SPECIAL: Kopfhörer mit aktivem Noise Cancelling

In diesem Special stellen wir verschiedene Kopfhörer mit aktivem Noise Cancelling vor, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, was den Gesamtmarkt angeht. Vielmehr möchten wir einen kleinen Überblick besonders empfehlenswerter Alternativen in einem Preisspektrum von knapp 55 bis rund 400 EUR geben. 

auna_anc10_oben

Auna ANC-10: Aktive Geräuschunterdrückung für unter 55 EUR – billiger geht es nicht. Trotzdem ist sogar ein Hardcase im Lieferumfang enthalten. Der ANC-10 sitzt bequem und verfügt über zwar etwas schweißtreibende, aber gut gepolsterte Ohrmuscheln. Man kann den ANC-10 prinzipiell auch ohne das aktive Noise Cancelling verwenden. Allerdings ist das Klangbild dann wenig begeisternd. Mit kräftigem, aber nicht allzu detailreichen Klang bietet der ANC-10 eine ordentliche, wenn auch nicht sensationelle akustische Performance. Mehr kann man fürs Geld aber auch kaum erwarten. 

Auna BNC-10 1

Auna BNC-10: Knapp 80 EUR Kaufpreis, recht anständige Verarbeitung – und nicht nur ein voll befriedigend funktionierendes aktives Noise Cancelling, sondern auch noch Blueooth 4.1: Mehr kann man fürs Geld kaum noch erwarten. Kabelgebunden, z.B., um das Bordentertainment im Flugzeug zu genießen, kann man den BNC-10 auch verwenden. Eine gute Transportbox und jede Menge Adapter für den kabelgebundenen Einsatz befinden sich im Lieferumfang. Auna gibt keine Akkulaufzeit an, in der Praxis können wir sagen, dass 5 – 6 Stunden bei erhöhtem Pegel gemeistert wurden, ohne dass der Akku schwächelte. Und wir gehen davon aus, da noch „Saft“ vorhanden war, dass deutlich mehr geht. Klanglich entpuppt sich der BNC-10 als angenehmer Begleiter mit kräftigem Bass. Zudem agiert der BNC-10 dynamisch, allerdings, wie es auch zu erwarten war, ist die Detaillierung nur durchschnittlich. Trotzdem – sehr gutes Produkt für den kleinen Geldbeutel, das auch recht bequem sitzt, wenngleich das Material der Ohrmuscheln etwas schweißtreibend bei längerem Tragen ist. Kritik verdienen nur die heftigen Ausdünstungen der verwendeten Kunststoff-Materialien. 

JBL Reflect Aware 5

Speziell für Besitzer des Apple iPhone 7 und des Apple iPhone 7 Plus eignet sich der JBL Reflect Aware In-Ear-Kopfhörer, dessen Noise Cancelling verschiedene Stufen bietet und sogar per App zu steuern ist. Schickes Design und gute Verarbeitung sowie ein angenehmer Sitz zeichnen den modischen In-Ear aus. Und nicht nur das, auch die eingebaute Freisprecheinrichtung hinterlässt einen guten Eindruck. Was wir nicht optimal finden: Der Reflect Aware hat keinen eigenen Eindruck, sondern zieht sich über die Lightning-Verbindung auch den Strom vom iPhone 7/7 Plus. Da man ohnehin immer mit der zu kurzen Akkulaufzeit gerade der Apple-Smartphones hadert, ist es nicht so erfreulich, wenn durch externe Faktoren die Akkulaufzeit weiter herabgesetzt wird.

JBL Reflect Aware App 5

Custom EQ

JBL Reflect Aware App 3

Steuerbares Noise Cancelling

Sehr gut: Mittels der App kann man ferner nicht nur auf verschiedene Noise-Cancelling-Stufen und vorgefertige DSP-EQ-Programme zugreifen, sondern auch selbst eigene EQ-Justagen durchführen und die gefundenen Set-Ups als Presets speichern. Ebenso kann man auch die Intensität des aktiven Noise Cancellings selber nach eigenem Ermessen innerhalb eines bestimmten Spielraums regeln. Qualitativ punktet das Noise Cancelling absolut, zudem ist der Klang kräftig und rund – die Feindynamik zeigt noch Potential. 

Panasonic RP-HC800 3

Panasonic Over-Ear-Kopfhörer RP-HC800 für 199 EUR: Der RP-HC800 kostet so viel wie der Teufel Mute BT, der aber nicht nur ANC (Active Noise Cancelling) an Bord hat, sondern auch noch Bluetooth. Der Panasonic hatte damals im Test eine Preisklassenreferenz abgegriffen und beeindruckt auch heute noch, wenngleich der Mute BT ihm auf den Fersen ist – vor allem, weil als wertvolles Add-On BT gleich mit dabei ist, und zwar zum selben Preis. Der klassisch, aber nicht unattraktiv gestaltete Panasonic erweist sich aber als souveräner und pegelfester im Klang – nach wie vor gefällt uns die Auslegung sehr gut. Noch kultivierter und feiner geht nur der AKG N60 ans Werk, dessen Marktpreis unter die magische 200 EUR-Grenze gefallen ist. Das Over-Ear-Konzept von Panasonic bietet dafür noch bessere Abschottung. 40 Stunden Batterielaufzeit sind überragend beim Panasonic. Man kann de äußerst bequemen Panasonic auch ohne aktives Noise Cancelling betreiben, wie bei den Konkurrenten leidet dann aber die Klangqualität deutlich. 

