SPECIAL: IFA 2016 bis CES 2017 – die Bildqualität und die Technologie bei Ultra HD-TVs – wohin geht die Reise 2017?

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Die CES in Las Vegas ist gerade vorbei, und wir konnten vor Ort schon in Ansätzen überprüfen, wie es um die Bildgüte der neuen 2017er TVs der Marken Samsung, Sony, Panasonic und LG bestellt ist. Auch, was „in“ ist und was „out“ zu sein scheint, konnten wir analysieren. Starten wir durch und schauen uns zunächst die Marktbewegungen an, beeinflusst davon, dass Samsung mit QLED nun die nächste Stufe der Quantum DOT-Panels zündet. 

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Philips-OLED-TV 55POS901F auf der IFA 2016

Doch auch wenn QLED sicherlich viel Aufmerksamkeit zuteil wurde, so steht ebenso sicher fest: Die organische OLED-Displaytechnik ist im Kommen. Nachdem OLED jahrelang nur von LG eingesetzt wurde, gestaltet sich die Situation nun gänzlich anders. Schon auf der IFA kündigte sich das an, zum Beispiel Philips hat mit dem OLED-TV 55POS901F, im 55 Zoll-Format für 3.499 EUR bei uns Ende Januar im Test, nun auch eine OLED-Alternative im Programm. Philips hat in diesem sehr eleganten Gerät schon einige Trends, die sich auf der CES 2017 manifestiert haben, vorweggenommen.

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Soundbar am Philips OLED-TV

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Sony Bravia OLED A1

So haben Hightech-TVs immer öfters auch ein anspruchsvolles Soundsystem, entweder integriert ins Gehäuse wie beim neuen Sony Bravia OLED A1, oder in Form einer unter dem TV befestigten oder separat mitgelieferten Soundbar wie beim Philips-OLED. Die Synthese aus Top-Bild mit Ultra HD Premium-Zertifikat und Top-Klang mit 30 Watt Soundbar mit Dolby Lizenz, all das gab es bei Philips schon auf der IFA 2016. Philips leistet sich überdies den Luxus von 3 HDR-Qualitätsstufen: HDR Plus (Basismodelle), HDR Premium (Midrange) und im OLED HDR Perfect. Auch der OLED von Philips läuft unter Android, derzeit 5.1, ein Update auf 6.0 wird kommen.

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2016 schon bei Samsung: HDR+ Modus

Philips hat, im übrigen ebenso wie Samsung, auch 2016 bereits einen weiteren Haupttrend 2017 konsequent verfolgt: Bei Samsung heißt es „HDR+“, bei Philips schlicht HDR-Upscaling. Gemeint ist damit, dass spezielle clevere Algorithmen aus SDR-Content Quasi-HDR-Inhalte formen, indem Helligkeit, Grauabstufungen etc. entsprechend angepasst werden. 2017 auf der CES hat auch LG ein derartiges System vorgestellt. 

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Metz Novum OLED

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Loewe Bild 7

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Grundig OLED-TV

Aber zurück zu OLED. Auf der IFA haben die deutschen Traditionshersteller Metz und Loewe (inklusive Dolby Vision) ebenfalls OLED-TVs präsentiert, und zwar beide Anbieter in 55 und in 65 Zoll. Auch Grundig wollte da nicht zurückstecken und zeigt auf der IFA einen OLED in 65 Zoll (VLO 9790), der preislich unter Metz und Loewe liegt und ebenfalls ein hochwertiges 3-Wege-Stereosoundsystem bereits integriert hat, und zwar nicht in Form einer Soundbar wie z.B. bei Metz oder Philips, sondern mittels Einbau direkt ins TV-Gehäuse. Metz und Loewe rufen üppige 5.000 EUR für ihre 55-Zöller auf, die 65-Zöller schlagen mit satten 7.000 EUR zu Buche.

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Hochwertiges Soundsystem beim Metz OLED

Interessant ist, dass Metz und Loewe ihre Produkte preisgleich anbieten – und in allen OLEDs von Loewe und Metz sind hochwertige Soundsysteme integriert, so dass der Kauf einer Soundbar obsolet wird. Und wer „richtig guten“ Klang möchte, greift sowieso zu einem dedizierten Mehrkanal-Lautsprechersystem, da taugt auch eine Zukauf-Soundbar nicht. Visuell machen Metz und Loewe einen sehr guten Eindruck, können sich aber nicht vom volle 1.500 EUR günstigeren Philips abheben – im Gegenteil. Leider können wir nur von ersten Eindrücken sprechen, aber der Philips erscheint uns vom Bild etwas dynamischer. Wir betonen klar – es sind erste Impressionen. Bei Tests in der Redaktion kann sich alles entsprechend ändern. Daher bitten wir, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen. Was sich jetzt schon bei Philips als problematisch herausstellen könnte, dass es den visuell so talentierte und preislich zudem für einen OLED fairen TV nicht in der beliebten 65 Zoll-Größe gibt. 

