Special: KEF Standlautsprecher Muon – Klang-Meisterwerk und Design-Ikone

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Natürlich hatte man auf der High End in München erneut die Gelegenheit, den gigantisch großen und optisch wie eine Skulptur auftretenden KEF Muon Lautsprecher, Paarpreis 160.000 EUR, an hochleistungsfähiger Arcam Elektronik zu hören. Obwohl die Muon im Stereo-Betrieb lief, griffen die Verantwortlichen auf die neue Arcam AV-Vorstufe AV880 zurück. 

Hier einige Daten zur leistungsstarken AV-Vorstufe:

Arcam AV860

Der neue AV-Prozessor startet mit Decoding für dts:X und Dolby Atmos durch. Geeignet ist das 5.399 EUR kostende Gerät für Konfigurationen in maximal 7.1.4. 

Für die Raumeinmessung kommt Dirac Live zum Einsatz. Um Dirac nutzen zu können, ist ein Notebook oder PC erforderlich. Die dann ermittelten Ergebnisse sind sehr präzise, und leistungsstarke Filter ermöglichen eine ausgezeichnete Anpassung an den Hörraum. Störende Einflüsse, wie zum Beispiel zu viel Hall, werden mit den Dirac-Algorithmen wirkungsvoll bekämpft. Für jeden Eingang der Vorstufe kann man ein eigenes Dirac-Setup erstellen. Kommen wir zurück zum AV-Prozessor: Externe Endstufen finden nicht hier nicht nur via Cinch, sondern auch professionelle XLR-Ausgänge Anschluss.

Arcam AV860 back

AV860 von hinten

Der AV860 bietet Anschlussmöglichkeiten für zahlreiche Geräte: Neben 7 HDMI-Eingängen (dem Standard HDMI 2.0a mit HDCP 2.2 entsprechend ) sind drei HDMI-Ausgänge und darüber hinaus noch zahlreiche analoge Eingänge sowie Digital-Eingänge in koaxialer und optischer Ausführung vorhanden. Der AV860 eignet sich zum Streaming via Spotify Connect und wird mit einem Kombi-Radio-Empangsteil für UKW/DAB/DAB+ angeboten. Der Aufbau ist Arcam-gewohnt hochwertig, so dass es der AV-Prozessor auch mit einem Highend-Speaker wie der Muon zurechtkommt. Arcam-Endstufen wurden für die Verstärkung des Signals verwendet.

Nach diesem Exkurs steht nun der Muon-Lautsprecher wieder im Fokus unseres Special. 

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Muon als Demonstration des technisch Machbaren

Entstanden ist die MUON als Kooperation zwischen den erfahrenen KEF-Ingenieuren und dem Designer Ross Lovegrove. Die Muon ist streng auf lediglich 100 Paare limitiert, so dass eine gewisse Exklusivität immer gewahrt bleibt. Modernste Technologie zur Erzeugung eines mitreißenden, hoch präzisen Klangbildes und organische, einer Skulptur ähnelnde Formen miteinander vereint – das ist, kurz ausgedrückt, der Gedanke hinter Muon. 

Dass bei dem bereits erwähnten Kaufpreis überall nur das Beste erwartet werden kann, versteht sich von selbst. Das Gehäuse der MUON wird aus Aluminiumelementen gefertigt, die in einem Hochdruckumformungs-Verfahren hergestellt werden. Der Prozess ähnelt dem Vakuumformen von Plastik: Erhitzte Aluminium-Bleche werden unter hohem Druck in Formen gepresst, die mit anderen Verfahren nicht möglich wären. Diese spezielle Formgebung des Lautsprechers entstand als Ergebnis einer sorgfältigen Abstimmung zwischen Ross Lovegroves Designideen und den akustischen Gesetzmäßigkeiten. Anders gesagt: Exzellenter Sound im Designer-Gewand der Extraklasse. 

