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Kino-Kritik: „Robocop“ (2014)

Robocop (2014)

Wir schreiben das Jahr 2028: Der multinationale Megakonzern OmniCorp setzt weltweit Drohnen und Roboter im Kampf gegen Terroristen und Kriminelle ein. So können z.B. Inspektionen im „befreiten Iran“ durchgeführt werden, ohne das Leben von amerikanischen Soldaten zu gefährden. Nur der US-Heimatmarkt bleibt OmniCorp bislang versperrt, weil der Einsatz von Robotern im Inland per Gesetz verboten ist. Um trotzdem ins Geschäft zu kommen, will OmniCorp-Chef Raymond Sellars (Michael Keaton) einen Cyborg entwickeln, der zwar den Körper eines Roboters hat aber vom Geist eines Menschen gesteuert wird. Der nach einer Explosion schwerverletzte Polizist Alex Murphy (Joel Kinnaman) scheint für Omnicorp der geeignete Kandidat zu sein und im Labor von Robert Norton (Gary Oldman) wird in wenigen Monaten der „Robocop“ erschaffen, der für Recht und Ordnung auf den Straßen Detroits sorgen soll…

„Robocop“ ist kein 1:1-Remake des Originals sondern erzählt eine in weiten Zügen andere Geschichte  – und das ist durchaus gut so, um dem Zuschauer nicht ständig irgendwelche direkten Vergleiche aufzudrängen. Hin und wieder gibt es ein paar kleine Referenzen an das Original, aber bereits das Ausgangsszenario ist ziemlich anders.

Die im Film gezeigte Zukunft des Jahres 2028 wirkt zum Großteil nicht viel weiter der Zeit voraus als die heutige Gegenwart und der von Samuel L. Jackson gespielte TV-Moderator, der dem Zuschauer ständig die Vorzüge von Robotern im Polizeieinsatz weismachen will, erscheint nicht viel anders als das oft polarisierende Moderatoren-Gespann von „Fox News“.

Der Brasilianer José Padilha ist vor allem durch seine beiden „Elite Squad“-Filme bekannt geworden – kleine rauhe Dramen, die in den Slums von Rio de Janiero spielten und man kann erahnen, wieso er als Regisseur auserwählt wurde, weil ja auch das „Robocop“-Original von Paul Verhoeven ähnlich schmuddellig und rauh wirkte.

Das Detroit des 2014er-Robocops wirkt zwar weder futuristisch noch dreckig, aber dennoch gelingt mit dem neuen Ansatz der Einstieg in den Film recht gut. In der zweiten Hälfte verliert „Robocop“ aber schnell an Spannung und wird mit vielen Belanglosigkeiten aufgeladen, die dem Film Tempo nehmen. So ist „Murphy“ nach seiner Operation zunächst weiterhin bei vollem Bewusstsein und wird erst zur empathielosen Kampfmaschine, nachdem an ihm noch mehrmals herumgedoktert wird.

Und während Murphys Familie im Original keine große Rolle spielte, sieht man in Padilhas Film selbst in einigen Schlüsselszenen laufend die zunehmend nerviger werdende Mutti mit Kind vor der Kamera. Den farblosen Ganoven, der Murphy auf dem Gewissen hat, hätte man sich auch komplett sparen können, denn die Rolle des Schurken wird bereits durch Michael Keaton gut ausgefüllt, der durch den vor allem mit seiner grandiosen „Rorschach“-Darstellung in „Watchmen“ bekannt gewordenen Jackie Earle Haley noch Verstärkung erhält.

Für Hauptdarsteller Joel Kinnaman ist es schwierig, neben den vielen bekannten Gesichtern überhaupt als Darsteller aufzufallen und so bleiben ihm eigentlich nur die Action-Szenen, um wirklich voll und ganz im Mittelpunkt zu stehen. Doch die wirken leider viel zu hyperaktiv und in die Länge gezogen, so als ob sie ein Teaser für ein Video-Spiel sein sollten, welches es natürlich für „Robocop“ auch gibt.

Trotz FSK 12-Freigabe bekommt man in „Robocop“ eine Menge Geballer zu sehen, nur geht Padilha im Unterschied zu Verhoeven mit der Kamera nicht ganz so nah dran und lässt es weniger blutig angehen.

José Padilhas „Robocop“ fehlt zwar die rauhe Coolness des Verhoeven-Films von 1987 und auch der Humor spielt hier eine wesentlich geringere Rolle. Ganz so aalglatt, wie man es hätte befürchten können, ist der Film aber keinesfalls und die Geschichte, die zur Entstehung des Robocops führt, wird hier sogar noch etwas genauer erzählt. Da gehört „Robocop“ eindeutig zu den anspruchsvolleren Action-Filmen und interessant ist auch Gary Oldmans Rolle, der als einziger im OmniCorp-Konzern so etwas wie ein Gewissen zu haben scheint. Um so enttäuschender ist allerdings, dass die guten Ideen in der zweiten Hälfte etwas ausgehen und statt Spannung oft eher Rührseligkeit auf dem Programm steht.

„Robocop“ läuft seit dem 06.02.2014 in den deutschen Kinos und erscheint voraussichtlich im Sommer 2014 auf Blu-ray Disc und DVD.

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