SPECIAL: Wissenswertes über Bluetooth-Lautsprecher

Sony SRS-X88 Front Seitlich2 

Bluetooth-Lautsprecher gehören zu den beliebtesten Sparten der Unterhaltungselektronik. Viele Jugendliche zum Beispiel besitzen gar keine klassische Stereo-/HiFi-Anlage und erst recht keine Mehrkanal-Anlage mehr, sondern ein Smartphone, ein Tablet und einen Bluetooth-Lautsprecher. Also handelt es sich bei Bluetooth-Lautsprechern, die wir der Einfachheit halber im Text als „BT-Lautsprecher“ bezeichnen, um ein echtes Trendprodukt – was ist beim Kauf zu beachten beziehungsweise was sollte man wissen? Es gibt auch viele Lautsprecher, die keine reinen BT-Lautsprecher sind, so wie unser oben abgebildeter Sony SRS-X88, der nicht nur Bluetooth-Streaming beherrscht, sondern auch ins Heimnetzwerk – drahtlos oder kabelgebunden – integriert werden kann. Selbst ein USB-DAC fehlt nicht. Mit 449 EUR ist der erstklassige Lautsprecher aber auch recht kostspielig. 

Wir fangen lieber ganz „klein“ an – was ist Bluetooth eigentlich? Generell ist Bluetooth eigentlich schon ein „alter Hut“ und vor ein paar Jahren hat kaum jemand einen Pfifferling darauf verwettet, dass dieser in den 90er Jahren entwickelte Standard nochmal so durchstarten würde. Es gibt verschiedene Bluetooth-Standards, und in den erhältlichen Lautsprechern sind unterschiedliche Standards verbaut. Der einfachste heute noch verwendete Standard ist Bluetooth 2.1 + EDR, wobei die Abkürzung „EDR“ für Enhanced Data Rate steht. Diese Enhanced Data Rate kam schon in Version 2.0 + EDR zum Einsatz und ermöglichte im Vergleich zu BT 1.2 eine ca. dreimal so hohe Datenübertragungs- Geschwindigkeit. Secure Simple Pairing und andere Features sind Kennzeichen der Version 2.1 + EDR, die im August 2007 verabschiedet wurde (Lisbon Release). Bluetooth 3.0/Bluetooth 3.0 + EDR kam im August 2009 („Seattle Release“) und offeriert z.B. als neue Features die Unterstützung eines Highspeed-Kanals als Add-On. Basis für den Highspeed-Channel ist WLAN). Theoretisch steigt die Übertragungsrate auf 24 Mbit. Seit dem 17. Dezember 2009 gibt es die BT 4.0 Version. 4.0 ist nicht mehr mit allen Vorgängerversionen abwärtskompatibel, bei dieser Version wurde überdies auch ans Stromsparen gedacht, das Aufbauen einer Verbindung nimmt überdies weniger Zeit in Anspruch. Mittlerweile ist BT 4.2 die aktuellste Variante, BT 4.1 kam zwischenzeitlich auch noch. Bei BT 4.2 wurde Hauptaugenmerk auf eine verbesserte Sicherheit der Verbindung gelegt. Nun aber zum Thema – In BT-Lautsprechern kommen hauptsächlich BT 2.1 + EDR, BT 3.0 + EDR sowie BT 4.0 zum Einsatz. Hauptvorteil von BT-Lautsprechern mit 4.0 ist demnach der geringere Strombedarf und der schnellere Verbindungsaufbau. 

Wer Bluetooth-Übertragungen mit guter Klangqualität präferiert, sollte sich nach einem BT-Lautsprecher umsehen, der aptX unterstützt. Entwickelt von CSR, handelt es sich hier um einen bei BT-Übertragungen verwendeten Audio-Codec, der qualitativ gutes Stereo-Streaming in CD-Qualität unterstützt – zwar wäre theoretisch noch mehr möglich, doch diese noch höhere Streaming-Qualität hat derzeit noch keine hohe Relevanz in der Praxis. AptX funktioniert über das A2DP-Protokoll, wichtig ist, dass Sender und Empfänger aptX-kompatibel sind.

