SPECIAL: Versuch eines Vergleiches – Bildqualität bei Ultra HD-TVs mit HDR, 2016 bis 2017

Wir haben bereits die ersten Ultra HD-TV-Geräte des Modelljahrs 2017 zumindest kurz in Augenschein nehmen und versuchen nun, die wichtigsten uns bekannten 2016er Modelle und die uns schon bekannten 2017er Modelle in einem ersten kurzen Vergleich gegenüber zu stellen. 

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2017er QLED-Modell

Unglaubliche Helligkeitswerte sind bei den Samsung QLEDs des Modelljahres 2017 zu beobachten – sogar zertifiziert vom VDE. 2.000 Nit schaffen die Topmodelle der Linien Q7F/Q7C, Q8C und Q9C. Nur der Q7F ist ein „Flat“ Modell, die anderen sind Curved-TVs. Das Bild, davon konnten wir uns schon auf der CES überzeugen, ist extrem hell und zeigt auch bei starkem externem Lichteinfall praktisch alle Details, wenn man HDR-Content zuspielt. Oftmals werfen uns unsere Leser vor, dass immer alles Neue „gehypt“ wird – hier können wir gleich einhaken: Schon der KS9590/KS9890 aus 2016, das „SUHD“ Topmodell, (KS9890 heißt anders, er ist der größte 2016er SUHD TV mit 88 Zoll, ansonsten identisch zu KS9590), wurde zwar offiziell mit 1.000 Nit angegeben, schafft mit seinem Quantum DOT Panel und der Direct LED Hintergrundbeleuchtung aber deutlich mehr als 1.000 Nit.

Daher ist unserer Meinung nach schon der KS9590 so hell, dass sich aus Gründen der maximalen Bildhelligkeit kein Umstieg lohnt. Und, Hand aufs Herz: Die neuen 2017er QLEDs sind so extrem hell, das dürfte manchem Anwender schon beinahe zu viel sein. Schließlich sind Faktoren wie ein angenehmes, augenfreundliches Bild sehr wichtig. Das kann man bestimmt auch mit den 2017er QLED-TVs erreichen, muss aber dann entsprechende Anpassungen im Video-EQ vornehmen. Die 2017er QLED-TVs sind laut Samsung in der Lage, den DCI-P3-Farbraum zu 100 Prozent darzustellen. Farben wirken, dies sind aber nur die ersten Impressionen, etwas facettenreicher und authentischer als 2016.

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Immer noch sehr empfehlenswert: 2016er SUHD Curved-Modell KS7590

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HDR+ Bildmodus

Wobei 2016 sogar schon die SUHD „Starter“ Reihen KS7090 (Flat) und KS7590 (Curved) schon durch eine ausgezeichnete Farbwiedergabe überzeugen konnten. Schon 2016 überdies war Samsung in der Lage, dank des per Firmware-Update nachgeschobenen HDR+ Bildmodus auch bei SDR-Material einen HDR-ähnlichen Bildeindruck mit deutlich erweitertem Kontrast anzubieten. Minimal leidet die Natürlichkeit des Bildes, aber, wie gesagt, nur minimal. Insgesamt sehr gut gelungen. Mit solidem Upscaling gefielen uns alle 2016er SUHD-Modelle. Hier können wir noch keine Aussage machen, wie sich hier die 2017er QLEDs schlagen werden. 

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LG Signature OLED W

Was treibt der größte Konkurrent, LG? LG schwimmt derzeit auf einer Welle des Erfolgs, da bis auf Samsung und unseres Wissens Hisense jeder namhafte Hersteller nun auch Ultra HD-TVs mit organischem OLED Display im Programm hat. LG hat sich beinahe völlig vom Curved-TV verabschiedet, die neuen Signature Top-Modelle sind Flat-TVs. OLED wird immer besser: Sicher, die Helligkeit eines Quantum DOT LCD-TVs mit Direct LED Backlight wird nach wie vor nicht erzielt. Aber selbst bei etwas externem Lichteinfall reicht die gebotene Helligkeit der Top-OLEDs von LG mittlerweile aus. Die Farben sind nach wie vor recht satt und sehr dynamisch – was den Faktor Authentizität angeht, ist LG auf einem guten Weg, es findet sich aber noch etwas Potential. Blickwinkel und Schwarzwert sind erstklassig, schon bei den „kleinen“ OLED-Serien.

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LG unterstützt alle wichtigen HDR-Formate. Sogar Technicolor Advanced HDR

Vorteil LG: Schon seit 2016 wird Dolby Vision unterstützt, ebenso HLG und natürlich HDR10. Diese Flexibilität ist einzigartig, hier hinkt die Konkurrenz hinterher. „HDR Effect“ kommt neu hinzu, ähnlich wie bei Samsungs HDR+, wird hier ein SDR-Signal in HDR konvertiert. Wir haben noch nicht viele 2017er LG OLEDs gesehen, es könnte aber sein, dass tatsächlich ein gut nutzbares Helligkeits-Plus vorhanden ist, so dass sich der Griff zum 2017er OLED lohnen könnte, wenn man noch keinen hat.

