SPECIAL: Acht Monate mit dem Apple iPhone 7 Plus – Große Begeisterung oder massive Ernüchterung?

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Seit November 2016 haben wir das aktuelle Apple iPhone 7 Plus in der 128 GB-Variante für 1.009 EUR im Einsatz – und überlegen nun, ob wir ungemein begeistert oder eher enttäuscht-ernüchtert von den praktischen Erfahrungen sind. Beträchtliche Auswahl besteht bei den Farben, Diamantschwarz (erst ab 128 GB), Schwarz, Silber, Gold oder Roségold sind lieferbar. Hinzu kommt das iPhone 7 Plus „(PRODUCT) RED Special Edition“ in roter Ausführung (1.009 EUR mit 128 GB, nicht lieferbar in 32 GB). An Speicherkapazität stehen beim iPhone 7 Plus wie beim iPhone 7 entweder 32, 128 oder 256 GB zur Disposition. Während es das iPhone 6s Plus nicht in 32 GB, sondern nur in 16, 64 und 128 GB gab, lässt Apple beim iPhone 7/7 Plus die sinnvolle 64 GB Version wegfallen. Aufgrund der Tatsache, dass der Speicher wie gewohnt nicht erweiterbar ist, raten wir zur 128 GB-Variante. Die 256 GB-Version werden nur „Speicher-Junkies“ ernsthaft brauchen, wer sehr zurückhaltend ist mit dem Download von Apps sowie mit dem Drehen von Videos, dem mag die 32 GB-Modellvariante reichen. 

Über manche Dinge möchten wir uns gar nicht mehr aufregen, so über den nicht erweiterbaren Speicher beispielsweise. Andere Dinge sorgen auch für viel Begeisterung, angefangen von der Kamera mit dualem Linsensystem. Die Eckdaten in Kürze: 2 x 12 MP Bildsensoren, Hersteller Sony. Exmor RS-Technik, Weitwinkel-Objektiv mit 26 mm Brennweite und Objektiv mit 56 mm Brennweite. Ein laut Apple deutlich hellere Vierfach-LED-Blitz (in den Testreihen schon heller als früher, aber keine Revolution) und ein neuer Bildprozessor sind ebenfalls für eine enorme Leistungsfähigkeit verantwortlich. Wir haben einige Beispielbilder eingefügt: 

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Insel Mainau (Bodensee): Farbechtes Bild mit guter Tiefenwirkung

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Blick von Überlingen (Obere St. Leonhard Straße) auf den Bodensee. Prima Plastizität, natürliche Farben

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Es wird dämmerig in München, hier ein Blick auf die Oper

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Um 22 Uhr haben wir den Nassauer Hof in Wiesbaden fotografiert

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Der Berliner Fernsehturm am Alexanderplatz bei Nacht 

Ja natürlich, glaubt man aktuellen Test-Berichten, gibt die Konkurrenz den Takt vor und bietet Kameras (auch mit Dual-Linsen) mit deutlich besseren Leistungen. Aber nüchtern betrachtet, ist das absolut grandios, was das iPhone 7 Plus hier bietet: Selbst bei Dämmerlicht noch gute Bilder ohne Blitz, bei hellem Sonnenlicht farblich echte Bilder mit toller Bildtiefe. Detailkontrast, farbliche Übergänge, visuelle Gesamtdynamik – überall hat uns die Kamera überzeugt und stellt fraglos eines der Highlights am Apple-Phone dar. Zweifacher optischer Zoom, der sehr gut zu bedienen ist, zeichnet das iPhone 7 Plus ebenfalls aus. Überzeugen kann auch die 7 MP „Face Time“ Kamera auf der Frontseite, mit der man richtig gute Selfies schießen kann. 

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Aufnahmen mit HDR

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HDR Auto, an oder aus

Immer noch vertraut Apple auf eine hinsichtlich der Funktionen einfache Kamera-Integration. Unmengen an Programmen und Einstellmöglichkeiten finden sich, wie auch in der Vergangenheit, nicht. Die Kamera nimmt in HDR auf, und typisch für Apples iPhone fehlt auch die Panoramafunktion nicht. Speziell im iPhone 7 Plus kommt, wie auch beim Vorgänger, eine optische Bildstabilisierung für Foto- und Videoaufnahmen zum Einsatz. Wer Bilder bearbeiten möchte, findet dazu eine leicht zu handhabende Möglichkeit. Man kann z.B. ein Foto drehen, zurechtschneiden, Licht, Farbe,  und Schwarzweiß-Effekt einstellen.  Zudem kann man auf verschiedene Bildeffekte zurückgreifen, wie Blass, Chrom, Prozess oder Transfer. 

