SPECIAL: AV-Receiver Ausstattung und Technik 2016 – lohnt sich ein Neukauf?

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Was tut sich 2016 bezüglich der Technik und Ausstattung bei AV-Receivern? Wir möchten in diesem Special Antworten geben.

Generell an Bord, auch in niedrigeren Preisklassen, ist mittlerweile ein Dolby Atmos Decoder. Was DTS:X betrifft, so muss man hier in 2 Gruppen splitten. Die kleineren AVRs niedrigerer Preisklassen sind ab Sommer 2016 auch DTS:X fähig, verschiedene größere Modelle, sogar aus 2015, von Denon, Marantz und Yamaha beherrschen bereits jetzt DTS:X. Bei Onkyo und Pioneer tut sich vor Sommer auch bei den größeren Modellen nichts. Auro-3D findet sich, gegen einen zusätzlichen Obolus von 150 EUR, auch 2016 nur bei selektierten Denon und Marantz AV-Receivern. Wir persönlich schätzen „Immersive Sound“ sehr, und zwar nicht nur bei der Wiedergabe von nativem Content. Vor allem die Upmixer, die z.B. aus konventionellen Dolby Digital/Dolby True HD/DTS/DTS-HD Tonspuren ein Mix mit Einbeziehung der Haight-Lautsprecher erstellen, sind hervorragend und mit früheren Ummixern wie DTS Neo:X oder auch Dolby Pro Logic IIz nicht zu vergleichen. Authentischer, atmosphärisch dichter und lebendiger ist der Klang, störende Verfälschungen finden sich kaum.

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Der Onkyo TX-NR656 kommt natürlich auch mit Dolby Atmos-Decoding

Was die Leistungsfähigkeit der Vorstufe und der Endstufeneinheiten angeht, finden sich kaum Unterschiede zur Generation 2015. Bei Onkyo und Pioneer allerdings hat man, bezogen auf die kleineren Modelle, einen kleinen akustischen Wandel vollzogen. Die 2016er Modelle beider Hersteller laufen nun vom gleichen Band, was heißt, dass die kleineren Modelle generell von Onkyo hergestellt werden. Homogener, angenehmer und gleichzeitig klarer heißt hier die klangliche Devise. Bei Pioneer kommt noch ein Schuss Pioneer-typische Dynamik dazu, so dass die Japaner ihr bisheriges akustisches Gesicht sehr gut wahren konnten. Bei Denon hat sich in Bezug auf die klangliche Auslegung nicht viel getan, was allerdings aufgrund der gelungenen Mischung aus harmonischem Klang, Antrittsstärke und natürlicher Räumlichkeit auch nicht nötig war. Yamaha liegt auch gut im Rennen, etwas analytischer, etwas schmaler in der Grundauslegung, das ist allerdings ideal, um dann die nach wie vor erstklassigen DSP-Programme für Kino- und Musikmaterial darauf fußen zu lassen. Yamaha ist nach wie vor der einzige Hersteller, bei dem wir den Einsatz von DSPs nicht nur empfehlen, sondern wirklich nahelegen können.

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11-Kanal-AV-Receiver von Denon

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Ebenfalls exzellent ausgestattet: Der Marantz SR7011

Denon offeriert mit dem AVR-X6300H ab Herbst erstmals ein 11-Kanal-Gerät (und beim AVR-X4300H werden aus 7 nun 9 Endstufen). Der Privileg der 11 Endstufen war bei einem AV-Receiver bislang dem schon bald 2 Jahre alten Onkyo TX-NR3030 vorbehalten. Mit 2.499 EUR ist der AVR-X6300H ähnlich platziert wie der TX-NR3030 bei Markteinführung. Nur noch Onkyo allerdings unterstützt THX (Select 2), die anderen Hersteller haben dieses Feature gestrichen – das war aber auch 2015 schon nicht anders. Die globale Bedeutung von THX hat extrem abgenommen, und nur noch hartgesottene Heimkino-Fans, die schon Ende der 90er Jahre am Ball waren, erinnern sich noch an die komplette THX-Story mit eigenem Post Processing für die perfekte Transformation des Kino-Spundes nach Hause. Auch hatten verschiedene Baugruppen des AVRs wie z.B. die Endstufen besonders harte Auflagen für ein Erreichen der THX-Lizenz zu erfüllen.

