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DVB-T2: Erste Senderstandorte für HDTV via Antenne stehen fest (Update)

TV Sender DVB-T FMT

Der Sendernetzbetreiber Media Broadcast hat erste konkrete Informationen zum Start des HDTV-Sender-Angebots über die neue DVB-T2 HD-Plattform in einzelnen Regionen bekannt gegeben. Während bislang nur sehr allgemein von einer Verbreitung des ab 2016 geplanten Pilotangebots von vielen Standorten in den Ballungszentren die Rede war, wurde jetzt unter http://www.dvb-t2-news.de/phasing.html eine voraussichtliche Sendernetzabdeckungskarte für ganz Deutschland veröffentlicht.

Demnach wird das geplante Pilotangebot mit ersten HDTV-Sendern mit HEVC/H.265-Kompression bereits ab Juli 2016 in vielen Regionen empfangbar sein. Dieses soll sowohl erste öffentlich-rechtliche als auch private Sender umfassen.

Zwar befinden sich die geplanten Senderstandorte der Privatsender in der Tat vorwiegend in Ballungsräumen. Regional werden dabei aber auch teilweise recht große Flächen versorgt. Davon profitieren vor allem Bewohner weiter Teile Norddeutschlands und Nordrhein-Westfalens.

Größere Lücken gibt es hingegen zum Start in Bayern, wo zunächst nur die Regionen München und Nürnberg mit DVB-T2 versorgt werden sowie im südlichen Baden-Würrtemberg, dem nördlichen Hessen und westlichen Thüringen.

Auch in der bis Dezember 2019 geplanten finalen Ausbauphase wird das private HDTV-Senderangebot nicht flächendeckend in Deutschland empfangbar sein. So bleiben u.a. weite Teile des nördlichen Bayerns, des südlichen Baden-Würrtembergs, das westliche Mecklenburg-Vorpommern und ein Großteil der Nordseeküsten von Schleswig-Holstein und Niedersachsen ohne privates HDTV-Senderangebot via DVB-T2.

Trotzdem werden die Privatsender bis 2019 in mehr Regionen empfangbar sein als das heutige private DVB-T-Angebot. Im Unterschied zu heute werden die Privatsender allerdings überwiegend verschlüsselt und nur gegen Bezahlung empfangbar sein. Derzeit ist die Rede von einem monatlichen EUR-Betrag im mittleren einstelligen Bereich. Während der Pilotphase soll der Empfang noch kostenlos sein. Erst mit dem für das 1. Quartal 2017 geplanten Start des kompletten Senderangebots soll das Angebot kostenpflichtig werden.

Der Ausbau des frei empfangbaren DVB-T2-Angebots der öffentlich-rechtlichen Sender erfolgt bis 2019 auch an Senderstandorten, die nicht mit den privaten Programmen versorgt werden.

Media Broadcast setzt auf eine Verschlüsselungstechnik von Irdeto. Die Freischaltung der Sender kann entweder auf dem klassischen Weg über ein Modul mit Smartcard für den CI+ Slot erfolgen. Gleichzeitig bietet das Irdeto-System aber auch die Möglichkeit einer Entschlüsselung über ein in den TV-Empfänger integriertes Entschlüsselungssystem, welches ohne Karte funktioniert. Dafür wird derzeit noch an den Spezifikationen für die Geräte-Industrie gearbeitet, die auch den Einsatz in mobilen Empfangsgeräten vorsehen.

Insgesamt wird DVB-T2 HD bundesweit über sechs Multiplexe auf verschiedenen Frequenzen verbreitet werden. Da aufgrund der Frequenzversteigerung für den Mobilfunk das 700 MHz-Band geräumt wird, erfolgt die Ausstrahlung auf Frequenzen im darunter liegenden UHF-Bereich. Für ARD und ZDF stehen drei DVB-T2-Multiplexe zur Verfügung. Noch ist das genaue Sender-Angebot nicht bekannt, aber bei einer Kapazität von 5-7 HDTV-Sendern pro Kanal ist davon auszugehen, dass ein Großteil des bisherigen Satelliten-Angebots von ARD & ZDF auch via DVB-T2 zu empfangen sein wird.

Den Privatsendern stehen über die Media Broadcast-Plattform insgesamt drei Frequenzen zur Verfügung. Diese werden nicht nur von HDTV-Sendern sondern auch SD-Programmen genutzt werden. Laut Media Broadcast wird mit einem Senderangebot zwischen 20-30 privaten HD- und SD-Sendern zu rechnen sein. Dazu gehören neben den wichtigsten Programmen von RTL und ProSiebenSat.1 auch noch weitere Sender.

ZDF und RTL haben bereits angekündigt, ihre Programme in Full HD-Auflösung mit 1080p (1920 x 1080 Pixel) auszustrahlen. Im Rahmen des Berliner DVB-T2-Pilotbetriebs wird jetzt bereits die 1080p-Ausstrahlung getestet. Weitere Formate, die die Sender nutzen können, sind 1080i, 720p und 540p. Via Satellit und Kabel wird das ZDF weiterhin in 720p senden. RTL wird auch bei DVB-T2 HD an seinen Restriktionen für die zeitversetzte Wiedergabe seiner HDTV-Programme festhalten, die das Überspringen von Werbeblöcken unterbinden.

Fernseher, die die DVB-T2 HD-Spezifikationen erfüllen, sollen durch ein grünes Logo gekennzeichnet werden. Bislang sind dies vor allem einige neue Ultra HD-Fernseher aus dem Modelljahr 2015 – z.B. von Panasonic, Sony, Samsung oder LG. Von Samsung sind aber auch bereits die meisten Full HD-Fernseher des Jahrgangs 2015 für den DVB-T2 HD-Empfang mit HEVC geeignet.

Update: Laut einer Aussage von Media Broadcast-Produktmanager Stefan Schinzel gegenüber Golem.de sollen zwar bereits viele TV-Hersteller DVB-T2-taugliche Fernseher mit HEVC verkaufen aber diese Funktion aus lizenzrechtlichen Gründen noch nicht aktiviert haben. So sollen z.B. alle UHD-Fernseher von LG mit webOS-Betriebssystem ab Markteinführung im April 2014 mit einem Firmware-Update für den DVB-T2/HEVC-Empfang tauglich gemacht werden können.

In der derzeitigen Testphase gibt es allerdings auch nur wenige Regionen, in denen bereits einzelne DVB-T2-Testsender im Betrieb sind, so z.B. in Berlin, München und der Region Köln/Bonn.

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