TEST: 4,3 Zoll-Smartphone HTC One mini

 

Das Produkt

Topmodelle werden bekanntlich gerne in mehreren Varianten ausgeschlachtet: Die logische Konsequenz: Dem globalen Bestseller One wurde einer Schrumpfkur verpasst und wieder auf Kundenfang geschickt.

Abgesehen von neuen Farbvariationen des Flaggschiffes One gab es auf der vergangenen IFA-Messe keine HTC-Premiere zu sehen – dafür aber ein paar offene Worte auf höchster Geschäftsebene. Fakt ist nämlich, dass das zuletzt kriselnde HTC-Unternehmen ein klarer Übernahmekandidat gewesen wäre, wenn das One nicht so global eingeschlagen hätte. Vom Erfolg gestärkt machen sich die Taiwaner nun daran, dass One in anderen Variationen in Serie zu schicken.  Eine Phablet-Version (HTC One Max) wird demnach ebenfalls bald auf den Markt kommen. Doch zunächst einmal Vorhang auf die Mini-Ausführung!

Design & Display

Überzeugende Verarbeitungsqualität

Gute Materialqualität

Da nicht nur das Gehäuse, sondern auch der Preis kleiner geworden ist, waren Kompromisse beim Materialeinsatz unvermeidbar. Der Rahmen sowie Teile des Gehäuses bestehen daher nicht mehr aus Metall, sondern aus Kunststoff. Am Designkonzept wurde hingegen nur bei ein paar Details etwas modifiziert. So ist die Foto-LED nicht mehr links neben der Kameralinse, sondern vermutlich aus Platzgründen darüber platziert und die Lautstärkewippe wurde durch zwei getrennte Knöpfe ersetzt. Markante Merkmale wie der stählerne Rücken in Grau sowie die beiden mächtigen Lautsprecher links und rechts vom Display blieben hingegen unangetastet.

Apropos Display: Logischerweise ist auch der Touchscreen geschrumpft, um 0,4 auf 4,3 Zoll, um genau zu sein. Darunter litt auch die Auflösung, denn statt FullHD wie beim großen Bruder, wird „nur“ noch 720p (720 x 1280 Pixel) geboten. Da die geringere Auflösung mit dem kleineren Format einhergeht, müssen aber schon geschulte Augen her, um den Unterschied festzustellen. In den Kriterien Leuchtintensität, Farbsättigung, Brillanz und Schärfe kommt das TFT-Display am One heran, sodass insgesamt eine klar überdurchschnittliche Qualität geboten wird.

Rückseite. Leider war unser Testgerät etwas ramponiert

Das betrifft auch die Verarbeitungsqualität insgesamt: Auch ohne dem massiven Metalleinsatz, überzeugt das Unibody-Device durch Robustheit und einem Auftritt wie aus einem Guss. Kurzum: Die Macher haben eine gute Balance aus preislichen Kompromissen und Qualität gefunden.

Ausstattung

Der Rotstift wurde auch beim Komfort kräftig angesetzt, denn bei den Datenschnittstellen sucht man nach den Kurzstreckenfunk NFC und der guten alten Infrarotschnittstelle vergebens. Ein Einsatz als Universal-Fernbedienung ist somit nicht ohne weiteres möglich. Dafür sind aber die schnellen Datenbahnen LTE und schnelles HSPA+ geblieben.

Der Speicherplatz wurde außerdem um die Hälfte auf 16 GB gestutzt, wobei davon nur rund 11 GB frei nutzbar sind. Im Zusammenspiel mit dem zwei Jahre kostenlosen 50 GB Online-Speicher auf Dropbox meldet der Taiwaner somit nicht so schnell Verdauungsprobleme. Schnelle Flexibilität durch einen microSD-Slot gibt es aber auch bei der mini-Variante leider nicht.

Foto

Bildausschnitt im Detail

Ultrapixel ist auch bei diesem One-Modell das Zauberwort. Vorteil dieser Technik: Trotz nur vier Megapixeln liefert der Knipser auch bei widrigen Lichtverhältnissen dank hoher Lichtempfindlichkeit noch vernünftige Aufnahmen. Außerdem stehen noch Reserven für zahlreiche Extras, wie 360°-Panorama-Aufnahmen, Superzeitlupen, HDR-Videos oder Zeitraffer zur Verfügung. Das Paket hat somit echte Vorteile und siedelt sich qualitativ über den Kamerahandy-Durchschnitt, hat aber auch Nachteile. Denn gerade bei Tagesaufnahmen könnte die Detailfülle und Brillanz einen Zacken besser sein. Dennoch: Gerade durch die Fülle an Funktionen, der Schnelligkeit und der leichten Handhabung laden die Kamera und der ebenfalls gute Camcorder zum Spielen ein. Aus den Ergebnissen lassen sich zudem automatisch atmosphärische und animierte Fotoalben erstellen.

Ansonsten spult der Fernöstler routiniert das Android-Standardprogramm herunter, plus FM-Radio, Taschenlampe und einem Office-Paket. Wer noch mehr möchte, steuert den Play Store an.