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Als einer der wenigen AV-Receiver ist der Onkyo TX-NR3030 noch THX-zertifiziert

Die automatischen Lautsprechereinmess- und Room EQ-Systeme halten den hohen Standard, den wir schon 2015 gewohnt waren. Im Zuge der Einführung von objektbasiertem Audio wurde die interne Prozessorleistung größer, nicht selten finden Quad Core-CPUs nun auch Einzug in AV-Receivern. Dadurch, dass bei DTS:X sowie Dolby Atmos der AV-Receiver selber die Audio-Objekte in Echtzeit auf das existierende Lautsprecher-Setup verteilt, muss mehr Rechenpower bordintern zur Verfügung stehen. Präziseres Einmessen mit fein nivellierten Übergängen, sehr gutes Eliminieren der Nachteile des Hörraums und sehr gute Betriebssicherheit stehen auf der Haben-Seite.

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Ein automatisches Einmess-System ist in allen Preisklassen vertreten

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Bei Arcam kommt „Dirac“ zum Einsatz – hier im AVR 550

Nach wie vor am besten gefällt uns MCACC, YPAO und  Audyssey Malt EQ XT folgen dichtauf, und, das ist neu: Auch Onkyo AccuEQ spielt locker mit. Hier findet sich eine neue Technologie, übrigens auch bei Pioneer, welche die Haight-Lautsprecher, also z.B. Top Firing-Module, nahtlos ins Klangbild einbindet. Man merkt es an sehr homogenen Übergängen und einer runden, stimmigen Gesamtakustik. Nach wie vor gibt es die Einmessung an mehreren Hörpositionen schon in gemäßigten Preisklassen ab rund 550 EUR nur bei Denon mittels Audyssey Malt EQ XT. Wenn man zu mehreren Personen Filme betrachtet, ist dieser erweiterte Sweet Spot ein echter Vorteil. Arcam geht mit dem ebenfalls sehr leistungsfähigen System DIRAC einen eigenen Weg.

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Denon AV-Receiver unterstützen neben FLAC auch DSD

Was die Wiedergabemöglichkeiten von High Resolution Audio-Files angeht, war schon vergangenes Jahr vieles an Bord. Besonders Denon aber tut sich 2016 durch eine noch weitreichendere Unterstützung der unterbrechungsfreien Wiedergabe (Gapless), z.B. auch für DSD, hervor. DSD wird generell bei den Herstellern nun mit 2,8 und 5,6 MHz unterstützt. AIFF, ALAC, FLAC und WAV-Support ist eine Selbstverständlichkeit. Die Arbeitsgeschwindigkeit der 2016er AV-Receiver hinsichtlich des Navigierens in Ordnerstrukturen ist auf einem guten Level, das gilt für alle Hersteller.

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Auch von den neuen AVENTAGE-Geräten erwarten wir eine hochwertige Video-Sektion, hier der RX-A3060

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Denon bietet vollen UltraHD-Support an allen HDMI-Terminals

Wie sieht es mit den Video-Sektionen aus? Hier ist zu beobachten, dass es mittlerweile drei unterschiedliche Konzepte gibt. Onkyo lässt aus vielen Modellen die Video-Signalbearbeitung ganz raus und bietet nur reines Pass-Through. Pioneer offeriert nur ein Upscaling digitaler Videosignale von Full-HD auf 4K bei 2016er Modellen der Mittelklasse. Bleibt abzuwarten, was die neuen großen Pioneer AVRs dann können. Die SC-LX-Modelle des 2015er Jahrgangs bis hoch zum SC-LX89 besitzen noch eine sehr gut ausgerüstete Videosektion, das gilt genauso für die Yamaha AVENTAGE-AVRs. Wir testen in Kürze einen 2016er AVENTAGE AVR, den RX-A860, um herauszufinden, wie es 2016 um die Videosektion bestellt ist. Bei Denon gibt es schon beim AVR-X2300W eine Upconversion digitaler Videosignale ab 480i/576i auf bis zu 4K, zudem finden sich sogar zwei ISF-Bildprogramme (Day & Night), die sehr empfehlenswert sind. Größere Denon AVRs bieten dann auch für analoge Videosignale eine Upconversion auf bis zu 4K. Was die HDMI-Eingänge angeht, offerieren alle Hersteller genug Terminals. Aber was die Features angeht, scheiden sich ein weiteres Mal die Geister. Nur D&M bietet an allen Terminals Unterstützung für HDCP 2.2, BT.2020, HDR und 4:4:4 Farbsignalwiedergabe. Bei Onkyo, Pioneer und Yamaha werden diese Standards nicht von allen, sondern nur von selektierten Terminals unterstützt. Hier muss man sich erst vergewissern, dass das entsprechende Terminal, möchte man z.B. einen Ultra HD-Blu-ray-Player verbinden, auch die benötigten Standards unterstützt. Manch einer sieht allerdings auch einen Vorteil darin, dass es noch HDMI-Inputs ohne diese neuesten Merkmale gibt, das erleichtert manchmal die HDMI-Kommunikation mit älteren Zuspielern.