Die Technik der MUON

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Technik transparent gemacht

Seit der Entwicklung der MUON haben die KEF-Ingenieure auf ihrer fortgesetzten Suche nach immer besserem Realismus bei der Musikwiedergabe die traditionsreichen KEF-Technologien ständig weiter entwickelt. Als sie mit der Blade einen weiteren Flaggschiff-Lautsprecher schufen, bot sich ihnen die hervorragende Möglichkeit, auch die MUON, die in der ersten Generation bereits im Rahmen der IFA in Berlin 2008 zu hören war, auf den neuesten technischen Stand zu bringen. Dies erreichten sie vor allem durch den Einsatz der jüngsten Generation der legendären „Punktschallquelle“ Uni-Q, außerdem wurde die Frequenzweiche unter Berücksichtigung der neuesten Erkenntnisse komplett neu entwickelt. Beim Uni-Q Koxialchassis sitzt der Hochtöner im Zentrum des Mitteltöners. Diese Anordnung sorgt dafür, dass der Klang des Hoch- und Mitteltonbereiches absolut zeitgleich und somit in beeindruckender Präzision beim Zuhörer eintrifft. 

Das Gehäuse besteht aus 6 mm starken, per Hochdruckumformung hergestellten Aluminium-Elementen. Innen mehrfach verstärkt und gezielt mit Dämpfungselementen versehen.

 

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Basskraft pur

Die MUON ist als Vier-Wege-Lautsprechersystem ausgelegt. Die üppige Bestückung mit Bssstreibern sorgt in Verbindung mit dem großen Gehäusevolumen für ideale Voraussetzungen hinsichtlich Tiefgang und Dynamik bei niedrigen Frequenzen.

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Der obere Bereich der Muon

Zudem sorgt mit dem Uni-Q-Chassis in aktueller Spezifikation eine weitere Schlüsseltechnologie von KEF für perfekte Gruppenlaufzeiten in den Mitten und Höhen sowie für eine optimale Abstrahlung des Schalls in den Raum. Überdies setzt KEF in der MUON die „Acoustic Compliance Enhancement“-Technologie (ACE) ein, bei der ein Granulat aus aktiviertem Kohlenstoff Luftmoleküle absorbiert und so eine Bassleistung wie bei einem fast doppelt so großen Lautsprecher möglich wird – und man bedenke, dies sei nochmals erwähnt, wie groß die Muon bereits ist.

Die beiden zusätzlichen, an der Rückseite der MUON montierten Basstreiber verringern den Einfluss des Hörraums auf die Schallabstrahlung und ermöglichen so einen besonders klaren sowie offenen Klang. Das schon erwähnte, 6 mm dicke, stark gedämmte Aluminiumgehäuse offeriert überdies eine außerordentlich steife Struktur, mit der akustisch störende Vibrationen effektiv verringert werden.

Kaum noch einer Erwähnung bedarf, dass die Muon selbstverständlich besonders gut für die Darstellung von Hi-Res-Audio-Material geeignet ist. Laut KEF gehen die Wiedergabefähigkeiten der Muon sowohl im Bass als auch im Hochton weit über den für Menschen hörbaren Frequenzbereich hinaus. Hier stellt sich wieder die Frage, was das bringt, wo doch ein erwachsener Mensch mit gutem Gehör nicht über 16 kHz hören kann. KEF gibt darauf eine ähnliche Antwort wie auch andere: Wenn diese außerhalb des hörbaren Bereichs liegenden Frequenzanteile in der Aufnahme vorhanden sind, sind sie trotzdem ein Teil des Ganzen und tragen zur Natürlichkeit und Lebendigkeit des Klangs bei. 

Übrigens: Alle gebauten Muon-Lautsprecher werden von erfahrenen Technikern individuell hergestellt und zum Abschluss in der Akustik-Messkammer von KEF intensiv getestet. Daher wird jede MUON mit einem Zertifikat ausgeliefert, welches die Ergebnisse dieser Messungen und die Unterschrift des jeweiligen Technikers trägt. 

Schauen wir uns zum Schluss dieses Absatzes die akustischen Spezifikationen an: 

  • 4-Wege-Lautsprecher
  • Impedanz 4 Ohm
  • Frequenzgang bei +/- 3 dB: 25 Hz bis 60 kHz
  • Verstärker-Anforderungen: 100 Watt bis 400 Watt/Kanal
  • Maximaler Schalldruck 118dB
  • Empfindlichkeit 90dB (2.83V/1m)
  • Uni-Q-Treiber bestehend aus folgenden Komponenten: Hochton: 1 x 25 mm belüftete Aluminiumkalotte mit dem „Tangerine Waveguide“ von KEF, Mittelton: 1 x 125 mm Li-Mg-Al / FKP, Hybridkonus
  • 4 x 250 mm Basstreiber mit extrem verzerrungsarmen Neodym-Magnetsystemen
  • 1 x 250 mm Tief-/Mittelton-Treiber mit extrem verzerrungsarmen Neodym-Magnetsystemen und speziell abgestimmten verchromten Phase-Plug
  • 2 x 250 mm rückseitig angebrachte Bass-Treiber zur Verbesserung der Bass-Abstrahlung
  • Maße H x W x D: 2000 x 600 x 380 mm
  • Gewicht 115kg pro Lautsprecher
Klang