Spritzwasserfest nach IP67 ist das iPhone 7 auch, zudem fiel es einmal in ein volles Waschbecken, auch das wurde unbeschadet überstanden – doch Vorsicht: Es soll auch Probanden geben, die nach einer solchen Wasser-„Orgie“ mit Wassereinbruch ins Gehäuse zu kämpfen hatten. Unser Test iPhone 7 Plus lässt sich hier allerdings nicht das Geringste vorwerfen. Was unserer Meinung nach deutlich besser ist: Wurden die Vorgänger iPhones oft schon nach 3 Monaten – immer mehr Fotos, immer mehr Apps, folglich wurde immer mehr Performance vom iPhone verlangt, da sich der Speicher mehr und mehr füllte – spürbar langsamer, ist beim iPhone 7 Plus trotz äußerst regem Gebrauch wenig davon zu spüren. Es agiert nach wie vor flott und gibt auch, was die Betriebssicherheit angeht, insgesamt kaum Grund zu ernsthaften Beanstandungen. Nur rund 4 Neustarts in der gesamten Laufzeit wegen Betriebsstörungen – das ist ausgezeichnet.

Also ein problemloser Begleiter für alle Lebenssituationen? Im Wesentlichen schon, aber es gibt schon beinahe traditionelle Schwachpunkte, die leider bei Verwendung des iPhone 7 Plus für stellenweise auftauchenden Frust sorgen. Ganz gleich, wie sorgsam man auch mit dem Akku umgeht, ganz gleich, wie viele der zahlreichen Tipps selbsternannter Akku-Gurus zur Akku-Schonung auch beachtet werden: Die Akku-Laufzeit ist höchstens als ausreichend zu bezeichnen, wenn man das iPhone 7 Plus mit höherer Intensität verwendet. Wer es selten einsetzt und nur erreichbar sein möchte, wird sich nicht beklagen können – dann sind die Akkulaufzeiten sehr gut, und man schafft auch problemlos 2 Tage, ohne aufladen zu müssen – was kein Spaß ist: Es dauert recht lang, bis das iPhone 7 Plus wieder komplett aufgeladen bereit steht.

Natürlich wird diesen Sätzen nicht jeder zustimmen, und die Performance des Akkus ist, ein offenes Geheimnis, massiv vom Nutzungsverhalten abhängig. Wir aber verwenden das iPhone 7 Plus als „mobiles Office“, und häufigeres Abfragen von E-Mails, das stetige Aufrechterhalten einer Bluetooth-Verbindung zur Smartwatch und anderen Devices, oder das Aufnehmen von 4K-Videos (die unserer Meinung nach qualitativ exzellent sind) „frisst“ viel Akku. Klar, es ist bekannt, dass diese Anwendungen Strom brauchen, aber so zügig, wie sich der Akku des iPhone 7 Plus leert, das stört schon massiv. Nach lediglich vier bis fünf Stunden des regen (aber nicht ununterbrochenen) Einsatzes sind manchmal nur noch knapp 40 Prozent übrig. Richtig schlimm wird es, auch das ist schon bekannt, wenn man das iPhone 7 Plus als Navigationssystem einsetzt. Dann kann man förmlich in der Anzeige sehen, wie der Akkustand prozentual sinkt. 

Abhängig ist dies, auch das ist nicht ungewöhnlich, auch von der aktuell herrschenden Außentemperatur. Gerade bei Minus-Graden leert sich der Akku deutlich schneller, während sich sommerliche Temperaturen um die 30 Grad zumindest bei unserem iPhone 7 Plus nicht so deutlich auf die Akku-Leistung ausgewirkt haben. Dass Leistung verloren geht, liegt allerdings auch an einem anderen Fakt: Die Empfangssensitivität ist nicht die beste. Wo Konkurrenz-Top-Smartphones noch in der zuverlässig in der LTE-Zelle verharren, wechselt das iPhone 7 Plus gern zwischen LTE und dem heute absolut unbrauchbaren Edge. Das wird während des gesamten Praxisbetriebes deutlich: Edge gehört verboten. Unsäglich lahm, Akku fressend – hier sollten die Netzbetreiber die letzten „weißen LTE-Flecken“ auf Deutschlands Landkarte endlich schließen. Ist das iPhone 7 Plus auf „solidem LTE-Grund“ unterwegs, agiert es blitzschnell.

