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Berliner Medienaufsicht fordert RTL zu weiterer DVB-T-Ausstrahlung auf

Der Medienrat der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) hat die Mediengruppe RTL am 31. Januar zur Fortführung der DVB-T-Verbreitung aufgefordert. Mit der Ankündigung, Ende 2014 die Verbreitung über DVB-T einzustellen, stelle RTL sein betriebswirtschaftliches Ziel der Einsparungen in den Vordergrund und habe dabei die Interessen seiner Zuschauer (noch) nicht genügend berücksichtigt, hieß es bei der MABB. Die Zuschauer hätten in Ballungsräumen wie Berlin, anders als im ländlichen Raum, meist nicht die Alternative des Satellitenempfangs, für den RTL die unverschlüsselte Verbreitung für die nächsten zehn Jahre gegenüber dem Bundeskartellamt zugesagt hat. In Berlin empfängt gut jeder fünfte Haushalt sein Fernsehsignal über DVB-T. Für rund die Hälfte dieser Haushalte ist es der ausschließliche TV-Übertragungsweg. Medienrat und der Direktor der MABB haben RTL nun aufgefordert, die Verbreitung über DVB-T so lange fortzuführen, bis das offene Internet bei der Versorgung innerhalb von Gebäuden seine Funktion übernehmen kann und Verbrauchern wie Inhalteanbietern neue Möglichkeiten bietet. Davon zu trennen sei die Versorgung mit Fernseh- und Videoinhalten für die portable und mobile Nutzung außerhalb von Gebäuden und damit zusammenhängend die künftige Nutzung der bisher für DVB-T in Anspruch genommenen Frequenzen.

Berlin hat vor zehn Jahren als erste Stadt weltweit das analoge Antennenfernsehen abgeschaltet. Heute sei absehbar, dass Deutschland als erstes Land aus der terrestrischen Rundfunkversorgung aussteigt, hieß es bei der MABB. Dies dürfe nun aber nicht bedeuten, dass die Verbraucher in Ballungsräumen ausschließlich auf Kabel und IPTV mit ihren laufenden Entgelten angewiesen sein müssen. Es müsse eine Alternative zu diesen Abonnementmodellen geben, darüber hinaus sind Geschäftsmodelle legitim, die auf zusätzliche Qualität abzielen. RTL sei darin zuzustimmen, dass ein Umstieg auf DVB-T2, der frühestens 2016 beginnen könnte und für den Verbraucher die Notwendigkeit bedeuten würde, neue Geräte zu beschaffen, in Deutschland wenig sinnvoll ist. Es sei zudem abzusehen, dass der besondere Rundfunkübertragungsweg der Terrestrik mittelfristig durch das Internet überholt sein wird. Schon heute werden Programme wie die von ARD und Arte vollständig und in solcher Qualität über das offene Internet übertragen, dass sie bei einem leistungsfähigen Breitbandanschluss auf großen Bildschirmen genutzt werden können. Dabei sind diese Angebote mit den vielfältigen programmlichen Möglichkeiten des Internets verbunden. Dem Radio ist es bereits gelungen, sein Programm vollständig und mit Zusatzangeboten im offenen Internet anzubieten. Auch die Fernsehsender – sowohl öffentlich-rechtlich als auch privat – sollten sich dies zum Ziel setzen. Im Umstieg auf das Internet liege eine Herausforderung, aber auch eine Chance: den kostengünstigen und sozialverträglichen Zugang zu Medieninhalten als Grundlage der öffentlichen Meinungsbildung zu erhalten. Das stelle Anforderungen an den Netzausbau ebenso wie an Medien- und Netzpolitik. Das Thema der Netzneutralität gewinne neue Aktualität, ebenso die Frage der Priorisierung des Rundfunks und der Medien generell, teilten die Medienwächter abschließend mit.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Infosat.

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