SPECIAL: Was ist wichtig bei AV-Receivern?

Nach wie vor findet sich für AV-Receiver beziehungsweise Multichannel-Receiver eine feste Klientel. Diese Klientel zieht eine hochwertige Komponente, in der sich heute zahlreiche Endstufen, eine Mehrkanal-Vorstufe, Netzwerkfunktionen, bei höherwertigen Modellen eine Videosektion und eine Vielzahl an Anschlussterminals treffen, günstigen anderen Lösungen vor. Gesteuert wird das Ganze längt nicht mehr nur mit der mitgelieferten Fernbedienung, sondern optional ist eine Steuerung mittels speziell entwickelter App für Smartphone oder Tablet möglich. Ein Einrichtungsassistent hilft unterstützend bei der Erstkonfiguration. Auch bei diesem haben die Hersteller mittlerweile zwei Wege für sich entdeckt. Entweder es erfolgt die Erstkonfiguration über das Bildschirmmenü des AVRs, oder aber es gibt vom jeweiligen Hersteller eine spezielle App, die sich um die Ersteinrichtung kümmert. Wir stellen in diesem Special, und zwar in alphabetischer Reihenfolge, wichtige Merkmale von AV-Receivern vor.

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 Elementar wichtig: Genug HDMI-Terminals, am besten 2.0 mit HDCP 2.2

Anschlussterminals: Hier ist immens wichtig, dass es a) genug, mindestens vier, HDMI-Eingänge gibt, und dass b) diese HDMI-Eingänge dem aktuellen Standard 2.0 mit Kopierschutzt HDCP 2.2 entsprechen. 2015 ist dies endlich flächendeckend der Fall. Nur dann ist man für die zukünftige 4K-Blu-ray gerüstet. Wem das nicht wichtig ist, der kann auch 2014er Modelle mit HDMI 2.0, aber ohne HDCP 2.2, kaufen, oder aber ältere Devices mit HDMI 1.4a. Diese HDMI-Version kann zwar 3.840 x 2.160p, aber nur in 30 und nicht in 50 oder 60 Hz. Dies ist nur dann möglich, wenn man die Bandbreite bei der Farbwiedergabe reduziert, dann spricht man von einer „Farbunterabtastung“.

Pioneer SC-LX88 Display Bedienelemente Frontklappe2

 Praktisch: USB- und HDMI-Eingang vorne

Praktisch ist ferner ein HDMI-Input auf der Frontseite, daran kann man mittels entsprechendem Adapterkabel dann ein Smartphone anschließen. Unterstützen AVR und Smartphone MHL, können Inhalte vom Smartphone direkt mittels des AVRs wiedergegeben werden. Nützlich sind auch ein eingebautes WLAN-Modul (auch wenn mancher versierte Anwender behauptet, es würde andere Baugruppen im Inneren des AVRs stören) zusätzlich zur Netzwerkbuchse, Bluetooth-Modul sowie zwei oder drei HDMI-Ausgänge, vielleicht noch einer davon mit Nutzungsmöglichkeit in einer weiteren Hör/Video-Zone. Für die Einbindung in Haussteuerungssysteme ist eine RS232 Buchse nicht schlecht, auch 12 V Triggeranschlüsse sind für größere individuelle Installationen gut zu gebrauchen, dann kann man z.B. eine Leinwand mitsteuern. USB-Buchsen gehören mittlerweile dazu, oft gibt es eine hinten und eine vorne. An die vordere können häufig Apple iOS- oder mittlerweile auch (HTC Connect) Android Devices angesteckt werden, und dann steuert man die Musikwiedergabe über die Remote des AVRs. Auch USB-Sticks mit MP3/WMA Content oder mit HiRes-Content werden entgegen genommen.