Auch bei Games etc. ist es dank Quad Core-CPU (A 10 Fusion) plus 6-Kern-Grafik-Prozessor äußerst zügig unterwegs, ebenso bei Office-Anwendungen: Mit dem 5,5 Zoll Display kann man in Power Point auch mal rasch im Zug eine kleine Präsentation erstellen. Das macht sogar richtiggehend Spaß, weil der Touchscreen (wenn man keine zu kalten oder zu feuchten Finger hat), noch besser reagiert als bei den Vorgängern. nach wie vor halten wir die mit der 6s-Generation eingeführte und von Apple massiv hervorgehobene 3D-Touch-Funktion (unterschiedlich starkes/langes Drücken setzt unterschiedliche Funktionen frei) für absolut verzichtbar. Gut, manches mag nett sein, hat man sich daran gewöhnt, aber dringend notwendig ist dieses Feature keinesfalls. Eine Anmerkung noch: Im Zeitalter sich überschlagender Arbeitsspeicher-Werte von bis zu 8 GB nehmen sich die 3 GB Arbeitsspeicher des iPhone 7 Plus recht klein aus. Im Alltag aber merkt der Anwender nichts davon. 

Wie sieht es mit elementaren Telefon-Funktionen aus? Nun ja. Ein  Vorbild für perfekte Gesprächsqualität ist auch das iPhone 7 Plus nicht. Unter idealen Bedingungen, also bei stabilem Empfang, ist die Gesprächsgüte wirklich Festnetz-ähnlich. Aber wehe, man befindet sich auf „unsicherem Grund und Boden“ – die nur durchschnittliche Empfangsempfindlichkeit verhagelt dem iPhone 7 Plus die Bilanz. Das eingebaute WLAN-Modul präsentiert sich unseren zahlreichen Erfahrungen nach als besser als bei den Vorgängern, richtig „top“ ist es aber noch nicht. Immerhin – totale Katastrophen wie früher, als man am besten gleich neben dem Router stehen musste, um per WLAN arbeiten zu können, finden definitiv nicht mehr statt. 

Optisch erscheint das nach wie vor exzellent verarbeitete iPhone 7 Plus mittlerweile leicht altbacken. Dass das in Full-HD auflösende 5,5 Zoll-Display gerade unten (aufgrund der Home-Taste, die Platz beansprucht) von einem dicken Rahmen umgeben ist, macht im Zeitalter der praktisch rahmenlosen Displays z.B. bei Samsung oder LG deutlich, dass Apple es hinsichtlich der klassisch-edlen Anmutung vielleicht etwas übertrieben hat. Zudem wird das iPhone 7 Plus dadurch sehr groß, und wenn man dann noch ein stabiles Case, z.B. von Urban Armor Gear, ums iPhone legt, passt es kaum noch in die durchschnittliche Hosen- oder Blazer-Tasche.

Wir empfehlen überdies zwei Dinge dringend: Zum einen den Einsatz eines robusten Cases, auch wenn man dann die schicke hochglänzende Rückseite unserer diamantschwarzen Variante nicht mehr sehen kann. Zum zweiten sollte man für alle Fälle eine Panzerglas-Scheibe (Härtegrad 9H) auf das Display kleben, was sich in der Praxis sehr einfach bewerkstelligen lässt. Was kommen da für Kosten auf den stolzen iPhone 7 Plus-Besitzer zu? Panzerglasfolien gibt es ab rund 7 EUR, richtig gute kosten ca. 10 EUR. Solide Cases von Urban Armor Gear sind ab gut 30 EUR zu haben und entsprechen hinsichtlich der Schutzfunktion sogar US-Militärstandards. Sie sind in zahlreichen Ausführungen und Farben lieferbar, wer es mag, bekommt auch edle Varianten mit Aluminium und Echtleder. Warum wir eine Lanze gerade für UAG brechen? Gut, wirklich hochelegant sind die Cases nicht, aber erstklassig verarbeitet – und vor allem bieten sie wirklich effektiven Schutz auch bei Stürzen auf einen Asphaltboden zum Beispiel. 

