TEST: Advance Acoustic Stereo-Vollverstärker X-i50BT – Gelungener Stereo-Einstieg für 399 EUR?

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Für 399 EUR kann man den kleinsten Stereo-Vollverstärker X-i50BT von Advance Acoustic erstehen. „Kleinster“ Vollverstärker, das klingt wenig verheißungsvoll. Doch schaut man sich an, was man fürs Geld bekommt, stellt sich die Sache anders dar. Optisch recht flach, aber sehr schick, mit Acrylglas-Front und, zentriert, einem Multifunktions-Drehelement (Lautstärkeregelung, drückt man, wechselt man die Quelle, bei einem weiteren Druck kann man Bass und Höhen einstellen, drückt man nochmal, beeinflusst man die L/R-Balance, es ist möglich, die Loudness-Funktion aktivieren und den Bypass für die Umgehung aller Klangregler einschalten) – das ist echter Minimalismus und irgendwie typisch Advance Acoustic.

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Multifunktionsdrehrad und Display mit recht grober Auflösung

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Kopfhöreranschluss, die Front des X-i50BT besteht aus Acrylglas

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Minimalistisches und elegantes Design

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Rückseite komplett

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Genug analoge Eingänge, zudem Pre-Out und Amp-In sowie Rec-Out

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Lautsprecherkabel-Schraubanschlüsse und „High Bias“ Umschalter für die Verwendung im reinen Class A-Betrieb (bis 8 Watt)

Der X-i50 ist mit einem Bluetooth-Modul inklusive aptX ausgestattet und bringt an anlogen Eingängen MM Phono, CD, Tuner, 4 x AUX sowie PC2 mit. Digitale Eingänge, optisch oder koaxial, finden sich nicht. Nur ein USB-Slot ist vorhanden, dieser entspricht USB-A und dient zum Anschluss von USB-Speichermedien. Wer einen Advance Acoustic-Vollverstärker sucht, den er als „externe Soundkarte“ für den PC oder das Notebook verwenden möchte, kann den X-i50BT streichen – hier muss man zum größeren Modell X-i75 greifen, der einen USB-DAC nebst einem USB-B-Anschluss zu bieten hat. Kostenpunkt hier: 599 EUR, das ist schon deutlich mehr. 

Der X-i50BT ist mit einer High Bias-Schaltung (auf der Rückseite aktivierbar) versehen, die den Vollverstärker in den reinen Class A-Betrieb versetzt. Der Class A-Betrieb, praktisch verzerrungsfrei, wird von Hi-Fi-Enthuasiasten geliebt, arbeitet aufgrund extrem hoher Verlustwärme aber nicht besonders effizient.  Bis 8 Watt agiert der X-I50BT im reinen Class A-Betrieb, darüber schaltet er sich dann in den AB-Betrieb. 

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Viel drin ist nicht im Gehäuse, das hilft auch, das recht geringe Gewicht zu erklären

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Platinenlayout

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Kühlkörper

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Ringkern-Transformator

 Reicht denn die Leistung des X-i50BT aus, um auch im größeren Hörraum eine ansprechende Klangqualität zu bieten? Mit 2 x 65 Watt an 4 Ohm stehen durchaus respektable Leistungsreserven zur Verfügung, das beweisen uns auch später die Klangtestreihen. An 8 Ohm bleiben 2 x 50 Watt übrig. Das Layout innen trägt hochwertige Züge, als Beispiel wären das saubere Platinen-Layout und der leistungsstarke Ringkern-Transformator genannt. Mit rund 6 kg Gewicht ist der Vollverstärker relativ leicht – was manche Hi-Fi-Freunde als Nachteil ansehen dürften, denn Qualität  heißt auch Gewicht. Schauen wir später, was das „Fliegengewicht“ so akustisch anstellt. 

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WTX Microstream für 149 EUR

Wir haben in unseren Test-Läufen zusätzlich den Advance Acoustic WTX Microstream über den analogen AUX1-Eingang mit dem X-i50BT verbunden. So bekommen wir Zugriff auf zahlreiche Online-Streamingdienste und auf die Musik, die z.B. auf NAS-Systemen und auf dem Smartphone abgelegt ist.

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App für den WTX Microstream mit gutem Dienste-Angebot

Gesteuert wird der auf Link Play basierende Microstream per App. Mit hoher Betriebssicherheit konnte er sich auch in diesen Testreihen ein weiteres Mal sehr gut in Szene setzen, ebenso aus akustischer Sicht mit den hochwertigen D/A-Konvertern. 

