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REVIEW: "Der Soldat James Ryan" (Ultra HD Blu-ray)

Original: Saving Private Ryan

Anbieter: Paramount Home Entertainment

Laufzeit: ca. 169 min.

Bildformat: 1,78:1

Audiokanäle

  • Dolby Atmos (Englisch)
  • Dolby Digital 5.1 (Deutsch)

Untertitel: Deutsch, Englisch u.a.

VÖ-Termin: 14.06.2018

 

Film

Steven Spielbergs "Der Soldat James Ryan" spielt in den Tagen der Invasion der alliierten Streitmächte in der französischen Normandie am 6. Juni 1944, die zur richtungsweisenden Schlacht auf dem Wege zum Sieg gegen das nationalsozialistische Deutschland werden sollte. Die ersten dreißig Minuten des Films konzentrieren sich auf den Moment der Landung in der Normandie und zeigen ihn aus der Perspektive der amerikanischen Soldaten, die als erste ihren Fuß auf französischen Boden setzten. Was in diesem Moment passiert, ist für jemanden, der die Ereignisse nur aus dem Geschichtsbuch kennt, sicherlich nicht begreifbar. Doch diese 30 Minuten der Todesangst und Anspannung werden von Steven Spielberg auf eine derart authentische Art und Weise dokumentiert, dass man den Eindruck bekommt, die Ereignisse wirklich so gezeigt zu bekommen, wie sie damals abgelaufen sind. Mit schonungsloser Deutlichkeit zeigt Spielberg den nahezu aussichtslos erscheinenden Vormarsch der Amerikaner gegen die deutschen Befestigungsanlagen. In dem endlosen Gewehrfeuer scheint es keinerlei Aussicht auf Überleben zu geben. Kugel zerfetzen einen Soldaten nach dem anderen. Mit der Handkamera immer mitten im Geschehen, setzt Spielberg den Zuschauer mit in den Mittelpunkt der Abläufe. Nachdem es endlos erscheinende zehn Minuten so aussieht, als ob die Landung in der Normandie scheitern würde, kehrt dann die Wende ein und es gelingt den amerikanischen Soldaten schließlich, die deutschen Stellungen einzunehmen.

Nachdem die Schlacht beendet ist, kommt der Film erst zur eigentlichen Handlung: Captain John Miller (Tom Hanks), der an der Invasion an vorderster Front beteiligt gewesen ist, bekommt den Auftrag, mit einer Gruppe Männer nach einem jungen Rekruten zu suchen, der bereits einen Tag vor der Invasion hinter den feindlichen Stellungen abgesetzt wurde. Dieser Soldat James Ryan hatte drei Brüder, die alle an unterschiedlichen Fronten zur beinahe gleichen Zeit im Krieg ums Leben gekommen sind. Die Army möchte nun der Mutter den Verlust eines weiteren Sohnes ersparen und den letzten verbliebenen Sohn zurück nach Hause holen. Die acht Männer, die sich auf die Suche nach James Ryan machen, erleben hautnah die Schrecken des Krieges und riskieren dabei ihr eigenes Leben, um das eines einzigen anderen Soldaten zu retten ...

Zweifellos sind die ersten 30 Minuten auch gleichzeitig der beste Teil des Films. Doch auch während der restlichen 140 Minuten behält "Der Soldat James Ryan" seinen authentischen Stil bei, der die Bilder bereits für sich sprechen lässt und keine großen Worte seiner Hauptdarsteller braucht, um die endlose Grausamkeit des Krieges und die allgegenwärtige Nähe des Todes düster und schonungslos zu zu vermitteln. Ohne moralische Statements oder dramatische Musik präsentiert Spielberg die teilweise auch fragwürdigen Handlungen seiner Hauptpersonen unkommentiert. Natürlich schwebt über dem Ganzen ein wenig der patriotische Schleier und stellenweise auch Kitsch, doch Spielberg zeigt nicht nur Schwarz-Weiss-Bilder sondern sondern ebenso Szenen, in denen die üblichen Film-Klischees verwischen.

Neben Tom Hanks sieht man in "Der Soldat James Ryan" übrigens noch viele andere Schauspieler in Nebenrollen, die zu dieser Zeit noch oft sehr unbekannt waren, aber wie z.B. Bryan Cranston, Vin Diesel, Matt Damon, Paul Giamatti oder Giovanni Ribisi in späteren Film- oder Serien-Projekten teilweise sogar große Hauptrollen übernahmen.

 

Bild 82 %

"Der Soldat James Ryan" wurde von Steven Spielberg auf 35 mm-Film gedreht und bereits vor einigen Jahren neu in 6k-Auflösung abgetastet und digital restauriert.

