SPECIAL: UltraHD Premium und HDR – Zeit für den Display Basic Check 2.0

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Im Januar 2012 haben wir, in Kooperation mit Marcel Gonska von WLC und Florian Friedrich von AVTOP, erstmals unseren Display Basic Check, der seither in beinahe allen unseren TV-Tests zum Einsatz kam, vorgestellt. Mit diesem Werkzeug ist es uns möglich, essentielle Performance-Eigenschaften objektiv zu prüfen und unseren Lesern verständlich zu vermitteln. Wir haben uns dabei absichtlich auf die Basis-Parameter wie der korrekten Darstellung des Farbraums, der Farbtemperatur, des Gammas, etc. konzentriert, da die Testberichte nicht unnötig aufgebläht werden sollten, wir niemanden mit zahllosen Diagrammen langweilen wollten und – trotz der Objektivität der Messwerte – immer noch der subjektive Eindruck ebenfalls zählt. Nicht umsonst empfehlen wir unseren Lesern, die Produkte, sofern möglich, beim Händler des Vertrauens persönlich zu sichten, bevor man eine Kaufentscheidung trifft.

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Mit AVTOP steht uns ein starker und kompetenter Partner zur Seite

Dennoch liefert unser Display Basic Check klare, aussagekräftige Ergebnisse in Kurzform und zeigt elementare Schwächen eines Displays kompromisslos auf. Als wir damals im Testlabor der WLC Enterprises eingehend geschult wurden, war UltraHD, HDMI 2.0 und HDR (High Dynamic Range) noch Zukunftsmusik. Mittlerweile sind die fortschrittlichen Technologien aber, zumindest ab der mittleren Preisklasse, nicht mehr wegzudenken. Höchste Zeit also, unseren Display Basic Check und den zugehörigen „Workflow“ auf den aktuellsten Stand zu bringen. Die endgültige Spezifizierung von UltraHD, die kürzlich festgelegten „UltraHD-Premium“-Mindestanforderungen, HDR-Content usw. machen ein Update zwingend erforderlich. Diverse Basis-Parameter, die wir bisher stets getestet haben, bleiben dabei natürlich nicht unberücksichtigt.

Den grundsätzlichen Usus des bisherigen Prüfverfahrens behalten wir bei. Calman dient als Mess-Software und liefert uns eine visuelle Darstellung der gemessenen Parameter für die benötigten Screenshots im Testbericht. Ebenso bleiben die „äußeren Umstände“ der Messung identisch, so prüfen wir die Basis-Parameter bei wenig bis keinem Umgebungslicht, deaktivieren die meisten dynamischen „Bildoptimierer“ und messen innerhalb eines Bild-Presets, das dem Ideal sehr nahe kommt. Dynamische Bildfelder fallen also heraus, in der Regel wird es sich um Film-Modi handeln, je nach TV-Gerät auch um THX- oder isf-zertifizierte Presets.

Die Routine in der Übersicht:

  • Messung der Farbräume Rec.709 und „höher“ – DCI P3/BT.2020
  • Messung des Weißpunktes
  • Gammakurve und Gammapunkt (mit Durchschnitt)
  • Farbtemperatur in Relation zur Bildhelligkeit
  • RGB Balance
  • Helligkeit der Farben in Relation zum Referenz-Weiß (Gamut Luminance)
  • Messung der maximalen Panelhelligkeit
  • Prüfung, ob das Display in der Lage ist, HDR Content korrekt darzustellen

Wer bereits mit unserem Display Basic Check vertraut ist, wird den Großteil der aufgezeigten Punkte bereits kennen. Die Gamut-Messung mit dem Farbdreieck war stets der erste Part unseres Arbeitsflusses. Diesbezüglich ändert sich wenig, außer dass wir nun auch die größeren Farbspektren prüfen werden. Soll der TV das UltraHD Premium-Logo tragen und HDR unterstützen, muss er als Eingangs-Signal BT.2020, einen deutlich größeren Farbumfang, akzeptieren und zumindest 90% des P3-Farbraums darstellen können. Bislang haben wir nur den HD-Farbraum rec.709 in unseren Display Basic Check einbezogen, hier wird also nur erweitert.

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Unser neuer Testbildgenerator

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Pattern- und Resolution-Wechsel auf Knopfdruck

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HDMI-Output

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Fernbedienung des DVDO AVLab TPG

Die folgenden Punkte Weißpunkt, Gammakruve, Farbtemperatur, RGB Balance und die Gamut Luminance bleiben weitgehend identisch, allerdings haben wir auch diesbezüglich unsere Methoden, dank der Zusammenarbeit mit Florian Friedrich von AVTOP, verfeinert. Florian hat uns mit einigen neuen „Spielzeugen“ ausgestattet, die unsere Arbeit sowohl erleichtern als auch optimieren.

