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HDCP-Kopierschutz jetzt auch praktisch geknackt

Einem Forscher-Team der Arbeitsgruppe für Sichere Hardware um Prof. Dr.-Ing. Tim Güneysu an der Ruhr-Universität Bochum ist es nach eigenen Angaben gelungen, Intels HDCP-Kopierschutz zu umgehen und mittels eines speziellen Decoder-Boards das Bild eines Blu-ray Disc-Players auch auf einem Display ohne HDCP darzustellen. Bereits 2010 wurde im Internet ein "HDCP Master Key" veröffentlicht, der die Generierung gültiger Geräteschlüssel ermöglicht. Intel argumentierte im letzten Jahr noch, der Aufwand für eine praktische Anwendung wäre sehr hoch, da erst ein Chip produziert werden müsste, der in Geräte verbaut wird.

Die Bochumer Forscher haben jetzt eine einfachere Lösung gefunden, deren Materialkosten gerade einmal bei rund 200 EUR liegen sollen und ohne teure Chips auskommt: „Auf Basis eines günstigen FPGA-Boards haben wir stattdessen eine eigenständige Hardwarelösung entwickelt“, so Tim Güneysu, der sich gemeinsam mit Diplomand Benno Lomb ans Werk machte. „So konnten wir die HDCP-verschlüsselten Datenströme abgreifen, entschlüsseln und die digitalen Inhalte an einen ungesicherten Bildschirm oder ein entsprechendes HDMI 1.3-fähiges Aufnahmegerät senden.“ Zum Einsatz kam das ATLYS-Board der Firma Digilent mit einem Xilinx Spartan-6 FPGA (Field-Programmable Gate Array), das über die notwendigen HDMI-Schnittstellen und einen seriellen RS232-Port zur Kommunikation verfügt.

Güneysu betont aber, dass es bei dem Projekt nicht darum gegangen sei, einen einfachen Weg zum Erstellen illegaler Kopien zu finden. „Unsere Absicht war es vielmehr, die Sicherheit des HDCP-Systems grundlegend zu untersuchen und den tatsächlichen Aufwand für den kompletten Knockout finanziell zu bemessen“, erklärt der Professor. Er ist zudem der Auffassung, dass diese Methode für Raubkopierer in der praktischen Anwendung aufgrund einfacherer Alternativen eher uninteressant sei. Denn die Audio & Video-Daten müssten zur Anfertigung einer Kopie erneut kodiert werden was wesentlich umständlicher ist Methoden, bei denen das Ausgangsmaterial direkt in einem abspielbaren Format kopiert wird.

Eine tatsächliche Bedrohung sehen die Wissenschaftler jedoch für sicherheitskritische Systeme etwa bei Behörden oder im militärischen Bereich. Obwohl Intel bereits mit seinem HDCP 2.0 ein neues Sicherheitssystem anbiete, bleibt nach Auffassung von Tim Güneysu die Schwachstelle aber aufgrund der Abwärtskompatibilität auch in den kommenden Jahren problematisch.

Im Unterschied zu dem eigentlichen AACS-Kopierschutz, mit dem die Inhalte von Blu-ray Discs versehen werden, verschlüsselt HDCP nur die Übertragung zwischen zwei Geräten über einen HDMI-, DVI- oder Display Port-Anschluss. Copy-Tools, die AACS aushebeln und somit das digitale Kopieren der komprimierten Video- und Audiodaten ermöglichen, gibt es bereits seit längerer Zeit, dürfen aber in Deutschland nicht verkauft werden.

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