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Filmkritik: „Guardians of the Galaxy“

1988: Peter Quill hat einen schlechten Tag erwischt. Erst stirbt seine Mutter und gerade, als er das Krankenhaus verlässt, landet ein Raumschiff auf der Erde und entführt den Jungen. 26 Jahre später: Das einzige, was Peter noch als Erinnerung an die Erde hat, ist ein Walkman mit dem „Awesome Mix Tape Vol. 1“ seiner Mutter. Unter dem Namen „Starlord“ ist Peter inzwischen als Weltraumpirat in der weiten Ferne der Galaxis unterwegs und stiehlt aus einer untergegangenen Stadt den „Orb“. An der Metallkugel haben jedoch noch ganz andere Gestalten aus fremden Welten Interesse, die Quill auf dem Planeten Xandar auf die Schliche kommen. Es kommt zu einem Gemetzel mit der Killerin Gamora, dem Waschbär Rocket und dem Baumwesen Groot, die beide auf das Kopfgeld für Quill scharf sind. Der Konflikt wird durch die Polizei beendet, die alle Streithähne ins Gefängnis wirft. Wohl oder übel muss sich das Quartett zusammenraufen, um nicht im Gefängnis zu schmoren und macht dabei die Bekanntschaft mit dem muskelbepackten Drax, der mit Gamoras Auftraggeber noch eine Rechnung offen hat….

Mit den „Guardians of the Galaxy“ bringt Marvel den ersten Film einer etwas unbekannteren Truppe von Comic-Helden ins Kino. Die recht simple Handlung des Films bietet kaum Spannung und sie ist auch nicht sonderlich wichtig. Die geheimnisvolle Kugel ist eigentlich nur das Vehikel für eine Rahmenhandlung, die die Helden in Kämpfe mit gleich mehreren fremden Mächten verwickelt. Es folgt das typische Action-Spektakel, welches mit 122 Minuten Gesamtlaufzeit nicht übermäßig lang ausfällt.

Was „Guardians of the Galaxy“ auszeichnet und dennoch zu einem der besten Marvel-Filme der letzten Jahre macht, sind die schrägen Charaktere, das Science Fiction-Ambiente im „Space Opera“-Stil, viel Humor mit Mut zum Trash und ein Soundtrack voller schnulzig-schlimmer 70er Jahre-Songs, die immer einen amüsanten Kontrast zum Geschehen auf der Leinwand bieten. Während es sich Marvel bei anderen Filmen vor allem mit Insider-Witzen recht einfach macht, entwickelt „Guardians of the Galaxy“ einen ganz eigenen Humor aus verschiedenen Elementen.

Während Gamora und Drax eher harte Brocken sind, sind Quill, Rocket und Groot ziemlich bizarre Gestalten, die für die meisten Lacher im Film sorgen. Der in der Originalversion von Vin Diesel gesprochene Groot ist recht einsilbig und kann nur seinen Namen sagen, der aus einem Genversuch hervorgegangene Rocket ist ein Technik-Genie und Waffenspezialist mit Minderwertigkeitskomplexen und Quill ist selbst in brenzligen Situationen ein Meister des Fremdschämens. Andererseits opfer er sich zum Äußersten auf, insbesondere dann, wenn es um seinen Walkman geht, der Quill über alles heilig ist.

„Guardians of the Galaxy“ hat eine Menge Showwerte zu bieten und präsentiert viele imposante Sets auf fremden Planeten. Alles wirkt dabei ein wenig schmuddelig. Die Kulissen, die Darsteller und die nicht immer jugendfreien Dialoge umgibt immer ein leiser Hauch von Trashigkeit. Auch dass es sich nicht um einen überlebengroßen Helden sondern ein Team dreht, in dem jedes Mitglied im Wechsel immer wieder seine besonderen Momente zum Glänzen erhält, erweist sich als Glücksgriff.

Die Parallelen zu „Star Wars“ sind mehr als offensichtlich, aber trotzdem hat „Guardians of the Galaxy“ so viel eigenen Charakter, dass dies gar nicht stört – zumal es auch keine Nervensäge wie Jar Jar Binks gibt. Die meisten wichtigen „Space Opera“-Komponenten sind vorhanden. Raumschiffe, finstere Welten und Phantasieplaneten bekommt man auch schon zu sehen. Was im ersten „Guardians of the Galaxy“-Film nur noch fehlt, sind die grandiosen Weltraumschlachten.

Bereits jetzt ist „Guardians of the Galaxy“ in den USA der erfolgreichste Film des Jahres und die Chancen dürften nicht schlecht stehen, in den nächsten Wochen auch international noch „Transformers 4“ vom Thron zu stoßen.

Es bleibt zu hoffen, dass auch im nächsten bereits für den 27.07.2017 geplanten zweiten „Guardians of the Galaxy“-Film die Figuren sich nicht zu sehr als große Helden aufspielen sondern zumindest ein klein wenig von ihrem Underdog-Image und dem kuriosen Humor behalten, der das Erfolgsgeheimnis dieses Films ist. Und wenn das Ganze dann auch noch hoffentlich etwas mehr Spannung bietet, dürfte der nächste Kassenhit schon vorprogrammiert sein.

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