SPECIAL: Vorstellung Piega Master Line Source – akustisch idealer Lautsprecher?

Swiss handcrafted Loudspeakers

Das Hauptquartier von Piega ist direkt am Zürichsee in Horgen

Piega hat seinem Produkt-Portfolio eine Krone aufgesetzt, die in ihrer Strahlkraft beinahe unvergleichlich ist: Das Lautsprecher-System Master Line Source.

Martin Klaassen, Vice President Marketing&Sale bei Piega, präsentiert stolz die neueste Errungenschaft

Master Line Source, rund 200.000 Schweizer Franken (ca. 162.590 EUR) als komplettes Set kostend, soll Klangqualität neu definieren und Maßstäbe nach oben verschieben.

Master Line Source besteht aus zwei Komponenten: Dem Bass Tower, der sechs MOM-Bässe mit jeweils 220 mm Durchmesser aufweist, und dem Mittel-/Hochton-Panel, bestückt mit 24 Koaxial-Bändchen vom Typ LDR2642 Mk2. Es geht weiter mit neun reinen Mittelton-Bändchen vom Typ MLS110-100 Dipol. Den Wirkungsgrad der 4 Ohm-Konstruktion gibt Piega mit 94 dB (1 Watt/1 Meter) an – extrem gut.

Mittel-/Hochtonpanel offen – der riesige Aufwand wird offensichtlich

Höchste Fertigungsqualität in jedem Detail, und überall gebürstetes Aluminium

Die Abmessungen, das erste Bild mit Martin Klaassen lässt es bereits erahnen, sind gigantisch. Das Mittel-/Hochton-Panel ist 175 cm hoch, 44 cm breit – aber lediglich 3 cm (!) tief, was für eine extravagante, exklusive Optik sorgt.  Die Abmessungen vom Bass-Tower: Ebenfalls 175 cm hoch, 34 cm breit und 62 cm tief. Das gesamte System wiegt satte 420 kg. Typisch für Piega ist das geschliffene, von der Farbe her naturbelassene Aluminium. Lautsprecherabdeckungen sind in schwarzer oder silberner Version erhältlich. Auf Anfrage erhält der geneigte Käufer Spezialausführungen bezüglich der Farbe. In der Schweiz läuft der Vertrieb direkt über Piega. Piega Akustikexperten können auf Kundenwunsch auch zum Käufer kommen und die Komponenten dort perfekt aufstellen. In Deutschland wird derzeit überlegt, ob selektierte Händler die Master Line Source anbieten sollen. Konkrete Planungen existieren noch nicht.

Systemaufbau

Schallwand des Mittel-/Hochtonpanels

Höchste Präzision im Detail

Massiver Sockel

Bassreflexöffnung hinten beim Bass-Tower

Das Mittel-/Hochtonpanel ist sehr dünn gehalten. Hinten das Anschlussterminal

Seinen Namen verdankt die Master Line Source den zugrunde liegenden Konstruktionsprinzipien. Ein akustischer Ansatz beschreibt die Linienquelle (Line Source) als den idealen Schallwandler. Bei der Line Source werden alle Frequenzen als kohärente Zylinderschallquellen abgestrahlt – ein für die Piega Bändchen-Technologie bestens geeignetes Prinzip. Firmen-Mitbegründer Kurt Scheuch, auf der Suche nach dem idealen Lautsprecher, überlegt weiter. Das Maß an Verzerrungen nimmt bei jedem Lautsprecher mit der Auslenkung der Membran linear zu. Bei der Line Source, die eine schallerzeugende Fläche aufweist, die merklich größer ist als bei konventionellen Lautsprechern und daher das Auslenkungsproblem (wenn man flächenmäßig kleine Chassis hat, muss man mit hoher Auslenkung arbeiten) nicht aufweisen, hat man perfekte Voraussetzungen. Eine Line Source mit mehreren Bändchen hätte somit großes akustisches Potential.

Hier sieht man nochmals gut, wie wenig Bautiefe das Mittel-/Hochtonpanel aufweist

Kurt Scheuchs Meisterwerk ist das Ergebnis jahrelanger Entwicklung und großer Erfahrung im Bau mit Bändchen

Akustisch Brillantes entweicht diesen Gehäusen Schweizer Herkunft

Hoher Materialaufwand

Nach mehreren Jahren Entwicklungsarbeit steht das Ergebnis, und 24 Bändchen-Hochtöner, neun als Dipol eingesetzte Bändchen-Mitteltöner und sechs 22 cm Bässe kommen zum Einsatz. Der konstruktiven Umsetzung von Master Line Source liegt das System des Dipolstrahlers zugrunde.

Besonderheiten finden sich beim Mittel-/Hochtonpanel schon bei der Fertigung: Die Schallwand wird auch einer fünfachsigen CNC-Fräsmaschine hergestellt, ein extrem aufwändiges Verfahren, das es in der Praxis nicht oft gibt.

Die Master Line Source wird von einem langjährigen Mitarbeiter des Piega-Teams in Handarbeit gefertigt. Dadurch kann es zu Wartezeiten kommen, wenn man sich entschließt, dieses Schweizer Gesamtkunstwerk zu ordern. Die High Tech-Konstruktion wird direkt am Firmensitz in Horgen am Zürichsee gefertigt.

