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Kino-Kritik: „Der Mann, der niemals lebte“

(Body of Lies) USA 2008

Studio: Warner Bros.
Deutscher Kinostart: 20.11.2008

Regie: Ridley Scott
Darsteller: Leonardo DiCaprio, Russell Crowe

Inhalt:

Roger Ferris (Leonardo DiCaprio) ist der beste Mann des US-Geheimdienstes: Er bewährt sich in Situationen, in denen das Leben eines Menschen nicht mehr wert ist als die Information, die man aus ihm herausholt. Bei seinen weltweiten Einsätzen hängt Ferris’ Leben oft von der Stimme am anderen Ende einer abhörsicheren Telefonverbindung ab: Sie gehört dem mit allen Wassern gewaschenen CIA-Agenten Ed Hoffman (Russell Crowe).

Hoffman entwickelt seine Strategie per Laptop im Wohnzimmer eines Einfamilienhauses: Er jagt eine neue Leitfigur der Terrorszene, die den Erdball mit einem Bombenteppich überzieht und dabei selbst dem ausgeklügeltsten Geheimdienst-Network der Welt immer wieder Schnippchen schlägt. Um diesen Terroristen aus der Reserve zu locken, muss Ferris sich in dessen finstere Welt einschleusen. Doch je näher er sich an sein Ziel heranarbeitet, desto deutlicher spürt er: Vertrauen ist ein äußerst gefährlicher Luxus – aber auch seine einzige Chance, diesen Einsatz zu überleben…

Bewertung: 90 %

Kaum ein Film zeichnete bislang ein solch düsteres Bild vom "War on Terror" wie Ridley Scotts jüngstes Projekt, welches auf dem Roman des Washington-Post-Autors David Ignatius basiert. Während Scott in "Black Hawk Down" den gescheiterten US-Militäreinsatz in Somalia noch vor ein paar Jahren unter der Ägide von Produzent Jerry Bruckheimer in einem sehr patriotischen Licht zeigte, lässt er in "Der Mann, der niemals lebte" kaum ein gutes Haar an der US-Außenpolitik der Bush-Regierung im Nahen Osten. Die meisten Agenten der CIA werden in diesem Film mindestens ebenso unsympathisch dargestellt wie die Terroristen und ganz am Ende sind es auch nicht die Amerikaner, die der Mission zum gewünschten Erfolg verhelfen.

Während Ferris bei seinen Operationen auf Kenntnis von Land, Leuten und Sprache setzt, um Vertrauen zu gewinnen, agiert der Hardliner Hoffman ohne Rücksicht auf Verluste wie ein Elefant im Porzellanladen und brüskiert bei seinen teils ohne Wissen von Ferris initiierten Operationen nicht nur den verbündeten jordanischen Gemeindienst, sondern opfert auch ohne Skrupel angeworbene lokale Informanten.

Allerdings ist auch Ferris nicht nur der Saubermann, denn die gründlich schiefgehende Idee, einen ahnungslosen Architekten als angeblichen Hintermann eines Sprengstoffanschlags hinzustellen, damit der gesuchte Terroristen-Führer Al-Saleem mit diesem Kontakt aufnimmt, stammt von Ferris selbst.

Während es Russell Crowe recht einfach gelingt, den unsympathischen Agenten darzustellen, der das Schlachtfeld in erster Linie nur von Satellitenbildern kennt, wirkt DiCaprio in seiner Rolle nicht immer vollkommen überzeugend sondern agiert auch teilweise etwas unlogisch und unvorsichtig für jemanden, der ein Top-Agent der CIA sein soll.

Der Film malt keine Schwarz-Weiß-Muster und vermeidet Klischees über die arabische Welt, ist aber weniger ein klassischer Action-Film als ein tiefgründiger Thriller, dessen Handlung vor allem durch die Dialoge vorangetrieben wird. Nachdem der Film anfangs etwas zäh anläuft, entwickelt er im stetigen Konflikt zwischen den gegensätzlichen Charakteren Ferris und Hoffman eine sich steigernde Eigendynamik und bietet ganz zum Schluss sogar noch einen interessanten Wendepunkt.

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