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Yamaha stattet den Großteil der Komponenten mit „MusicCast“ aus

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Das (noch nicht verfügbare) Pendant von Pioneer und Onkyo heißt „Fire Connect“

Sehr stark im Kommen sind Multiroom Audio Einbindungen von AV-Receivern. Ganz stark, schon seit der IFA 2015, ist hier Yamaha mit „MusicCast“. Nahezu jeder AVR hat ein integriertes MusicCast Modul. Was heißt das in der Praxis? Alle Signale des AVRs können auf entsprechend kompatible Yamaha MusicCast Clients im ganzen Haus verteilt werden. Etwas Ähnliches planen Onkyo und Pioneer mit Fire Connect. Derzeit ist Fire Connect noch nicht verfügbar, erste Updates der Firmware, die die Nutzung von Fire Connect erlauben, sind für Sommer geplant. Richtig „ab“ geht es zur IFA 2016, hier möchten Onkyo & Pioneer zahlreiche neue Komponenten vorstellen, um ein komplettes „Fire Connect Universum“ anzubieten. Auch bei Fire Connect ist Sinn und Zweck, das komplette Signal-Arsenal des AVRs auf kompatiblen Wireless Audio-Lautsprechern in anderen Räumen wiederzugeben. Nach bisherigen Informationen können das bis zu 8 Räume sein.

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Denon AVR-X4300H mit HEOS-Modul

Denon geht einen etwas anderen Weg und integriert ab Herbst in AVRs höherer Preisklassen (AVR-X4300H/AVR-X6300H) ein komplettes HEOS-Modul, welches sich laut Denon-Informationen etwas von MusicCast und Fire Connect unterscheidet. Ist es Ziel von MusicCast und Fire Connect, die Signale des AVRs über kompatible Multiroom Lautsprecher wiederzugeben, ist es bei HEOS auch möglich, z.B. das Signal eines HEOS 1, der im Home Office steht, über den AV-Receiver wiederzugeben, demnach eine vollständige bidirektionale Nutzungsmöglichkeit. Ob dies in der Praxis so ist, wie Denon es sagt, werden wir in entsprechenden Checks erörtern. Bei Denon ist die als mittlerweile sehr zuverlässig bekannte HEOS App auch bei den HEOS Modulen in den AVRs aktiv, unmerklich findet dann, möchte man eine HEOS-Funktion nutzen, der Wechsel von der 2016er Denon AV-Receiver-App zur HEOS App statt. Vorteile der HEOS Integration ist, dass verschiedene onlinebasierte Streamingdienste wie z.B. Deezer oder Tidal nun auch vom AVR verwendet werden können, ebenso SoundCloud. 2016 sollen auch noch Juke und Amazon Music hinzukommen.

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Denon bietet einen enorm umfangreichen Einrichtungs-Assistenten

Was die Bedienung angeht, so setzen fast alle bei den kleineren Modellen (bei den großen müssen wir erst gänzlich die neue Generation abwarten) auf integrierte Einrichtungsassistenten. Hier liegt Denon/Marantz mit dem immer noch ausführlichsten und am einfachsten zu verstehenden Einrichtungsassistenten vorn. Onkyo & Pioneer kokettieren zwar mit fein auflösendem Schriftfond, im Detail aber ist der Einrichtungsassistent nicht so sorgfältig gestaltet. Die Apps, so sind zumindest unsere Erfahrung, die für Android/iOS (ab und zu auch Amazon Fire/Kindle) bereitstehen, funktionieren recht zuverlässig, und wir fragen uns, woher die oft sehr schlechten Kundenbewertungen z.B. in Apples App Store kommen. Bei uns im Testbetrieb treten nur sehr selten Probleme auf. 

Wir würden generell dazu raten, die IFA und die ganzen Updates abzuwarten, um dann zu entscheiden, ob sich der Kauf eines 2016er Modells lohnt. Es hört sich vieles sehr verlockend an, und gerade DTS:X und Dolby Atmos als Immersive Sound-Formate haben, auch wegen der sehr guten Upmixer, einen nicht zu unterschätzenden Benefit. Auch weitergehende Multiroom-Audio-Integrationen und kompletter HiRes-Support inklusive Gapless-Wiedergabe sind Pluspunkte, die der versierte Anwender schätzt.

Special: Carsten Rampacher
Datum: 10. Juni 2016




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