2001: Die besten DVDs des Jahres

28.12.2001 (ks)

2001 ist das fünfte Jahr seit dem Start des DVD-Formats 1997 gewesen. Während man damals aufgrund der europäischen Streitereien um inzwischen vergessene Tonstandards wie MPEG2 schon fast befürchten musste, dass die DVD in Europa erst gar keine Chance bekommen würde und entweder wie das als europäische Digital TV angedachte D2-MAC im Technik-Museum landen oder nicht aus dem Nischendasein herauskommen würde, dass die Laserdisc hierzulande hatte, ist es doch überraschend, wie schnell sich die DVD trotz der Verzögerung von einem Jahr auch in Europa bereits durchgesetzt hat. Gute DVD-Player bekommt man inzwischen schon ab 400 DM, so dass man gar nicht auf das Ramsch-Modell aus dem Supermarkt angewiesen ist und auch bei den Preisen für die Silberlinge haben sich die DVD-Anbieter nicht das Argument der CD-Industrie zu eigen gemacht, die die Digitalisierung vor allem dazu genutzt hat, die Preise von Tonträgern kräftig zu erhöhen. So bekommt man heutzutage DVDs zu nahezu identischen Preisen, die man früher noch für qualitativ meist schlechte bis miserable VHS-Bänder bezahlen musste. Vor allem hat sich die Qualität der europäischen PAL-DVDs, die gerade in der Anfangszeit noch sehr zu wünschen übrig lies, inzwischen soweit verbessert, dass es in den meisten Fällen eigentlich kaum noch einen Grund gibt, auf US-DVDs zurückzugreifen. Eine Entwicklung ist momentan aber mit Sorge zu beobachten: Die "Featuritis", die immer zunehmende Ansammlung von Bonus-Material, wo man häufig den Eindruck bekommt, dass es einfach nur darum geht, auf dem Cover mit Slogans wie "mehr als 5 Stunden Bonus-Material" werben zu können, und daher alles, was sich nur irgendwie auftreiben lässt, auf den DVDs untergebracht wird. Besonders ärgerlich ist in diesem Zusammenhang die Zweitverwertung von Material aus den "Electronic Press Kits", die die Filmverleihe den TV-Sendern anbieten, um Promotion für den Film zu machen. Auf DVDs hat so etwas aber eigentlich nichts zu suchen, denn wer die DVD gekauft hat, muss nicht mit belanglosen Statements von Schauspielern und gegenseitigen Lobpreisungen in Pseudo-Making ofs nochmals davon überzeugt werden. So sehr man immer noch die auf der DVD erstmals in größerem Umgang genutzten Möglichkeiten begrüßen mag, Hintergrundmaterial über die jeweiligen Filme unterzubringen, umso öfter verliert man aber auch die Lust daran, sich dieses wirklich anzuschauen. Wirklich aufwendige Hintergrunddokumentationen wie z.B. bei "Das Schweigen der Lämmer", "Star Wars - Episode One" oder die wegweisenden Making ofs von "Apollo 13" und "12 Monkeys" gibt es leider immer noch viel zu selten, aber zumindest hat man auch in diesem Jahr wieder einige Beispiele gesehen, die Anlass zur Hoffnung geben. Letztendlich gilt aber, dass selbst das beste Bonus-Material nicht einen schlechten Film besser macht.

Wie immer ganz subjektiv und ohne Anspruch auf Vollkommenheit haben wir in loser Reihenfolge die DVDs herausgesucht, die uns 2001 am besten gefallen haben, aber eben auch einige DVD, die uns nicht so gefallen haben. Auffällig dürfte hierbei sein, dass es sich bei den Favoriten zum Großteil um Filme handelt, die bereits vor 2001 im Kino gelaufen sind. Das allerdings hängt einfach damit zusammen, dass das enttäuschende Kinojahr 2001 selbst kaum große Highlights hatte, die bereits auf DVD veröffentlicht wurden.