Nur wegen der größeren Helligkeit den 2016er OLED zu verkaufen und auf ein 2017er Modell zu setzen, das wird sich nicht lohnen, schon gar nicht, wenn man ein 2016er Signature Modell hat, das ohnehin schon eine äußerst zufriedenstellende maximale Helligkeit aufweist.  Noch ein Satz zum Thema LG und LCD-TVs: Die LCD-TVs von LG bringen auch Quantum DOT Paneltechnologie mit, hinken allerdings aus visueller Sicht der Konkurrenz hinterher. Dafür bekommt man sie, z.B. bei Amazon, oft als Schnäppchen. Im Gegensatz zu den vorzüglichen OLED Ultra HD-TVs nehmen LGs LCD-basierte TVs jedoch keine Vorreiterrolle ein. 

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EZW1004

Bei Panasonic beschränken sich unsere Eindrücke auf verschiedene 2016er Modelle und den 2017er OLED TX-65EZW1004. Wir hoffen, in Kürze nach der Panasonic Convention hier mehr Auswahl anbieten zu können. Der DXW784 aus 2016 ist nach wie vor ein guter LCD-TV mit HDR10-Support, der aber Respektabstand zur Spitze hält. In diesen Regionen der oberen Mittelklasse, muss man feststellen, ist ein Samsung KS7590 die bessere Wahl: Natürlichere Farben, tieferes Schwarz, umfassenderer HDR-Eindruck, HDR+-Modus. Anders sieht es in der LCD-Luxusliga aus: Hier brilliert der DXW904 in 58 und in 65 Zoll gleichermaßen.

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DXW784

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DXW904

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THX- und Professionell (ISF) Programme

Der Direct LED LCD-TV mit Backlight in Honeycomb-Struktur ist nach wie vor ein erstklassiger Ultra HD-TV. Sattes Schwarz, exzellente, realistische Farben sowie ein überragender HDR-Eindruck sind große Vorzüge. Gerade die 58 Zoll-Version begeistert – den ebenfalls erstklassigen Sony ZD9 gibt es erst ab 65 Zoll. Und die Samsung 2016 SUHD-Topmodelle werden vom DXW904 und vom ZD9 leicht überflügelt. Homogeneres Bild, noch schärferes Upscaling niedriger auflösender Inhalte, besserer TV-Tuner: In der Luxus-Liga legen Panasonic und auch Sony schon mit den 2016er Modellen die Messlatte hoch.

Bekommt man einen DXW904 zu einem guten Preis, so mutmaßen wir, ist der dank THX- und ISF-Bildmodi auch 2017 eine gute Wahl. Allerdings wird nur HDR10 unterstützt. Man muss abwarten, ob es ein HLG Update auch für 2016er HDR-TVs von Panasonic gibt. Einen absolut erstklassigen Eindruck hinterließ schon vor geraumer Zeit der 9.999 EUR 65 Zoll-OLED TX-65CZW954. Nicht umsonst ist dieser TV dank extrem gutem Schwarzwert und enorm homogenem Bild immer noch unsere Bild-Referenz aller Klassen. Der neue OLED, nun in Flat- anstatt in Curved-Bauform, misst wieder 65 Zoll (derzeit keine anderen Diagonalen im Gespräch), bietet nun 800 Nit maximale Helligkeit, herausragend für einen OLED. Damit ist die Verwendung auch bei deutlichem externem Lichteinfall möglich.

Einen Preis, so hoffen wir, werden wir nach der Ende dieser Woche stattfindenden Panasonic Convention bekanntgeben. THX-Bildmodi, so unser bisheriger Wissensstand, hat der EZW1004 nicht mehr. Im CZW954 waren die beiden THX-Betriebsarten THX Cinema und THX Bright Room noch Standard. Auch der neue EZW1004 bringt zwei ISF-Bildmodi mit. Mit natürlicher Schärfe, großartiger Plastizität und feinsten Farbabstufungen schickt sich unseren bisherigen kurzen Eindrücken nach der EZW1004 an, zur neuen Bild-Referenz zu werden – sollte Sony nicht stören.

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Sony ZD9, für 5.000 EUR in 65 Zoll

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Sony XE93, 2017er Modell

Und Sony wird stören – in massiver Form. Der geniale X1 Xtreme Bildprozessor, im Juni 2016 bei der Premiere des LCD-Topmodells ZD9 erstmals vorgestellt, ist auch in der unterhalb des ZD9 (der ZD9 wird auch 2017 weitergebaut) angesiedelten XE93/XE94 Baureihe an Bord. Diese High Tech-LCD-TVs scheinen im Vergleich zur 2016er Generation (XD93/94) noch etwas mehr Facettenreichtum beim Detailkontrast zu bieten. „Slim Backlight Drive“ sichert wie auch 2016 einen guten Schwarzwert, der aber nicht wesentlich besser zu sein scheint.