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Filmtrailer auf YouTube ansehen: Macht Freude, obwohl das iPhone 7 Plus „nur“ eine Full HD-Auflösung besitzt

Zurück zum iPhone 7 Plus. Dass das Display keine höhere Auflösung hat (höhere Auflösungen in QHD+/2.960 x 1.440 Pixel sind bei der Konkurrenz längst Gang und Gäbe), ist in der Praxis kein echter Nachteil.

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Ganz gut funktioniert die automatische Regelung der Display-Helligkeit

Das Display ist zudem recht hell und auch bei direkter Sonnenlicht-Einstrahlung noch ablesbar. Farben stellt es natürlich dar, und durch diese authentische Auslegung macht sich das Display auch dann gut, wenn man sich z.B. auf YouTube die neusten Filmtrailer ansehen möchte. 

Eben haben wir die Home-Taste erwähnt – sie ist nicht, wie in früheren Generationen, als mechanische, sondern als sensorisch arbeitende Taste ausgelegt (3 verschiedene Feedback-Stärken sind anwählbar). Man bekommt entsprechendes fühlbares Feedback bei der Betätigung, ist das iPhone 7 Plus aus, fühlt man gar nichts, im Gegensatz zu früher. Der Fingerabdrucksensor funktionierte in unseren Testreihen deutlich besser als noch beim iPhone 6s Plus. Allerdings verlangt das iPhone 7 Plus ab und zu nach Eingabe des Codes, um den Fingerabdruck anschließend wieder verwenden zu können. Normalerweise sollte dies nur nach einem Neustart der Fall sein, bei unserem iPhone 7 Plus passierte diese gern auch mal während des Betriebs. 

Ärgerlich ist, dass Apple beim iPhone 7 und iPhone 7 Plus auf eine klassische 3,5 mm Kopfhörerbuchse verzichtet. Im Zeitalter der Bluetooth-Kopfhörer ist dieser Makel vielleicht nicht mehr ganz so schlimm, aber trotzdem: Vor allem eine Sache ist sehr ärgerlich. Natürlich liefert Apple einen Adapter zum Anschluss handelsüblicher Kopfhörer gleich mit, aber ist ein Kopfhörer mittels Adapter angeschlossen, kann man das iPhone 7 Plus nicht zeitgleich aufladen. Das wiegt viel schwerer als der vertretbare Verlust an Klangqualität durch den Adapter.

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EQ-Modi

Apropos Klangqualität: Ordentlich, aber mehr nicht – so kann man die Leistungsfähigkeit des etwas blechern klingenden eingebauten Lautsprechers mit befriedigender (leicht gestiegener) Pegelfestigkeit bezeichnen. Nach wie vor liefert Apple in den Einstellungen zahlreiche EQ-Programme mit, deren Güte mit „durchschnittlich“ zu bezeichnen ist. Gerade für Klassik, Jazz oder andere differenzierte Musikstile empfiehlt es sich, die EQ-Programme nicht zu verwenden. 

Unser Fazit nach 8 Monaten mit dem Apple iPhone 7 Plus:

Pro: 

  • Sehr gute Verarbeitung und Materialqualität
  • Angenehm flach
  • Exzellente Foto- und Videokamera
  • Ausgezeichnete 7 MP Frontkamera für Selfies
  • Sehr schneller Hauptprozessor
  • Hervorragender Grafikprozessor
  • Auch nach mehrmonatigem Einsatz und vielen zusätzlichen Apps, Fotos und Videos wird das iPhone 7 kaum langsamer
  • Sehr betriebsstabil und zuverlässig
  • Hervorragendes, helles und natürlich darstellendes Full HD-Display
  • Viele verschiedene, attraktive Gehäusefarben zur Auswahl
  • Spritzwassergeschützt
  • Wie bei Apple üblich ausgesprochen einfaches, intuitives Handling

Contra:

  • Bei intensiver Nutzung nur ausreichende Batterielaufzeit
  • Empfangsempfindlichkeit lediglich durchschnittlich
  • Eingebaute Lautsprecher bieten nur befriedigendes Leistungspotential
  • Keine 3,5 mm Kopfhörerbuchse mehr 
  • Sehr teuer
  • Keine 64 GB Variante im Angebot
  • Kratzempfindliche Rückseite bei allen Varianten
  • Lange Aufladezeit des Akkus
  • Lange Ladezeit von iOS-Updates

Special: Carsten Rampacher
Datum: 27. Juni 2017




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