Bestes Bonus-Material

Thirteen Days

Die Warner-Tochter New Line hat sich mit dieser DVD wieder einmal übertroffen und zeigt ein gutes Gespür dafür, wie man die DVD eines historischen Films konzipieren sollte. Die Fragen, die der Film vielleicht offen lässt, werden in einer fundierten Hintergrunddokumentation beantwortet, in der sich sogar namhafte Zeitzeugen wie der Sohn von Nikita Chruschtschow zu Wort melden. Das "White Rabbit"-Feature von "The Matrix" wurde hier unter dem Namen "Infinifilm" weiterentwickelt und gibt die Möglichkeit, sich im Stile des Videotextes Verweise auf Hintergrundmaterial während des Filmes anzeigen zu lassen - eine Technik, die auch von den deutschen Anbietern Concorde und BMG später übernommen wurde. Dies ist auch der Grund, weswegen an dieser Stelle ausnahmsweise die Code 1-DVD erwähnt wird, denn Kinowelt übernahm zwar das Bonus-Material, nicht jedoch den "Infinifilm"-Modus und enttäuschte obendrein durch die schlechte Bildqualität der Code 2-DVD.

Review der DVD

 

Der Pate DVD-Collection


Paramount präsentierte mit Coppolas Godfather-Trilogie die bislang umfassendste DVD-Edition aus dem eigenen Hause. Neben allen drei Filmen ist auf einer Extra-DVD aber noch sehenswertes Bonus-Material, welches die Entstehungsgeschichte dieses Film-Epos unterhaltsam und informativ erzählt.

Review der DVD

 

Star Wars - Episode I - Die dunkle Bedrohung


Nach anfänglichem Zögern hat sich George Lucas von seinen Jüngern dazu überreden lassen, ihm die Möglichkeit zu geben, den Stand des eigenen Kontos zumindest durch den Kauf des jüngsten Star Wars - Abenteuers auf DVD wieder einmal aufzubessern. Episode I wurde aber zum Glück nicht einfach nur eine Alibi-DVD, sondern eine aufwendige und mit umfangreichen und vor allem interessanten Features ausgestattete Doppel-DVD, die den Ärger mit dem nervigen Jar Jar Binks schnell vergessen lässt.

Review der DVD

 

Terminator 2 - Ultimate Edition


Über kaum eine DVD hat man sich 2001 so den Mund zerrissen wie diese. Auch wenn am Ende natürlicher immer noch jemand etwas zu meckern hatte, gelang Kinowelt mit dieser DVD insgesamt doch ein großer Coup, nämlich sowohl vom ganzen Design als auch der technischen Qualität eine nahezu 1:1-Umsetzung der US-DVD aus dem Vorjahr.

Review der DVD

 

Das Schweigen der Lämmer


Einer der besten Filme des letzten Jahrzehnts endlich auch auf DVD. Das Warten hat sich gelohnt. An sich ist die DVD bereits wegen des Films ein Pflichtkauf, doch gutes Bonus-Material wie ein hervorragendes Making of sorgen noch für zusätzlichen Kaufanreiz.

Review der DVD

 

Hannibal - FSK 18


Hannibal war zwar ein Film, der im Vergleich zu "Das Schweigen der Lämmer" eher enttäuschte, doch die Ausstattung der DVD ist ebenso mustergültig. Die Code 2-DVD bot im Gegensatz zur US-DVD sogar DTS ES in Deutsch und Englisch - selbst trotz des durch einen Produktionsfehler unterschlagenen DTS ES Discrete-Tons also ein Plus für die Code 2-DVD. Obendrein präsentierte BMG diese DVD nicht mehr in der fürchterlichen Super Jewel Box sondern einem eleganten Digipack.   