Bald testen wir den Sony Ultra HD TV KD65XE93 für 3.699 EUR:  Android 6.0-basierter 65 Zoll HDR-Ultra HD-Fernseher der Oberklasse.  4K HDR Bild-Prozessor X1 Xtreme, Slim Backlight Drive, 4K High Dynamic Range, 4 HDMI-Eingänge, alle mit HDCP 2.2, Frame Interpolation Motionflow XR 1.000 Hz, X-Tended Dynamic Range, TRILUMINOS Display. S-Force Front Surround, ClearAudio+, Unterstützung von Dolby Digital, Dolby Digital Plus, Dolby Pulse, 16 GB interner Speicher.

Der ZD9, den wir in 65 Zoll (5.000 EUR) letzten Herbst getestet haben, bietet dank „Backlight Master Drive“ eine präzise Ansteuerung jeder einzelnen LED im Direct LED Backlight. Zudem gibt es aufgrund besonders hochwertiger LEDs praktisch kein Streulicht mehr. Die Folgen: Keine „Halos“ im Bild, eine sehr gleichmäßig verteilte Bildhelligkeit. Enorm gutes Schwarz, aber trotz aufwändigerer Technik nicht deutlich besser als bei Panasonic DXW904. Nur, dass der DXW904 mehr Helligkeits-Inhomogenitäten aufweist als der ZD9, das ist durchaus ein nennenswerter Unterschied.

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Bravia A1 OLED

Und Sony hat mit der Bravia A1 Baureihe seit der CES 2017 nun auch eine OLED-Baureihe. Wie alle anderen 2017er Sony Bravia Smart TVs läuft auch der A1 unter Android 6.0. Erste Eindrücke von der CES wecken die „Lust auf Mehr“: Ein sehr harmonisches, gleichzeitig sehr brillantes Bild mit hoher Farbdynamik. Sony setzt, ähnlich wie Panasonic, sehr stark auf den Faktor Authentizität.

Hier ist klar eine Zweiteilung zu beobachten: LG, wie auch Samsung, möchte einen extremen Erlebnisfaktor beim Bild bieten und zieht die Farbdynamik bis knapp an die Grenze. Bei Samsung gilt dies auch für die Bildhelligkeit und den Kontrast. Panasonic und auch Sony hingegen möchten das Bild exakt so darstellen, wie vom jeweiligen Regisseur beabsichtigt. Wohl doch kein Zufall, dass Sony und Panasonic eigene Filmstudios in Hollywood haben. Übrigens: Bei Sony spielt Dolby Vision auch eine wichtige Rolle 2017. 

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55POS901, OLED-TV für 3.499 EUR

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ISF-Bildmodi beim POS901

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Philips 65PUS7601, 2.999 EUR derzeit

Stark aufstrebend ist derzeit Philips. Mit dem LCD-basierten 65PUS7601 (2.999 EUR) und dem OLED-TV 55POS901 (3.499 EUR ebenfalls) haben wir zwei Modelle, die noch aus 2016 stammen, kürzlich getestet. Und Philips geht einen völlig anderen Weg als früher. Ein augenfreundliches, authentisches Bild, das ist auch bei Philips klar der Fokus. Man wandelt auf den Pfaden von Panasonic und Sony, das beweist schon das Direct LED LCD-TV-Modell 65PUS7601. Mit 700 Nit ist der Philips zwar relativ dunkel im Vergleich zur Konkurrenz – was aber die im Praxisbetrieb so wichtige Homogenität des Bildes anbelangt, kann kaum ein Kontrahent dem 65PUS7601 das Wasser reichen.

Ein Riesen-Sprung für Philips – das kann man klar sagen, auch das Upscaling niedriger auflösender Bildinhalte gelingt dem 65PUS7601 glänzend. Der OLED 55POS901 kokettiert mit einem für einen OLED-TVs niedrigen Preis (zwar immer noch viel im Vergleich mit der LCD-Konkurrenz, aber für einen OLED günstig) und einem tollen Bild. Echte Farben und ein satter, tiefer Schwarzwert überzeugen uns. Wird das Panelrauschen bei einem etwaigen Nachfolger noch geringer, gibt es kaum etwas am 55POS901 auszusetzen. Nur der Wunsch bleibt, dass Philips vom eleganten Flat-OLED auch Varianten in 65 und vielleicht sogar in 75 Zoll offerieren sollte. Das richtet sich aber natürlich auch danach, wie a) die Nachfrage aussieht und b) welche Panelgrößen Philips einkaufen kann. 

Special: Carsten Rampacher
Datum: 14. Februar 2017




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