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Kino-Kritik: „Prometheus – Dunkle Zeichen“

In "Prometheus" geht eine Forschergruppe (u.a. Charlize Theron, Noomi Rapace, Michael Fassbender) Hinweisen auf die Ursprünge menschlichen Lebens nach, die sie auf eine Reise zu den dunkelsten Ecken des Universums führen. Dort müssen sie sich einem schrecklichen Kampf stellen, um die Zukunft der Menschheit zu retten…

Mehr als 30 Jahre nach dem Erfolg von "Alien" kehrt Ridley Scott zu den Ursprüngen der Film-Reihe zurück. Während die Fortsetzungen das ursprüngliche Action/Horror-Konzept des ersten Teils übernahmen und sich auf den Kampf zwischen Alien und Menschen konzentrierten, befasst sich "Prometheus" vor allem mit der Frage, wer die Ausserirdischen waren, deren Schiff die Besatzung der Nostromo auf dem Alien-Planeten LV426 fand. "Prometheus" ist kein direktes Prequel von "Alien". Denn das Forschungsschiff landet auf einem ganz anderen Planeten LV223. Das ist aber auch nicht schlimm, denn Ridley Scott gelingt es recht clever, einerseits Bekanntes wieder aufzunehmen andererseits sich Freiheiten herauszunehmen, die bei einem echten Prequel zwangsläufig mit allem, was man aus den bisherigen Filmen kennt, in Übereinstimmung hätten gebracht werden müssen. Hin und wieder kopiert sich Ridley Scott in "Prometheus" sogar selbst indem er bereits aus "Alien" bekannte Handlungselemente recht geschickt auf ähnliche Weise in "Prometheus" einfügt und so am Ende doch einige Parallelen zwischen beiden Filmen herstellt.

Auch visuell weist "Prometheus" viele Ähnlichkeiten zu "Alien" auf. Vor allem das Innere des Raumschiffs wirklich ähnlich nüchtern wie die "Nostromo". Aber der Großteil der Handlung findet ausserhalb des Schiffs statt und Ridley Scott zeigt auch einiges von der Landschaft auf der Oberfläche des Planeten. Vieles dort ist aber auch Grau in Grau weswegen die 3D-Optik nur in vereinzelten Momenten richtig gut zur Geltung kommt. Die besten 3D-Effekte bietet der Film in den Sequenzen, in denen z.B. an Bord des Schiffs ein computeranimiertes 3D-Modell als eine Art dreidimensionale Landkarte zum Einsatz kommt.

Der Film nimmt erzählerisch einen langen Anlauf und es vergeht eine ganze Zeit bis die Crew der "Prometheus" etappenweise erfährt, womit sie es auf LV426 genau zu tun hat. "Prometheus" ist weitaus weniger gruselig als sämtliche vorherigen "Alien"-Filme, in denen man in jeder Sekunde damit rechnen musste, dass plötzlich aus dem Nichts ein Alien auftaucht und selbst eine Liebesszene hat Ridley Scott in den Film eingebaut.

Im Mittelpunkt der Handlung stehen vor allem die Archäologin Elizabeth Shaw (Naomi Raplace) und der Androide David (Michael Fassbender). Ansonsten fallen nur wenige bedeutende Figuren auf. Meredith Vickers (Charlize Theron) ist als kühle Vertreterin der Weyland Corporation zwar formell die Chefin aber eigentlich ist ihre Rolle für den Film recht bedeutungslos. Zwischen den Besatzungsmitgliedern herrscht nur wenig Teamgeist und der Film nimmt sich auch nur wenig Zeit diesen zu bilden bzw. überhaupt die einzelnen Figuren richtig vorzustellen. Das geht so weit, dass einige Mitglieder der Besatzung bis zum Schluss eigentlich nur eine erweiterte Statistenrolle spielen.

Der Film befasst sich mit einer Menge verschiedener Themen und das lässt für den Zuschauer lange den eigentlichen Schwerpunkt der Handlung offen. Störend fällt ebenfalls auf, dass die Wissenschaftler sich in einer unbekannten Umgebung teilweise extrem naiv benehmen, viele Handlungselemente bei genauer Betrachtung unlogisch erscheinen und die Aktionen der Akteure recht sprunghaft ausfallen wofür auch kaum vernünftige Erklärungen gegeben werden.

Richtig gut wird "Prometheus" erst in der letzten halben Stunde durch einige Wendungen und neue Erkenntnisse, die die Geschehnisse in ein ganz anderes Licht setzen und den Weg zu einem brillanten, bis in die letzte Minute spannenden Finale ebnen welches dann auch für Action-Fans einen spektakulären Showdown bietet.

Insgesamt ist "Prometheus" ein sehr klassischer Science Fiction-Film, der mehr Ähnlichkeiten zu "2001" oder "Contact" als zu den drei "Alien"-Fortsetzungen aufweist aber trotzdem weitaus weniger kopflastig ist und gutes wenn auch nicht perfektes Unterhaltungskino bietet. Nachdem man den Eindruck hatte, dass Jean-Pierre Jeunet mit dem grausigen "Alien – Die Wiedergeburt" die Perspektiven weiterer Alien-Filme für alle Ewigkeiten erledigt hätte, ist Ridley Scott mit "Prometheus" weitaus mehr gelungen als hätte schief gehen können weswegen man sich hoffentlich schon bald auf eine weitere Fortsetzung freuen kann.
 
Prometheus läuft seit dem 09.08.2012 in den deutschen Kinos und wird voraussichtlich am 07.12.2012 auf Blu-ray Disc & DVD veröffentlicht.

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