Review der DVD

 

Die besten Filme des Jahres auf DVD

Almost Famous - Director's Cut


Im Kino erwies sich Cameron Crowes nostalgischer Trip in die Musik-Geschichte der Siebziger Jahre als ziemlicher Flop, nichtsdestotrotz veröffentlichte Columbia den längeren Director's Cut, der die gesamte Geschichte in etwas epischerer Breite erzählt, auch in Deutschland auf DVD - eine der schönsten Geschichten, die dieses Jahr auf DVD veröffentlicht wurden.

Review der DVD

 

Traffic


Der Sonderling Steven Soderbergh ist der wenigen großen Talente des heutigen Hollywood-Kinos, der die Leinwand dazu nutzt, in erster Linie interessante Geschichten zu erzählen. Nach dem großen Erfolg mit "Erin Brockovich" gelang ihm mit dem packenden Doku-Drama "Traffic" gleich ein weiterer Geniestreich. Das ist großes Kino, von dessen Sorte es ruhig mehr geben sollte.

Review der DVD

 

Das Experiment


Das Gejammer über den deutschen Film gehört in Deutschland zur Tagesordnung. Kein Wunder, denn das Dilemma liegt einfach darin, das nur wenige Filme die goldene Mitte zwischen Intellektuellenkino fürs ARTE-Nachtprogramm und albernem Komödienschrott finden. Daher soll an dieser Stelle Oliver Hirschbiegels "Das Experiment" besonders hervorgehoben werden, neben Tom Tykwer's "Lola Rennt" einer der wenigen wirklich herausragenden deutschen Filme der letzten Jahre, der in ordentlicher Qualität und umfangreichem Bonus-Material auch auf DVD eine guten Eindruck hinterlässt.

Review der DVD

 

Die besten Klassiker

Lawrence von Arabien


Wie gut ein alter Schinken auf DVD aussehen kann, bewies Columbia mit dem Monumental-Epos von David Lean, dass bereits vor einigen Jahren aufwendig restauriert wurde und auf dieser DVD so perfekt aussieht, dass man fast nicht glauben möchte, dass dieser Film bereits 1962 entstanden ist.

Review der DVD


2001 - Odyssee im Weltraum

Interpretationsversuche über diesen wohl rätselhaftesten aller Science Fiction-Klassiker wird es wahrscheinlich noch in 100 Jahren geben. Diese technisch nahezu perfekte DVD-Umsetzung ist aber auch für alle etwas, die einfach nur die Bilderpracht Stanley Kubricks in bestmöglicher Qualität genießen möchten. Extras gibt's auf der DVD selbst keine, dafür bekommt man die DVD aber auch zum Schnäppchenpreis. Kubrick-Fans sollten für mehr Infos auf die ganze Kubrick-Box mit der umfassenden Dokumentation des Kubrick-Schwagers Jan Harlan zurückgreifen.

Review der DVD


Tora! Tora! Tora!

Michael Bays und Jerry Bruckheimers Versuch, den Angriff auf Pearl Harbor in einen unterhaltsamen Spielfilm umzusetzen, ging ziemlich nach hinten los und entsprach nicht einmal den Erwartungen, die man nach den Erfahrungen mit dem Bruckheimerschen Popcorn-Kino aus der Vergangenheit an dieses Projekt stellte. Das stellt keinen Verlust dar, schließlich gibt es ja bereits einen großen Pearl Harbor-Film seit Jahren: Wer sich nicht für den kitschigen Herz/Schmerz interessiert, sondern erfahren will, was damals wirklich passierte, bekommt dies in dem eindrucksvollen Tora! Tora! Tora! aus dem Jahre 1970 geboten, einer minutiösen und spannenden Geschichtsdarstellung, die auf schnulziges Beiwerk verzichtet.

Review der DVD

 

Das letzte Einhorn

Auch Concorde hat sich einen Platz an dieser Stelle verdient. Denn der Independent überraschte die Fans dieses Zeichentrick-Klassikers mit einer erstaunlich guten DVD-Umsetzung, für die sogar noch ein anamorphes Master Verwendung fand. Obendrein ist "Das letzte Einhorn" weltweit sonst nirgendwo auf DVD erhältlich.

