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Filmkritik: „Kill the Messenger“

Kill the Messenger

In den 1980er Jahren finanziert die US-Regierung mit geheimen Waffenverkäufen an den Iran die Contra-Rebellen in Nicaragua in ihrem Kampf gegen die linksgerichtete sandinistische Regierung. Rund zehn Jahre nach der „Iran/Contra“-Affäre erfährt der Journalist Gary Webb von einem Drogendealer, der mit Duldung der CIA große Mengen Kokain nach Los Angeles geschmuggelt und die Einnahmen zur Finanzierung der Contras verwendet haben soll.

Webb, der für die kleine Zeitung San Jose Mercury News arbeitet, untermauert seine Recherchen durch Dokumente und Zeugenaussagen. Nach der Veröffentlichung seiner „Dark Alliance“-Artikelreihe wird Webb zunächst groß gefeiert und erhält auch Auftritte im Fernsehen. Für Aufsehen sorgt insbesondere der Verdacht, die CIA könnte mitverantwortlich für die massive Verbreitung von Crack in den Schwarzenvierteln von Los Angeles gewesen sein.

Doch nach mehreren Wochen wendet sich das Blatt: Webb gerät unter Kritik, keine glaubwürdigen Quellen für seine Vorwürfe zu haben, die von der CIA dementiert werden. Webb gerät zunehmend unter Rechtfertigungszwang und als auch die eigene Redaktion sich von ihm distanziert, ist er auf sich alleine gestellt, um neue handfeste Beweise für seine Geschichte zu finden …

„Kill the Messenger“ ist ein klassischer Polit-Thriller im Stile von Filmen wie „Die Unbestechlichen“ über die Enthüllung der Watergate-Affäre. Mit einer prominenten Besetzung von Jeremy Renner in der Hauptrolle bis hin zu vielen kleinen Nebenrollen mit bekannten Gesichtern wie Andy Garcia, Michael Sheen, Rosemarie DeWitt oder Ray Liotta hat „Kill the Messenger“ genügend Star-Power. Doch als Michael Cuestas Film im Herbst 2014 in den USA anlief, fand dieser kaum Beachtung und somit ist es erstaunlich, dass „Kill the Messenger“ ein Jahr später überhaupt noch in den deutschen Kinos zu sehen ist statt direkt als Blu-ray Disc/DVD-Premiere in den Handel zu kommen.

Der Film hat zwar wenig Action zu bieten. Doch trotzdem wird die Geschichte von Webbs Recherchen und seine Konfrontation mit offiziellen Regierungsstellen sehr spannend erzählt. Aber „Kill the Messenger“ ist keine typische Reporter-Heldengeschichte und es gibt auch kein Happy End. So erzählt der Film in der zweiten Hälfte vor allem, wie Webbs Privatleben und seine Ehe immer stärkeren Belastungsproben ausgesetzt werden. Das ist nicht ganz so spannend wie die erste Hälfte, gehört aber mit zur Geschichte Gary Webbs, dessen Leben 2004 tragisch endete, ohne dass es ihm gelang, seine Reputation wieder zurück zu gewinnen.

Jeremy Renner zeigt wieder einmal, dass er nicht nur in großen Action-Filmen gut aufgehoben ist sondern auch ernstere Rollen glaubwürdig tragen kann. „Kill the Messenger“ ist zwar überwiegend mehr Drama als Thriller, aber dennoch ein überzeugend inszenierter Film, den man auf jeden Fall einmal gesehen haben sollte.

„Kill the Messenger“ läuft seit dem 10.09. in den deutschen Kinos und erscheint voraussichtlich im Januar 2016 auf Blu-ray Disc & DVD.

Bildquelle: Universal

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