"Bleach-Bypass Processing" nennt sich das Verfahren, mit dem Kameramann Janusz Kaminski dem Film seinen markanten Look verpasste. Durch diese spezielle Behandlungsverfahren erhält der Film gerade in den Anfangsszenen einen sehr rauhen und farbarmen Look mit harten Kontrasten, der so ziemlich exakt dem Bildeindruck entspricht, den man von einigen ersten Farbaufnahmen kennt, die gegen Ende des Zweiten Weltkriegs entstanden sind. Bei "Der Soldat James Ryan" blieb dieses Verfahren im Vergleich zu einigen späteren Filmen, für die Kaminski verantwortlich war, noch ohne allzu deutlichen Einfluss auf die Schärfe, so dass trotz der photochemischen Effekte der körnige Film noch relativ viel Detail erkennen lässt.

Das HDR-Remastering reduziert den ausgewaschenen, rauen Look wieder etwas und bringt den Kontrast auf ein normaleres und plastischeres Niveau zurück. Auch das harte Überstrahlen in hellen Flächen wird stellenweise etwas reduziert und gleichzeitig wird die erdige Farbgebung etwas neutralisiert. Im Vergleich zur Blu-ray Disc bieten die Farben eine größere Bandbreite, wirken etwas intensiver und oft auch nicht nicht so braun-orange eingetönt. In vielen Szenen ist dieses Remastering auf einem Niveau, welches wahrscheinlich auch auf Blu-ray Disc realisierbar wäre (die beiliegende Blu-ray Disc wurde nicht remastert). Doch hin und wieder gibt es doch einige Wow-Momente, wo wirklich auch die höhere Bilddynamik und der erweiterte Rec.2020-Farbraum das höhere technische Niveau der Ultra HD Blu-ray zur Geltung bringen.

Die etwas wechselhafte Bildschärfe bewegt sich zwischen gut bis sehr gut. Durch das Remastering wird die Rauschstruktur sehr fein und auch wenn der eigentliche Bildinhalt nicht immer optimal scharf ist, trickst diese dezente Körnigkeit das Auge etwas aus und sorgt subjektiv für einen markant besseren Schärfe-Eindruck als bei der Blu-ray Disc. Der stellenweise "Vaseline"-Look des "Bleach Bypass"-Verfahrens ist aber auch bei der Ultra HD Blu-ray ebenso vorhanden wie kurzzeitig auftauchende leichte helle Streifen.

 

Ton 100 % (Englisch)

Ton 95 % (Deutsch)

"Der Soldat James Ryan" wird auf Ultra HD Blu-ray erstmals mit einem neuen objektbasierten englischen Dolby Atmos-Mix präsentiert. Die deutsche Synchronfassung gibt es hingegen wie auf Blu-ray Disc nur im Dolby Digital 5.1-Format.

"Der Soldat James Ryan" überzeugt in der englischen Originalfassung mit nahezu perfekten Heimkino-Sound, Die Abmischung ist außerordentlich kraftvoll, sowohl "große" Effekte wie die ausladenden Schusswechsel oder Granatenexplosionen erklingen präzise und kraftvoll wie auch Umgebungsgeräusche, die mit großer Sorgfalt eingearbeitet wurden. Während des gesamten Films entfaltet sich ein weiträumiger und voluminöser Raumeindruck mit dynamischer Basswiedergabe. Dolby Atmos verbessert die Ortbarkeit verschiedener Elemente auf den Surround-Kanälen sowie der zusätzlichen Höhenebene und die Feindynamik, mit der sich einzelne Schüsse präsentieren, ist exzellent. Da lässt es sich auch verkraften, dass der Hochtonbereich nicht alle Feinheiten glasklar wiedergibt.

Mit der deutschen Dolby Digital 5.1-Tonspur kann man trotz dem verlustbehafteten Audio-Codec eigentlich immer noch sehr zufrieden sein, weil sie trotz der klassischen Mehrkanalabmischung einen sehr direktionalen Sound mit vielen verschiedenen Sound-Elementen von allen Seiten präsentiert, den so nur sehr wenige Filme bieten. Vor allem die impulsivere Basswiedergabe der englischen Dolby Atmos-Tonspur lässt den gesamten Sound im Direktvergleich aber noch etwas bedrohlicher erscheinen als bei der Synchronfassung und gerade im letzten Abschnitt sorgt gerade dieses langsam anschwellende Grollen dafür, dass man die sich annähernde Gefahr schon akustisch wahrnimmt bevor diese wirklich sichtbar wird.

 

Special Features (auf Blu-ray Disc)

  • "Der Soldat James Ryan": Eine Einführung zum Film
  • Blick in die Vergangenheit
  • Boot Camp
  • Die Produktion von "Der Soldat James Ryan"
  • Die Neuerschaffung von Omaha Beach
  • Musik und Sound
  • Schlussgedanken

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