Teufel-Mute-BT-5

Mute BT

Teufel Mute 6

Mute

Teufel Mute BT: Knapp 200 EUR kostet der geschlossene Kopfhörer Mute BT mit aktiver Geräuschunterdrückung und Bluetooth.. Satte 28 Stunden Akkulaufzeit und ein wechselbarer Akku sind nicht zu unterschätzende Vorzüge. Blueooth 4.0 inklusive aptX ist der drahtlose Standard an Bord. Mit überzeugender Räumlichkeit und homogenem Sound setzt sich der Mute BT klanglich in Szene. Die 40 mm Treiber erledigen demnach einen ausgezeichneten Job. Zu loben ist auch die tadellose Freisprecheinrichtung. Sehr gut gefällt uns die relativ hochwertige und angenehm flache Transportbox. Der Tragekomfort liegt ausgesprochen hoch beim Mute, die Ohrmuscheln präsentieren sich als effektiv gepolstert. Die Beschriftung der Bedienelemente an der Ohrmuschel ist allerdings kaum zu erkennen, und wie bei einigen Konkurrenten z.B. von Denon oder Auna ist die Geruchsentwicklung des Mute BT im Neuzustand zu nachdrücklich. Optisch sieht der Mute BT ebenso aus wie der kabelgebundene Mute, der für knapp 150 EUR in der Preisliste steht und, da nur das Noise Cancelling mit Strom versorgt werden muss, 40 Stunden Akkulaufzeit offeriert, das ist top. Nur verschiedene Aplikationen und Akzente sind beim Mute in rot gehalten, beim Mute BT in grau. Optisch hätten wir uns noch etwas mehr Noblesse und Einfallsreichtum gewünscht. 

AKG N60 Staender

Die unverbindliche Preisempfehlung für den AKG N60 beträgt 249 EUR, der Marktpreis bewegt sich knapp unter 200 EUR. Auch, wenn er zur IFA 2015 erstmals vorgestellt wurde und somit schon etwas älter ist, befindet sich die Güte seines aktiven Noise Cancellings nach wie vor ohne Zweifel voll auf der Höhe der Zeit. Der flott gestylte On-Ear-Kopfhörer begeistert uns mit sehr guter Verarbeitung und einem Klang, der nach wie vor zum Besten gehört, was wir nicht nur in dieser Preisklasse finden. Ein Over-Ear-Kopfhörer bietet freilich die noch bessere Abschottung von der Außenwelt, dafür ist der N60 äußerst leicht und stört auch beim stundenlangen Tragen nie. Und: Er lässt sich enorm kompakt zusammenfalten und lässt sich exzellent auf die Kopfform des Trägers anpassen. 30 Stunden Akkulaufzeit fürs ANC sind immer noch gut. Der dynamische, gleichzeitig aber auch fein-kultivierte Klang begeistert immer noch und katapuliert den AKG nicht nur vor die „Mutes“ von Teufel, sondern auch vor den Denon AH-GC20 und bringt ihn sogar in die Nähe von Sony und Bose. 

Denon AH-GC20 4

Schon auf dem Weg zum Klassiker ist der Denon „Global Cruiser“ AH-GC20, der zur High End 2015 erstmals gezeigt wurde. 329 EUR beträgt die UVP des ANC/Bluetooth 4.0 (mit aptX) Over-Ear-Hörers, die Marktpreise liegen mittlerweile teilweise deutlich darunter. Mitgeliefert wird ein robustes Transport-Case, und leider auch eine zu intensive Geruchsentwicklung der verwendeten Materialien beim Kopfhörer selber. Dank der Bluetooth Multipoint Funktion kann man gleichzeitig zwei Smartphones mit dem Denon-Hörer verbinden, das ist sehr erfreulich. Natürlich kann man den AH-GC20 auch kabelgebunden betreiben, um zum Beispiel das Bordentertainment beim Flugzeug genießen zu können. Ein Freisprecheinrichtung ist auch in den AH-GC20 eingebaut. 18 bis 20 Stunden Akkulaufzeit entsprechen gutem Durchschnitt. Denon liefert gleich 2 Apps:

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Travel App

Die „Travel App“, die unter anderem TuneIn Internetradio und direkten Zugriff auf reiseorientierte Apps (TripAdvisor, Flight View, Kayak usw.).

