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Kino-Kritik: „Das Bourne-Vermächtnis“

Mit dem "Bourne-Vermächtnis" schlägt Universal nach dem Ende der Bourne-Trilogie ein Kapitel für eine ganz neue Agenten-Serie auf. Jason Bourne war nur einer von vielen Agenten in verschiedenen geheimen Programmen mit denen nur wenige Mitarbeiter der US-Geheimdienste vertraut sind. Aaron Cross (Jeremy Renner) hat zwar keine Probleme mit seiner Identität, steht dafür als "Outcome"-Agent aber unter dem Einfluss zweier Medikamente, die seine körperlichen und geistigen Fähigkeiten enorm fördern. Nachdem durch Jason Bourne einige Enthüllungen über die geheimen Aktionen, die sich auch gegen US-Bürger richteten, ans Licht der Öffentlichkeit kommen, versuchen die Drahtzieher, "Outcome" zu beenden – und damit auch die beteiligten Agenten auszuschalten. Cross kann zwar einem Drohnen-Anschlag entgehen, ist aber auch vom Nachschub der blauen und grünen Pillen abgeschnitten, ohne die seine Kondition ins Nichts absacken würde. Dies bringt ihn auf die Spur der Medizinerin Marta Shearing (Rachel Weisz), die ebenso wie Cross durch Killer-Kommandos der Geheimdienste bedroht wird. Beide begeben sich gemeinsam auf die Flucht, um ein Mittel zu finden, welches Cross die Möglichkeit gibt, auch ohne die Medikamente weiterzuleben…

Mit Jeremy Renner hat Universal einen charismatischen Darsteller für die Erzählung ganze neuer Geschichten in dem bereits durch die "Bourne"-Filme bekannten Agenten-Universum gefunden. Während Jason Bourne sich in der "Bourne-Trilogie" primär mit der Suche nach seiner Vergangenheit beschäftigte ist Aaron Cross ein rauher Vollblutagent mit übermenschlichen Fähigkeiten, der sein Handwerk auch in Extremsituationen vollkommen routiniert beherrscht. Die sehr lang aber interessant inszenierte Einführung in die Handlung verwendet viel Zeit dafür, Cross dem Zuschauer mit vielen Facetten seines Charakters zu präsentieren und bietet in der ersten Stunde gleich viele der besten Action-Szenen des gesamten Films.

Leider verliert "Das Bourne-Vermächtnis" aber an Spannung, nachdem sich Agent Cross zusammen mit der Medizinerin Shearing auf die Flucht begeben hat. Danach folgt die Handlung einem ähnlichen "Verfolgter Agent mit Anhang"-Schema wie man es bereits von den vorherigen Filmen kennt. Rachel Weisz wirkt im Gegensatz zu Jeremy Renner sehr farblos und trotz der langen Dialoge zwischen Cross und der etwas naiv wirkenden Shearing dauert es sehr lange, bis der Zuschauer ganz genau erfährt, was es mit den Medikamenten, die Cross einnimmt, auf sich hat obwohl dies eigentlich bereits in den ersten Minuten zum Verstehen der Handlung wichtig ist. Gerade am Anfang des Films sorgen auch eine Menge Insider-Dialoge der Drahtzieher in den Geheimdiensten schnell für Verwirrung, wenn dem Zuschauer die Einzelheiten der Handlung der Bourne-Trilogie nicht mehr in allen Details präsent sind.

Zwar gewinnt der Film zum Ende wieder an Tempo, doch die Action-Szenen des Showdowns erscheinen trotz der sehr kaschierenden schnellen Schnittfolge zu übertrieben unrealistisch und dabei auch unfreiwillig komisch. Das eigentliche Ende wirkt dann wiederum etwas zu abrupt und lässt befürchten, dass bei einer Fortsetzung neben Jeremy Renner auch wieder Rachel Weisz im Schlepptau auf der Flucht dabei sein dürfte.

"Das Bourne-Vermächtnis" ist kein schlechter Film und bereits die erste halbe Stunde reicht aus, um unbedingt noch weitere Filme mit Jeremy Renner als Aaron Cross sehen zu wollen. Aber dazu sollten sich die Produzenten vom mittlerweile ziemlich ausgelutschten Schema der Nonstop-Verfolgungsjagd lösen und neben einem neuen Helden auch ein paar richtig neue Ideen ins Spiel bringen.

"Das Bourne-Vermächtnis" läuft seit dem 13.09. in den deutschen Kinos und erscheint voraussichtlich Anfang 2013 auf Blu-ray Disc & DVD.

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