Advance-Acoustic-X-i50BT-Fernbedienung

Einfach gehaltene Fernbedienung mit nur ausreichender Materialqualität

Im Lieferumfang enthalten ist eine Fernbedienung, die allerdings nicht überzeugt. Die Materialqualität ist bescheiden, die Tasten sind im oberen und im unteren Bereich zu klein. Hier ist auch für knapp 400 EUR Kaufpreis, die der X-i50BT kostet, Besseres möglich. 

Erste Bilanz: Solide technische Basis mit Ringkerntrafo, Bluetooth-Modul, schicke Optik und genug analoge Eingänge – der X-i50BT kann durchaus Pluspunkte sammeln, auch durch die High Bias-Schaltung. Die Fernbedienung überzeugt nicht, schade ist, dass kein USB-DAC an Bord ist. 

Klang

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Lautsprecher der Spitzenklasse: Canton Reference 5 K

Wir haben uns entschlossen, dem X-i50BT gleich „vernünftige“ Boxen als Spielpartner zu gönne. Diese Kombination wird aus Gründen der sehr stark unterschiedlichen Preisklassen in der Praxis zwar kaum jemand verwenden, durch den tadellosen Wirkungsgrad arbeiten die edlen Canton Reference 5 K aber ausgezeichnet mit dem kleinen französischen Vollverstärker zusammen. 

„All Time High“ aus dem James Bond-Film liegt dem schlanken Franzosen offensichtlich. Mit straffem und kontrolliertem Bass wird die Canton Reference 5 K versorgt. Die Stimme von Rita Coolidge kommt facettenreich heraus. Klar bieten teurere Vollverstärker noch mehr Transparenz und Frische. Aber für knapp 400 EUR kann man hier mit der Performance sehr zufrieden sein. Anmerkung: Es handelt sich um Material in CD-Qualität (16-Bit/44,1 kHz). 

Nun wechseln wir zu 48 kHz/24-Bit Hi-Res-Audio-Material vom NAS-System. „Desperado“ in der Adaption von Diana Krall ist ein Klassiker bei uns. Wir schätzen diesen Song sehr, und lobenswert ist auch, was der X-i50BT daraus macht: Klare Konturen, eine stimmige Betonung des Klaviers und eine solide Einarbeitung der Stimme sorgen für Zufriedenheit beim Tester. 

Und „Flowers Of Sendai“ vom Jan Lundgren Trio in 88,2 kHz/24Bit-Flac? Detailreich und klar macht sich der X-i50BT ans Werk. Auch bei diesem Stück überzeugt die Ausformung des Pianos, die Durchstrukturierung ist so gut, dass man kaum glauben mag, wie günstig der Advance Acoustic-Vollverstärker ist. 

Die Qualität der Stimmwiedergabe beherrscht auch bei „Nessun Dorma“ aus Puccinis „Turandot“ in 96 kHz/24-Bit das akustische Bild. Gesungen von Jonas Kaufmann, holt der Vollvestärker mit den Canton Reference 5 K als Ausnahme-Lautsprecher eine Menge aus dem hochauflösenden Quellmaterial. Klar und fein, mit guter Einarbeitung auch des Chors kann der X-i50BT eine Menge Argumente für seinen Kauf in die Waagschale werfen. Auch die Streicher modelliert er prima heraus. Die Dynamiksprünge zeigen, dass einiges an Potential in den Endstufen steckt. Sie erwärmen sich, wenn der Verstärker frei steht, auch bei gehobenem Pegel nur moderat. Daher vermuten wir, dass die Kühlung, obwohl technisch einfach gehalten, effektiv funktioniert. 

Mark Knopflers „Basil“ in 192 kHz/24-Bit gefällt mit sensibel vorgetragenem Intro und einer sehr ausdrucksvollen Stimmwiedergabe. Marks Stimme füllt den Hörraum mit dem charismatischen Klang und einer Prise Melancholie. Die Instrumente präsentieren sich lebendig ausgeformt, die dynamischen Differenzen im Verlauf des Song-Aufbaus stellt der X-i50BT glaubwürdig dar.

