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Kino-Kritik: „The Wolf of Wall Street“

The Wolf of Wall Street

Martin Scorseses mit 179:55 Minuten Laufzeit bislang längster Kino-Film mit Leonardo DiCaprio und Jonah Hill basiert auf den Memoiren von Jordan Belfort, der in den 90er Jahren durch Anlage-Betrug zum Multi-Millionär wurde. Belfort verkaufte über seine Firma „Stratton Oakmont“ via Telefon oft nahezu wertlose Aktien von Unternehmen und kassierte dabei hohe Provisionen. Nach aussen hin gab sich die Firma seriös und konnte später durch die Begleitung von Börsen-Emissionen sogar ihre Geschäfte um weitere Einnahmequellen erweitern. Es gelingt Belford zunächst, die Überprüfungen der Börsenaufsicht SEC unbeschadet zu überstehen. Doch während Belfort zusammen mit seinen Mitstreitern das Leben mit viel Sex und Drogen in allen Zügen genießt, ermittelt das FBI im Hintergrund und wartet nur darauf, dass Belfort einen Fehler begeht, um ihm den Prozess machen zu können….

„The Wolf of Wall Street“ folgt Martin Scorceses cineastischer Tradition der Gangster-Dramen und gibt einen Einblick in einen weiteren kriminellen Microkosmos. Mit dem Geschehen an den weltweiten Börsen und Finanzmärkten hat der Film nur sehr wenig zu tun: Es geht eher um den grauen Kapitalmarkt, in dem es dubiosen Firmen bis heute immer wieder gelingt, unbedarften Anlegern das Geld für angeblich todsichere Investments aus den Taschen zu ziehen.

Während bereits im Jahr 2000 der Film „Boiler Room“ mit Giovanni Ribisi die geschäftlichen Machenschaften von Belforts Pennystock-Verkäufern recht spannend thematisierte, konzentriert sich „The Wolf of Wall Street“ vor allem auf die bizarren privaten Exzesse von Belfort. Ein Großteil des Films vergeht damit, dass der Zuschauer so ziemlich jede Droge, die Belfort zu sich nimmt, mit ihren Wirkungen und Nebenwirkungen genau erklärt bekommt und wilde Sex-Spielchen vor der Kamera gezeigt werden.

Dabei kommt es immer wieder zu zynisch-komischen Situationen, aber viele dieser Exzess-Szenen sind auch langgezogen oder für die Handlung ohne großen Belang. Spannung und Dramatik spielen in „The Wolf of Wall Street“ weniger eine Rolle als der ungewöhnlich überdrehte Auftritt von Leonardo DiCaprio. Doch Scorsese beweist auch wieder ein Gespür dafür, Nebenrollen genügend Platz zu bieten, allen voran Jonah Hill in der Rolle des Firmen-Mitgründers Danny Porush, der nicht ständig so durchgeknallt wie DiCaprio auftritt, aber um so mehr durch seine immer wiederkehrenden und noch fremdschämenderen Aussetzer überrascht.

Erst im letzten Drittel wirft der Film auch verstärkt einen genaueren Blick zwischen die Risse von Belforts Fassade und entwickelt deutlicher die Ambivalenz, die Scorsese in Filmen wie „Good Fellas“ und „Casino“ so grandios beherrschte und dem Zuschauer die Protagonisten sehr gleichmäßig mit viel Licht und Schatten präsentierte.

„The Wolf of Wall Street“ ist ein sehr ungewöhnlicher Film, der zwischen Komödie und Drama angesiedelt ist und sehr viele zynisch-freche Dialoge und detaillierte Sex-Szenen bietet, für die es zur Zeit, in der der Film spielt, sicherlich noch eine 18er-Freigabe statt FSK 16 gegeben hätte. Die Inszenierung ist nicht ganz so spannend und episch wie die der großen Scorsese-Klassiker. Mit rund einer halben bis Dreiviertelstunde weniger Laufzeit wäre der Ablauf des Films sicherlich spürbar flüssiger geworden. Trotzdem bietet „The Wolf of Wall Street“ durchaus abwechslungsreiche Unterhaltung und dürfte zu den besseren Filmen des Jahres gehören.

„The Wolf of Wall Street“ läuft seit dem 16.01.2014 in den deutschen Kinos und erscheint voraussichtlich im Mai/Juni auf Blu-ray Disc und DVD.

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