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Kino-Kritik: „Skyfall“ – James Bond 007 im Angesicht des Verrats

James Bond 007 "Skyfall" - ab 01.12.2012 im Kino

Bei einem Einsatz in der Türkei gelangt ein Killer an eine Festplatte mit den Klarnamen aller verdeckt operierenden Agenten der NATO. James Bond nimmt die Verfolgung auf. Als der Bösewicht jedoch zu entkommen droht, gibt M der Agentin Eve (Naomie Harris) den Befehl zum Abschuss. Diese trifft allerdings versehentlich James Bond, der daraufhin in die Tiefe stürzt, anschließend als verschollen gilt und schon bald für tot erklärt wird. Bond hat auch keine Motivation, sich zurück zu melden sondern gibt sich erst einmal lieber den Frauen und dem Alkohol hin. Erst als das Hauptquartier des MI6 Ziel eines Anschlags wird, der mit der verschwundenen Festplatte in einem Zusammenhang zu stehen scheint, kehrt Bond nach London zurück um sich auf die Suche nach den Drahtziehern zu machen… 

Auch der dritte "James Bond"-Film mit Daniel Craig steht wieder unter dem Motto "Die einzige Konstante ist die Veränderung" und begeht in vielerlei Hinsicht Neuland. Unter der Regie von "American Beauty"-Regisseur Sam Mendes ist "Skyfall" über lange Strecken mehr Drama als Agenten-Thriller und nach der spektakulären Action-Sequenz zum Beginn des Films vergehen auch erst einmal rund 60 zähe Minuten bis der Film so langsam wieder etwas an Fahrt gewinnt. 

In "Skyfall" bekommt man nur recht wenige spektakuläre Schauplätze zu sehen. Der Film spielt zum Großteil in England und befasst sich deutlich mehr als frühere James Bond-Filme mit dem Innenleben des MI6. So findet auch ein großer Teil der Handlung in geschlossenen Räumen statt und selbst vom exotischen Shanghai und Macao sieht man nur einige wenige Bilder bei Nacht oder auf einer verlassenen Insel. Die Kamera wirkt gerade anfangs bei den Szenen in der Türkei auch oft etwas zu nah am Geschehen und lässt dadurch trotz des breiten Cinemascope-Formats nur wenig von der Kulisse erkennen.

Zum 50. Jubiläum von "James Bond" bemüht man sich noch einmal um einige letzte Reminiszenzen an die klassischen Traditionen und der neue "Q" Ben Whishaw hat sogar einen sehr umfangreichen Auftritt, der sich nicht auf die Herausgabe von Bonds Arbeitsutensilien reduziert. Das Angebot neuer Gadgets beschränkt sich aber auf eine Walther PPK mit Fingerabdrucksensor und einem Funk-Peilsender. Dafür holt man aber einen ganz großen Klassiker der Bond-Geschichte wieder zurück auf die Leinwand und gräbt auch einige neue Details aus Bonds Vergangenheit aus.

Nachdem in den beiden vorherigen Craig-Filmen der Wandel vor allem Bond selbst betraf so wird in "Skyfall" auch der Mythos der Loyalität des MI6 zu seinen Doppel-Null-Agenten endgültig begraben. Und mit dem eisernen Ralph Fiennes als neuem "M" bekommt James Bond in Zukunft wohl noch mehr Gegenwind.

Leider ist nur recht wenig von der ersten Hälfte des Films für die Handlung von wesentlichem Belang und erst mit dem Auftritt von Javier Bardem bekommt der vor allem durch Computer gesteuerte Terror ein Gesicht. Bardem ist als schillernd-bedrohlicher Raoul Silva einer der besseren Bond-Schurken der neueren Zeit und eine der lebendigsten Figuren des ganzen Films.

Genau das ist aber auch wieder einmal das Problem von Daniel Craig. Egal ob es an ihm selbst oder der ihm von den Produzenten zubestimmten Rolle liegt: Selbst im dritten Craig-Bond zeigt diese finstere Killer-Maschine mit der Lizenz zum Töten so wenig Charisma, dass dem Zuschauer sein Schicksal weiterhin ziemlich egal sein kann.

"Skyfall" beseitigt die letzten Zweifel daran, dass der James Bond, den Craigs Vorgänger verkörperten, wirklich ein Relikt der Vergangenheit ist. Im stetigen Wandel der letzten Jahre ist es den Produzenten allerdings noch nicht gelungen, zu definieren, was in Zukunft eigentlich noch das Besondere von 007 sein soll. 

"Skyfall" überrascht mit vielen Veränderungen und Hintergründen, die der Film offenbahrt. Diese alleine machen aber noch keine wirklich faszinierende Story, die den Zuschauer über 143 Minuten fesseln kann und auch die unrealistischen Action-Sequenzen erscheinen oft wie vergeudete Zeit. Weil dem Film weitgehend Charme, Ironie und Lässigkeit fehlen, die in der Vergangenheit dafür sorgten, dass man über die Schwächen der Bond-Filme mit einem Augenzwinkern hinweg sehen konnte, fallen die Schwächen von "Skyfall" um so mehr auf.

Christoper Nolan hat mit seiner "Batman"-Trilogie gezeigt, wie man ein Film-Franchise, welches von der Zeit überholt erschien, wiederbeleben und einen modernen, düsteren Mythos in brillanten Bildern neu erschaffen kann. Diese Herausforderung steht den James Bond-Produzenten Barbara Broccoli und Michael G. Wilson weiterhin bevor. 

"Skyfall" läuft seit dem 1. November 2012 in den deutschen Kinos und erscheint voraussichtlich im März 2013 auf Blu-ray Disc & DVD.

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