SPECIAL: Klangeindrücke der neuen Soundbar HW-MS750 aus dem Samsung Audio Lab

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Im Rahmen unseres Besuchs im Samsung Audio Lab in Valencia konnten wir auch einige Höreindrücke von bereits verfügbaren, aber auch von kommenden Neuerscheinungen gewinnen. Gehört haben wir die HW-MS650, die ja bei uns im Test bereits sehr gut abschneiden konnte, sowie den Prototypen eines flachen Multiroom-Speakers, der – vielleicht, vielleicht aber auch nicht – in dieser Form irgendwann den Weg auf den Markt finden wird. Außerdem durften wir die neue und ab Herbst erhältliche HW-MS750 in Augenschein nehmen und Probe hören. Und das in Kombination mit einem neuen 10″-Subwoofer, der die bereits recht bassstarken Soundbars mit Anti-Distortion-Technologie in den tiefsten Frequenzen zusätzlich unterstützt.

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Samsung HW-MS650

Über die Klangperformance der HW-MS650 wollen wir hier nicht mehr allzu viele Worte verlieren, sondern auf den Test verweisen. Dennoch soll noch einmal gesagt sein, dass besonders der breite Abstrahlwinkel begeistert und auch zahlreiche Effekte bei einer Action-Sequenz, unabhängig, der Sitzposition sehr gut lokalisiert werden können. Während unserer Hör-Session konnten wir uns frei bewegen und verschiedene, auch in sehr stumpfem Winkel angeordnete, Plätze einnehmen. Eine eklatante Verschlechterung konnten wir nicht wahrnehmen. Ebenfalls beeindruckend zu sehen war, wie gut die Soundbars gegenüber konventionellen, und hochwertigen, Stereo-Lautsprechern abschnitten. In unseren Blind-Tests, die wir auch im XXL-Special über den Besuch in Kalifornien beschrieben haben, lagen die Genelec-Lautsprecher zwar stets vorne, aber mit einem sehr geringen Bewertungsabstand. Die Bühne, aufgebaut von den Soundbars, gelingt sehr räumlich und breit, so dass sie einem Stereo-Setup schon nahe kommt.

Prinzipiell sieht Samsung die neuen Soundbars als „All-in-One“-Geräte, zu denen kein dedizierter Subwoofer notwendig ist. „Notwendig“ ist er vielleicht auch nicht, aber häufig sind ja auch Dinge attraktiv, die man nicht unbedingt „benötigt – in Kombination mit der HW-MS650 ist der Benefit eines dedizierten Subwoofers, auch wenn die kompakte Soundbar bereits einen soliden Tieftonbereich liefert, klar erkennbar. Besonders an der Nachdrücklichkeit und beim Tiefgang bemerkt es der Zuhörer, der Woofer liefert aber auch insgesamt etwas mehr Punch und erweitertes Volumen. Den ersten Eindrücken nach scheint der Sub eher trocken ausgelegt zu sein.

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Samsung HW-MS750

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Detailansicht

Die neue, größere HW-MS750 soll ab der IFA im kommenden Herbst verfügbar sein. Die Soundbar wird in Silber und Dark Titan erhältlich sein und kommt mit der für Samsung üblichen, üppigen Multimedia-Ausstattung inklusive Bluetooth. HDMI-Beschaltung, WLAN, etc. sind selbstverständlich. Eine Besonderheit der HW-MS750 werden die „vertical height speakers“ sein. Diese nach oben angeordneten Lautsprecherchassis sollen den Zuhörer mit zusätzlichen Höheninformationen versorgen. Allerdings handelt es sich um eine proprietäre Samsung-Technologie, die zur Erweiterung der Klangkulisse genutzt wird. Die HW-MS750 ist keine Dolby Atmos-Soundbar, dies bleibt der HW-K950 vorbehalten. Insgesamt sollen sechs Woofer und fünf Tweeter verbaut sein und auch ohne Subwoofer soll die Soundbar bis 35 Hz tief hinunter spielen. Ein Preis steht noch nicht fest.

Neben HW-MS650 und HW-MS750 hat Samsung noch die HW-MS550 im Portfolio. Dabei handelt es sich aber um ein Stereo-System ohne Center-Lautsprecher für den Einstiegsbereich. Die HW-MS550 bietet auch nicht die häufig angesprochene Anti-Distortion-Technologie aus dem Samsung Audio Lab.

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Unterschiedliche Chassis, oben HW-MS750, unten HW-MS650

Die nach oben angeordneten Höhenlautsprecher der HW-MS750 konnten wir bei unserem Testsample in Kalifornien leider noch nicht ausprobieren, aber auch ohne diese lieferte die große Soundbar einen räumlich dichten und dreidimensionalen Sound. Die HW-MS750 liefert bei den ersten Sequenzen von „The Art of Flight“ einen spürbar kräftigeren Sound als die kleinere HW-MS750 und überzeugt mit solidem Punch und Nachdruck ohne Subwoofer. Eine weite Atmosphäre versetzt den Zuschauer, der auch hier nicht unbedingt zentral vor der Soundbar sitzen muss, mitten ins aktuelle Geschehen. Sehr gut gefiel uns auch die hohe Geschwindigkeit der Lautsprecher, Synthesizer-Effekte werden flink und präzise dargeboten und sauber in die Klangkulisse integriert. Ein fliegender Hubschrauber über den von Schnee bedeckten Bergen kann klar nachverfolgt werden, die Befehle über Funk wirken charakteristisch und trotz einer hohen Komplexität des Klanggeschehens kann man den Dialog stets gut verstehen.

