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Filmkritik: „Auge um Auge“ – Christian Bale als erbarmungsloser Rächer

Während Russel Baze (Christian Bale) im schließungsbedrohten Stahlwerk eines kleinen Provinznestes schuftet, kämpft sein vom Einsatz im Irak desillusionierter jüngerer Bruder Rodney (Casey Affleck) lieber bei getürkten Fights in verlassenen Hallen, um über die Runden zu kommen und seine chronischen Schulden bei dem zwielichtigen Buchmacher John Petty (Willem Defoe) loszuwerden. Rodney soll dabei einen überzeugenden Kampf liefern, um dann im richtigen Moment seinen Gegner gewinnen zu lassen. Der zornige Rodney ist in seinem Elan aber nicht so einfach zu bremsen, was ihm und Petty bei einem Fight für den brutalen Gangster Harlan DeGroat (Woody Harrelson) zum Verhängnis wird. Beide werden von DeGroat getötet, der in seinem Heimatort von der Polizei unbehelligt bleibt. Also sinnt Russel Baze auf Rache und knöpft sich DeGroat selbst vor…

„Auge um Auge“ (Out of the Furnace) ist der zweite Film von Scott Cooper und zeigt ähnlich wie dessen Regie-Debüt „Crazy Heart“ eine ziemlich düstere Welt. Christian Bale spielt einen gutmütigen Loser, der trotz einiger harter Schicksalsschläge darum bemüht ist, sauber über die Runden zu kommen und seinen persönlichen Frieden zu finden. Erst als er keinen Ausweg mehr sieht, weil die Polizei den Mörder seines Bruders nicht in die Hände bekommt, greift er zur Selbstjustiz und macht erbarmungslos Jagd auf DeGroat. „Auge um Auge“ vermittelt durch den Trailer den Eindruck, dass es sich hier um einen harten Thriller handelt. Das stimmt auch im Kern, aber hier geht es nicht in erster Linie um Action, sondern der Film hat einen sehr langen Vorlauf, bis er zum eigentlichen Thema kommt. Zunächst erzählt „Auge um Auge“ eine über mehre Jahre angelegte Vorgeschichte, die sehr ruhig inszeniert wurde und die verschiedenen Charaktere vorstellt, die dann in der zweiten Hälfte wieder aufeinander treffen. Neben Christian Bale und Casey Affleck ist „Auge um Auge“ auch in den Nebenrollen mit Willem Defoe und Woody Harrelson hervorragend besetzt, die ihre schmierigen bis boshaften Rollen brillant spielen. In etwas kleineren Rollen sind ausserdem Zoë Saldaña, Forest Whitaker und Sam Shepard zu sehen. Das grandiose Darsteller-Ensemble und die zwischen Drama und Thriller sehr ausgewogene Inszenierung lassen auch das etwas überraschend simple Finale verzeihen, welches man nach dem geschickt angelegten Vorlauf eigentlich etwas cleverer hätte erwarten können. „Auge um Auge“ wird wahrscheinlich auch nicht bei jedem Zuschauer gleichermaßen gut ankommen. Wer vor allem Spannung und Action erwartet, bekommt diese in Scott Coopers Film nur in leichten Dosen geboten, der sich mehr darauf konzentriert, mit seiner Erzählung auch exemplarisch den wirtschaftlichen Niedergang traditioneller Industriestandorte in der Provinz durch die Globalisierung aufzuzeigen.

„Auge um Auge“ läuft seit dem 03.04.2014 in den deutschen Kinos und erscheint voraussichtlich im August auf Blu-ray Disc & DVD.

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