Natürlich sind beim Lautsprecher selber auch andere Eigenschaften sehr wichtig. Gerade preiswerte oder sehr kompakte Bluetooth-Lautsprecher sind oft mit einfachen Breitband-Chassis ausgestattet. Das heißt, meist einer (bei sehr einfachen LS) oder zwei Breitband-Chassis übertragen alles, vom Hochton- bis zum Bassbereich. Manchmal gibt es zusätzliche passive, das heißt nicht aktiv angeschlossene Membranen, um den Wirkungsgrad im Bassbereich zu verbessern. Höherwertige und größere Bluetooth-Lautsprecher sind auch als 2-Wege-Systeme mit Hochtöner und Tief-/Mitteltöner ausgeführt, ferner gibt es auch Systeme mit Breitbändern und zusätzlichem Subwoofer (Basschassis) für den Tieftonbereich. Sehr selten, z.B. beim Teufel Boomster für 299,99 EUR, gibt es sogar Dreiwege-Systeme.

Wer einen sehr kompakten BT-Lautsprecher sucht, dem darf Pegel nicht besonders wichtig sein. Leistungen von 2 x 2 oder 2 x 3 Watt sind nicht dafür prädestiniert, Pegelfanatiker glücklich zu machen. Ganz gleich, was der Hersteller auch an Wunderwirkungen verspricht – gerade im Bassbereich und bei der Detaillierung sind solche Lautsprecher nur dafür ausgelegt, normale Ansprüche zu befriedigen. Oftmals aber, hier lohnt es sich, genau hinzuschauen, haben kompakte BT-Lautsprecher sehr lange Akkulaufzeiten, so wie der Tweak 6 von Audiovox, der bis zu 18 Stunden Musik wiedergibt. Natürlich nicht bei vollem Pegel – aber bei normaler Hörlautstärke, das haben Checks von uns ergeben, sind mit solchen BT-Boxen realistische 15 bis 16 Stunden drin, und das ist top. In vielen Farben ist der Twiek 6 ab rund 30 EUR zu haben. 

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 Audiovox Twiek 6 – mittlerweile für rund 30 EUR zu bekommen, in vielen Farben, mit bis zu 18 Stunden Akkulaufzeit

Übrigens – für Smartphone-Vielnutzer haben einige BT-Lautsprecher ein Schmankerl parat, nämlich die Option, mittels USB-A-Anschluss das leere Smartphone wieder zu laden. Wer allerdings Highend-Devices wie ein LG G4, ein Apple iPhone 6 Plus oder ein Samsung Galaxy S6 sein Eigen nennt, sollte aufpassen – ist bei diesen großen Smartphones/Phablets der Akku leer, ist ein kleiner BT-Lautsprecher kaum geeignet, das Smartphone komplett wieder aufzuladen. Für eine kleine „Notration“ reicht es aber allemal. Tablets haben in der Regel nichts an der USB-Schnittstelle des BT-Lautsprechers zu suchen, meist reicht hier der angebotene Ladestrom ohnehin nicht aus.

Youga Berlin Oberseite

 Einfacher, aber clever gemachter BT-Lautsprecher mit widerstandsfähiger Oberfläche: Youga Berlin

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 Grundig GSB-200 NFC – robuster BT-Lautsprecher im modernen Design

Für denjenigen, der einen kompakten BT-Lautsprecher sucht, dürfte besonders ein robustes Gehäuse von Interesse sein, wie z.B. beim für 50 EUR erhältlichen Youga Berlin mit Bluetooth 4.0 und Party Mode, der es erlaubt, zwei Berlin miteinander zu verbinden für mehr Sound-Fülle. Eine wasserabweisende, leicht gummierte Oberfläche ist hier ein deutlicher Vorteil, wie z.B, beim Grundig GSB-200 NFC, der mit 80 EUR Marktpreis deutlich unter der UVP liegt. Geladen werden die meisten dieser Lautsprecher übrigens einfach über das Ladegerät des Smartphones. Vorsicht Apple-User – bitte noch ein normales Micro-USB-Kabel mitnehmen, denn mit dem Lightning-Stecker von Apple können die Lautsprecher nichts anfangen.