Pioneer SC-LX88 Anschluesse Rueckseite3

USB-DAC – ein tolles Feature, wie hier beim Pioneer SC-LX88

Sehr schick ist eine USB-B-Buchse, denn sie gibt den dezenten Hinweis darauf, dass der AVR einen asynchronen USB-DAC mitbringt. Man legt ein USB-Kabel vom PC/Notebook zum AVR, und schon ist der AVR die externe Soundkarte! Aufpassen – manchmal, nicht immer, muss man einen speziellen Treiber installieren, damit alles ordnungsgemäß arbeitet. Viel ärgerlicher ist, dass lange nicht jeder USB-DAC die identischen Abtast- und Samplingraten schafft wie der normal verbaute D/A-Konverter. Hier sollte man schauen, ob auch tatsächlich bis zu 192 kHz/24-Bit per USB verarbeitet werden können. Gerade viele Stereoverstärker mit USB-DAC packen nur maximal 48 kHz/24-Bit oder sogar nur 48 kHz/16-Bit. Klassische Anschlussformen wie Cinch lohnen sich nur dann, wenn der Zuspieler entweder gar keine digitalen Ausgänge hat oder aber über einen exzellenten D/A-Wandler verfügt, der dem, der im AVR sitzt, deutlich überlegen ist. Sonst braucht man die Cinch-Eingänge kaum noch. Das gilt auch für FBAS/S-Video/Komponenten-Videoanschlüsse. Optische und koaxiale Digitaleingänge sind für sehr gute CD-Player etc. mit hochwertigem Laufwerk durchaus noch sinnvoll, hat aber dieser CDP einen Top D/A-Wandler, kann man ihn auch gleich analog mit möglichst kurzem, hochwertigem und geschirmten Kabel am AVR anschließen.

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 App-Steuerung, hier bei Yamaha

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 App-Steuerung, hier bei Marantz

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 Ersteinrichtung per App, hier bei Yamaha

App-Steuerung: Viele, wenn nicht mittlerweile alle AVRs ab der gehobenen Einsteigerklasse lassen sich alternativ nicht nur mit der mitgelieferten Fernbedienung, sondern auch per App (oft auch getrennt für Tablet und Smartphone erhältlich, meist für Android und Apple iOS). Pioneer z.B. und nun auch Yamaha haben spezielle Apps für die Ersteinrichtung des AVRs, was sehr praktisch ist – bebildert wird man durch alles geführt, und flott ist das Device dann komplett konfiguriert und betriebsbereit. Mit den Apps kann so ziemlich alles gesteuert werden, was es gibt – so z.B. auch alle Netzwerkfunktionen. Der Zugriff auf Spotify oder AirPlay ist ebenso möglich wie das Hören von Musik vom Home Server oder PC beziehungsweise das Hören von Internet Radio Sendern.

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 Dolby Atmos-Decoder verbreiten sich immer mehr

Decoder: Diese besagen, mit welcher Art von Surround-Tonformaten der AVR umgehen kann. Ganz aktuelle AV-Receiver bringen Dolby Atmos mit, und sind zudem per Update der Firmware in der Lage, auch dts:X zu decodieren. Dolby Atmos und dts:X sind objektbasierte Surroundtonformate, kanalbasierte Elemente kommen allerdings in der Basis auch noch vor. Bei diesen Surround-Tonformaten können Audio-Objekte einzelnen Lautsprechern flexibel zugewiesen werden. So mehr Lautsprecher vorhanden sind, umso präziser erfolgt demnach die Zuweisung. Diese wird nicht vorgegeben, sondern vom Prozessor des AV-Receivers errechnet. Dolby Atmos und dts:X stehen für „Immersive Sound“ und eröffnen oberhalb des Kopfes der Zuhörerschaft eine weitere Klang-Dimension in bester, hochauflösender Audio-Qualität.

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 Auro-3D setzt auf „Immersive Sound“

„Dritter im Bunde“ der Immersive Sound-Formate ist Auro-3D, in der CE-Branche setzt derzeit nur D&M auf Auro-3D. Atmos-AV-Receiver bekommt man 2015 schon für 500-600 EUR. Dolby TrueHD, dts-HD Master Audio und dts-HD High Resolution Audio werden mittlerweile von nahezu jedem aktuellen AVR decodiert. Erst recht dts Digital Surround sowie Dolby Digital. Gerade für TV-Ton wichtig ist ein Dolby Digital Plus-Decoder. Geräte ab sieben Endstufen bzw. ab 7.1-Decoding in der Vorstufe decodieren dann auch DTS-ES Matrix/Discrete und Dolby Digital EX. Ebenso sind dann Dolby Pro Logic IIx und Dolby Pro Logic IIz (matrixbasierte Heights vorn) dabei. Viele AVRs unterstützen auch dts 96/24, dts Neo:6 und dts Neo:X (mit matrixbasierten Heights z.B.).

