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Filmkritik: „Kingsman – The Secret Service“ – Wer braucht da noch James Bond?

Eggsy Unwin (Taron Egerton) ist eigentlich hochintelligent, aber dennoch auf dem besten Wege dahin, ein Leben als Raufbold mit langer Polizeiakte zu führen. Da bietet ihm der geheimnisvolle Harry Hart (Colin Firth) die Chance, an einem Training teilzunehmen, mit der Aussicht darauf, ein „Kingsman“ zu werden. Hierbei handelt es sich um einen kleinen privaten Geheimdienst, der an allen Ecke der Welt für Ordnung sorgt und dabei diskret im Hintergrund bleibt. Doch nicht nur muss sich Eggsy im harten Training gegen die anderen Kandidaten behaupten. Der geheimnisvolle Milliardär Valentine (Samuel L. Jackson) arbeitet bereits an einem Komplott, um die ganze Welt ins Chaos zu stürzen…

Was wäre eigentlich aus James Bond geworden, wenn sich die Bond-Produzenten nicht dazu entschieden hätten, die Filme der Craig-Ära einfach nur düsterer und kompromissloser zu machen und dafür auch den Gentleman-Charakter aufs Minimum zu reduzieren sondern sich stattdessen der Tradition der Sean Connery-Klassiker wieder genähert hätten – und zwar noch härter, actionreicher und durchgeknallter?

So ungefähr kann man sich die Ausgangssituation von „Kingsman“ vorstellen, der leicht verändert auf der Comic-Reihe „The Secret Service“ von Mark Millar basiert und genau den Mix aus Ernst und Lockerheit verkörpert, mit dem bereits Marvel seine Comic-Adaptionen zum Erfolg brachte.

Regisseur Matthew Vaughn, der von Millars Comic-Vorlage so begeistert war, dass er dafür „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ aufgab, fügt dem Ganzen noch Halbwelt-Gestalten (mit im Original rauhen britischen Akzenten) vom Typ seiner früheren Filme wie „Bube, Dame, König, grAS“ oder „Snatch“ hinzu und wird auch nicht müde, gekonnt klassische Muster der alten James Bond-Filme zu übernehmen oder durch den Kakao zu ziehen. Auch wenn der Trailer einen Großteil der Geschichte bereits abdeckt, so erzählt er doch nur einen Bruchteil dessen, was den Zuschauer wirklich erwartet.

Statt Aston Martin muss sich Eggsy mit einem Londoner Taxi begnügen und ein richtiges „Kingsman“-Girl gibt es nicht – dafür aber immerhin eine sehr dankbare schwedische Prinzessin und an Glamour und Stil mangelt es „Kingsman“ auch nicht.

Der Film liefert Überraschungen am laufenden Ende und der in erster Linie als Charakterdarsteller bekannte Colin Firth liefert hier harte Action-Stunts ab, die selbst die Timothy Dalton-Bonds wie Kinderfilme erscheinen lassen. Nicht fehlen darf natürlich auch ein überlebensgroßer Bösewicht (Samuel L. Jackson), der gleich die ganze Welt in den Untergang treiben will, mit seiner Lispelstimme aber trotzdem nicht wirklich ernst genommen werden kann. In weiteren Nebenrollen sind u.a. Michael Caine als großer Senior der „Kingsman“, Mark Strong als tougher Ausbildungsleiter und „Star Wars“-Legende Mark Hamill zu sehen.

Trotz der vielen abgefahrenen Gags wirkt „Kingsman“ aber nie albern, sondern auch gerade aufgrund der atemberaubenden Kamerasequenzen wie ein bombastischer Film, der den Anfang zu etwas ganz Großem bilden könnte.

Daniel Craig wird sich warm anziehen müssen. Denn „Kingsman“ bietet den perfekten Mix aus Glamour und Action, der den James Bond-Filmen in den letzten Jahren abhanden gekommen ist, nachdem man in der Brosnan-Ära mit High Tech und Blödeleien den Anschluss an neue Helden-Agenten wie Jason Bourne verpasst hatte.

Nachdem „Kingsman“ bereits über 260 Millionen USD weltweit eingespielt hat, wird eine Fortsetzung hoffentlich nicht allzulange auf sich warten lassen.

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