Teufel Boomster Front Seitlich3

Der Teufel Boomster schafft erstaunlich kräftige Pegel. Mit Bluetooth 4.0, Dreiwege-Lautsprecherkonstruktion und 4.400 mAh-Akku gut gerüstet

Größere Devices schaffen deutlich mehr Pegel, kämpfen aber mit kürzeren Akkulaufzeiten – in der Regel. 6 bis 8 Stunden „Saft“ können sie aber oft auch freisetzen. Klanglich sind die größeren Modelle natürlich deutlich besser und befriedigen nicht selten auch leicht gehobene Ansprüche. BT-Lautsprecher aller Kategorien weisen oft ein Sounding auf, sind also bewusst nicht komplett neutral ausgelegt, sondern agieren im Sinne eines angenehmen Klangbildes mit gewissem Volumen. Eine wirklich „HiFi-mäßige“ Klangauslegung findet man eher selten.

Teufel BT Bamster Front Seitlich6

 Teufel Bluetooth Bamster

Denon Envaya Seitenansicht

Denon Envaya für 199 EUR. Gleich drei Geräte können gleichzeitig gekoppelt werden. Vollbereichstreiber plus Passivmembran.

Sehr kultiviert von den kompakten BT-Lautsprechern klingt z.B. der Teufel Bluetooth Bamster, der für 130 EUR den Besitzer wechselt. Richtig kräftige Pegel sind mit dem Bamster aber natürlich auch nicht drin, der BT-Bamster bietet 2 x 3 Watt und 8 Stunden Akkulaufzeit, letztere ist nur Durchschnitt. Überraschend detailliert und lebendig, aber mit nicht allzu großer Bass-Performance macht der Denon Envaya für rund 200 EUR von sich reden. Er lässt die gleichzeitige Kopplung von bis zu drei Devices zu und verfügt über NFC plus aptX Low Latency. Zwei Vollbereichstreiber plus Passivmembran stellen die Bestückung dar. 

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 JBL Voyager

Als sehr clever erweist sich die Idee von JBL, beim Voyager in den Haupt-BT-Lautsprecher noch einen kleineren einzulassen, den man dann – akkubetrieben – mitnehmen kann. Rund 250 EUR UVP kostet das „Starship Voyager“, gerade dann, wenn man den BT-Lautsprecher komplett betreibt, ist der Sound kraftvoll und sehr angenehm, mit erstaunlicher Raumwirkung.

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Lichteffekte per App steuerbar – JBL Pulse 

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 Der Pulse ist sehr stylish – Kostenpunkt (Marktpreis): ca. 160 EUR

Überhaupt setzt JBL klar Trends, geht es um das Besondere – auch der Pulse, der passend zur Musik App-gesteuerte Lichteffekte auswirft, ist so ein Fall. Der sehr kompakte Lautsprecher ist für seine Größe überraschend klangstark und ist prima verarbeitet.

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JBL Xtreme, in drei Farben für rund 300 EUR erhältlich

Neueste Bluetooth-„Bombe“ ist der kraftvolle JBL Xtreme für 299 EUR. Mit 2 x 20 Watt Leistung, spritzwassergeschütztem Gehäuse und 10.000 mAh-Power-Akku für bis zu 15 Stunden Laufzeit zieht dieses schwere Geschütz alle Register. Dank des großen Akkus können am Xtreme bis zu 2 andere USB-Devices aufgeladen werden. 