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 Mit THX-Lizenz: Onkyo TX-NR3030

Früher sehr beliebt bei Hightech-Anwendern waren THX-Lizenzen (Select 2 für kleinere/mittelgroße Räume, nicht ganz so „scharfe“ Norm, THX Ultra 2 für große Hörräume, hinsichtlich des technischen Anspruchs deutlich schärfere Norm). Heute gibt es nicht mehr so viele AVRs mit THX-Lizenz. THX-Receiver haben harte Prüfungen vor Erwerb der THX-Lizenz zu überstehen, somit wurde es oft als Qualitätsmerkmal verkauft. Böse Zungen behaupteten oft, es wäre reine Geldmacherei, THX würde nur Geld abgreifen für die Lizenzierung, welches die Hersteller lieber in höherwertige Komponenten gesteckt hätten – diese Meinung ist nicht korrekt, wir haben z.B. bei Onkyo und ganz früher bei Kenwood festgestellt, dass THX-AVRs auch wirklich meist sehr leistungsstark waren. THX umfasst ein spezielles Post-Processing, das nach dem eigentlichen Decodieren greift. Dieses Post-Processing hat die Aufgabe, den Klang möglichst so zu „tunen“, dass es klingt wie im echten hochwertigen Kino. Das war THX aber nicht mehr genug, so kam dieses Post-Processing dann auch für Musik und Games zum Tragen mit jeweils eigener Kennlinie. Im Verbindung mit einem THX-Receiver sollte man auch auf ein THX-Lautsprechersystem setzen, das z.B. einen genau definierten Abstrahlwinkel und eine einheitliche Übernahmefrequenz für den THX-Subwoofer aufbietet. Nicht THX, sondern DSP-Programm – auch das ist „Post Processing“ der besonderen Art, im Speziellen bei Yamaha.

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 Yamahas legendäre DSP-Programme lassen sich auch per App auswählen

Hier offeriert jeder AVR des Hauses verschiedene DSP (Digital Sound Processing) Betriebsarten, z.B. für Filmtonspuren, Musik, Games und TV- sowie Sportsendungen. Yamahas DSP-Programme basieren auf real existierenden Räumen, die akustisch exakt vermessen wurden. So ein Jazzclub in New York, ein Kino in Los Angeles, eine Kirche in Frankreich oder eine Konzerthalle in Amsterdam. Hat man entsprechendes Quellmaterial, lässt sich dieses mit Yamahas DSP effektiv fein tunen, so dass Effekte im Film noch feinsinniger ausgestaltet sind, der Hall einer üppig mit Ornamenten ausgeschmückten Kirche perfekt zur Geltung kommt. Viele Parameter der Yamaha DSP-Programme lassen sich individuell anpassen. Sony wandelt auch etwas in Yamahas spuren und hat zusammen mit dem Berliner Philharmonikern ein exzellentes DSP entwickelt. Ansonsten aber sind die DSP-Programme in den meisten AVRs den Yamaha-Messlatten deutlich unterlegen.

Yamaha RX-A3040 Mikro

 YPAO-Messmikrofon von Yamaha

Marantz SR7009 Mikro

 Audyssey-Einmessmikrofon des Marantz SR7009

Einmesssystem: Dieses kümmert sich um die automatische Einmessung des angeschlossenen Lautsprechersystems. Größe des Lautsprechers, Abstand vom Hörplatz sowie der Pegelabgleich werden automatisiert durchgeführt. Darüber hinaus passen diese Einmesssysteme mittels Equalizing auch noch das Lautsprechersystem an die räumlichen Bedingungen an und sollen für homogenen und stimmigen Sound des gesamten Systems sorgen. Viele Einmesssysteme messen auch an mehr Positionen ein, meist an 3 bis 8 Hörpositionen. So kann man dann auch mit mehreren hören, und jeder sitzt in einem passend eingemessenen Bereich. Wer ohnehin nur allein hört, kann sich das sparen – sitzt er einigermaßen ruhig im Sweet Spot der einen Einmess-Position während des Films, reicht auch eine Position.

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 Marantz-Einrichtungsassistent auch mit Audyssey-Einmessung

Wer es nicht ganz so genau mit der Ruhe hält, kann dann an 3 Positionen einmessen. Mittlerweile haben hochwertige Einmesssysteme auch spezielle Algorithmen für den kritischen Subwoofer – Basslautsprecher lassen sich durch Raum-Moden beeinflussen und können störendes Bass-Dröhnen verursachen. Um diesem richtig beizukommen, muss ein parametrisches Equalizing durchgeführt werden. Genau dies machen hochwertige Einmesssysteme, und während früher der Sub sogar oft gar nicht richtig berücksichtigt wurde, geht es mittlerweile teilweise ganz gut. Auch die Klanggüte ist inzwischen gerade bei Marktführer Pioneer (MCACC) und bei Yamaha (YPAO) sehr gelungen bei aktiviertem Einmesssystem. Meist kann man mehrere Kurven auswählen, die alle parallel gemessen wurden. Eine heißt dann „Natürlich“, eine andere „Flat“ und wieder eine dritte orientiert sich stark an den Frontlautsprechern, diese Kurve heißt dann „Front“.

