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Kino-Kritik: „Captain Phillips“ – Hochsee-Thriller mit Oscar-Ambitionen vom „Bourne“-Regisseur


Richard Phillips (Tom Hanks) ist Kapitän des des US Containerschiffs Mearsk Alabama. Dieses wird im Jahr 2009 von somalischen Piraten rund 440 km vor der somalischen Küste gekapert. Während Anführer Abduwali Muse (Barkhad Abidi) die Brücke des Schiffes stürmt, flüchtet ein Großteil der Crew unter Deck, um sich im Maschinenraum zu verstecken. Phillips bietet den Piraten 30.000 US-Dollar an. Doch diese wittern die ganz große Beute und machen sich auf die Suche nach der versteckten Mannschaft, um ihre Forderungen nach noch mehr Lösegeld durchzusetzen…

Der Film basiert primär auf dem Buch „Höllentage auf See“, welches Richard Phillips im Anschluss an die Ereignisse geschrieben hat. Die Handlungen von Phillips sind durchaus umstritten. So wird ihm teilweise vorgeworfen, Warnungen ignoriert und sehr leichtsinnig das Schiff in die Nähe der somalischen Gewässer gebracht zu haben, obwohl es in der Region bereits zuvor zahlreiche Piraten-Überfälle gegeben hat.

Diese Kontroverse ist aber nicht das Thema des Films von Paul Greengrass. „The Hunger Games“-Autor Billy Ray schrieb ein Drehbuch, welches gekonnt die Regeln des Unterhaltungskinos beachtet und mit gewisser künstlerischer Freiheit einen gestrafften Plot präsentiert, der sich vor allem auf Beziehung zwischen Phillips und Muse konzentriert. Greengrass setzt mit dem starken Einsatz von Handkameras zwar optisch auf einen Doku-Stil. Ansonsten ist „Captain Phillips“ aber vor allem ein packender Thriller, der mit viel Action und einem dramatischem Music Score von Henry Jackman eine spannende Geschichte erzählt, die im Verlauf immer aussichtsloser wird und auf einen fatalen Showdown zusteuert, bei dem es am Ende ums nackte Überleben für alle Beteiligten geht.

Greengrass nimmt sich am Anfang auch einige Zeit, bis er zur Eroberung der „Mearsk Alabama“ kommt und widmet die Vorgeschichte nicht nur Phillips und seiner Crew sondern ebenso den somalischen Entführern, zwischen denen es auch ständig zu Reibereien kommt. Interessant ist dabei, dass die Dialoge der Piraten untereinander auch in der deutschen Synchronfassung nur im Original mit Untertiteln zu hören sind. Der Zuschauer hat so immer einen kleinen Vorteil gegenüber der Besatzung, die nur das versteht, was die Piraten ihnen bewusst mitteilen. Während der Film sich anfangs nur um die Mannschaft der „Mearsk Alabama“ und die Piraten dreht, wird in der zweiten Hälfte auch die US Navy immer präsenter und spielt eine entscheidende Rolle bei der Beendigung der Aktion. Die etwas übertrieben heroische Bildsprache ist dabei typisch für Filme, die mit Unterstützung des Militärs entstanden sind und passt nicht ganz so recht zum ansonsten ziemlich nüchtern präsentierten Rest des Films.

Obwohl „Captain Phillips“ zweifelsohne auch vor dem Hintergrund einer möglichen Oscar-Nominierung entstanden ist, zieht Greengrass sein Action-Konzept konsequent durch und inszenierte den Film mit einer Rohheit, die keinen Platz für rührselige Sentimentalität übrig lässt. Erst in den letzten Minuten erlaubt sich der Film dann doch noch zum Abschluss einen Druck auf die patriotische Tränendrüse und Tom Hanks, der seine Rolle rund zwei Stunden lang sehr souverän durchgespielt hat, darf sich zum Abschluss doch noch einmal von seiner weichen Seite zeigen.

„Captain Phillips“ läuft in Deutschland ab dem 14.11.2013 in den Kinos und wird von Sony voraussichtlich im März/April 2014 auf Blu-ray Disc und DVD veröffentlicht.

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