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EQ App

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EQ Voreinstellungen

Zusätzlich kann man sich für knapp 2 EUR aus dem jeweiligen App Store eine aufwändige EQ-App herunterladen, die für versierte Anwender eine Vielzahl an Möglichkeiten bietet. Klanglich folgt der AH-GC20 der bei ANC-Kopfhörern gehobener Preisklasse beliebten akustischen Auslegung: Voller, nachdrücklicher Bassbereich, aber gleichzeitig eine durchaus lobenswerte Auflösung. 

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Bose zündet die nächste Stufe: Der Quiet Comfort (QC) 35 befindet sich nun mit ANC und mit Bluetooth sowie einer (eigentlich überflüssigen) App (mit Akkustands- und Verbindungsanzeige sowie Bedienungsanleitung) auf dem Weg zum anspruchsvollen Vielreisenden. Gerade in der silbernen Variante präsentiert sich der QC 35 als äußerst edel. Das war nicht immer so, in der aktuellen Generation aber gibt es kaum einen anderen Kopfhörer mit ANC/BT in dieser Liga, der so gediegen wirkt und mit Metall- und Alcantara-Elementen eine so überzeugende Materialgüte offeriert.

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App

Der Bose sitzt perfekt, bietet ein optimales Case, einen optimalen Falt-Mechanismus und einen herausragend ausbalancierten Klang. Das ANC ist immer noch das effektivste auf dem Markt. Daher: Klar der Leader derzeit – auch, wenn alle paar Stunden die BT-Verbindung bei unserem Testmodell für ca. 1 Sekunde ausgesetzt hat. 20 Stunden Akkulaufzeit sind allerdings nicht, wie vom Hersteller angepriesen, der Maßstab. Was sehr gut ist: Sollte sich die Laufzeit des Akkus dem Ende nähern, so reichen 15 Minuten Schnellaufladen aus, um die Laufzeit um 2,5 Stunden zu verlängern. Aufgeladen wird mittels eines recht kurzen, mitgelieferten Micro USB-Kabels, das sich mit jedem handelsüblichen Smartphone- oder Tablet-Ladegerät verträgt.

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„Bei Technikfragen Tech-Nick fragen“, schlägt Saturn vor. Wir ändern das etwas ab: „Bei High-Tech-Fragen hat Sony das Sagen“ – und diese Weisheit gilt ganz klar für den 399 EUR kostenden MDR-X1000 Over-Ear-Kopfhörer, der nicht nur über die sehr beliebte Kombination aus aktivem Noise Cancelling und Bluetooth (mit aptX und NFC) verfügt, sondern noch mehr „Schmankerl“ anbietet. So arbeitet das Noise Cancelling besonders aufwändig. Zum einen: Der Kopfhörer reduziert niederfrequente Geräusche in Fahr- und Flugzeugen sowie Stimmen mit mittleren bis hohen Frequenzen deutlich effektiver als die Vorgänger-Generation. Das ist aber noch nicht alles, denn es findet sich auch „Ambient Sound Mode“. Durch Umschalten kann man zwischen „Normal“ und „Voice“ wählen. Im Modus „Voice“ kann man Musik hören, ohne gleichzeitig wichtige Durchsagen, z.B. am Flughafen, zu verpassen. Im normalen Modus arbeitet der Ambient Sound-Modus so, dass man trotzdem noch wichtige Umgebungsgeräusche wahrnehmen kann.

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High Tech-Funktionen beim MDR-X1000

Eine tadellos agierende Freisprecheinrichtung gehört auch zum Ausstattungsumfang des Sony MDR-1000X. Mit „Sense Engine“ kann durch Berühren z.B. die Musik kurz leiser gestellt werden. Man legt hierzu die Hand auf die rechte Ohrmuschel außen. Man kann auch den Touch Sensor für viele Funktionen verwenden. Streicht man an der rechten Ohrmuschel mit dem Finger vorsichtig und ohne viel Druck nach oben, wird die Lautstärke höher. Streicht man nach unten, verringert sie sich. Etwas Fingerspitzengefühl sollte man jedoch entwickeln, sonst passiert etwas anderes als gewünscht. Tippen auf das Touch-Feld stoppt den gerade laufenden Titel. Tippt man wieder, geht die Wiedergabe weiter. Wischt man etwas schneller nach oben, springt man zum nächsten Titel. 20 Stunden Akkulaufzeit sind guter Durchschnitt, wenn man nur ANC nutzt, steigt sie um 2 Stunden an. Optisch konsersativ gehalten, ist der Sony mit seinem hohen Tragekomfort ideal für den Businessman, der viel reist. Der Klang ist harmonisch und dynamisch, das Aufladen des Akkus dauert mit vier Stunden unserer Meinung nach zu lange.

Special: Carsten Rampacher
Datum: 12. April 2017




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