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Sony Bravia A1 OLED mit interessantem Design und Hightech-Soundsystem

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LG-OLED „Signature W“ auf der CES

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Mit hochwertiger Dolby Atmos-Soundbar

Nun, auf der CES, folgt Sony nun mit dem Bravia A1 OLED. Sony rüstet den TV später per Firmware-Update, ebenso wie den Ultra HD BD-Player UBP-X800, mit Dolby Vision aus. Da ist LG deutlich weiter. Die Südkoreaner erweiterten ihr OLED-Portfolio um die „OLED Signature W“ („W“ für „Wallpaper“, weil der TV nur 2,57 mm dünn ist) und offerieren diesen natürlich, wie schon die 2016er OLEDs auch, mit voller HDR-Kompatibilität: HDR10, der aktuell auf Ultra HD BDs ausschließlich verwendete, statische HDR-Standard, der dynamische Standard Dolby Vision (für 2017 sind erste Ultra HD-BDs mit Dolby Vision angekündigt) und auch das für HDR-basierte TV-Übertragungen vorgesehene HLG (Hybrid Log Gamma) werden von LGs OLEDs unterstützt. Hinzu kommt, mit Stolz auf der CES präsentiert, der Support für „Advanced HDR“ von Technicolor.

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LG unterstützt alle HDR-Formate

Hier hinkt die Konkurrenz hinterher, was technische Innovationskraft angeht, schöpft LG derzeit aus dem Vollen – aber  hauptsächlich, was die OLEDs angeht. Zwar wurde auf der CES auch versucht, die  „Super UHD TV“ LCD-Spitzen-Baureihen als Maßstab setzend zu präsentieren, absolut gesehen aber stellen LGs LCD-Modelle keinesfalls eine Messlatte dar. Das ist nicht weiter schlimm, da LG ein sehr großes und technisch überzeugendes OLED-Portfolio hat, viel größer als das Angebot an OLEDs aller anderen Anbieter. Trotzdem: Andere Hersteller fahren die Zweiweg-Strategie mit LCD und OLED besser, allen voran Sony.

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Sony ZD9 mit „Backlight Masterdrive“

Der KD65ZD9 mit X1 Xtreme Bildprozessor (der übrigens auch im Bravia A1 OLED arbeitet) und Backlight Masterdrive (jede LED der Hintergrundbeleuchtung wird einzeln angesteuert und verfügt überdies über einen höchst präzisen Licht-Abgabewinkel) zeigt, was LCD-TVs heute können, und der Bravia A OLED beweist, wie farblich echt und gleichzeitig intensiv derzeit ein OLED aussehen kann.

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Panasonic DXW904

Panasonic baute schon 2016 erstklassige LCD-basierte Direct LED-TVs wie den DXW904, präsentiert auf der CES aber auch wieder einen herausragenden OLED. Schon das bereits im Jahre 2015 präsentierte, mit 9.999 EUR aber extrem teure Modell TX-65CZW954 konnte bei uns im Test brillieren.

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Soundbar beim Panasonic TX-65EZW1004

Nun kommt der ebenfalls aktuell nur in 65 Zoll angekündigte TX-65EZW1004 (Preis noch nicht bekannt) mit aufwändiger Technics-Soundbar für enorme Audioqualität und mit elitär gutem Bild und 800 Nit maximaler Helligkeit, viel für einen OLED. Also zeigt auch Panasonic: Ja, es ist möglich bei LCD-TVs und bei OLEDs ganz vorn mit dabei zu sein. Panasonic aber scheint auch 2017 mit einem ganz anderen Problem zu kämpfen: Während Sony den Bravia A1 OLED in 55, 65 und 77 Zoll anbietet und auch LG richtig große OLEDs hat (auch bis knapp 80 Zoll) sowie Samsung die QLED-Baureihen sogar bis 88 Zoll anbietet, gibt es bei Panasonic dem Anschein nach kein aktuelles Ultra HD-TV-Modell (außer einem sehr alten 85-Zöller) mit einer Bilddiagonale von mehr als 65 Zoll. 

