SPECIAL: Mehrkanal-Entertainment zu Hause – Audio, Video, Netzwerk – was gibt es für Möglichkeiten?

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Früher gestaltete sich die Angelegenheit ganz einfach: Röhren-TV, in Größen von maximal 32 bis 36 Zoll, SDTV-Auflösung, dazu im besten Falle ein HiFi-Videorecorder, der an eine Stereo-/HiFi-Anlage, im hochwertigen Fall aus 43 cm Einzelkomponenten, angeschlossen war. Eine Einheit aus Personal Computer und akustischem/visuellem Wohnzimmer-Entertainment gab es nicht. Dann folgte in den 90er und 2000er Jahren die große Ära der Mehrkanal-Anlagen, erst Dolby Surround, matrixbasiert, dann die diskreten Tonformate Dolby Digital und dts 5.1. Diese Mehrkanal-Anlagen bildeten das Fundament von Multichannel-Entertainment zu Hause, das Thema dieses Specials. 

Heute leben wir in einer Zeit des „Entertainment Unlimited“ in den eigenen vier Wänden. Tabus werden gebrochen, alles wird eines – jedes Gerät kommuniziert mit jedem, und alles ist eine große, vernetzte Welt. Doch mal langsam – was für Möglichkeiten gibt es eigentlich für Mehrkanal-Entertainment zu Hause? Wir stellen die einzelnen Optionen/Devices mit ihren Möglichkeiten vor.

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Visuelles Zentrum – der Fernseher (hier Panasonic DXW904)

Im Mittelpunkt aus visueller, aber oft auch aus multimedialer Sicht steht der Fernseher. Ein moderner TV verfügt über 3.840 x 2.160 Pixel Bildschirmauflösung (Ultra HD) und bringt HDMI Terminals mit, die mindestens dem Standard 2.0 plus Kopierschutz HDCP 2.2 entsprechen. Idealerweise, zum Maximieren der Zukunftssicherheit, sollte der TV die Darstellung von High Dynamic Range-Inhalten (HDR) zumindest in den Standards HDR10 und HLG unterstützen. Der moderne TV ist mindestens 55 Zoll groß, Diagonalen darunter lohnen sich nur noch fürs Schlafzimmer oder Home Office.

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Diagonalen unter 55 Zoll sieht man nicht mehr häufig – im Bild: Samsung UE48HU6890

Der moderne TV ist im Hausnetzwerk eingebunden, wahlweise kabelgebunden (immer noch die stabilere Alternative) oder kabellos (WLAN-n sollte hier Standard sein). Einen Zuspieler wie einen Blu-ray-Player oder einen Ultra HD Blu-ray-Player braucht man keinesfalls mehr zwingend. Video on Demand Dienste wie Netflix, Maxdome oder Amazon Prime Video bringen TV-Serien, Shows und vor allem aktuelle und ältere Spielfilme per Streaming auf den Bildschirm. Monatliche Abo-Zahlungen, um die 5 bis 15 EUR kostend, ermöglichen den unlimitierten Zugriff. Man erwirbt nicht den Film oder die Serie, sondern streamt den Content lediglich, das kann man aber immer wieder tun. Ähnlich wie bei Spotify (Musik). Hat man eine entsprechend schnelle Internetverbindung, dann ist die Qualität von Streaming in Full-HD sehr gut. Viele VoD Dienste bieten auch schon Content in Ultra HD-Auflösung an (Netflix z.B.).

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Streaming-Dienste liefern mittlerweile eine hohe Qualität

Auch hier funktioniert das Streaming tadellos. Moderne UHD-TVs sind mittlerweile in der Lage, Full-HD-Content hochwertig auf die Ultra HD-Auflösung hochzurechnen. Wer oft bei geringem externem Lichteinfall schaut, wird mit einem teuren, aber vom Schwarzwert her brillanten OLED-TV liebäugeln, wem es um maximal erzielbare Helligkeit und ein besonders dynamisches Bild geht, der greift zu einem LCD-TV, am besten mit aufwändiger Direct LED-Hintergrundbeleuchtung und Quantum DOT-Panel. Übrigens: Die vor ein oder zwei Jahren noch stark im Trend liegenden Curved TVs sind wieder stark auf dem absteigenden Ast, außer dem Marktführer Samsung hält kein Hersteller mehr am Curved-Design fest. Wer den speziellen Bildeindruck eines Curved-TV mag und sich daran gewöhnt hat, macht aber absolut nichts falsch, wenn er weiterhin auf einen Curved TV setzt.