Das Resultat aus akustischer Sicht ist beeindruckend: Wir haben den Ausnahme-Lautsprecher an verschiedenem Hi-Res-Material gehört und gingen dabei auch der Frage nach, ob sich denn der aufgerufene Preis noch in irgendeinem Verhältnis zum Gegenwert befindet. Man bedenke: Die Investition gleicht der in eine Wohnung oder, je nach Region, in ein kleines Häuschen. Aber in solchen Dimensionen darf man erst gar nicht denken. Die Wirkung, die Muon entfaltet, ist schon dann unvergleichlich, wenn der riesige Lautsprecher noch schweigt. Allein die charakteristische Formensprache spricht für sich. Die Muon nehmen den Raum schon dann ein, wenn sie nur dastehen und nicht spielen. 

Wenn sie dann anfangen, Musik wiederzugeben, setzt man sich einfach hin und lauscht. Dynamisch, präzise, mit einer Räumlichkeit, die enorm ist. Stimmen, ganz gleich, ob männliche oder weibliche, kommen kristallklar zur Geltung. Muon holt die Stimme mitten in den Hörraum. Jede Distanz fehlt. Das Auditorium lebt und fühlt mit. Pathetische Ausdrucksweise? Sicher, aber mit technischen Umschreibungen kommt man dem Phänomen Muon nur unzureichend auf die Spur. 

Versuchen wir es trotzdem. Bei orchestralen Darbietungen schafft es der KEF-Lautsprecher, jedes einzelne Instrument im Orchester perfekt ortbar zu machen. Erste Geige oder dritte Reihe: Das spielt keine Rolle, mit klaren Umrissen und feinen Konturen beschreibt die Muon einen Grad an Präzision, der Maßstäbe setzt. Tonal bleibt der riesige Schallwandler dabei stets angenehm. Bei aller Klarheit in der Durchzeichnung und aller gebotenen Transparenz in allen Frequenzbereichen: Immer ist der Klang homogen und harmonisch. Der erweiterte Dynamikumfang von Hi-Res-Audio-Dateien kommt sehr gut heraus, die Laut-Leise-Differenzen werden als so groß wie auf einer tatsächlich vorhandenen Bühne wahrgenommen. 

Der Tiefgang ist herausragend, was aufgrund der konstruktiven Voraussetzungen nicht anders zu erwarten war. Doch nicht der mächtige Bass und der bis in subionische Regionen reichende Frequenzgang sind es, die beeindrucken. Es ist die enorme Impulstreue auch bei sehr kurzen – und vielleicht sogar nur für die Gesamtakustik nebensächlichen – Bassschlägen. Nie gerät die Muon aus dem Takt, immer passen die Anbindungen perfekt: Vom Bass- in den Mitteltonbereich und vom Mittel- in den Hochtonbereich. Das Klangbild hüllt auch ein großes Auditorium souverän an. Die Boxen haben eine unglaublich dichte und zugleich authentische Raumwirkung. Man braucht keine extrem hohen Pegel, um zu erkennen, wie ausgefeilt und außer Konkurrenz Muon spielt. Schon bei gehobener Zimmerlautstärke ist der kultivierte, in sich zu 100 Prozent schlüssige Klang herauszuhören. 

Fazit

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Die Muon ist nichts anderes als ein Statement, wie sich modernste Lautsprechertechnik und unwechselbares Design zu einer Stil-Ikone zusammenschließen, die zwar exorbitant teuer ist, dafür aber auch die Grenzen des Machbaren nach oben verschiebt. Der Lautsprecher ist nicht neu, das ist uns bewusst, aber die Gelegenheit, sich einmal wieder genauer mit KEFs Meisterwerk auseinander zu setzen, haben wir gleich zu diesem Special genutzt. Auch für uns als Tester ist es etwas Besonderes, einen Lautsprecher dieser Klasse anzuhören. 

Special: Carsten Rampacher
Fotos: Philipp Kind, KEF Official
Datum: 30. Mai 2017

 




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