Pioneer SC-LX88 Screenshot 7

Besonders aufwändig: Pioneers MCACC in den großen Mehrkanal-Receivern

Pioneer SC-LX88 Screenshot 13

 Exakte Analyse zu Beginn

Pioneer bietet (meist 6) verschiedene Speicherplätze für den Anwender, so kann dieser sich individuelle Setups z.B. für Musik, Film und Sport erstellen. Dies ist bei Pioneer auch sehr gut möglich, denn zusätzlich zur rein automatischen Einmessung gibt es hier eine unglaubliche Vielzahl an Nachbearbeitungsmöglichkeiten, welche gerade versierte Anwender freuen dürften. Unerfahrene Käufer sollten aber lieber ihre Finger davon lassen, sonst „verbiegen“ sie nur den Klang.

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 Pioneer-Einrichtungsassistent per App, auch fürs Tablet

Einrichtungsassistent: Diesen bringen immer mehr AVRs mit. Zwei Wege haben sich eingebürgert: Entweder per grafischem Bildschirmmenü des AVRs oder aber per speziell dafür entwickelter App.

Marantz SR7009 Screenshot 7

 Marantz-Hilfetexte

Meist bebildert und mit guten Hilfetexten versehen, kann der Anwender zügig sein Device betriebsbereit machen und bekommt z.B. auch Hilfe beim Anschluss der Lautsprecher und bei der Einbindung ins Netzwerk.

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 Pioneer SC-LX88 mit digitalen Endstufen

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 Onkyo TX-NR3030 mit analogen Endstufen

Endstufen-Bauart: Es gibt herkömmliche analoge Endstufen, die beim Verstärkungsprozess viel Verlustwärme erzeugen dafür einen authentischen Klang bieten, sowie digitale Endstufen mit Schaltnetzteil, die extrem kompakt sind, enorm leistungsfähig und kaum Verlustwärme erzeugen. Viele sagen aber, dass der Sound gerade im Hochtonbereich leicht synthetisch wäre. Das ist bei hochmodernen digitalen Endstufen (Pioneer) nicht mehr so, sie sind sehr hoch entwickelt und bieten gleichzeitig nach wie vor die wichtigen Vorzüge. Vielleicht, das kann man sagen, besitzen analoge Endstufen aber nach wie vor etwas mehr Charisma. Meist geben die Hersteller an, welche Art von Endstufen beim jeweiligen Gerät Verwendung findet. Besonders hochwertige Geräte mit analogen Endstufen haben dann für optimale Stromlieferfähigkeit einen großen Trafo, gern auch als Ringkerntransformator ausgeführt. Für kurzzeitig stabile Stromlieferfähigkeit sind große Elektrolyt-Kondensatoren, kurz ELKOs, mit hoher Kapazität unerlässlich. Große Kühlkörper aus Aluminium führen gerade bei Modellen mit analogen Endstufen die beträchtliche Verlustwärme effektiv aus dem Gerät. Lüfter für eine aktive Kühlung sind oft auch noch verbaut, diese sollten aber nur in Extremfällen zum Einsatz kommen und dann leise sowie gleichmäßig laufen.

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 Gleich 11 (!) Endstufen arbeiten im Onkyo TX-NR3030

Yamaha RX-A3040 Innenleben Gesamt

 Neun Endstufen im Yamaha RX-A3040

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 Sieben Endstufen im Pioneer VSX-930