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Mittlerweile setzen viele Hersteller auf die Kombination aus LCD und OLED im Portfolio, manche kochen noch ihr eigenes Süppchen

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Curved TVs – eine bedrohte Spezies?

3D ist, was so mancher Fan sehr bedauert, mehr als „out“, Sony, Samsung und auch LG haben dieses Feature aus ihren TV-Geräten entfernt. Insgesamt gesehen können die TVs heutzutage aber noch mehr. Teurere Modelle haben einen Doppeltuner für DVB-S2/DVB-T+T2/DVB-C, das heißt, ein Programm kann aufgenommen werden, während man ein anderes anschaut. Die TV-Geräte lassen sich komplett per App für Smartphone oder Tablet steuern, und Peripherie-Geräte werden einfach erkannt, eingebunden und können mit der TV-Remote oder der App des TVs komfortabel gesteuert werden.

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App-Steuerung und „Smart Remote“ gehören zum Standard

TV-Sender bieten HbbTV und Online-Mediatheken, so kann man sich, hat man die Lieblingsserie heute verpasst, die Folge einfach aus der Mediathek heraus ansehen. Trotz der enormen Funktionsvielfalt sind die TVs nicht allzu komplex zu bedienen, auch wenn die Hersteller jeweils eigene Konzepte verfolgen, was man schon am Betriebssystem erkennt. Panasonic setzt auf Firefox OS, Sony und Philips auf Android, LG auf webOS und Samsung auf das selbst entwickelte Tizen. Sprach- und Gestensteuerung, beides funktioniert immer besser, zeigen überdies neue Wege zur Bedienung auf. Einrichtungsassistenten führen durch die Erstinstallation, was gerade für wenig versierte Anwender eine große Hilfe darstellt.

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Klassische Multichannel-Setups – Tradition mit Zukunft?

Die klassische Mehrkanal-Anlage ist noch lange nicht tot. Zu dieser gehört in moderner Spezifikation ein AV-Receiver mit mindestes 7 Kanälen, ein Ultra HD-Blu-ray-Player und ein 5.1.2 Lautsprecher-System, das Boxen für vorn und hinten, einen Center-Lautsprecher plus zwei Top Firing-Module für die Wiedergabe der objektbasierten Audioformate dts:X und Dolby Atmos bietet. Hinzu kommt mindestes ein aktiver Subwoofer. Dank dts:X und Dolby Atmos können in hoher Auflösung Surround-Klänge in allen Dimensionen wahrgenommen werden, die dritte Ebene, die mit dts:X und Dolby Atmos hinzu kam, spielt sich über den Köpfen der Zuhörer ab. Wer auch auf die hinteren Lautsprecher entsprechende Top Firing-Module für 5.1.4 Sound stellen möchte, muss einen AV-Receiver mit neun Kanälen kaufen. Wer zusätzlich noch zwei Back Surround-Boxen einsetzen möchte, also 7.1.4 betreibt, braucht einen der seltenen 11-Kanal-AVRs oder eine AV-Vorstufe mit 11.2 Processing plus passende Endstufen mit insgesamt 11 Kanälen.

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Die volle Dröhnung: Der Denon AVR-6300H bietet 11 Kanäle

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Selbst ein 7.1.4-Layout ist da nicht zu viel (im Bild: Elac TS3030)

Der moderne Mehrkanal-Receiver oder die moderne Mehrkanal-Vorstufe wurde im Vergleich zur Situation noch vor zwei oder drei Jahren hinsichtlich der Fähigkeiten als Video-Prozessor abgerüstet. Nur noch D&M und partiell Yamaha liefern aufwändige Video-Units mit Upscaling analoger und digitaler Signale (in den Modellen der gehobenen Preisklasse, darunter nur digitale Videosignale) von 480i/p/576i/p, 720p sowie 1.080i/p auf bis zu 4K mit. Inklusive Video-EQ. Andere Anbieter wie Onkyo, Pioneer oder Sony offerieren nur noch ein Upscaling von Full-HD auf 4K, das war es. In der heutigen Zeit, Hand aufs Herz, braucht man aber auch nicht mehr mehr.

