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Kino-Kritik: „Ender’s Game“ – Düstere Science Fiction-Vision mit Action und Tiefgang

„Ender’s Game – Das große Spiel“ ist die Verfilmung des gleichnamigen Science Fiction-Romans von Orson Scott Card aus dem Jahr 1985 und spielt in der Zukunft 50 Jahre nach einem Alien-Angriff der „Formics“ auf die Erde, der für Millionen Tote gesorgt hat. Hyrum Graff (Harrison Ford) ist als Ausbilder für Jugendliche bei den Streitkräften auf der Suche nach neuen Rekruten, die die Erde für den Fall eines weiteren Angriffs in der Zukunft verteidigen sollen. In Andrew Ender Wiggin (Asa Butterfield) glaubt Graff ein brillantes Talent gefunden zu haben, der das Potential zu einem künftigen Anführer hat. Doch erst muss Ender auch das harte militärische Training bestehen, bis er tatsächlich bereit für den Kampf ist…

In Zeiten von „Twilight“ und „Hunger Games“ hätte man sich durchaus vorstellen können, dass die Verfilmung der Romanvorlage, die mit Ideen wie der Kommunikation über soziale Netzwerke und der Kriegsführung mit ferngesteuerten Drohnen ihrer Zeit weit voraus war, auf eine Teenie-Heldengeschichte reduziert würde. Doch genau das Gegenteil ist der Fall: „Ender’s Game“ ist sehr düster und kennt eigentlich nicht einmal richtige Helden. Harrison Ford strahlt in seiner Rolle als ständig knurriger Befehlshaber schon von Anfang wenig Sympathie aus und manipuliert Ender nur für seine Zwecke. Ender durchläuft ein hartes Training, in dem er es lernt, sich gegen Stärkere zu behaupten und durch Strategie Erfolge zu sammeln, die ihn schnell in der Militär-Hierarchie aufteigen lassen. Asa Butterfield spielt diese Heulsuse mit Tyrannen-Potential ebenfalls so unterkühlt, dass man sich als Zuschauer nur schwer mit ihm identifizieren kann. Ender ist kühl aber nicht cool. Diese ständige Konfrontation der Hauptfigur mit sich selbst und seiner Umgebung stellt aber durchaus einen interessanten Kontrast zu Filmen dar, die ihre Helden einfach nur abfeiern.

„Tsotsi“-Regisseur und Oscar-Gewinner Gavin Hood, der auch da Drehbuch schrieb, inszenierte „Enders Game“ mit einer sehr guten Mischung aus Drama- und Action-Elementen, die dafür sorgen, dass man der Geschichte von Anfang bis Ende mit Interesse folgt. Im Kern ist „Ender’s Game“ ein Psycho-Thriller, denn seine Naturtalente alleine helfen Ender nicht weiter, so dass er Wege finden muss, sich mit Cleverness gegen Rivalen durchzusetzen. Die Action-Szenen sind nicht qüalend lang wie in vielen Hollywood-Blockbustern sondern dienen immer dazu, den langsamen Wandel des Aussenseiters zum militärischen Führer aufzuzeigen und auch die Moral ist ein wichtiger Bestandteil des Films.

Die vielen digitalen Effektsequenzen im Weltall sehen phantastisch aus und auch die mit „RED“-Digitalkameras in 5k-Auflösung gedrehten realen Filmaufnahmen im Cinemascope-Format wirken so plastisch und kontrastreich, dass man keine Sekunde den fehlenden Einsatz von 3D bedauert.

Die gerade einmal 114 Minuten vergehen wie im Flug und am Ende präsentiert der Film auch noch eine düstere Offenbahrung, die Ender den Boden unter den Füßen wegzieht. „Ender’s Game“ bietet anspruchsvolle Science Fiction-Unterhaltung mit Tiefgang und wird hoffentlich nicht der letzte Film der „Ender’s“-Reihe sein, die von Orson Scot Card in den letzten Jahren immer weiter fortentwickelt wurde. Wer die Romanvorlage bereits kennt, wird am Film sicherlich vermissen, dass viel von dem gesellschaftlichen Hintergrund der Geschichte im Film ausgespart wurde. Für sich alleine betrachtet ist „Ender’s Game“ aber ein sehr intereressantes Science Fiction-Erlebnis geworden, das sich wohltuend von den vielen reinen Action-Spektakeln abhebt.

„Ender’s Game – Das große Spiel“ läuft seit dem 24.10.2013 in den deutschen Kinos und erscheint voraussichtlich im Februar/März 2014 auf Blu-ray Disc und DVD.

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