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Kino-Kritik: „Man of Steel“

Clark Kent (Henry Cavill), der wohl behütet von seinen Adoptiveltern Martha (Diane Lane) und Jonathan Kent (Kevin Costner) aufgezogen wird, merkt schon in jungen Jahren, dass übernatürliche Kräfte in ihm stecken. Doch sein Vater hofft, dass Clark seine Kräfte bändigen kann, weil er befürchtet, dass dem Jungen Schaden droht, wenn auch die Öffentlichkeit das Geheimnis seiner Herkunft erfährt: Clark stammt ursprünglich vom Planeten Krypton und obwohl er sich darum bemüht, sein Leben als einfacher Mensch auf der Erde möglichst unauffällig auf die Reihe zu bekommen, lauert bereits eine Gefahr aus der alten Heimat, die Clark die Verantwortung für das Schicksal der gesamten Menschheit auferlegt…

Warner hat sehr geschickt seine PR-Kampagne für „Man of Steel“ so inszeniert, dass die Trailer den Eindruck vermitteln, hier würde im Stile von Christopher Nolans „Dark Knight“-Trilogie jetzt auch „Superman“ in etwas ernsterer Form und vielschichtigen Story-Elementen komplett neu interpretiert werden und neben Nolan als Produzent ist auch Drehbuchautor David S. Goyer ebenfalls wieder im Team dabei.

Doch weit gefehlt: Zack Snyders „Man of Steel“ erzählt bis auf kleine Veränderungen lediglich die altbekannte Superhelden-Geschichte in neuer Form und ähnelt vom Stil auch mehr dem krawalligen „300“ als Snyders atmosphärischer „Watchmen“-Verfilmung. Das Drehbuch ist meilenweit von der Ideenvielfalt der „Dark Knight“-Trilogie entfernt und bietet nur wenig Spannung – dafür aber um so mehr öde Dialoge und allzu offensichtliche Logik-Fehler, die dem Zuschauer geradezu auf dem Präsentierteller serviert werden. So hat Clark Kent zwar Probleme, die ungewohnte Luft der Krypton-Atmosphäere zu atmen, kann aber durchaus beim Flug ausserhalb der Erdatmosphäre auch ganz ohne Sauerstoff auskommen. Neuland betritt der Film zumindest am Anfang, der die Zustände auf dem Planeten Krypton zeigt, die Clark Kents Eltern dazu brachten, für ihren Sohn eine Zukunft auf einem fremden Planeten zu erwählen.

„Man of Steel“ ist vor allem ein hektischer Action-Overkill, der gerade am Anfang und Ende den Zuschauer mit einem penetranten audiovisuellen Dauerfeuer bombardiert. Die Action-Schnitte wechseln im Sekundentakt und der lärmende Soundtrack präsentiert jedes kleine Geräusch mit schrillem Krach. Dabei bieten die wie ein Blitzgewitter inszenierten Action-Szenen gleichzeitig kaum Dramatik und Spannung sondern wiederholen sich oft in einem öden Gebolze zwischen Clark Kent und seinen Gegnern. Gerade der Showdown ist viel zu lang geraten aber selbst durch das Kürzen des Films würde der Gesamteindruck wohl nicht anders ausfallen, da es „Man of Steel“ vor allem an packenden (und neuen) Story-Elementen fehlt. Dem Hans Zimmer-Music Score gelingt es in diesem lärmenden Spektakel auch nicht, zumindest etwas Atmosphäre zu schaffen und selbst in den leiseren Szenen im zweiten Drittel wirkt der Film aufgrund der vielen ruckeligen Handkamera-Bewegungen sehr unruhig. 

Die insbesondere in der TV-Serie „Smallville“ hervorragend inszenierte Geschichte des Erwachsenwerdens von Clark Kent wird in „Man of Steel“ nur in merkwürdig arrangierten Rückblendungen erzählt und verfehlt dadurch die Möglichkeit, die Hauptfigur dem Zuschauer überhaupt näher zu bringen, der fast immer nur bedrückt und mürrisch wirkt. Hier wollte man sich wohl bewusst von der eher komischen Inszenierung der früheren Filme abgrenzen und auch der Name „Superman“ wird weitgehend vermieden. Zum härteren Image passt es allerdings nicht, dass der „Man of Steel“ trotzdem in einem albernen Kostüm mit rotem Umhang herumspringt.

Zwar ist „Man of Steel“ auch in den Nebenrollen sehr prominent besetzt. Doch nur wenige bekommen die Gelegenheit, neben Henry Cavill zu glänzen. Von Diane Lane und Kevin Costner würde man gerne etwas mehr sehen, doch ihre Auftritte sind immer nur von kurzer Dauer und insbesondere Costners lächerlicher Abschied erscheint ziemlich unwürdig. Die hübsche Amy Adams macht als Lois grundsätzlich einen guten Eindruck, hat aber nur eine untergeordnete Bedeutung und die unvermeidbare Romanze mit Clark Kent nimmt man ihr auch nicht so richtig ab. Russell Crowe überzeugt als leiblicher Vater des Superhelden und ist derjenige, der am meisten über die Hintergründe vermittelt, erscheint allerdings auch meist nur in einer komischen Rolle als künstliches Hologramm auf dem Bildschirm. Als größter Gegenspieler von Clark Kent tritt der grandios schmierige Michael Shannon auf, der als General Zod hier aber so eindimensional schurkenhaft wie lange nicht mehr wirkt.

„Man of Steel“ wurde nur nachträglich ins 3D-Format konvertiert und bietet erstaunlich wenig Tiefe, obwohl andere Filme hier bereits bewiesen haben, dass selbst mit Konvertierungen recht erstaunliche Ergebnisse erzielt werden können. Auch sonst ist „Man of Steel“ keine visuelle Augenweide sondern wirkt mit seiner rauhen, unscharfen Optik und verwaschen blaugetönten Farben sehr blass.

„Man of Steel“ läuft seit dem 20.06.2013 in den deutschen Kinos und wird voraussichtlich im Herbst auf Blu-ray Disc und DVD veröffentlicht.

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