Dazu gehört z.B. der DVDO AVLab TPG Testbild-Generator. Das kompakte Gerät liefert 4K UltraHD-Bilder mit Bildwiederholraten von 50 und 60 Hz und ist mit einer Vielzahl für uns notwendiger Testpatterns ausgestattet, darunter z.B. das übliche PLUGE-Bild und die Bars für die korrekte Einstellung der Helligkeit sowie Testbilder für Schärfe, RGB, etc. Das Gerät unterstützt Auflösungen von SD über HD ready und FullHD 1080p60 bis hin zu 4K. Das Handling ist denkbar einfach, Patterns und Auflösung können direkt am Gerät oder per Fernbedienung gewechselt werden. Alternativ kann das Gerät per USB in Kombination mit einem Rechner und CMS Software mit einem Workflow automatisiert arbeiten.

Gänzlich neu sind die beiden letzten Punkte, die Messung der maximalen Panelhelligkeit und der Prüfung der HDR-Fähigkeit. Die UltraHD Premium-Spezifikationen, die die hohen UltraHD-Auflösungen ebenso umfassen wie eine Farbtiefe von 10-bit sowie HDR-Darstellung setzen auch bestimmte Helligkeitsparameter voraus. Entweder das Display ist in der Lage über 540 Nits maximale Helligkeit und weniger als 0.0005 Nits an Schwarzwert darzustellen oder es muss in der Lage sein, weniger als 0.05 Nits Schwarzwert und mehr als 1000 Nits maximale Helligkeit darzustellen.

Für Heimkino-Enthusiasten, die sich ein wenig mit der Materie befassen, sind dies beinahe unfassbare, extreme Helligkeitswerte. Zur Vereinfachung: ein „gängiges“ Heimkino mit einem hochwertigen Projektor erreicht Werte im Rahmen von 20 bis 30 fL, was in etwa 100 Nits entspricht. Allerdings muss man bedenken, dass es sich bei diesen 1000 Nits um die maximal darstellbare Helligkeit handelt, die im Praxisbetrieb beinahe nie am ganzen Bildschirm sondern nur lokal begrenzt angezeigt werden. Beim Vergleich ging es lediglich um das bessere Verständnis – allerdings wird es im Bereich Projektoren, wenn auch Vorteile bei diversem Quellmaterial spürbar sein werden, noch etwas dauern, bis man von richtiger HDR-Darstellung sprechen kann.

Nichtsdestotrotz erfüllen bereits einige wenige Premium TV-Geräte verschiedener Hersteller diese Anforderungen. Zumeist wird hier auf die Variante 1000 Nits maximal und 0.005 Nits Schwarzwert gesetzt. Wir prüfen ab jetzt, ob diese versprochenen, hohen Maximalwerte auch tatsächlich erreicht werden.

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HDFury Integral

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Der Integral kommt mit einem HDR Demo-Modus

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Weitere Bedienelemente für spezielle Funktionen

Außerdem kommt der „Integral“ von HDfury zum Einsatz. Dieses Zauberkästchen bietet eine ganze Reihe interessanter Funktionen, für uns ist aber besonders eine wichtig: Davon abgesehen, dass der Integral in der Lage ist, HDR-Metadaten auf vorhandenes Quellmaterial zu applizieren, kommt er mit einem schnell zugänglichen und sofort verfügbaren HDR-Demomodus. Per Knopfdruck schalten wir zwischen SDR- und HDR-Modus um und können so prüfen, ob der TV im Check HDR-Eingangssignale akzeptiert und korrekt verarbeitet.

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Die bewährte C6 Sonde von Spectracal

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Jetzt neu mit HDR-Zertifikat

Bei unseren Messungen setzen wir erneut auf eine Spectracal-Messsonde. Die C6 hat bisher sehr gute Dienste geleistet und eigentlich bleiben wir auch bei diesem kompakten und leistungsfähigen Gerät. Allerdings hat uns AVTOP mit einem neuen, HDR-zertifizierten Modell versorgt, damit wir wir die HDR-Tauglichkeit auch 100% garantieren können.  Ansonsten ändert sich am Einsatzverhalten der Sonde nichts, die C6 arbeitet in Kombination mit der Calman-Software und liefert die Ergebnisse zur Visualisierung an den Rechner.

Leider ist unser Workflow in Calman noch nicht komplett fertig und noch ein paar wenige weitere Feinschliffe fehlen uns, bis wir den überarbeiteten Display Basic Check an unseren neuen Testgeräten richtig einsetzen können. Daher gibt es auch noch keine Screenshots der Software bzw. der Geräte in Aktion. Dennoch wollten wir schon einmal einen Ausblick auf unser Prozedere bei kommenden TV-Geräten geben. Wir hoffen, dass die überarbeitete und umfangreichere Version unseres Display Basic Checks in Kürze einsatzbereit ist.

 

Special: Philipp Kind
Datum: 23.03.2016




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