Endstufen-Layout: Wie flexibel man einen AV-Receiver einsetzen kann, hängt ganz entscheidend von der Anzahl der eingebauten Endstufen ab. Günstige Basismodelle kommen mit fünf eingebauten Endstufen für ein klassisches 5.1 Layout. Vorn links und rechts, eine Endstufe für den Center, jeweils eine für Surround rechts und links. Ein Pre-Out für den Anschluss eines aktiven Subwoofers. Mehr und mehr gibt es auch 5.2 AV-Receiver. Diese bringen dann einen weiteren Pre-Out zum Anschluss von dann zwei aktiven Subwoofern mit. Vereinzelt finden sich auch Geräte, deren Vorstufe z.B. bis zu 7.2 unterstützt, das Gerät hat aber nur fünf Endstufen. Dann gibt es Pre-Outs zum Anschluss eines weiteren Leistungsverstärkers, für den Back Surround-Bereich. Preisklassen ab 500/600 EUR werden interessant, denn da haben die meisten AVRs bereits sieben Endstufen an Bord. Mit diesen sieben Endstufen kann man dann z.B. ein komplettes Layout mit Front links/rechts, Center, Surround links/rechts und Back Surround links/rechts fahren. So war es gestern. Heute, in der Zeit von Dolby Atmos und dts:X, kann man zwei der Endstufen auch für die Front Height-Beschallung verwenden. Man spricht dann von einem 5.1.2 System. Erst die Kanäle für Front links/rechts, Center und Surround, dann die beiden Height Kanäle – wobei, halt! – es sind keine „klassischen“ Kanäle mehr bei dts:X und Dolby Atmos. Ebenso wie das nicht allzu weit verbreitete Auro-3D sind diese neuen Surround-Tonformate, die für „Immersive Sound“ stehen, nicht mehr rein kanalbasiert. Es gibt eine kanalbasierte Basis, darauf aufsitzen tut effektbasiertes Audio. Der Prozessor des AVRs analysiert, welche Lautsprecher angeschlossen sind, und dann werden einzelne Audio-Effekte gezielt einzelnen Lautsprechern zugewiesen. Das ist bei 5.1.2 noch nicht allzu komplex. Manche AVRs können auch 5.1.4 verarbeiten, bringen aber nur 7 Endstufen mit. Für die Konfiguration mit vier Atmos/dts:X Deckenlautsprechern oder Modulen, die auf den Front/Rear-Lautsprechern liegen, braucht man dann eine Stereo-Leistungsendstufe. Modelle mit neun eingebauten Endstufen können dann nativ und ohne Zusatz-Komponenten ein 5.1.4 Setup bedienen. Oder auch ein 5.2.4 Setup mit 2 aktiven Subwoofern. Möchte man dann noch Back Surround – also 7.2.4 zum Beispiel – dann müssen Spezialisten wie der Onkyo TX-NR3030 her, die sage und schreibe mit satten 11 (!) Endstufen anrücken. Es gibt wiederum andere Modelle, deren Vorstufe ein 11.2 Processing beherrscht, die aber für die volle Ausnutzung, also für ein 7.2.4 Setup, dann wiederum eine externe Leistungsendstufe brauchen. Man kann mit 7, 9 oder gar 11 Endstufen aber noch viele andere tolle Sachen machen. So z.B. eine weitere Hörzone ohne zusätzliche Endstufen beschallen. Ein klassisches 7.2 Setup in der Haupthörzone, und in Zone 2 noch Stereo – fertig wären die Verwendungsmöglichkeiten für 9 Endstufen. Oder der Anwender besitzt extrem leistungshungrige Frontlautsprecher, dann kann man jeweils 2 Endstufen pro Frontbox einsetzen (Bi-Amping).

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96 kHz/24-Bit Flac-Wiedergabe (Sony) 

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 Sony legt viel Wert auf die HiRes-Wiedergabe bei den AV-Receivern des Hauses

High Resolution Audio-Kompatibilität: Hierunter versteht man, dass hochauflösende Audiodateien mit erweitertem Dynamikumfang nativ wiedergegeben werden können. Gebräuchliche Abtastraten/Bittiefen sind z.B. 88 kHz/24-Bit, 96 kHz/24-Bit, oder 192 kHz/24-Bit. Das Format, welches am häufigsten anzutreffen ist, ist Flac. Des Weiteren sind auch ALAC oder Apple Lossless hochauflösende Audioformate. Da schon sehr preiswerte AVRs für rund 300 EUR 192 kHz/24-Bit D/A-Wandler (für PCM) mitbringen, können diese zumindest in der Theorie damit umgehen, auch hardwareseitig. In der Praxis allerdings zeigt sich, dass erst AVRs ab ca. 600 EUR minimale Benefits von HiRes-Dateien darstellen können, wirklich etwas merken tut man aber ab der 1.000 EUR-Liga, vorausgesetzt natürlich immer, ein entsprechend hochwertiges Lautsprecher-Set hängt daran. Sonderfall ist DSD. Die Abkürzung steht für Direct Stream Digital, das ist das Format, in dem die Tonspur der SACD gespeichert ist. Es hat sich immer mehr eingebürgert, auch DSD-Tracks zum Download als Konkurrenz zu Flac anzubieten. Gebräuchlich sind DSD 2,8 und 5,6 MHz. DSD wird völlig anders verarbeitet als PCM. Für die native Verarbeitung braucht man einen komplett eigenen Wandlerzug, einen sogenannten 1-Bit Delta/Sigma-Wandler. Dies ist sehr aufwändig, daher wird meist, auch bei guten Devices, DSD vor der endgültigen digital-analogen Wandlung auf digitaler Ebene in PCM konvertiert.