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 Samsung R6 (349 EUR, mit Akku) und R7 (449 EUR, ohne Akku)

Heos by Denon Heos 1 Front Seitlich mit Go Pack

Heos 1 mit Go-Pack

Heos by Denon Go Pack1

 Go-Pack für 99 EUR

Es gibt auch Lautsprecher, wie den eingangs vorgestellten Sony SRS-X88, die mehr können als nur Bluetooth-Übertragung. Auch andere Hersteller haben derartige flexible Devices im Programm: z.B. von Samsung (R6/R7) oder Denon (HEOS1 mit Go-Pack/ Akkupack + Bluetooth für 99 EUR Aufpreis, HEOS 1 „pur“ 199 EU) oder Panasonic (z.B. SC-ALL2 für 199 EUR), die WLAN- und Bluetooth-Funktionalität miteinander kombinieren. Besonderheit der Samsung Devices ist das Runumstrahler-Prinzip, das eine verblüffende Räumlichkeit bietet. Bei HEOS 1 ist ein richtiges, wohlklingendes 2-Wege-System der große Trumpf, welches von leistungsfähigen Class D-Verstärkern angetrieben wird.  Der SC-ALL2 von Panasonic ist sehr leicht zu installieren und klingt ebenfalls homogen und recht klar. 

Panasonic SC-ALL2 Front Seitlich2

 Panasonic SC-ALL2 für 199 EUR, leider ohne Akku, demnach nur für den Betrieb am Stromnetz

Dann kann man den Lautsprecher z.B. innerhalb der Wohnung im WLAN verwenden, im Außeneinsatz dann mit BT, das ist sehr praktisch.

Clint F4 Front Seitlich3

 Clint F4 – fesches DAB+ Radio mit Bluetooth für 129 EUR

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 Auna Virginia – Retro-Radio mit Bluetooth für 110 EUR

Andere Devices, z.B. von Clint oder Auna, bieten klassische Radiofunktionen (UKW-Tuner) beziehungsweise digitales DAB+ Radio zusammen mit Bluetooth-Funktionalität an – sehr praktisch zum Beispiel für die Küche. Aufpassen muss derjenige, der zwei BT-Devices gleichzeitig mit dem BT-Lautsprecher koppeln möchte. Dies ist leider noch nicht oft möglich, das heißt, meist muss man die eine Verbindung kappen, um dann die nächste aufzubauen. Nicht unbedingt sein muss Near Field Communication (NFC), da das Koppeln mittlerweile ohnehin so einfach geworden ist. Mittels NFC können Besitzer eines Android-Smartphones mit entsprechend kompatibler Android-Version z.B. nur dadurch, dass das Smartphone in der Nähe des Lautsprechers ist, die Kopplung durchführen. Viele Bluetooth-Lautsprecher fungieren auch als Freisprecheinrichtung, das heißt, wenn ein Anruf auf dem gekoppelten Smartphone eingeht, kann man dank des BT-Speakers freihändig telefonieren. Die Qualität der Freisprecheinrichtung ist allerdings nicht immer auf tadellosem Level. Inzwischen allerdings hat sich das allgemeine qualitative Niveau etwas gebessert, zumindest rauscht es oftmals weniger als früher und der Gesprächspartner ist gut verständlich. 

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 Gut für 45 EUR – Auna Rocketbox

Denon Envaya Mini Front Seitlich4

 Premium für 99 EUR – Denon Envaya Mini mit aptX Low Latency und NFC

Was man immer wissen sollte – Qualität zahlt sich aus. Die billigsten Angebote für 20 bis 30 EUR sind nicht unbedingt empfehlenswert. Um die 40 EUR sollte man für ein einfaches, aber ordentlich klingendes Device schon rechnen. Wer einen kräftigen, lebendigen Klang und eine hochwertige Verarbeitung schätzt, wird nicht mit weniger als 100 EUR weggkommen. Stylische und klangstarke Modelle der A-Brands können durchaus bis zu 400 EUR kosten – hier sollte man sich über die eigenen Ansprüche klar werden, bevor man einkaufen geht.

Text: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 18. August 2015




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