Wir lassen verschiedene Songs von Spotify folgen und starten hier mit „Runnin (Loose All) von Naughty Boy featuring Beyonce and Arrow Benjamin. Mit Substanz und einer sehr guten Basskraft gibt sich der X-i50BT der Wiedergabe hin. Die enormen Bass-Qualitäten der Canton Reference 5 K weiß er tadellos zu nutzen. Alles im Bassbereich stimmt: Kontur, Tiefgang, Volumen, Staffelung verschiedener Bass-Elemente. Hier ist es wiederum erstaunlich, was für knapp 400 EUR möglich ist. „

„Here With You“ (Lost Frequencies, Remix der Bassjackers) bereitet ebenfalls keinerlei Schwierigkeiten. Saubere Darstellung der vokalen Elemente, ein fülliger, kraftvoller Bass, der überdies exakt den richtigen Punkt trifft – der X-i50BT hat’s drauf. Auch die zahlreichen elektronischen Effekte sortiert er impulstreu und ausdrucksstark. Pegelfest ist der französische Stereo-Experte überdies, für Hörräume bis knapp 25 Quadratmeter reicht die Leistung auch für höhere Lautstärken problemlos aus. 

Ein weiteres „Rhythm Is A Dancer“ Remix: Diesmal von U96-Founder Alex Christensen und dem Berlin Orchestra. Klassische Elemente beim Snap-Evergreen, das macht sich überraschend gut. Der Advance Acoustic-Verstärker erfreut uns auch diesmal mit tonaler Ausgewogenheit und einer guten Detaileinarbeitung. Frisch und zugleich harmonisch erfolgt die Wiedergabe, die Gesamtdynamik ist überragend. 

Der kleine französische Vollverstärker entpuppt sich in allen Testreihen als absolut vollwertiges Stereo-Device, das keinerlei Berührungsängste auch mit teuren Oberklasse-Lautsprechern hat. Er klingt nie angestrengt oder spitz, auch dann nicht, wenn man durchaus kräftige Pegel anliegen hat. Die sehr gut aufgebaute Räumlichkeit und die tadellose Dynamik sind weitere Vorzüge. Wer aufs Geld achten muss, bekommt hier eine Menge geboten. 

Konkurrenzvergleich

Marantz PM6005 Front Seitlich2

 

  • Der Marantz PM6005 sieht sehr gut aus und ist dank günstiger Marktpreise für unter 400 EUR zu bekommen. Er agiert etwas träger als der frischere Franzose und erwärmt sich stärker. Dafür erscheint er noch hochwertiger außen und innen (geschirmter Ringkern-Trafo) und beeindruckt mit seiner enorm hohen akustischen Homogenität. Pluspunkt Advance Acoustic: Bluetooth integriert. Pluspunkt Marantz: Optischer sowie koaxialer Digitaleingang. 

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  • Der schon ältere Pioneer A-30 Vollverstärker ist im Netz bei seriösen Anbietern schon für gut 230 EUR erhältlich. Dafür gibt es eine tolle Dynamik und eine sehr gute Pegelfestigkeit. Auch die Verarbeitung ist für den geringen Kaufpreis ausgezeichnet. Bluetooth gibt es beim A-30 nicht, und der Trafo innen wirkt weniger hochwertig. Ansonsten ist der Aufbau tadellos. Der X-i50BT klingt im Hörvergleich feiner und löst besser auf. 

Magnat MA600 Front Seitlich2

  • Absolut klasse: Der Magnat Hybrid-Vollverstärker MA 600 für eine UVP von 600 EUR verbindet angenehm vollen, warmen Klang mit erstaunlich guter Dynamik, hohen Leistungsreserven und enorm guter Ausstattung inklusive UBB-DAC. Überdies überzeugen uns die hochwertigen Baugruppen und die edle Anmutung. Wer etwas mehr Geld zur Verfügung hat, kann hier bedenkenlos zugreifen. 
Fazit

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Ein rundherum gelungener Einstieg: Der Advance Acoustic X-i50BT überzeugt durch seinen fairen Kaufpreis ebenso wie durch die erstaunlich hohen Kraftreserven. Mit angenehmem Klang, der auch bei gehobenem Pegel souverän bleibt, sehr guter Dynamik und tadellosem Auflösungsvermögen hat uns der X-i50BT sehr gut gefallen. Schade, dass es nicht für einen USB-DAC gereicht hat. Dafür findet sich im Inneren ein leistungsstarker Ringkern-Transformator.

Sehr viel mehr als „Stereo-Grundversorgung“: der Advance Acoustic X-i50BT beeindruckt durch Dynamik, Räumlichkeit und Pegelfestigkeit 
ueberragend
Stereo-Vollverstärker bis 500 EUR

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 22. Oktober 2017




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