Anzumerken ist, dass unserem Eindruck nach noch größere Bilddiagonalen ab 80 Zoll zumindest aufgrund der Eindrücke von der CES nicht wirklich deutlich an Einfluss gewinnen. Nach wie vor ist 65 Zoll, ganz gleich, welche Displaytechnologie, sehr beliebt.

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Philips 65PUS7601

Überraschenderweise auch vertreten im „Konzert“ der Hersteller, die bei OLED und LCD richtig gute Modelle bauen: Philips. Mit tollem Schwarzwert, authentischer Farbwiedergabe und natürlicher Bildschärfe konnte jüngst der Ultra HD Smart-TV 65PUS7601 für 2.999 EUR in unserem Test überzeugen. 

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Bis zu 2.000 Nit hell- die 2017er Samsung QLED-Ultra HD-TVs

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Mit 800 Nit für einen OLED-TV sehr hell: Panasonic TX-65EZW1004

Wenden wir uns nun einem weiteren Thema zu. Wie verhält es sich mit der maximalen Helligkeit moderner TVs? Wie sieht es mit der Praxistauglichkeit von OLED und LCD-TVs mit Quantum DOT-Technologie aus? Samsung geht dieses Jahr „in die Vollen“. Nach dem 1.000 Nit-Versprechen 2016 folgen nun 2017 die 2.000 Nit. Was hat das für Folgen in der Praxis? Samsungs QLED-TVs mit stark verfeinerter, auf Nano-Kristallen basierender Quantum DOT-Technologie stellen nicht nur den anspruchsvollen DCI-P3 Farbraum zu 100 Prozent und insgesamt 1 Milliarde Farben dar, sondern bieten auch einen extrem großen Kontrastumfang unabhängig vom am Aufstellungsort des TVs herrschenden Umgebungslicht. Was heißt das für die Praxis? Auch am hellen Tag ist es möglich, einen untadeligen Kontrastumfang zu genießen. Samsung hat sich auch dem Thema „Kontrastumfang, Farbtreue in Abhängigkeit vom Betrachtungswinkel“ mit Erfolg gewidmet, auch bei ungünstigem Betrachtungswinkel gibt es kaum Kontrastverluste, Helligkeitsveränderungen oder Farbverfälschungen. Sonys ZD9-Serie bietet mit rund 1.500 Nit ebenfalls eine enorme Spitzenhelligkeit. Dagegen bringen OLEDs maximal 800 Nit (Panasonic EZW1004) mit, die meisten bewegen sich in einem Spektrum zwischen 600 und gut 700 Nit.

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2016er Modell, Edge-LED mit 1.000 Nit Leuchtkraft: Samsung Curved-TV KS7590

Der von uns mit sehr überzeugendem Ergebnis getestete Philips 65PUS7601 ist zwar ein Direct LED-LCD, bringt es aber auch „nur“ auf 700 Nit maximale Helligkeit. Was heißt das nun für die Praxis? Hören wir zunächst, was Philips zu den „nur“ 700 Nit des 65PUS7601 sagt. Klar im Fokus stand, so Philips, nicht das Erzeugen einer maximalen Spitzenhelligkeit „um jeden Preis“. Vielmehr sollte ein toller Schwarzwert im Zentrum der Bemühungen stehen, und, ebenfalls sehr wichtig, eine homogene Helligkeitsverteilung auf dem Bilschirm ohne störende Halos/Hot Spots/Helligkeits-Wolken. Das ist gelungen – Respekt. Man muss hinzufügen, dass die 2016er Samsung SUHD-TVs, die wir aus zahlreichen Tests (Beispiel:  Samsung KS7590, Edge LED-LCD) auch nicht übertrieben viele Hot Spots produzieren, aber deutlich mehr als der Philips. Das gilt auch für andere Kontrahenten, z.B. von Sony oder Panasonic – die alle mit ihrer maximalen Helligkeit (rund 1.000 Nit) werben. Klar – wer auch Mittags/Nachmittags oder im Sommer bis in den späteren Abend hinein mit entsprechend starkem externem Lichteinfall Inhalte betrachtet, der braucht einen TV mit mindestens 1.000 Nit, soll der Kontrastumfang im HDR-Betrieb voll abgebildet werden. Dafür aber ist das sehr, sehr helle Bild bei wenig externem Lichteinfall, also unter „klassischen Bedingungen“ beim abendlichen Betrachten eines Spielfilms, nicht so angenehm wie das etwas gedämpftere Bild des Philips – oder das augenfreundliche Bild eines OLED-TVs. Demnach also ist es eine Frage, wie der TV verwendet werden soll. 