Handhabung

Ein Teil des gelungenen Handlings steuert auch die hauseigene Benutzeroberfläche Sense 5 bei. Dank der nützlichen Blinkfeed-Funktion werden im Stile von Flipboard nämlich Themenkanäle nach eigenen Vorgaben plus Facebook-Updates & Co im Fotoformat geliefert, in dem man sich mit dem Finger schnell durchstupsen kann – daran gewöhnt man sich schnell.

Schiebt man dieses Startmenü zur Seite, tritt wieder das gewohnte Android-Bild in Erscheinung – ebenfalls in der aktuellen Version 4.2. Hier lassen sich allgemeine Personalisierungen via Apps und Widgets vornehmen. Schade allerdings, dass ein nützliches Widget zur direkten Wahl eines Kontaktes offensichtlich schlichtweg vergessen wurde.

Die Verkleinerungskur hat natürlich den Vorteil, dass die Bedienung mit einer Hand leichter funktioniert. Das gelegentliche Umgreifen mit der anderen Hand ist beim 4,3 Zoll Display nämlich kaum noch nötig. Auf der anderen Seite ist die digitale Qwertz-Tastatur kleiner, sodass Tippen von längeren Texten mehr Konzentration erfordert. Da aber das Arbeitstempo durchweg flüssig ist, kommt man insgesamt gut mit dem HTC One mini zurecht. die intelligente Eingabehilfe bügelt ohnehin so manchen Fehler automatisch aus.

Zu kritisieren ist allerdings die Armut an physischen Tasten. Einen Knopf für den Kameraeinsatz gibt es nicht und um den Taiwaner aus dem Tiefschlaf zu wecken, muss man allein eine kleine Taste an der Smartphone-Spitze erwischen. Der gute alte Home Button wie beim iPhone beweist, dass die Einsparung von Knöpfen für die Handhabung klar kontraproduktiv ist. Vielleicht ändert HTC bei diesem Punkt mal die Strategie.

Technik

Auch die Prozessorleistung wurde aus Preisgründen heruntergestuft. Statt eines Quad-Core-Prozessors mit 1,7 Gigahertz arbeitet dieser Qualcomm-Motor nämlich nur noch mit zwei Kernen und einer Taktrate von 1,4 Gigahertz. Das fällt aber weder bei täglichen Aufgaben, noch beim Zocken von 3D-Games auf. Überraschend ist das allerdings nicht, denn wenn das Zusammenspiel aus Hard- und Software reibungslos klappt, sind Performance-Macken eher selten und Quad-Core-CPUs immer noch fast „übermotorisiert“.

Bereits das Flaggschiff war kein Marathonläufer, wenn es um die Akkuleistung geht, und die Mini-Variante legt in dieser Disziplin leider keine Schippe im positiven Sinne drauf. Nur, wenn der Nutzer sich beim Multimedia-Einsatz vornehm zurückhält, ist eine Rufbereitschaft von drei bis maximal vier Tagen realistisch. Sicherlich kein katastrophaler Wert, doch viele Smartphones liefern mittlerweile einen Nonstop-Einsatz von fünf Tagen, wenn man sie nicht über Gebühr strapaziert.

Wie schon beim One ist das Kapitel Sound auch beim One mini ein positives. Dank der großen Stereo-Lautsprecher kann dieses Smartphone fast schon als Mini-Anlage verwendet werden. Allerdings ist die Qualität nicht ganz so beeindruckend wie beim großen Bruder. Dennoch: Songs spielen recht dynamisch und lebendig auf und der Freisprecher verdient seinen Namen. Merkwürdig, dass die Konkurrenz sich bislang an den frontalen Stereo-Lautsprechern noch kein Vorbild genommen hat.

Telefonieren mit dem One mini bleibt insgesamt weder in unangenehmer, noch in besonders guter Erinnerung. Die Lautstärke ist zwar gut und Nebengeräusche werden elegant rasiert, doch insgesamt unterliegen die Verbindungen qualitativen Schwankungen, was die Natürlichkeit der Stimmwiedergabe angeht. Da sind die kommunikativen Fähigkeiten des One besser.

Fazit

Kleinerer Korpus, kleinerer Preis, aber gleiche Leistung? Sicherlich nicht ganz, aber dennoch haben die Taiwaner einen Königsweg gefunden, den Rotstift elegant anzulegen. Optisch bietet das One mini beinahe die gleiche Noblesse, die Ausstattung präsentiert sich trotz Abstriche weiterhin rund und dank potenter Stereo-Lautsprecher und der Blinkfeed-Funktion weist der Fernöstler klare Alleinstellungsmerkmale gegenüber den Mittwettbewerbern auf. Die sind auch essenziell, denn mit einem Straßenpreis von immerhin rund 400 Euro ist es vergleichsweise hochpreisig für ein kompaktes Smartphone. Wer also nach einem kompakten Android-Vertreter sucht, der den Geist des Topmodells One bietet, könnte hier fündig werden.

Schmucke Miniaturausgabe des HTC One mit hohem Wiedererkennungswert und tadelloser Performance
Smartphones Obere Mittelklasse
Test 30. Oktober 2013

+ Sehr gutes Display
+ Flotte Arbeitsgeschwindigkeit
+ LTE
+ Sehr gute Verarbeitung
+ Guter Bedienkomfort

– Kein erweiterbarer Speicher

Test: Ulf Schneider
Redaktion: Carsten Rampacher
Datum: 30. Oktober 2013

 

 




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