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DLNA-Streaming vom Server (Marantz)

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Internet Radio (Marantz)

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 Yamaha erklärt beim RX-A3040, wie es sofort mit Spotify klappt

Netzwerkfunktionen: HiRes Audio haben wir an anderer Stelle schon behandelt – aber es gibt natürlich noch mehr, was unter den Begriff „Netzwerkfunktionen“ fällt. Sehr beliebt ist Spotify Connect. Ähnlich wie bei Apple AirPlay, das auch immer noch rege verbaut wird, kann man hier im Spotify-Menü einfach auswählen, dass das Signal über den AVR wiedergegeben wird. DLNA-Streaming, mit dem datenreduzierte Musikformate wie WMA oder MP3 ebenso vom Home Server/PC wiedergegeben werden können wie HiRes-Formate wie Flac oder DSD, ist auch oft an Bord. Dass sich Apple Music weiter verbreiten wird, davon ist ebenfalls auszugehen. AUPEO! Oder Napster sind oft ebenfalls als Internet-Musikdienste mit dabei. Als kostenlose Internet Radio Applikation ist meist vTuner dabei. Manche Devices unterstützen noch last.fm, Tune In oder Rdio.

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 Große, edle AV-Receiver wie der Onkyo TX-NR3030 haben wirksame Video-EQs

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 Sony macht es schlicht und einfach – 4K Upscaling on oder off, das war es

Videosektion: Sehr einfach abgehandelt ist dieses Thema bei AV-Receivern der Einstiegsklasse: Diese schleifen nur (mittlerweile auch 4K Signale) Videosignale durch, das war es. Sie schaffen es inzwischen ohne sichtbaren Qualitätsverlust des Quellsignals. Ab Preisen von ca. 500 bis 600 EUR dann sind die AVRs mit echtem Video-Processing ausgestattet. Sony macht es sich hier sehr einfach und ermöglicht lediglich ein qualitativ allerdings exzellentes Upscaling von FullHD auf 4K. Mehr nicht. Die anderen Anbieter ermöglichen auch ein Upscaling auf z.B. 720p, 1080p oder 1080p/24 – und natürlich auf 4K. Flankierend wird oft ein kleiner Video-Equalizer (bei großen Modellen auch ein aufwändigerer) mit Reglern z.B. für Schärfe, Helligkeit, Kontrast und Farbe sowie einem globalen oder mehrere spezifischen Rauschfiltern angeboten (spezifisch z.B. gegen Blockrauschen und Moskitorauschen jeweils einzeln regelbar). Manche AVRs bieten auch eine Optimierungsmöglichkeit für Details im hochfrequenten Bildbereich sowie unterschiedliche vorprogrammierte Bild-Modi (z.B. Film, Game, Standard). Ganz hervorragend sind die ISF-Modi für Tag und Nacht, die Onkyo in einigen Modellen verbaut. Natürlich stellt sich die Frage: Im TV, vor allem in UHD-Geräten, steckt meist eine hochwertige Video-Processing-Unit, und vielleicht auch noch im Blu-ray-Player – warum dann auch noch im AVR? Diese Frage stellen wir uns oft, aber hier hilft nur: Ausprobieren, wer es am besten machen. Wenig Rauschen beim Upscaling, natürliche Gesamtbildschärfe, hohe Detailtreue und echte Farben – das sollte das Ziel sein. Oftmals muss man das De-Interlacing bei niedrig auflösendem Material (z.B. 576i) leider dem BD-Player, auch wenn dieser das schwächste Glied wäre, überlassen – viele BD-Player geben nur minimal 480p/576p aus und nicht 480i/576i.

Text: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 10. August 2015




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