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Beste TV-Serie auf DVD

The Simpsons - Season One


Endlich: Die "Simpsons", eine der wenigen richtig guten TV-Serien der letzten Jahre, erlebte 2001 ihr DVD-Debut. Und wem die deutsche Synchro schon immer ein Greuel war, kann jetzt auch endlich einmal die echten Stimmen von Homer, Bart & Co. hören.

Review der DVD

 

Beste Musik-DVD

The Corrs - Live in London


Auf der Suche nach hervorragenden Musik-DVDs geht an den Goldkehlen der "Corrs" kein Weg vorbei. So ist auch die aktuelle DVD "Live in London" wieder nicht nur ein Blickfänger, sondern vor allem eine DVD mit phantastischem Sound geworden.

Review der DVD

 

Bester DVD-ROM-Part

Shrek


Die Dreamworks-Studios lernen die "Mouse Company" immer mehr das Fürchten. Shrek ist ein Film, der nicht nur für Kinder sondern auch Erwachsene interessant ist und mit seinen butterweichen Animationen den aktuellen Standard der digitalen Tricktechnik eindrucksvoll demonstriert. Die Extras sind zwar gerade auf der etwas abgespeckten Code 2-Version insgesamt nicht sonderlich spektakulär, dafür gibt es aber einen besonderen Clou: Das "ReVoice-Studio" bietet die Möglichkeit, selbst auf dem PC Sequenzen aus dem Film mit der eigenen Stimme zu synchronisieren - die interessanteste DVD-ROM-Anwendung, die bis dato auf einer DVD zu finden war.

Review der DVD

 

Die größten Enttäuschungen

Schneewittchen und die sieben Zwerge


Da gibt es in den USA ein 2 DVD-Set mit einem Making of, welches neben der Entstehungsgeschichte dieses Disney-Klassikers zugleich die Anfänge der Mouse-Company erzählt - in Deutschland indessen bekommt man nur eine Disk sowie ein stark gekürztes Making of - dafür aber eine total überflüssige "Magic Mirror Tour" mit Kai Pflaume. Schlechter kann man die Prioritäten kaum setzen. Da kann man nur hoffen, dass niemand auf die Idee kommt, das Bonus-Material des diesjährigen Weihnachtsfilms "Atlantis" für ein Special mit den "No Angels" zusammenzustreichen.

Review der DVD

 

2001 - Limited Edition (ebenfalls: Limitierte Sammler-Boxen von "The Matrix" und "Blade Runner")

Anstelle von wirklich sinnvollem Bonus-Material konzipierte Warner DVDs in limitierter Auflage von "2001", "The Matrix" und "Blade Runner", in deren hübscher Verpackung nicht viel mehr als mal eine CD, ein paar Filmschnipsel oder Bilder steckten. Verkauft wurde das Ganze dann zu Preisen, die man sonst meist nur bei ebay-Auktionen für "rare" DVDs erzielt. Selbst für Fans eine ziemlich teure Mogelpackung.

Review der DVD

 

DVD-Verleihfenster

Manchmal glaubt man wirklich, man sei im falschen Film. Da erscheinen DVDs ohnehin schon meist mit ein paar Monaten Verspätung zu den USA, und dann fällt gerade in Deutschland den DVD-Anbietern nichts anderes ein, als diese Zeit durch ein DVD-Verleihfenster nochmals zu verlängern - in den USA hingegen gibt es weit und breit noch kein DVD-Verleihfenster. Traurige Jahresbilanz: In Deutschland bieten mit Universal Pictures Video (damit auch Dreamworks), Buena Vista, BMG Video, Kinowelt, Eurovideo, Fox und ab 2002 auch Paramount die meisten DVD-Anbieter ein DVD-Verleihfenster mit mehr oder weniger schlimmen Auswirkungen an.

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