Samsung spielt bei der 2017 neu eingeführten QLED-Technologie auch auf Lebensdauer und Energieverbrauch an, beides soll vorbildlich sein. Schauen wir, was das OLED-Lager an Gegenargumenten in Stellung bringt. Schon jetzt kann man festhalten, dass bei allen Bemühungen der LCD-Fraktion noch kein Schwarzwert auf OLED-Level erreicht wird. Gut, es mag Bedingungen am Aufstellungsort geben, unter denen das nicht ins Gewicht fällt. Ist externer Lichteinfall vorhanden, dann ist schon das mittlerweile wirklich gute Schwarz verschiedener Top-LCD-TVs mehr aus ausreichend. Wahre Heimkino-Liebhaber aber, die enorme Ansprüche an Schwarzwert und die visuelle Gesamthomogenität stellen, sind aber wahrscheinlich bei einem OLED besser aufgehoben. 

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2017er Samsung QLED-Modell

Darum ist es auch kaum verwunderlich, dass bis auf Samsung alle namhaften und wichtigen TV-Hersteller auf OLED und auch LCD setzen, somit hat der potentielle Kaufinteressent die Wahl, in Abhängigkeit von seinem praktischen Verwendungszweck auf die jeweils passende Display-Technologie zu setzen. Nur bei Samsung fragt man sich derzeit: „Quo Vadis“?  Nicht nur, dass man sich OLED mit aller Konsequenz verwehrt, auch, dass man am Thema „Curved“ als einziger gerade bei den Top-Serien festhält, zeigt, dass sich der Marktführer, ob voll bewusst oder teilweise unbewusst, in eine sehr spezielle Position bewegt. Macht Samsung als einziger Hersteller alles richtig? Nämlich mit aller Macht eine Technologie – LCDs mit Quantom DOT – zur Perfektion zu entwickeln, anstatt auf zwei Technologien zu setzen, oder macht Samsung alles falsch und verpasst den „OLED-Zug“? warum hält man mit aller Macht an Curved fest? Möchte dies der typische Samsung-Käufer? Ist die Verbindung Samsung – Ultra HD – erstklassiges Bild fest an das Curved-Layout gebunden? Wir können nur spekulieren, erst die Marktakzeptanz der neuen TV-Modelle 2017 wird endgültig Aufschluss über diese Fragen geben. 

Alle TV-Hersteller packen, was kaum verwunderlich ist, immer mehr Rechenleistung in ihre TV-Geräte, gerade ab der gehobenen Mittelklasse. Sehr kurze Reaktionszeiten (bei entsprechend schneller Internet-Verbindung) bei Smart TV Anwendungen (z.B. Videostreaming bei VoD-Anbietern wie Netflix oder Amazon Video) sowie ein hervorragendes Upscaling niedriger auflösender Bildinhalte auf die 3.840 x 2.160 Pixel native Panelauflösung sind die Folgen. 

Mit HDMI 2.1 wird nun schon wieder die technische Basis für ein neues TV-Zeitalter eingeläutet. Nicht nur, dass man nun mittels HDMI 2.1 dynamische HDR-Daten übertragen kann, auch wird der Standard 8K (mit 60 Frames/s) sowie 4K mit 120 Frames/s mit berücksichtigt. Maximal 48 Gbit/s Datendurchsatz verlangen auch nach neuen HDMI-Kabeln. Diese behalten aber den bestens bekannten Stecker. Gespannt sind wir, welche neuen TVs, die auf der IFA 2017 stehen werden, bereits mit HDMI 2.1 ausgeliefert werden. Auch interessant ist die Thematik, ob sich HDMI 2.1 per Software-Update realisieren lässt. Und: Was HDMI 2.1 für einen „klassischen“ 4K TV aktueller Prägung bringt, ist auch noch nicht 100 % klar ersichtlich. Auf der CES 2017 standen, so z.B. bei Samsung, 8K-Prototypen, aber das ist nichts wirklich Neues. 8K-Prototypen, die zwar einerseits hinsichtlich der extremen Auflösung beeindruckend, andererseits hinsichtlich des tatsächlichen praktischen Nutzens fragwürdig sind, standen auch nicht zum ersten Mal auf der IFA. Klar, in Verbindung mit HDR als weiterer Booster für die Bildqualität ist 8K schon faszinierend, aber wirklich Sinn macht eine 8K-Auflösung erst bei großen Bilddiagonalen ab 65 Zoll, besser noch 77 oder gar 88 Zoll. 

Special: Carsten Rampacher
Datum: 19. Januar 2017




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