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Hochwertige AV-Receiver (bzw. hier eine AV-Vorstufe) bieten ein sehr vielfältiges Anschlussangebot

Dafür kokettieren die Geräte heute mit aufwändigen automatischen Lautsprechereinmesssystemen inklusive Room EQ, die deutlich präziser arbeiten als früher. Das ist auch eine Folge der aufgrund der objektbasierten Audioformate drastisch angestiegenen Rechenleistung. Starke Quad Core-CPUs sind in AVRs selbst in der 1.000 EUR-Liga keine Seltenheit. Schon relativ preisgünstige AV-Receiver sind mit zahlreichen Netzwerkfunktionen ausgestattet. Sie können wahlweise drahtlos oder kabelgebunden ins Heimnetzwerk eingebunden werden, und befinden sich dadurch auch im Internet. Der Zugriff auf beliebte Musikdienste und Internet Radio-Plattformen wie Spotify, Tidal oder Last.FM wird komfortabel möglich. Zudem können die AV-Receiver Bluetooth-Signale vom Smartphone oder Tablet entgegen nehmen, so kann Musik sehr einfach gestreamt werden. Ebenfalls greift der moderne AV-Receiver auf Musik zu, die auf einem PC, Notebook, Home Server oder NAS-System abgelegt ist. Diese Dateien können auch in hoher Auflösung vorliegen – High Resolution Audio, kurz Hi-Res-Audio, ist hier das Zauberwort. Mehr Dynamik und eine komplette Darstellung des z.B. für die Klangfarbe von Instrumenten wichtigen Oberwellenbereiches sind in aller Kürze die Vorzüge von Hi-Res-Dateien, die gern in den Formaten Flac, ALAC, AIFF, WAV oder in DSD vorliegen. DSD ist aufgrund komplett anderer technischer Basis eigenständig. Meist wird DSD im AV-Receiver in das leichter zu verarbeitende PCM, Basis für die anderen Formate, gewandelt. Nur sehr teure AVRs haben aufwändige DACs, die DSD nativ verarbeiten können.

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High-resolution Audio-Streaming mit der Onkyo PR-RZ5100

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Yamaha RX-A860 mit MusicCast

Bei den Herstellern sehr stark im Trend liegt die Möglichkeit, AV-Receiver in sogenannte Multiroom Audio Systeme zu integrieren. Das heißt: Man hat zahlreiche, über das Heimnetzwerk miteinander verbundene Lautsprecher, z.B. in der Küche, im Schlafzimmer und im Arbeitszimmer. Diese Boxen können ein individuelles Signal wiedergeben (z.B. Musik von Streaming-Diensten wie Spotify, oder Musik vom Internet Radio, Musik vom Home Server, etc.), oder aber, z.B. wenn man Gäste hat und eine Party feiert, können alle LS-Gruppen das identische Signal präsentieren. Und als „Head Unit“ im Wohnzimmer oder Heimkinoraum kann auch der AVR nahtlos eingebunden werden. Bei Denon&Marantz heißt dieses System HEOS, bei Yamaha MusicCast, bei Bose SoundTouch, bei Pioneer und Onkyo Fire Connect und dann gibt es noch Sonos. Der Marktführer baut zwar keine AV-Receiver, aber dafür eine Soundbar. Und schon sind wir beim nächsten Thema: Surround 2.0 – die Zukunft des Mehrkanal-Tons zu Hause.