Auch bei der folgenden Sequenz aus Star Trek von der Dolby Demo Disc zeigt sich, wie gut die Soundbar Objekte in den Raum platziert, Umherfliegende Trümmer und Geschosse kann man sehr gut zuordnen, direktionale Effekte lassen sich problemlos nachverfolgen und auch hier gefällt uns wieder die Stimmverständlichkeit hervorragend. Ein zusätzlicher Subwoofer bietet auch bei der HW-MS750 Benefits, wenn auch nicht so stark ausgeprägt wie beim kleineren Modell. In den tiefsten Frequenzen wird mehr Punch geboten und insgesamt wirkt das Klangkonstrukt etwas satter und kräftiger. Die HW-MS750 allein bietet aber schon ein hervorragendes Volumen.

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Neuer Subwoofer

Der kommende 10″ Subwoofer ist genau auf die HW-MS650 und HW-MS750 Soundbars abgestimmt und arbeitet Hand in Hand mit den Klangbarren. Verwendet man den Samsung Subwoofer, erkennt die Soundbar dies und nimmt verschiedene Klanganpassungen vor. Der Subwoofer ersetzt den .1-Kanal, der sonst von der Soundbar ausgegeben wird. Die Soundbar gibt dann weitgehend nur noch Mitten und Höhen aus, um Überschneidungen mit dem Subwoofer zu vermeiden – der Cutoff liegt dann, zumindest nach aktuellem Firmware-Stand, bei 100 Hz.

Dass die beiden Komponenten sehr gut zusammenarbeiten, hören wir bei einem Jazz-Track mit Piano und Frauenstimme, der, abgesehen von einer leichten Belegtheit, sehr angenehm und charakteristisch klingt. Der Sub greift hier nicht in die mittleren Frequenzbereiche ein, sondern agiert gezielt und sauber. Der Tieftonbereich wirkt trocken und präzise, nie überzogen oder gar „boomig“. Wer möchte, kann hier eine etwas sattere Einstellung wählen, der Subwoofer kann von -6 bis +6 dB in 1 dB-Schritten eingestellt werden.

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10″ – Chassis mit kräftigem Magneten

Selbst eine alte Aufnahme von Jim Ed Brown, „Yesterday“, klingt angenehm und die Stimme des Sängers beweit Authentizität und Charakter. Die Bühne ist bei diesem Beispiel nicht außergewöhnlich breit und tief. „Petite Fleur“ begeistert mit hohe Natürlichkeit der Blasinstrumente und authentischem Timbre, während beim sehr basslastigen Track von Jon Jumper „Shoot everything“ sattes Volumen und Nachdruck zu spüren ist. Verschiedene Ebenen im Tieftonbereich arbeitet der neue Samsung Subwoofer auch im Ansatz heraus und zeigt nicht nur im Bereich Kraft Stärke.

Als letztes konnten wir auch kurz in einen Prototypen hineinhören. Ein single speaker, der als Wireless Multiroom Lautsprecher einmal das Samsung-Portfolio bereichern soll, kommt in einer sehr flachen Bauweise daher und ist gerade einmal 5 cm schlank.

Besonderheit, neben der Bauform, ist die Integration des Midrange Tweeters aus dem Samsung Audio Lab. Dabei handelt es sich um den gleichen Töner, der auch bei den Soundbars zum Einsatz kommt, und der bis auf 700 Hz hinunter spielt. Außerdem ist das Modell mit drei Woofern ausgestattet und bietet, der Anti-Distortion-Technologie sei es gedankt, einen voluminösen Tieftonbereich trotz kompaktem Gehäusevolumen. Das ist für uns Grund genug, ob man diesen Prototypen nun einmal in Regalen des Handels sehen wird oder nicht, schon einmal Klangeindrücke zu schildern. Sie zeigen was mit den Technologien, die im  Samsung Audio Lab entwickelt wurden, auch in anderen Produktfeldern möglich ist. Der flache Speaker liefert einen kräftigen und voluminösen Tieftonbereich für seine Größe mit und übertrifft, was dies betrifft, sogar die HW-MS650. Außerdem bietet der Midrange Tweeter auch in diesem Produkt ein hohes Detailvermögen und Brillanz. Auch die Räumlichkeit gefällt, allerdings könnte die Bühne noch etwas breiter und weitläufiger sein – hier haben die Soundbars, wenn auch ebenfalls kein richtiges Stereo-Setup, aufgrund ihrer Bauform einen Vorteil. Voll und sonor klingt die Stimme in einem A Cappella-Track, aber auch eine Frauenstimme in Kombination mit einem Klavier gelingt hervorragend. Ein Jazz-Ensemble begeistert mit sehr guter Instrumentaltrennung, warmem Pianosound und dichter Atmosphäre.

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Besuch im Samsung Audio Lab in Kalifornien

Zweifellos ist Samsung, was die akustische Performance angeht, auf dem richtigen Weg. Gerade bei kompakten Lautsprechern, bei denen „convenience“, Platzbedarf und nicht zuletzt der Preis eine nicht unwichtige Rolle bei der Kaufentscheidung spielt, sind innovative und fortschrittliche Technologien wichtig, um hohen Anforderungen an die Klangqualität gerecht zu werden. Mit der Anti-Distortion-Technologie und dem Midrange Tweeter sind dem Team aus dem Samsung Audio Lab bereits zwei Schlüsseltechnologien gelungen, deren Wirkung auch im praktischen Einsatz klar nachvollziehbar ist. Wir sind gespannt, welche Asse die Ingenieure und Entwickler in Valencia, Kalifornien, noch in der Hinterhand haben.

 

Special: Philipp Kind
Datum: 25.07.2017




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