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Filmkritik: „The Revenant – Der Rückkehrer“

Der Trapper Hugh Glass (Leonardo Di Caprio) ist zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit einer Gruppe der „Rocky Mountain Fur Company“ auf der Jagd nach Pelzen und wird bei einem Angriff eines Bären schwer verletzt.  Der ehemalige Soldat John Fitzgerald (Tom Hardy) sieht Glass dem Tode geweiht und überlässt ihn seinem Schicksal. Glass kann sich aber trotz vieler blutender Wunden am Leben erhalten. Glass sinnt auf Rache und folgt der Gruppe hinterher, um Fitzgerald umzubringen, der auch das Leben seines Sohnes auf dem Gewissen hat. Doch auf dem Weg durch die eisige Kälte des Winters lauern zahlreiche Hindernisse auf Glass, die sein Leben immer wieder erneut in Gefahr bringen …

Mit „Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“ räumte Alejandro G. Iñárritu 2015 gleich mehrere Oscars ab und „The Revenant“, dessen Dreharbeiten bereits 2014 begannen, gehört 2016 ebenfalls zu den großen Favoriten. Iñárritu schickte seine Crew für die Aufnahmen des Films in eisig kalte Regionen der USA, Kanadas und Argentiniens, wo Leonardo Di Caprio und die weiteren Darsteller bei tiefem Frost an ihre körperlichen Grenzen stießen. Und da es bei den Oscars oft nicht nur um Darstellungsqualitäten sondern den Leidensweg geht, den Schauspieler bereit sind, für einen Film zu gehen, dürfte Di Caprio diesmal so gute Chancen wie noch nie auf seine erste Auszeichnung haben.

Leider hat man aber auch bei „The Revenant“ ebenso wie bereits bei „Birdman“ den Eindruck, als ob Iñárritu sich mehr um das ganze Drumherum als den Inhalt seines Films gekümmert hätte.  So war eine der Vorgaben bei den Dreharbeiten, dass nur mit natürlichem Licht gedreht und auf künstliche Beleuchtung verzichtet wurde.

Während Iñárritu in seinem Debüt-Film „Amores Perros“ eine sehr komplexe Geschichte trotz Überlänge spannend erzählte ist „The Revenant“ mit 156 Minuten Laufzeit viel zu handlungsarm und langatmig inszeniert.

Der Film bietet zwar einige dramatische Momente wie den Angriff des Bären, die Konfrontation mit Fritzgerald und die stets neuen Torturen, die Di Caprio auf sich nimmt. Und in der Darstellung der Gewalt ist „The Revenant“ auch alles andere als zimperlich.

Doch leider füllt Iñárritu zuviel Freiraum zwischen den dramatischen Momenten nicht nur mit schönen Landschaftsaufnahmen der eisigen Kälte aus sondern auch mit sich oft wiederholenden Momenten, in denen Di Caprio nur wortkarg sein Leiden zur Schau stellt oder ihm Erinnerungen an frühere Zeiten in den Kopf kommen.

Iñárritu fordert seine Darsteller ziemlich heraus. Neben der Dauer-Kälte rückt die Kamera den Darstellern oft so hautnah ans Gesicht, dass diesen höchste Konzentration abgefordert wird. Diese extrem dynamische Kamera-Arbeit mit einigem Gewackel macht eine wirkliche filmische Immersion für den Zuschauer aber kaum möglich. Iñárritus Kameramann Emmanuel Lubezki treibt diese Ablenkungen mit vielen LensFlares sowie beschlagenen und mit Wasser und Blut befleckten Kamera-Linsen sogar noch weiter auf die Spitze.

Dass „The Revenant“ trotzt des quälend langsamen Erzähltempos doch noch etwas Atmosphäre entwickeln kann, ist vor allem ein Verdienst des Music Scores von Ryuichi Sakamoto, der mit Naturgeräuschen und teilweise sehr verstörenden Klängen des Elektronik-Künstlers Alva Noto angereichert wurde. Ausgerechnet diese haben aber keine Chancen auf einen Oscar, da die Academy bereits eine Aufnahme in die Vorauswahl verweigert hatte.

Die Reihe der Torturen wird in der zweite Hälfte immer aberwitziger, aber immerhin bekommt der Zuschauer am Ende von zweieinhalb Stunden einen sehr harten Showdown präsentiert, der wenigstens das Finale noch mit ein paar Twists und Spannung versieht.

„The Revenant“ läuft seit dem 6. Januar 2016 in den deutschen Kinos und erscheint voraussichtlich im Mai/Juni auf Blu-ray Disc & DVD.

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