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Soundbar – Die moderne AV-Schaltzentrale? Im Bild: JBL Cinema SB 450

Mehr und mehr wird die Soundbar zum Mittelpunkt des akustischen Entertainments. Früher nur als einfach zu installierende Behelfslösung für die Auffrischung des TV-Tons gedacht, ist man heute längst viel weiter. Firmen wie Sonos, Bose, Teufel, Panasonic, Samsung, Yamaha oder Sony bieten klanglich sehr ausgefeilte Soundbar-Lzösungen an. Hier muss man verschiedene Konzepte unterscheiden: Besonders flexibel zeigen sich z.B. Sonos und Panasonic. Hier kann im Rahmen der Multiroom Audio-Produkte eine Soundbar erworben werden, diese wird ganz normal unter dem TV platziert. Wenn man dann z.B. im Schlafzimmer und im Arbeitszimmer noch jeweils einen kompakten Multiroom Audio-Lautsprecher verwendet, so können diese zwei aktiven Lautsprecher dann für de Filmabend ins Wohnzimmer wandern. Dort werden sie mit der Soundbar verbunden, und man genießt echten Mehrkanal-Klang. Am Tage dann gehen die beiden Lautsprecher dann im Schlaf- und Arbeitszimmer wieder ihrer Tätigkeit der Beschallung nach.

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Mutiert bei Bedarf zum Rear-Speaker – Panasonic SC-ALL2

Zweites Konzept, das z.B. von Samsung und Teufel sowie Bose umgesetzt wird: Eine Soundbar wird um kabellose Rears ergänzt, diese Rears sind aber normale aktive Boxen ohne Multiroom Audio Funktion. Hier gibt es auch wieder zwei Wege. Bei Bose und Teufel gibt es ein oder zwei Wireless-Module für den Rear Bereich, in diesem sind die Verstärker, und von dort aus zieht man 2 Lautsprecherkabel zu den passiven Boxen. Oder man setzt auf komplett aktive One-Piece-Lösungen, jede Kompaktbox wird dann ohne Kästchen direkt mit der Soundbar verbunden.

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Dolby Atmos-Soundbar von Sony

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Nur Yamaha arbeitet mit echten Schallreflexionen

Yamaha geht eigene Wege. Hier wird mit Schallreflexionen gearbeitet, das heißt: Man hat nur eine Komponente, den sogenannten Sound Projector, und dieser generiert mittels den Beam-Lautsprechern, die im präzise berechneten Winkel Schallstrahlen, die an die Wände des Hörraums gehen, erzeugen, ein realistisches Surround-Klangbild. Sind die räumlichen Gegebenheiten passend, ist der akustische Eindruck verblüffend gut. Generell sind mehrere Ausstattungsmerkmale immer wichtiger bei Soundbars: Zunächst der Dolby Atmos Decoder. Interessanterweise spielt dts:X bei Soundbars keine Rolle. Nur Yamaha für den YSP-5600 (dts:X schon an Bord) und Sony für deren neue Top-Soundbar (per Update in 2017) unterstützen das objektbasierte Soundformat von dts. Des Weiteren Bluetooth, praktisch jede Soundbar hat dieses Feature. Hinzu kommt die komplette Einbindung in ein Multiroom Audio System.

Wichtig sind auch mindestens ein HDMI-Eingang und ein HDMI-Ausgang (Standard mindestens 2.0 plus HDCP 2.2). Wenn die Hersteller mehr und mehr die Soundbar als den „modernen AV-Receiver“ ansehen, wären mindestens 3 HDMI-Eingänge mehr als angebracht. Die Zeiten, in denen lumpige Breitbänder in den Soundbars ihrer Arbeit nachgingen, sind gerade im höherpreisigen Segment auch vorbei. Sony z.B.bietet sogar Koaxial-Chassis an. Immer mehr Soundbars sind auch Hi-Res-Audio-kompatibel, in der Praxis aber sind selbst aufwändige Soundbars zu schlicht konstruiert, um akustische Vorzüge von hochauflösendem Audio überzeugend zu präsentieren. Sounddecks, auf die man das TV-Gerät stellt, sind praktisch „tot“ und besitzen keine nennenswerte Relevanz mehr.

Special: Carsten Rampacher
Redaktion: Philipp Kind
Fotos: Sven Wunderlich, Philipp Kind
Datum: 07. Februar 2017

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