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Filmkritik: „Bridge of Spies – Der Unterhändler“

Bridge of Spies

James B. Donovan (Tom Hanks) ist Rechtsanwalt in New York und eigentlich auf Versicherungsrecht spezialisiert. Als 1957 der russische Spion Rudolf Abel (Mark Rylance) auff‎liegt, soll der bereits an den Nürnberger Prozessen beteiligte Donovan die Pflichtverteidigung übernehmen, damit nach aussen hin die USA zeigen können, dass in Amerika jeder ein faires Verfahren bekommt. Angesichts der Konfrontation des Kalten Krieges und der allgegenwärtigen Furcht vor einem Atomkrieg ist der Schuldspruch aber vorprogrammiert und niemand hat ein ernstes Interesse an einem Prozess nach den Regeln des Gesetzes. Donovan nimmt seinen Job dennoch ernster als gewünscht und er kann Abel zumindest vor der Todesstrafe bewahren. 1961 wird Abel zum Faustpfand im Austausch gegen den über der Sowjetunion abgeschossenen U2-Spionagepiloten Francis Gary Powers (Austin Stowell). Die US-Regierung benötigt für die diskreten Verhandlungen mit der Sowjetunion in der DDR einen Vertreter ohne offizielle Regierungsfunktion der somit zur Not, wenn alles schief gehen sollte, keinen Schaden für die amerikanische Seite verursachen kann. Als dann noch ein US-Student während des Mauerbaus in Ost-Berlin unter Spionageverdacht festgenommen wird und Donovan versucht, diesen ebenfalls freizubekommen, verwickelt er sich in ein gefährliches Mächtespiel zwischen drei Staaten, in dem er vollkommen auf sich alleine gestellt ist und auf den Straßen Ost-Berlins nicht einmal vor der Willkür der Grenzsoldaten geschützt ist …

Steven Spielberg erzählt in „Bridge of Spies“ ähnlich wie in „Schindlers Liste“ oder „Der Soldat James Ryan“ eine Geschichte über einen vergessenen Helden der Geschichte. Mit Unterstützung der Coen-Bruder nutzte Spielberg ein Drehbuch, welches für nahtlos spannende Unterhaltung sorgt obwohl die Handlung fast nur durch die Dialoge voran getragen wird. Obwohl die Ereignisse des Films sich insgesamt über einen Zeitraum von sechs Jahren hinziehen, lässt die dramaturgische Komprimierung der Ereignisse die Geschichte wie aus einem Guss erscheinen. Spielberg vermischt die verschiedenen Handlungsstränge nahtlos miteinander und bringt die eisige Atmosphäre des Kalten Krieges auch fast ganz ohne „Action“ lebendig auf die Leinwand.

Trotzdem wird der Film durch die Figur von Tom Hanks auch immer von einer Leichtigkeit und einem Humor‎ in kurzen Momenten getragen, die auch für Spielbergs ernste Filme typisch sind. Tom Hanks hat inzwischen auch ein Alter erreicht, in dem man ihm eine solche Rolle wie zuvor bereits in „Catch Me If You Can“ ohne weiteres abnimmt und er auch eine gewisse Autorität ausstrahlt. Während der Film in der ersten Hälfte vor allem ein Gerichtsdrama ist, das indirekt durch die mitschwingende Message nach der Förderung nach einem fairen Prozess für alle auch einen zeitlosen gesellschaftspolitischen Bezug bekommt, wird „Bridge of Spies“ in der zweiten Hälfte vor allem durch die düstere Atmosphäre zur Zeit des Mauerbaus geprägt. Dabei erfolgte auch ein Großteil der Dreharbeiten in Deutschland unter Beteiligung einiger deutscher Schauspieler wie Sebastian Koch und insbesondere der Showdown auf der in Vorwendezeiten geheimnisumwobenen Glienicker Brücke zwischen Berlin und Potsdam bringt die frostige Stimmung des Kalten Krieges beeindruckend zurück. Nur die künstliche untersättigte Optik der Bilder stört etwas den authentischen Look des Films.

Zum Glück verzichtet Spielberg bei „Bridge of Spies“ auch auf übermäßigen Kitsch und Pathos. Für Flaggengewedel gibt es auch keinen Anlass, denn Donovan steht lange Zeit zwischen allen Stühlen und wird von weiten Teilen der amerikanischen Bevölkerung angefeindet. Lediglich in den letzten Minuten wird Donovan etwas deutlicher als Helden-Figur präsentiert. Das erfolgt aber so dezent, dass es kaum stört.

„Bridge of Spies“ läuft seit dem 26.11.2015 in den deutschen Kinos und erscheint voraussichtlich im März/April 2016 auf Blu-ray Disc und DVD.

Bildquelle: Fox

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