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Kein Originalton-Zwang im Fernsehen durch die EU geplant

Ein angeblicher Beschluss des EU-Parlaments sorgt für Verwirrung: Gestern hatten unter anderem die Nachrichtenagentur AFP und die Rheinische Post berichtet, dass ARD und ZDF zukünftig dazu verpflichtet werden sollen, nur noch Filme im Originalton mit Untertiteln auszustrahlen.

Was O-Ton-Freunde sicherlich freuen dürfte, die neidvoll auf andere europäische Länder blicken, in denen ausländische Filme nur selten synchronisiert sondern im O-Ton mit Untertiteln ausgestrahlt werden, ist so, wie es die genannten Medien berichten, allerdings nicht Inhalt des Beschlusses des EU-Parlaments gewesen.

Darin fordert das Parlament lediglich die EU-Kommission auf, „einen Legislativvorschlag vorzulegen, mit dem die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender in der EU dazu verpflichtet werden, alle Programme zu untertiteln“ – also nicht nur fremdsprachige Produktionen.

Von Synchronisationen und Originalton-Ausstrahlung ist im Wortlaut des Beschlusses keine Rede. Begründet wird die Entscheidung in erster Linie damit, dass die Untertitelung auch Menschen mit Hörproblemen die Möglichkeit geben soll, das TV-Programm zu verfolgen. Als positives Beispiel wird hier die britische BBC genannt, die sich dazu verpflichtet hat, ab April 2008 ihr gesamtes Programmangebot zu untertiteln. Auch ARD und ZDF bieten jetzt bereits eine elektronische Untertitelung via Videotext oder DVB-Untertitel für viele Sendungen an.

Das Europäische Parlament sieht es aber durchaus als positiven Nebeneffekt einer Untertitelung, „dass dadurch außerdem das Erlernen von Fremdsprachen gefördert wird“.

Die Übertragung von Sendungen im Originalton ist in den deutschsprachigen Nachbarländern Österreich und Schweiz aber durchaus weit verbreitet. So bietet das Schweizer Fernsehen SRG zu fast allen Sendungen auch – sofern vorhanden – alternativ eine Originaltonspur an. Durch die Verschlüsselung ihrer Programme haben diese Sender auch die Möglichkeit, den Originalton via Satellit zu übertragen.

Gerade diese Verschlüsselung sorgt aber auch dafür, dass heutzutage EU-Bürger in vielen Fällen gar nicht die Möglichkeit haben, sich direkt über das Geschehen in den TV-Programmen anderer Länder zu informieren.

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