposant sind vor allem die plastischen Wasser-Effekte. Meist ist sieht man aber nicht ganz so viel Detail weil viele Spiele ursprünglich für Tablets mit kleinem Display entwickelt wurden.

Viele Spiele lassen sich sogar mit der Bluetooth-Fernbedienung steuern was trotz des gewöhnungsbedürftigen Gameplays oft erstaunlich gut funktioniert. Für eine genauere Kontrolle empfiehlt sich aber der Einsatz eines echten Game-Controllers. Der amazon-Controller wird mit zwei normalen AA-Micro-Batterien oder Akkus betrieben und macht einen robusten Eindruck. Man kann ihn präzise anpacken und auch die Ergonomie der einzelnen Regler ist trotz der etwas kantigen Optik recht gut. Aufgrund der glatten Oberfläche und dem relativ hohen Gewicht muss man angesichts der eingeschränkten Griffigkeit allerdings aufpassen, dass der Controler auch bei hitzigeren Aktionen nicht aus der Hand fliegt.

Amazon Fire TV Apps

Dank Quad Core-CPU ist die „Fire TV“-Box rasend schnell. Ob Spiele oder Apps – alles läuft sehr schnell ab und nur ganz selten sieht man ein leichtes Ruckeln. Dennoch ist die Box beim Stromverbraucht recht zurückhaltend. Im Hauptmenü beansprucht sie gerade einmal 2.2 Watt Leistung und HD-Video-Decoding sorgt auch nur für einen leichten Anstieg auf 3.3 Watt. Nur der Bildschirmschoner zieht mit den 5.5 Watt Leistungsaufnahmen den Stromverbrauch ziemlich in die Höhe und sollte deswegen deaktiviert werden.

Eine Eigenart des Amazon Fire TV ist die Abwesenheit eines Ausschalters. Nach ca. 30 Minuten geht die Box automatisch in den Standby. Dort liegt die Leistungsaufnahme noch bei ca. 1,7 Watt. Wer die Box komplett vom Netz nehmen will, sollte einen eigenen Steckdosenschalter verwenden. An Steckdosenleisten passt das etwas breit dimensionierte externe Steckernetzteil ohnehin nicht immer.

Amazon Fire TV Filme

amazon bietet Filme und Serien als HD-Streams in mehreren Qualitätsstufen an. Die Anpassung erfolgt dabei dynamisch während der Wiedergabe. Meist dauert es ein paar Sekunden nach dem Start, bis sich die zunächst etwas dürftige SD-Qualität auf die Stufe „HD“ verbessert. Die bietet schon auf den meisten Bildschirmen eine recht gute Qualität. Farben und Kontrast sind bereits auf Top-Niveau und auch die Schärfe ist bis auf dynamische Szenen, die dann doch teilweise Artefakte zeigen, schon ziemlich gut. Sofern eine richtig schnelle Bandbreite zur Verfügung steht, schaltet das Streaming dann nach einiger Zeit noch einmal eine Stufe höher auf „HD 1080p“. Und in diesem Modus wirkt das Streaming trotz niedrigerer Datenraten schon fast so sauber und detailliert wie das von Blu-ray Discs. Selbst auf dem Projektor muss man schon genau hinsehen, um Unterschiede erkennen zu können.

Allerdings kann es auch immer wieder passieren, dass ohne auffälligen Übergang die Qualität auch wieder auf HD zurückgeschaltet wird. Ausserdem scheint bei Prime Instant Video nicht wirklich alles trotz entsprechender Kennzeichnung in HD zu sein. Christopher Nolans „The Dark Knight Rises“ startet zum Beispiel ganz ohne HD-Logo und schaltet auch nicht auf 1080p hoch. Die Bildqualität solcher Videos ist ungefähr zwischen der niedrigsten Stufe und der „HD“-Darstellung einzuordnen.

 

Fazit

Amazon-Chef Jeff Bezos kann sich bei Apple und Google bedanken, die es bislang noch nicht geschafft haben, eine eigene Multimedia-Box für Videos, Musik und Games erfolgreich auf den Markt zu bringen.

Einzelne Android-HDMI-Sticks lassen sich mehr oder weniger gut mit dem eigentlich für die Touch-Bedienung gedachten Betriebssystem nutzen und Philips hat sogar schon TVs mit Android im Angebot. Wahrscheinlich wird aber erst das kommende Android L bzw. Android TV die Nutzung von Android per Fernbedienung grundlegend erleichtern.

Und was Apple mit dem „Apple TV“ seit Jahren anstellt, ist ein Trauerspiel. Die Box hätte schon lange ein Hit mit eigenem App Store sein können, wird aber künstlich kastriert und lässt sich bis auf einige wenige Video-Streaming-Apps vornehmlich nur mit anderen Komponenten aus dem Apple-Microcosmos nutzen.

Amazon bietet mit der Fire HD-Box aber alles auf einmal. Die Box ist schnell, bietet eine optisch ansprechende Oberfläche und trotz der niedrigen Datenraten eine sehr gute Video-Bildqualität. Und wer einfach nur ab zu ein paar Minuten spielen will, ohne gleich viel Geld für eine teure PS4 oder Xbox One auszugeben, wird hier beim einen oder anderen Spiel fündig werden.

Schade ist nur, dass der installierte Flash-Speicher zwar für Multimedia-Apps ausreichend ist, aber bereits einige wenige größere installierte Spiele den Speicher schon übermäßig beanspruchen. Wenn Amazon es ernst meint mit dem Gaming und auch selbst eigene anspruchsvollere Spiele anbieten will, dürfte nichts anderes übrig bleiben als irgendwann offiziell die USB-Buchse zur Speichererweiterung freizugeben.

sehrgut
Test: 25. September 2014

+ Schnelle Box für viele Multimedia-Funktionen
+ Erweiterbar mit Android-Apps aus dem Amazon Store & Installation von apk-Dateien
+ Sehr gute Bildqualität bei HD-Streaming in 1080p

– Nur 5.49 GB Speicher für eigene Apps nutzbar
– Kein Ausschalter
– Keine DLNA-Unterstützung ab Werk

Test: Karsten Serck




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