Wir hatten auch schon die Gelegenheit, die Ausnahme-Erscheinung hören zu dürfen. Anwesend waren auch die Gründer von Piega, Leo Greiner und Kurt Scheuch, die das  Unternehmen noch heute führen und mit unglaublichem Wissen selbst versierte Lautsprecher-Experten beeindrucken.  Hier muss man von neuen Maßstäben sprechen: Der Saxophonist klingt, als stünde er direkt im Hörraum – jeder Lufthauch, wenn er in sein Instrument bläst, wird mit untadeliger Detaillierung und Impulstreue in den Hörraum getragen. Der Bühnenaufbau ist schier unglaublich, es entsteht der Eindruck einer atmosphärisch ungemein dichten Klangkulisse, die das Auditorium vollkommen fesselt. Der Zuhörer wähnt sich inmitten eines dichten Klangteppichs, trotz der dipolaren Konstruktion des Mittel-/Hochtonpanels ist die Präzision extrem hoch, auch, wenn mehrere Instrumente parallel spielen, sind sie absolut exakt im virtuellen Raum auszumachen.

Die Stimmwiedergabe beeindruckt ebenfalls mit exzellenter vitaler Präsenz, gleichzeitig begeistert die ungemein gelungene Einarbeitung vokaler Elemente in die Gesamtakustik. Oftmals ist es selbst bei hochwertigen Lautsprechern der Fall, dass, bei extrem guter Stimmbetonung die Detaillierung der gleichzeitig aufspielenden Instrumente zurück geht – zwar nur leicht, aber der sehr anspruchsvolle Hörer bemerkt diesen kleinen Fauxpas. Genau dies passiert bei der Master Line Source nicht. Obwohl die Stimme wie greifbar mitten im Raum steht und jeder noch so kleine vokaldynamische Unterschied herausgearbeitet wird, treten die Instrumente als absolut gleichberechtigt auf.

Interessant aufgrund der Voraussetzungen mit dem eigenen Bass-Tower ist natürlich die Darstellung des tieffrequenten Bereiches. Hier hatten wir Gelegenheit, uns von den Qualitäten dieses Highend-Lautsprechers  bei entsprechenden Musikstücken zu überzeugen. Präzise, mit nicht enden wollendem Tiefgang – aber nie unnatürlich dominant. Stets ist eine natürliche, von der akustischen Betonung her absolut stimmige Darstellung im Fokus. Jede Art von Bässen wird exakt herausgearbeitet. Parallel stattfindende tieffrequente Ereignisse differenziert das Schweizer Elite-Lautsprechersystem in Perfektion auseinander.

Klar dürfte in Anbetracht des Preises sein, dass nur die besten Mono-Blöcke des Marktes in Frage kommen dürften, die Master Line Source anzutreiben, und auch an der Vorstufe sollte nicht gespart werden.

Hochtöner-Montage von Hand

Höchste Präzision ist gefragt

Bändchen

Wir haben auch Einblick in die Piega-Produktion erhalten, Kurt Scheuch hat alle Produktionsprozesse erklärt und die Anwesenden durch die Produktion geführt. Hier gab es viel zu sehen und zu erfahren:  Die Gehäuse aus massivem Aluminium werden in fünf Walzwerken für Piega hergestellt. Die Montage erfolgt in zwei Betriebsstätten in der Schweiz. Handarbeit genießt höchste Priorität, alles wird von Hand mit höchster Sorgfalt durchgeführt. Gerade bei der Montage des Koax Mittel-/Hochtöners, Spezialität von Piega, ist höchste Präzision gefordert – und natürlich jede Menge Know-How. Schon in der zweiten Generation arbeiten Mitarbeiter für Piega – der junge Mann, der heute die Hochtöner montiert, hat das Handwerk von seinem Vater gelernt, und ist dabei, den Prozess stetig weiter zu optimieren. Übrigens: Seit 1986, dem Gründungsjahr von Piega, werden für die Hochtonwiedergabe schon Bändchen eingesetzt.  Piega hat weitere Standards gesetzt, so 1997, mit dem weltweit ersten Gehäuse aus Aluminium-Pressprofil. Drei Jahre später hat Piega dann das weltweit erste Koaxial-Bändchensystem für Mittel-und  Hochtonbereich mit dem Ideal der Punktschallquelle im Fokus präsentiert. „La piega“, auf italienisch „die Falz“ – schon der Firmenname ist von der beherrschenden Bändchen-Chassistechnologie inspiriert.

Piega-Showroom mit allen Piega-Meilensteinen

Alu spielt eine entscheidende Rolle

Bilanzierend hat Piega quer durch alle Lautsprecher-Baureihen verschiedene Fokusthemen und eine absolut konsquente Produkt-Philosophie:

Hochton-Bändchen, Mittelton-Bändchen, Koaxial-Bändchen und das Aluminium-Gehäuse. Letzteres wählt Piega, weil zum einen ein schlankes und edles Lautsprecherdesign möglich wird, zum anderen aber die Basswiedergabe trotz reduzierter Gehäuseabmessungen kraftvoll und natürlich gehalten werden kann.

Auch in den kleinen Piega Lautsprechern steckt jede Menge Know-How

Insgesamt ist Master Line Source all das, was Piega repräsentiert – in Reinkultur. Höchste akustische Authentizität, Dynamik und Räumlichkeit bei geringstmöglichen Verzerrungen, kurzum: nah an der Perfektion. Alle Piega-Schallwandler sind anders als sonstige Konstruktionen auch führender Lautsprecherhersteller und zeigen, dass Visionen und Avantgarde zu erstklassigen klanglichen Ergebnissen führen können.

Text: Carsten Rampacher, Sven Wunderlich
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 25. September 2013




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